Du gehst an einem Klemmbaustein-Set vorbei, bleibst bei einer Miniaturküche hängen oder schaust plötzlich länger auf Sammelkarten, als du zugeben möchtest. Das hat inzwischen sogar einen Namen: Kidults sind Erwachsene und ältere Jugendliche, die Spielzeug, Modelle, Sammelobjekte oder kreative Sets für sich entdecken.
Daran ist erst einmal nichts Merkwürdiges. Ein Hobby muss nicht nach Laufschuhen, Gartenprojekt oder VHS-Kurs aussehen. Es darf auch aus kleinen Bausteinen, einem Modellauto oder einem Kartenspiel bestehen. Die eigentliche Frage ist eher: Was passt zu deinem Alltag, ohne nach zwei Abenden unvollendet im Regal zu landen?
Die kurze Entscheidungshilfe
| Du möchtest vor allem … | Dann passt eher … |
|---|---|
| ohne großes Zubehör direkt anfangen | Klemmbausteine oder ein Puzzle |
| ruhig und detailreich bauen | Modellbau oder Miniaturen |
| nebenbei mit den Händen beschäftigt sein | Stricken, Häkeln oder einfaches Handarbeiten |
| suchen, tauschen und ein Thema vertiefen | Sammelkarten oder Figuren |
| mit anderen zusammen spielen | Brett- oder Kartenspiele für Erwachsene |
Was bedeutet Kidults?
Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Kid“ und „Adult“ zusammen. Gemeint sind Menschen, die im Jugend- oder Erwachsenenalter Spielwaren und kreative Beschäftigungen für sich selbst oder andere ältere Personen kaufen. Dazu gehören unter anderem Klemmbausteine, Brettspiele, Sammelkarten, Figuren, Modelle und Puzzles.
Das ist längst kein kleiner Sonderfall im Spielwarenregal mehr. In Deutschland entfielen laut einer von der Spielwarenmesse veröffentlichten Auswertung auf Basis von Circana-Daten 35 Prozent der Spielwarenverkäufe auf Käufe für Empfänger ab 12 Jahren. Erfasst wurden Käufe von Personen ab 16 Jahren im Zeitraum von Oktober 2024 bis September 2025.[1]
Die Zahl erzählt allerdings nicht, warum jemand ein Set kauft. Der eine baut an einem verregneten Sonntag einen Sportwagen aus Klemmbausteinen, die andere sammelt Karten aus einem Lieblingsuniversum, jemand anderes möchte abends einfach etwas tun, bei dem kein Display aufleuchtet. Alles davon kann zum Kidults-Trend gehören.
Ein Hobby für Erwachsene muss nicht vernünftig aussehen
Viele Hobbys bekommen sofort einen erwachsenen Anstrich, sobald sie teuer genug oder sportlich genug klingen. Ein Modellbausatz, eine kleine Häkelarbeit oder ein Klemmbaustein-Haus muss sich dagegen manchmal noch gegen die Frage verteidigen, ob das nicht „eigentlich für Kinder“ sei.
Das ist wenig hilfreich. Entscheidend ist nicht, in welcher Abteilung ein Produkt verkauft wird, sondern ob du gern Zeit damit verbringst. Ein Feierabend-Hobby darf überschaubar sein, Spaß machen und ohne großen Zweck auskommen. Es muss weder die Wohnung verschönern noch am Ende auf einem Marktplatz verkauft werden.
Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, bevor du begeistert ein riesiges Set mit nach Hause nimmst. Ein Hobby, das Entspannung verspricht, kann nämlich erstaunlich schnell zum Karton mit schlechtem Gewissen werden, wenn Zeit, Platz oder Geduld nicht dazu passen.
Welches Kidults-Hobby passt zu deinem Alltag?
Nicht jedes Hobby verlangt dasselbe. Manche Projekte sind nach einem Abend fertig, andere benötigen einen freien Tisch, Werkzeug und die Bereitschaft, ein paar Wochen dranzubleiben. Diese Unterschiede sind wichtiger als die Frage, was gerade besonders angesagt ist.
Klemmbausteine und Puzzles: unkompliziert anfangen
Klemmbaustein-Sets und Puzzles eignen sich gut, wenn du ohne zusätzliche Materialien starten möchtest. Du öffnest den Karton und kannst loslegen. Kleine oder mittlere Sets lassen sich an einem Abend oder an mehreren kurzen Feierabenden bearbeiten.
Der Haken zeigt sich oft erst hinterher: Das fertige Gebäude, Fahrzeug oder Motiv braucht einen Platz. Wer schon nach dem ersten Set nicht weiß, wohin damit, sollte nicht direkt die große Skyline oder das dreistöckige Filmset bestellen. Ein kleineres Projekt verrät dir schneller, ob dir das Bauen selbst gefällt oder nur der Gedanke daran.
Modellbau und Miniaturen: schön, aber nicht ganz nebenbei
Ein Modellflugzeug, eine winzige Buchhandlung oder ein Miniaturzimmer können reizvoll aussehen. Solche Projekte verlangen jedoch häufig mehr Geduld als ein klassisches Stecksystem. Kleben, Zuschneiden, Lackieren oder winzige Teile platzieren ist nicht für jeden ein entspannter Feierabend.
Modellbau passt gut, wenn du gern konzentriert arbeitest und einen festen Platz dafür hast. Am Küchentisch, der jeden Abend wieder leergeräumt werden muss, verliert ein filigranes Projekt dagegen schnell seinen Charme. Für den Einstieg ist ein kleines Modell ohne umfangreiche Bemalung meistens angenehmer als ein Set, bei dem schon die Zubehörliste länger ist als der Feierabend.
