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Kerzen aus Wachsresten selber machen

Kerzen gießen: Damit Docht und Wachs zusammenpassen

Von einer abgebrannten Kerze bleibt oft noch erstaunlich viel Wachs übrig. Statt die Reste wegzuwerfen, kannst du sie einschmelzen und daraus eine neue Kerze gießen. Genauso funktioniert es natürlich mit gekauftem Kerzenwachs.

Schwierig ist das eigentliche Gießen nicht. Wichtiger ist, dass Gefäß, Wachs und Docht zusammenpassen. Ein zu kleiner Docht produziert später womöglich nur einen schmalen Wachsteller, ein zu großer kann eine sehr hohe Flamme verursachen. Auch ein hübsches Glas ist nicht automatisch für eine brennende Kerze geeignet.

Gefäß und Docht legst du vor dem Schmelzen fest

Für den ersten Versuch würde ich eine Kerze im Gefäß wählen. Dabei brauchst du keine spezielle Gießform und musst die fertige Kerze später nicht herauslösen.

Nimm dafür einen Behälter, der ausdrücklich für Kerzen vorgesehen beziehungsweise für die dabei entstehende Wärme geeignet ist. Nicht jedes Trink-, Marmeladen- oder Dekoglas hält die Temperaturwechsel einer brennenden Kerze zuverlässig aus.

Auch bei professionellem Kerzenzubehör wird darauf geachtet. CandleScience, ein US-amerikanischer Fachanbieter für Kerzenrohstoffe und Zubehör, weist beispielsweise darauf hin, dass nicht jedes Gefäß die Wärme einer Kerze verträgt und lässt eigene Kerzengläser auf Temperaturwechsel prüfen.[1]

Der zweite Punkt ist der Docht. Seine Größe richtet sich nicht allein nach der Höhe der Kerze, sondern vor allem nach Wachssorte und Durchmesser.

Für die erste Kerze würde ich es einfach halten

Nimm ein für Kerzen geeignetes Gefäß, eine bekannte Wachssorte und einen Docht, dessen Größenangabe zum Durchmesser deiner Kerze passt.

Farbe und Duft kannst du beim ersten Versuch weglassen. Dann erkennst du beim späteren Probebrand leichter, ob Wachs und Docht bereits zusammenpassen.

Wachsreste erst von alten Dochten und Fremdkörpern befreien

Alte Kerzenstummel lassen sich gut weiterverwenden. Entferne vorher Metallplättchen, verkohlte Dochtreste, Streichholzstücke und andere Fremdkörper.

Bei stark verschmutztem Wachs kannst du die flüssige Masse vorsichtig durch ein geeignetes feines Metallsieb geben. Kunststoffsiebe sind dafür keine gute Idee.

Auch beim Mischen alter Kerzenreste würde ich etwas zurückhaltend sein. Mehrere ähnliche weiße oder ungefärbte Kerzen sind unkompliziert. Werden dagegen unterschiedliche Farben und Duftkerzen zusammengeschmolzen, entsteht schnell ein undefinierter Farbton mit einer Duftmischung, die vorher niemand geplant hat.

Bei verschiedenen Wachssorten kann sich außerdem das spätere Brennverhalten verändern. Paraffin, Stearin, Bienenwachs und Pflanzenwachse besitzen unterschiedliche Eigenschaften. Wenn du einen möglichst berechenbaren ersten Versuch möchtest, bleib bei einer Wachssorte.

Die richtige Temperatur hängt vom Wachs ab

Für Kerzenwachs gibt es keine universelle Zahl nach dem Motto „immer auf 70 Grad erhitzen und dann eingießen“.

Je nach Wachsmischung unterscheiden sich Schmelz- und Gießtemperatur deutlich. Selbst bei verschiedenen Sojawachsen können andere Verarbeitungstemperaturen vorgesehen sein. Die technischen Empfehlungen von CandleScience zeigen diese Unterschiede recht deutlich.[2]

Deshalb würde ich ein Küchenthermometer verwenden und mich bei gekauftem Wachs an die Angaben des Herstellers halten.

Für kleinere Mengen lässt sich das Wachs langsam im Wasserbad schmelzen. Das Gefäß mit dem Wachs steht dabei im heißen Wasser und nicht direkt auf der Herdplatte.

Wachs beim Erwärmen nicht unbeaufsichtigt lassen. Bereite Docht, Gefäß und Arbeitsfläche vorher vor, damit du mit dem flüssigen Wachs anschließend nicht noch durch die Küche laufen musst.

Beim Gießen muss der Docht in der Mitte bleiben

Befestige den Docht am Boden des Gefäßes und richte ihn möglichst mittig aus. Oben kannst du ihn mit einem Dochtzentrierer oder zwei Holzstäbchen halten.

Dann kommt das flüssige Wachs langsam ins Gefäß. Lass oben etwas Platz und kontrolliere noch einmal, ob sich der Docht verschoben hat.

Anschließend braucht die Kerze Ruhe. Stell sie auf eine ebene Fläche und lass sie vollständig auskühlen.

Beim Erstarren zieht sich Wachs zusammen. Dadurch kann rund um den Docht eine Vertiefung entstehen. Bei manchen Wachssorten passiert das stärker als bei anderen.

