Einen tropfenden Wasserhahn selbst reparieren kannst du häufig, wenn das Wasser vorne aus dem geschlossenen Auslauf kommt, sich die Zufuhr sicher abstellen lässt und das passende Ersatzteil feststeht. Bei einem Einhebelmischer kommt oft die Kartusche infrage, bei einer Armatur mit zwei Drehgriffen eine Dichtung oder ein Ventiloberteil. Tritt Wasser dagegen am Griff, am Fuß der Armatur oder unter dem Waschbecken aus, solltest du nicht auf Verdacht Teile ausbauen.
Das leise Tropfen verrät nämlich noch nicht, welches Bauteil verschlissen ist. Mehr sagt die Stelle, an der das Wasser erscheint. Sie ist der beste Ausgangspunkt für die Frage, ob du selbst zum Werkzeug greifst oder einen Sanitärbetrieb brauchst.
Wo kommt das Wasser heraus?
Schließe den Hahn und trockne Auslauf, Griff, Armaturenfuß sowie den Bereich unter dem Waschbecken ab. Beobachte anschließend, wo sich der erste neue Tropfen bildet. Dadurch lassen sich mehrere sehr unterschiedliche Fälle voneinander trennen:
- Tropft Wasser vorne aus dem geschlossenen Auslauf, schließt ein Bauteil im Inneren nicht mehr richtig. Bei einem Einhebelmischer kann eine verkalkte oder defekte Kartusche beteiligt sein. Bei zwei Drehgriffen kommen unter anderem eine Dichtung oder das Ventiloberteil infrage.
- Erscheint Wasser an der Hebelkappe, am Drehgriff oder am Armaturenfuß, liegt die undichte Stelle außerhalb des vorgesehenen Auslaufs. Hansgrohe empfiehlt bei solchen Fällen eine fachliche Prüfung.[1]
- Ist es unter dem Waschbecken feucht, können Anschlussschläuche, Eckventile, Befestigung oder andere Verbindungen betroffen sein. Stelle die Wasserzufuhr ab und suche nicht durch wahlloses Lösen mehrerer Verschraubungen nach der Ursache.
- Ist nur der Strahl schwach oder spritzt seitlich, ist möglicherweise der Strahlregler am Ende des Auslaufs verkalkt oder verschmutzt. Das ist ein anderer Fehler als ein Hahn, der im geschlossenen Zustand weiter tropft.
Ein verschmutzter Strahlregler lässt sich bei vielen Armaturen abschrauben und ausspülen. Lege bei einer Zange ein Tuch zwischen Werkzeug und Oberfläche. Tropft der geschlossene Hahn anschließend unverändert weiter, sitzt die Ursache nicht im Strahlregler.
Wasser abstellen und Armatur bestimmen
Öffne die Armatur erst, wenn Warm- und Kaltwasser sicher abgestellt sind. Bei einer üblichen Waschtischarmatur geschieht das über die beiden Eckventile unter dem Becken. Drehe sie zu und öffne den Wasserhahn anschließend kurz. Es sollte nur noch Restwasser herauslaufen.
Fließt das Wasser weiter, lässt sich ein Eckventil nicht bewegen oder beginnt es beim Drehen selbst zu tropfen, brich den Versuch ab. Mehr Kraft ist hier keine gute Lösung. Die Wasserzufuhr muss an einer anderen geeigneten Stelle geschlossen oder das Ventil fachgerecht instand gesetzt werden.
Lege ein Handtuch ins Becken und stelle ein kleines Gefäß unter die Armatur. Der Verschluss im Waschbecken verhindert, dass eine kleine Schraube im Abfluss verschwindet. Ein passender Schraubendreher, ein Innensechskantschlüssel und ein Armaturenschlüssel können je nach Modell nötig sein. Welche Werkzeuge passen, ergibt sich aus der Anleitung der Armatur.
Nun zählt die Bauart. Zwei getrennte Drehgriffe sprechen für eine Zweigriffarmatur. Ein einzelner Hebel, der Wassermenge und Temperatur regelt, gehört zu einem Einhebelmischer. Suche außerdem nach Herstellername und Modellnummer. Hinweise finden sich je nach Armatur am Sockel, auf einem Aufkleber an den Anschlussschläuchen, in der Rechnung oder in den Unterlagen zur Küche beziehungsweise zum Bad.
Kein Ersatzteil nach Augenmaß kaufen
Kartuschen, Ventiloberteile und Dichtungen können von außen ähnlich aussehen und dennoch bei Maßen, Verzahnung oder Anschlüssen abweichen. Nutze die Modellnummer und den Ersatzteilkatalog des Herstellers. Fehlt beides, kann das ausgebaute Originalteil beim Vergleich helfen – vorausgesetzt, das Wasser bleibt so lange sicher abgestellt.
Dichtung oder Ventiloberteil bei zwei Drehgriffen
Bei einer klassischen Zweigriffarmatur regelt jeder Griff ein eigenes Ventil. Schließt eine Seite nicht mehr vollständig, kann eine verschlissene Dichtung beteiligt sein. Je nach Konstruktion wird nur die Dichtung oder das komplette Ventiloberteil ersetzt.
Die Abdeckung des betroffenen Griffs lässt sich bei manchen Modellen abheben oder abschrauben. Darunter kann eine Schraube sitzen, mit der der Griff befestigt ist. Nach dem Abnehmen wird das Ventiloberteil zugänglich. Diese Reihenfolge ist nur eine Orientierung: Abdeckungen, Schrauben und Oberteile unterscheiden sich erheblich. Eine passende Herstelleranleitung hat Vorrang.
