Folge uns auf
Homepage » Gesundheit » Krankheiten & Prävention » Ab wann hat man eigentlich Fieber?

Ab wann hat man eigentlich Fieber?

Die Stirn glüht, du fühlst dich schlapp und alles tut weh – dein Körper kämpft. Aber ist das schon Fieber oder nur „erhöhte Temperatur“? Und was ist bei Kindern anders? Bevor du Doktor Google fragst: Hier sind die klaren Fakten, ab welcher Gradzahl es ernst wird und wann du wirklich zum Arzt solltest.

Ein Anruf und die eine, wichtige Frage

Ich stand gerade in meiner kleinen Hobbywerkstatt im Keller, den Geruch von Holz und Öl in der Nase, als mein Telefon klingelte. Meine Schwester war dran, im Hintergrund hörte ich meine kleine Nichte quengeln. „Du, sie glüht richtig“, sagte sie besorgt, „aber ich bin unsicher. Ist das schon Fieber oder nur erhöhte Temperatur?“ Eine simple Frage, die aber im entscheidenden Moment für große Verunsicherung sorgen kann. Man fühlt die heiße Stirn, sieht die müden Augen und möchte einfach nur wissen, was Sache ist.

Diese Situation hat mich daran erinnert, wie fundamental diese Frage ist und wie schnell man die genauen Werte vergisst. Wir verlassen uns oft auf unser Gefühl, dabei gibt es klare Grenzwerte, die eine gute Orientierung bieten. Es ist an der Zeit, diese einmal sauber und verständlich aufzuschlüsseln – ohne medizinisches Kauderwelsch, dafür mit klarem Alltagsbezug.

Ab wann hat man Fieber? Die genauen Zahlen für Erwachsene und Kinder

Zunächst einmal: Eine Körpertemperatur von exakt 37,0 °C ist eher ein Richtwert als eine in Stein gemeißelte Regel. Die normale Körperkerntemperatur schwankt im Laufe des Tages. Morgens ist sie meist etwas niedriger, am späten Nachmittag erreicht sie oft ihren Höhepunkt.[1] Auch körperliche Anstrengung oder sogar zu warme Kleidung können die Temperatur kurzzeitig nach oben treiben. Entscheidend ist der gemessene Wert in einer Ruhephase.

Um hier eine klare Übersicht zu schaffen, habe ich die gängigen Fieberstufen in einer Tabelle zusammengefasst:

Temperaturbereich Bezeichnung Was bedeutet das?
36,5 °C bis 37,4 °C Normaltemperatur Dein Körper arbeitet im optimalen Betriebszustand.
37,5 °C bis 38,0 °C Erhöhte Temperatur Dein Immunsystem fängt an, aktiver zu werden. Noch kein Grund zur Sorge.
38,1 °C bis 39,0 °C Fieber Die Abwehrreaktion läuft. Dein Körper bekämpft aktiv Krankheitserreger.[5]
Ab 39,1 °C Hohes Fieber Der Körper läuft auf Hochtouren. Hier ist besondere Aufmerksamkeit gefordert.

Bei Kindern liegen die Grenzwerte etwas anders. Ihr Körper reagiert schneller und oft heftiger auf Infekte. Man spricht bei Kindern in der Regel ab 38,5 °C von Fieber.[3] Eine besondere Ausnahme sind Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten: Hier gilt bereits eine Temperatur ab 38,0 °C als Fieber und sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist.

Der Sinn des Fiebers

Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle und starke Waffe deines Immunsystems. Die erhöhte Temperatur hilft dem Körper, Krankheitserreger wie Viren und Bakterien zu bekämpfen, da diese sich bei höheren Temperaturen schlechter vermehren können. Es ist also ein Zeichen dafür, dass deine Selbstheilungskräfte arbeiten.

Richtig Fieber messen: Die Methode entscheidet über die Genauigkeit

Ein verlässlicher Wert ist die Grundlage für jede Entscheidung. Und hier habe ich selbst schon mal einen klassischen Fehler gemacht: Bei einem meiner ersten Male als „Krankenpfleger“ für ein Familienmitglied habe ich die Temperatur unter der Achsel gemessen und den angezeigten Wert für bare Münze genommen. Ich dachte, alles sei im grünen Bereich, dabei war das Fieber schon deutlich höher. Der Messort und die Methode sind eben entscheidend für ein korrektes Ergebnis.
Die Messung im Po (rektal) gilt als die genaueste Methode, um die Körperkerntemperatur zu ermitteln.[2] Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern wird sie daher empfohlen. Andere Methoden sind bequemer, aber oft ungenauer und erfordern teils eine Korrektur des abgelesenen Wertes.
Hier eine kurze Anleitung für verlässliche Ergebnisse:

  1. Wähle die passende Methode. Für die höchste Genauigkeit ist die rektale Messung die erste Wahl, besonders bei kleinen Kindern. Alternativ kommen Messungen im Ohr (mit einem Infrarotthermometer) oder im Mund (oral) infrage.
  2. Beachte mögliche Korrekturwerte. Bei einer Messung im Mund oder unter der Achsel (axillar) solltest du zum abgelesenen Wert etwa 0,5 °C hinzuaddieren, um einen Näherungswert für die Kerntemperatur zu erhalten.[2]
  3. Sorge für eine ruhige Messsituation. Miss die Temperatur nicht direkt nach körperlicher Anstrengung, einem heißen Bad oder wenn die Person dick eingepackt war. Gib dem Körper ein paar Minuten, um sich an die Raumtemperatur anzupassen.
  4. Verwende ein geeignetes Thermometer. Digitale Fieberthermometer sind heute Standard. Alte Quecksilberthermometer solltest du wegen der Bruchgefahr und des giftigen Inhalts auf keinen Fall mehr benutzen.