Ist nach dem vollständigen Abkühlen ein deutliches Loch geblieben, kannst du etwas Wachs erneut schmelzen und die Vertiefung damit auffüllen. Bei gekauftem Wachs lohnt sich außerdem ein Blick auf die empfohlene Gießtemperatur, denn auch sie beeinflusst die fertige Oberfläche.[2]

Mit Duft und Dekoration würde ich nicht improvisieren

Wenn die Kerze duften soll, nimm ein Duftöl, das ausdrücklich für Kerzen gedacht ist. Wie viel davon ins Wachs darf und bei welcher Temperatur es eingerührt wird, hängt von Wachs und Duftstoff ab.

Auch hier gibt es keine sinnvolle Pauschalmenge für jede Kerze. CandleScience empfiehlt beispielsweise für die eigenen Rohstoffe bestimmte Temperaturbereiche zum Einrühren von Duftöl und verweist bei der Gießtemperatur ausdrücklich auf die jeweilige Wachssorte.[3]

Getrocknete Blüten, Kräuter, Kaffeebohnen oder Papier würde ich nicht dicht um den Docht verteilen. Sie sehen in kaltem Wachs dekorativ aus, können beim Abbrennen aber in den Bereich der Flamme geraten.

Der Deutsche Feuerwehrverband, der Dachverband der Feuerwehren in Deutschland, rät generell dazu, Kerzen von brennbaren Materialien fernzuhalten.[4] Bei einer selbst gegossenen Kerze würde ich brennbare Dekoration deshalb gar nicht erst in den späteren Brennbereich einbauen.

Eine selbst gegossene Kerze bleibt offene Flamme

Stell die Kerze beim Abbrennen auf eine stabile, hitzebeständige und nicht brennbare Unterlage. Vorhänge, Papier und andere leicht entzündliche Dinge gehören nicht direkt daneben.

Brennende Kerzen bleiben unter Aufsicht. Kinder oder Haustiere sollten ebenfalls nicht allein mit einer offenen Flamme im Raum bleiben.[4]

Der Probebrand zeigt, ob der Docht passt

Eine frisch gegossene Kerze würde ich nicht direkt verschenken. Lass sie zunächst selbst eine Weile unter Aufsicht brennen.

Beobachte dabei Flamme und Schmelzteller. Bleibt nach längerer Brennzeit nur eine kleine Vertiefung rund um den Docht flüssig, kann der Docht zu klein sein. Wird die Flamme dagegen sehr groß, flackert stark oder produziert sichtbar Ruß, passt die Kombination ebenfalls noch nicht.

Die Gütegemeinschaft Kerzen e. V., die das RAL-Gütezeichen Kerzen vergibt, prüft bei Kerzen unter anderem die Dochtanordnung und das Brennverhalten. Zu den Anforderungen gehören eine ruhige Flamme und ein Abbrand ohne sichtbare Rußabgabe.[5]

Auch die Dochtlänge spielt dabei eine Rolle. Bei sichtbarer Rußentwicklung empfiehlt die Gütegemeinschaft, die Kerze zu löschen und gegebenenfalls den Docht zu kürzen.[6]

Wenn du mehrere Kerzen mit demselben Wachs und Gefäß herstellen möchtest, lohnt sich deshalb zunächst eine Testkerze. Funktioniert deren Abbrand, kannst du dieselbe Kombination aus Gefäßdurchmesser, Wachs und Docht für die nächsten Exemplare übernehmen.

Beim Kerzen gießen entscheidet damit nicht irgendein besonderer Trick über das Ergebnis. Lege zuerst Gefäß und Wachs fest, wähle danach den passenden Docht und halte dich bei der Verarbeitung an die Angaben für genau dieses Wachs. Erst wenn diese drei Dinge passen, kommen Farbe, Duft und andere Extras dazu.

Quellen

  1. CandleScience: Candle Containers – Anforderungen an geeignete Gefäße für Kerzen (abgerufen am 02.09.2026)
  2. CandleScience: Unterschiedliche Gießtemperaturen verschiedener Kerzenwachse (aktualisiert am 01.05.2026, abgerufen am 02.09.2026)
  3. CandleScience: Temperatur beim Einrühren von Duftöl und Abhängigkeit von der Wachssorte (aktualisiert am 04.05.2026, abgerufen am 02.09.2026)
  4. Deutscher Feuerwehrverband: Kerzen nicht unbeaufsichtigt lassen und Abstand zu brennbaren Materialien halten (16.12.2024, abgerufen am 02.09.2026)
  5. Gütegemeinschaft Kerzen e. V.: Güte- und Prüfbestimmungen für Kerzen – Dochtanordnung und Brennverhalten (abgerufen am 02.09.2026)
  6. Gütegemeinschaft Kerzen e. V.: Hinweise zum Abbrennen, Rußentwicklung und zur Dochtpflege (abgerufen am 02.09.2026)
Verfasst von

Leonie Wickstein

Leonie schreibt über Upcycling, kreative Reparaturen und Ideen für ein gemütliches Zuhause. Dabei zeigt sie auch, was nicht sofort klappt und worauf es beim Nachmachen ankommt.

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