Stricken und Häkeln: langsam starten, später gut nebenbei machen
Handarbeiten haben einen kleinen Nachteil: Die ersten Reihen sehen selten so aus, wie die Packung es versprochen hat. Maschen verschwinden, Fäden verknoten sich, und ein gerades Stück Stoff entwickelt plötzlich unerklärliche Kurven.
Nach der Anfangsphase lassen sich einfache Projekte allerdings gut neben einem Hörbuch oder einer Serie machen. Wer gern wiederholende Handgriffe mag und etwas Nutzbares entstehen lassen möchte, kann mit einem Schal, Topflappen oder kleinen Häkelprojekt beginnen. Für den ersten Versuch genügt ein kleines Starterset; eine komplette Wollsammlung ist noch nicht nötig.
Sammeln: schneller Einstieg, schnell größer als geplant
Sammelkarten, Figuren oder Sondereditionen brauchen kaum Übungszeit. Du kannst sofort mit einem Thema anfangen, das dich interessiert, und über Tauschrunden oder Communities Kontakt zu anderen Fans finden.
Gerade darin steckt aber auch die Kostenfalle. Sammeln kann sich von „eine Figur fürs Regal“ erstaunlich zügig zu „mir fehlt nur noch diese eine limitierte Ausgabe“ entwickeln. Setze dir deshalb früh ein Budget und überlege, was du sammeln möchtest: einzelne Lieblingsstücke oder möglichst vollständige Serien. Beides ist legitim, aber finanziell nicht dasselbe Hobby.
Brettspiele: gut, wenn andere mitziehen
Spiele für Erwachsene passen, wenn du nicht allein werkeln möchtest, sondern gemeinsame Abende suchst. Der Einstieg ist einfach, sofern Mitspieler vorhanden sind. Genau daran scheitert diese Idee aber gelegentlich: Ein tolles Spiel im Schrank bringt wenig, wenn im Freundeskreis niemand Regeln lesen oder für drei Stunden Handelshäfen verwalten möchte.
Für den Anfang sind Spiele mit überschaubarer Dauer und verständlichen Regeln oft sinnvoller als eine große Box, die bereits beim Auspacken nach Terminplanung verlangt.
Mit welchem Kidults-Projekt kannst du klein anfangen?
Für den Einstieg muss es nicht gleich das große Sammlerstück oder ein Bausatz mit mehreren tausend Teilen sein. Sinnvoller ist ein Projekt, bei dem du nach ein oder zwei Abenden merkst, ob dir die Beschäftigung wirklich liegt. Ein kleiner Klemmbaustein-Bausatz braucht kaum Vorbereitung, ein überschaubares Miniatur-Set zeigt dir, ob dir filigranes Arbeiten Spaß macht, und ein einfaches Handarbeits-Set hält die Einstiegskosten begrenzt.
Achte bei der Auswahl vor allem auf drei Dinge: Das Projekt sollte in deinen verfügbaren Platz passen, ohne umfangreiches Zusatzmaterial funktionieren und nicht so groß sein, dass es schon beim Auspacken nach Verpflichtung aussieht.
So vermeidest du den typischen Hobby-Fehlkauf
Die ansprechendste Verpackung ist nicht immer der beste Einstieg. Besonders bei kreativen Sets und Sammlerprodukten ist es leicht, sich vom fertigen Ergebnis oder vom Jagdgefühl verführen zu lassen. Für einen ersten Versuch hilft ein kleiner Rahmen:
- Wähle ein Projekt, das in wenigen Abenden beendet werden kann.
- Prüfe, ob du für Aufbau, Trocknung oder Präsentation überhaupt Platz hast.
- Kaufe zunächst nur das Zubehör, das für das erste Projekt nötig ist.
- Setze dir bei Sammelobjekten ein Monatsbudget, bevor der erste „seltene Fund“ auftaucht.
- Überlege, ob du allein beschäftigt sein oder ein Hobby mit anderen teilen möchtest.
Ein kleines Projekt ist kein halbherziger Start. Es ist der angenehmste Test, ob du an der Tätigkeit selbst Freude hast. Der halbfertige große Bausatz im Regal beantwortet diese Frage zwar auch, nur etwas teurer.
Kidults: Spaß darf das ganze Argument sein
Der Kidults-Trend zeigt vor allem, dass Spielzeug und kreative Beschäftigungen nicht mit einem bestimmten Geburtstag aus dem Alltag verschwinden müssen. Die Branche hat Erwachsene als relevante Zielgruppe längst entdeckt. Ob du daraus ein Hobby machst, sollte aber nicht davon abhängen, ob ein Trendbegriff gerade häufig auftaucht.
Ein gutes Hobby passt zu deiner freien Zeit, deinem Budget und deiner Geduld. Vielleicht ist das ein kleines Klemmbaustein-Set, das an zwei Abenden fertig wird. Vielleicht ein Modell, an dem du wochenlang weiterarbeitest. Vielleicht sind es Karten, Wolle oder ein Brettspiel mit Menschen, die tatsächlich Lust darauf haben.
Und falls das Ergebnis am Ende ein wenig schief, bunt oder völlig unnötig aussieht: Das ist kein Gegenargument. Erwachsene müssen schon genug Dinge tun, weil sie vernünftig sind.
Quellen
- Spielwarenmesse eG / Circana: Kidults – A Market Full of Potential (Datenzeitraum: Oktober 2024 bis September 2025, abgerufen am 27.05.2026)




