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Destilliertes Wasser trinken? Kann man das?

Dampfendes Wasser in einem Becherglas als Ausgangspunkt für die Gewinnung von destilliertem Wasser.

Kurzfassung

  • Destilliertes Wasser enthält keinerlei Mineralien, die für die Gesundheit wichtig sind.
  • Risiken bei regelmäßigem Konsum: Fehlende Mineralien können dem Körper schaden.
  • Flüssigkeitshaushalt aus dem Gleichgewicht durch übermäßiges Trinken von destilliertem Wasser.
  • Sinnvolle Anwendungen in Technik und Haushalt, nicht im Trinkglas.
  • Für Sportler und Fastende als Trinkwasser ungeeignet aufgrund fehlender Elektrolyte.

Die Idee von superreinem Wasser klingt erst mal nach einem Upgrade für den Körper, oder? Doch ist es wirklich eine gute Idee, destilliertes Wasser zu trinken? Wir klären, was im Organismus passiert und wann der Griff zum mineralarmen Wasser sogar schaden kann.

Das Brummen in der Küche und die Frage nach dem „besseren“ Wasser

Seit ein paar Wochen steht ein neues Gadget in meiner Küche: ein Wasserdestilliergerät. Ein silbriger Kasten, der leise vor sich hin brummt und stündlich einen Liter reinstes H₂O ausspuckt. Gekauft habe ich es aus einer Mischung aus Technik-Neugier und dem Wunsch, meine Espressomaschine endlich vor dem ewigen Kalktod zu bewahren. Der Gedanke war simpel: Wenn es für die Maschine gut ist, kann es für mich ja nicht schlecht sein, oder?

Mein erster Versuch war allerdings ein kleiner Dämpfer. Nach einer längeren Runde durch den Wald kam ich ziemlich durstig nach Hause und habe direkt einen ganzen Liter des frisch destillierten Wassers getrunken. Statt mich erfrischt zu fühlen, war das Ergebnis eher ernüchternd: Ich fühlte mich seltsam schlapp und irgendwie „unausgeglichen“. Ein klassischer Anfängerfehler, wie ich später lernte, denn dem Wasser fehlte etwas Entscheidendes.

Was ist destilliertes Wasser eigentlich – und warum ist es so leer?

Ganz einfach ausgedrückt: Destilliertes Wasser ist Wasser in seiner reinsten Form. Pures H₂O. Bei der Destillation wird Leitungswasser erhitzt, bis es verdampft. Der Dampf wird dann aufgefangen und kondensiert wieder zu Wasser. Alles, was nicht verdampfen kann, bleibt zurück: Mineralien wie Kalzium und Magnesium, Salze, Spurenelemente und andere Verunreinigungen. Es ist quasi ein kompletter Factory-Reset für Wasser.

Unser normales Leitungs- oder Mineralwasser ist dagegen ein ganzes Paket an Inhalten. Die darin gelösten Mineralstoffe im Wasser sind kein Schmutz, sondern wichtige Bausteine für unseren Körper. Sie geben dem Wasser nicht nur seinen Geschmack, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit. Destilliertes Wasser ist also nicht „sauberer“ im Sinne von gesünder, sondern einfach nur leer.

Der Mythos der „Entschlackung“: Kann man destilliertes Wasser trinken, um zu entgiften?

Im Netz kursiert hartnäckig die Behauptung, destilliertes Wasser würde den Körper „entschlacken“, weil es aufgrund seiner „Leere“ Schadstoffe an sich binden und ausleiten könne. Das Prinzip dahinter nennt sich Osmose: Flüssigkeiten streben danach, Konzentrationen auszugleichen. Das leere Wasser will sich also Sättigung holen.

Das Problem dabei ist: Das Wasser unterscheidet nicht zwischen einem unerwünschten Stoffwechselprodukt und einem lebenswichtigen Mineral. Es greift sich einfach, was es kriegen kann. Ein gesunder Körper reguliert seinen Elektrolythaushalt – das Gleichgewicht von Salzen und Mineralien – sehr präzise über die Nieren. Trinkst du nun in kurzer Zeit sehr viel destilliertes Wasser, ohne Mineralien über Nahrung zuzuführen, kann dieses System kurzzeitig aus dem Takt geraten. Eine echte Entgiftung findet so nicht statt; im schlimmsten Fall schwemmst du Gutes mit aus.

Echte Risiken und Nebenwirkungen beim Trinken von destilliertem Wasser

Dass pures H₂O nicht die beste Wahl für den Dauerkonsum ist, bestätigt auch die Wissenschaft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits vor Jahren mit den potenziellen Risiken beschäftigt. In einem ihrer Berichte wird deutlich, dass demineralisiertes Wasser dem Körper aktiv Mineralien entziehen kann.[1] Das betrifft nicht nur das Trinken, sondern auch die Zubereitung von Speisen: Beim Kochen von Gemüse in destilliertem Wasser gehen laut WHO-Dokumentation bis zu 60 % mehr Kalzium und Magnesium ins Kochwasser über und werden weggeschüttet.[1]

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht die Lage für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung etwas entspannter. Es kommt zu dem Schluss, dass der Konsum von mineralarmem Wasser für die Allgemeinbevölkerung kein Gesundheitsrisiko darstellt, da der Hauptbedarf an Mineralien über die feste Nahrung gedeckt wird.[3] Allerdings weist auch das BfR auf bestimmte Situationen und Personengruppen hin, bei denen Vorsicht geboten ist.