Eine korrekte Messung nimmt die Unsicherheit aus der Situation und gibt dir eine solide Basis für das weitere Vorgehen.

Ab wann man wegen Fieber zum Arzt sollte: Klare Alarmsignale

Die Frage „Ab wann hat man Fieber?“ ist die eine Sache. Die andere, ebenso wichtige Frage lautet: Wann ist es Zeit für professionelle Hilfe? Fieber allein ist oft kein Grund zur Panik, aber in bestimmten Konstellationen solltest du nicht zögern, eine Arztpraxis oder bei akuten Notfällen den Notdienst zu kontaktieren.
Hier sind die wichtigsten Alarmsignale, bei denen du handeln solltest:

  • Bei Säuglingen unter drei Monaten, sobald die Temperatur 38,0 °C erreicht.[4]
  • Wenn das Fieber bei Kindern über 39 °C steigt und sie zusätzlich einen stark geschwächten oder apathischen Eindruck machen, kaum trinken oder über starke Schmerzen klagen.
  • Wenn das Fieber bei Erwachsenen über 39,5 °C steigt, länger als drei Tage anhält oder von Symptomen wie starker Verwirrtheit, Nackensteifigkeit oder Atemnot begleitet wird.
  • Wenn ein Fieberkrampf auftritt. Das wirkt beängstigend, ist aber bei kleinen Kindern eine mögliche Reaktion auf schnell ansteigendes Fieber. Dennoch muss es sofort ärztlich abgeklärt werden.[3]
  • Grundsätzlich immer dann, wenn dein Bauchgefühl dir sagt, dass etwas nicht stimmt. Du kennst dich oder dein Kind am besten.

Fazit: Eine Zahl ist ein Hinweis, kein Urteil

Die genauen Gradzahlen zu kennen, ist beruhigend und hilfreich. Sie geben dir eine klare Einordnung, ob es sich um eine leichte Abwehrreaktion oder um eine ernstere Angelegenheit handelt. Die Frage, ab wann man Fieber hat, lässt sich also mit den Werten 38,1 °C für Erwachsene und 38,5 °C für Kinder recht klar beantworten.
Vergiss dabei aber nicht, auf den Gesamteindruck zu achten. Ein Kind, das trotz 39 °C Fieber noch spielt und trinkt, ist oft weniger besorgniserregend als eines, das bei 38,2 °C völlig teilnahmslos im Bett liegt. Die Zahl auf dem Thermometer ist ein wichtiges Puzzleteil, aber das Gesamtbild liefert immer der Mensch dahinter.
Quellen

  1. Wie wird die Körpertemperatur geregelt und was ist Fieber? (abgerufen am 15.11.2025)
  2. Was tun bei Fieber? (abgerufen am 15.11.2025)
  3. Fieber bei Babys und Kindern (abgerufen am 15.11.2025)
  4. Fieber » Sofortmaßnahmen (abgerufen am 15.11.2025)
  5. Temperatur-Regulation im Körper (abgerufen am 15.11.2025)

FAQs zum Thema Ab wann hat man Fieber

Warum friere ich oder habe Schüttelfrost, obwohl ich Fieber habe?

Schüttelfrost ist ein cleverer Trick deines Körpers, um die Temperatur aktiv zu erhöhen. Dein Gehirn setzt einen neuen, höheren Sollwert für die Körpertemperatur fest, um Krankheitserreger besser bekämpfen zu können. Um diesen neuen Wert zu erreichen, erzeugt dein Körper durch schnelle, unwillkürliche Muskelkontraktionen zusätzliche Wärme – das nimmst du als Frieren oder Schüttelfrost wahr.

Wann ist es sinnvoll, fiebersenkende Mittel einzunehmen?

Das hängt weniger von der genauen Gradzahl als von deinem Allgemeinbefinden ab. Da Fieber eine nützliche Abwehrreaktion ist, muss es nicht immer sofort gesenkt werden. Fühlst du dich jedoch sehr schlecht, hast starke Schmerzen oder findest wegen des Fiebers keine Ruhe, können fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen, die Beschwerden zu lindern. Sprich die Einnahme, besonders bei Kindern, am besten immer ärztlich ab.

Kann mein Zyklus meine Körpertemperatur beeinflussen?

Ja, das ist völlig normal. In der zweiten Hälfte deines Menstruationszyklus, also nach dem Eisprung, steigt deine Basaltemperatur (die Temperatur direkt nach dem Aufwachen) leicht an. Das Hormon Progesteron ist dafür verantwortlich und sorgt für einen Anstieg von etwa 0,3 bis 0,5 °C. Diese Schwankung ist also kein Fieber, sondern eine natürliche körperliche Reaktion.

Hat dir dieser Artikel geholfen?

Klicke auf eine Kategorie, um dein Feedback zu geben.

Schreibe einen Kommentar