Löse kein Teil mit großer Kraft. Abgerundete Flächen, starke Korrosion oder ein Griff, der sich trotz passendem Werkzeug nicht abnehmen lässt, sind Gründe zum Aufhören. Auch Universalgrößen sind keine verlässliche Wahl. Vergleiche Maße und Bauform oder ersetze das Ventiloberteil anhand der Herstellerangabe.
Beim Einsetzen müssen Dichtung beziehungsweise Oberteil gerade sitzen. Ziehe Verschraubungen nur so weit an, wie es die Anleitung vorsieht. Ein stark zugedrehter Drehgriff beseitigt eine verschlissene Dichtung nicht und kann die Mechanik zusätzlich belasten.
Kartusche beim Einhebelmischer wechseln
Tropft ein geschlossener Einhebelmischer dauerhaft aus dem Auslauf, nennt Hansgrohe eine verkalkte oder defekte Mischerkartusche als typische Ursache.[1] Daraus folgt jedoch nicht, dass jede beliebige Kartusche passt oder jede Armatur auf dieselbe Weise geöffnet wird.
Bei vielen Modellen sitzt unter einer kleinen Abdeckung am Hebel eine Befestigungsschraube. Nach dem Lösen können Hebel und Abdeckung abgenommen werden, sodass die Halterung der Kartusche erreichbar wird. Position, Schraubentyp und weitere Bauteile hängen vom Modell ab. Der Hersteller verweist für den Kartuschenwechsel deshalb auf die genaue Montageanleitung des Ersatzteils und den Ersatzteilkatalog des jeweiligen Produkts.[2]
Merke dir beim Ausbau die Lage der alten Kartusche oder mache ein Foto. Nasen, Stifte oder Aussparungen müssen beim Ersatzteil in die vorgesehenen Aufnahmen passen. Sitzt die Kartusche schief, lässt sich die Armatur nicht ordnungsgemäß zusammensetzen. Lassen sich Haltering oder Kartusche nicht ohne starke Kraft lösen, ist der Fachbetrieb die bessere Wahl.
Baue Hebel und Abdeckungen nach der Modellanleitung wieder an. Öffne die Eckventile anschließend langsam und betätige die Armatur zunächst vorsichtig. Prüfe bei laufendem und geschlossenem Hahn den Auslauf, den Griffbereich, den Sockel und die Anschlüsse unter dem Becken. Tritt nun an einer anderen Stelle Wasser aus, schließe die Zufuhr wieder.
Bei diesen Anzeichen gehört die Reparatur in Fachhände
Ein kleines Verschleißteil zu wechseln ist etwas anderes, als eine nicht lokalisierte Undichtigkeit zu öffnen. Lass die Armatur oder die Anschlüsse fachlich prüfen, wenn:
- sich das Wasser nicht vollständig abstellen lässt;
- ein Eckventil festsitzt, beschädigt aussieht oder selbst tropft;
- Wasser am Griff, am Sockel oder unter dem Waschbecken austritt und die genaue Stelle nicht zu erkennen ist;
- Schläuche, Gewinde oder der Armaturenkörper beschädigt oder stark korrodiert wirken;
- Bauteile nur mit großer Kraft zu lösen wären;
- die Armatur in der Wand sitzt oder kaum zugänglich ist;
- nach dem Zusammenbau mehr Wasser als zuvor austritt.
Auch bei einer teuren Designarmatur kann eine fachliche Reparatur sinnvoller sein als ein Versuch ohne Modellunterlagen. Dasselbe gilt, wenn für ein älteres Modell keine passenden Teile mehr zu finden sind. Dann muss geprüft werden, ob sich ein passendes Oberteil beschaffen lässt oder die Armatur ersetzt werden muss.
In der Mietwohnung den Mangel zuerst melden
In einer Mietwohnung solltest du den tropfenden Hahn zeitnah dem Vermieter oder der Hausverwaltung melden. Der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen nennt den tropfenden Wasserhahn als mögliches Beispiel für eine Kleinreparatur, weist aber zugleich auf die Pflicht hin, auftretende Mängel schnell zu melden.[3]
Eine Kleinreparaturklausel kann unter bestimmten Voraussetzungen dazu führen, dass Mieter die Kosten einer kleineren Reparatur tragen. Sie macht den eigenmächtigen Ausbau der Armatur jedoch nicht automatisch zur Aufgabe des Mieters. Instandhaltung und Instandsetzung liegen grundsätzlich beim Vermieter; eine wirksame vertragliche Regelung kann eine begrenzte Kostenbeteiligung vorsehen.[4]
Bei Wasser unter dem Waschbecken zählt zuerst die Schadensbegrenzung: Wasser abstellen, Feuchtigkeit aufnehmen und Vermieter oder Hausverwaltung informieren. Eine kurze Nachricht mit Fotos von Tropfstelle und Armatur hilft mehr als eine bereits zerlegte Armatur, deren Ersatzteile nicht mehr zugeordnet werden können.
Quellen
- Waschtischarmaturen: mehr als nur ein Wasserhahn (Hansgrohe Deutschland, abgerufen am 09.08.2026)
- Produktinstallation – FAQ (Hansgrohe Deutschland, abgerufen am 09.08.2026)
- Reparaturen: Deutscher Mieterbund Nordrhein Westfalen e. V. (Deutscher Mieterbund Nordrhein-Westfalen e. V., abgerufen am 09.08.2026)
- Mietkosten im Griff – Leseprobe (Verbraucherzentrale, abgerufen am 09.08.2026)