Für diese Gruppen ist der alleinige Konsum nicht empfehlenswert:

  • Sportler: Wer viel schwitzt, verliert nicht nur Wasser, sondern auch wertvolle Elektrolyte. Trinkst du nach intensivem Sport nur destilliertes Wasser, füllst du zwar die Flüssigkeit auf, aber nicht die verlorenen Salze. Das kann die Regeneration verlangsamen und im Extremfall zu einer gefährlichen Wasservergiftung (Hyponatriämie) führen.
  • Menschen mit einseitiger Ernährung: Wenn deine Nahrung nicht genügend Mineralien liefert, wird die Zufuhr über das Trinkwasser umso wichtiger. Wer sich hauptsächlich von verarbeiteten Lebensmitteln ernährt, sollte keinesfalls auf mineralarmes Wasser umsteigen.
  • Beim Fasten: Wer über einen längeren Zeitraum fastet und keine feste Nahrung zu sich nimmt, ist auf die Mineralzufuhr aus Flüssigkeiten angewiesen. Hier wäre destilliertes Wasser absolut kontraproduktiv.

Gibt es sinnvolle Anwendungsfälle für destilliertes Wasser?

Ja, absolut! Nur eben nicht unbedingt im Trinkglas. Seine Reinheit macht es zum perfekten Helfer in vielen technischen und haushaltsnahen Bereichen.
Hier hat sich mein Destilliergerät als goldwert erwiesen:

  1. Für Haushaltsgeräte: Meine Espressomaschine hat seit der Umstellung keinen einzigen Krümel Kalk mehr gesehen. Dasselbe gilt für das Bügeleisen, den Luftbefeuchter und die Autobatterie. Überall dort, wo Kalkablagerungen stören, ist es die erste Wahl.
  2. Zur Zubereitung von Säuglingsnahrung: Hier gibt sogar das BfR grünes Licht.[3] Da die Säuglingsnahrung bereits exakt auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt ist und alle notwendigen Mineralien enthält, stört das leere Wasser die Bilanz nicht. Es stellt sicher, dass keine unerwünschten Stoffe aus dem Leitungswasser ins Fläschchen gelangen.
  3. Für chemische oder kosmetische Zwecke: Wer eigene Kosmetik herstellt oder im Labor arbeitet, braucht chemisch reines Wasser, um Reaktionen nicht zu verfälschen. Auch für die Reinigung empfindlicher Oberflächen wie Kameralinsen ist es ideal, da es absolut streifenfrei trocknet.

Bei diesen Anwendungen spielt destilliertes Wasser seine Stärken voll aus, weil es genau das tut, was es am besten kann: einfach nur H₂O sein.

Mein Fazit: Leitungswasser bleibt mein Standard, der Destillierer hat seinen Platz

Das Experiment hat sich gelohnt. Destilliertes Wasser trinken ist für mich keine Option für den Alltag. Der Geschmack ist flach und der potenzielle Nutzen für den Körper wird von den Risiken bei Weitem überschattet. Für mich ist und bleibt gutes, mineralreiches Leitungs- oder Mineralwasser die Basis meiner Flüssigkeitszufuhr.

Trotzdem ist das Destilliergerät kein Fehlkauf. Es hat einen festen Platz als Lieferant für meine technischen Geräte und sorgt dafür, dass ich mir um das Entkalken keine Gedanken mehr machen muss. Am Ende ist es wie mit jedem Werkzeug: Man muss wissen, wofür es gemacht ist. Und als tägliches Getränk ist destilliertes Wasser schlichtweg das falsche Werkzeug für den Job.

Quellen

  1. Health risks from drinking demineralised water (World Health Organization)
  2. Nutrients in drinking-water (World Health Organization)
  3. Gesundheitliche Bewertung von Mineralwasser mit sehr geringem Mineralstoffgehalt (Bundesinstitut für Risikobewertung)

FAQs zum Thema Destilliertes Wasser trinken

Kann ich destilliertes Wasser wieder mit Mineralien anreichern?

Ja, das ist eine gängige Methode, um es trinkbar zu machen. Du kannst destilliertem Wasser ganz einfach eine Prise hochwertiges, unraffiniertes Meersalz oder spezielle Mineraltropfen hinzufügen. Dadurch führst du wichtige Elektrolyte wie Magnesium, Kalzium und Kalium wieder zu, was nicht nur den flachen Geschmack verbessert, sondern das Wasser auch für deinen Körper besser verwertbar macht.

Worin unterscheidet sich destilliertes Wasser von gefiltertem Wasser oder Umkehrosmose-Wasser?

Der Hauptunterschied liegt im Grad der Reinigung. Ein normaler Aktivkohlefilter (z. B. im Tischfilter) reduziert vor allem Chlor und organische Verunreinigungen, lässt aber die meisten Mineralien im Wasser. Die Umkehrosmose ist gründlicher und entfernt einen Großteil der Mineralien, aber oft nicht alle. Die Destillation ist hingegen das radikalste Verfahren: Sie entfernt praktisch alles außer den reinen H₂O-Molekülen und liefert somit das „leereste“ Wasser von allen.

Verändert destilliertes Wasser den Geschmack von Kaffee oder Tee?

Ja, der Unterschied ist oft deutlich spürbar. Da destilliertes Wasser keinerlei Eigengeschmack durch Mineralien hat, kann es die feinen Aromen von Kaffee oder Tee sehr rein und unverfälscht zur Geltung bringen. Manche Kaffee- und Teeliebhaber schwören darauf. Andere empfinden das Ergebnis jedoch als zu flach oder sogar leicht säuerlich, weil die Mineralien in normalem Wasser als Geschmacks-Puffer wirken und für ein runderes Aroma sorgen.

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