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Lavendelöl selber machen mit Blüten aus dem Garten

Lavendelblüten lassen sich mit einem milden Trägeröl haltbar machen. Im Glas entsteht allerdings kein ätherisches Lavendelöl, sondern ein duftender Ölauszug, auch Mazerat genannt. Für eine kleine Flasche brauchst du vollständig getrocknete Blüten, frisches Öl und ein trockenes Schraubglas.

Der Ansatz zieht etwa zwei bis vier Wochen an einem dunklen Ort. Anschließend kannst du ihn abseihen und als mildes Körper- oder Massageöl verwenden. Der Duft bleibt zurückhaltender als bei ätherischem Lavendelöl und hängt stark von den Blüten und dem gewählten Trägeröl ab.

Für etwa 100 Milliliter Lavendelöl brauchst du 10 Gramm vollständig getrocknete Lavendelblüten und ungefähr 100 Milliliter Jojobaöl oder High-Oleic-Sonnenblumenöl. Alle Blüten müssen während der Ziehzeit mit Öl bedeckt bleiben.

Im Glas entsteht ein Lavendel-Ölauszug

Die Bezeichnung „Lavendelöl“ wird im täglichen Sprachgebrauch für verschiedene Produkte verwendet. Beim Einlegen von Blüten in Mandel-, Jojoba- oder Sonnenblumenöl werden fettlösliche Pflanzenbestandteile in das Trägeröl übertragen. Das Ergebnis heißt Mazerat oder Ölauszug.

Ätherisches Lavendelöl entsteht dagegen durch Wasserdampfdestillation der blühenden Pflanzenteile. So beschreibt es auch die Europäische Arzneimittel-Agentur, kurz EMA, in ihrer Pflanzenmonografie zu Lavandula angustifolia.[1] Mit einem Schraubglas lässt sich dieses konzentrierte Öl nicht herstellen.

Für ein selbst angesetztes Pflegeöl ist das kein Nachteil. Ein Mazerat ist deutlich milder, lässt sich direkt als Basisöl verwenden und benötigt weder Destille noch größere Mengen an Lavendel.

Das brauchst du für etwa 100 Milliliter

  • 10 Gramm vollständig getrocknete Lavendelblüten
  • etwa 100 Milliliter Jojobaöl oder High-Oleic-Sonnenblumenöl
  • ein trockenes Schraubglas mit ungefähr 150 Millilitern Fassungsvermögen
  • ein feines Sieb, ein Passiertuch oder einen Kaffeefilter
  • eine dunkle Glasflasche mit dicht schließendem Verschluss
  • ein Etikett für Pflanzenart, Trägeröl und Herstellungsdatum

Die Ölmenge kann leicht abweichen. Entscheidend ist, dass der Lavendel vollständig bedeckt ist und auch nach einigen Tagen keine Pflanzenteile aus dem Öl herausragen.

Für einen feinen Duft eignet sich besonders Echter Lavendel, botanisch Lavandula angustifolia. Lavandin und andere Lavendelsorten funktionieren ebenfalls, können aber kräftiger oder kampferartiger riechen.

Die Lavendelblüten müssen vollständig trocken sein

Frische Blüten bringen Wasser in den Ansatz. Feuchtigkeit kann sich am Boden des Glases sammeln, Trübungen verursachen und das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen. Für diese Anleitung solltest du deshalb ausschließlich vollständig getrockneten Lavendel verwenden.

Schneidest du den Lavendel im eigenen Garten, wähle einen trockenen Tag und warte, bis der Morgentau verschwunden ist. Hänge kleine Bündel kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort auf. Alternativ kannst du die Blüten locker auf einem Tuch oder einem Trockengitter verteilen.

Die Stiele sollten sich trocken anfühlen und beim Biegen deutlich brechen. Die Blüten wirken papierartig und dürfen weder kühl-feucht noch weich sein. Lavendel mit muffigem Geruch, dunklen feuchten Stellen oder sichtbarem Belag gehört nicht in das Öl.

Fülle eine kleine Probe des getrockneten Lavendels für einen Tag in ein trockenes, geschlossenes Glas. Bilden sich innen Wassertropfen oder beschlägt das Glas, braucht der Lavendel weitere Trockenzeit. Dieser Test ersetzt keine Feuchtemessung, zeigt aber deutliche Restfeuchtigkeit recht schnell.

Lavendelöl selber machen Schritt für Schritt

  1. Reinige Schraubglas und Deckel gründlich und lasse beide vollständig trocknen. Im Gewinde und unter dem Deckel darf kein Wasser zurückbleiben.
  2. Löse die trockenen Lavendelblüten von groben Stielen und fülle sie locker in das Glas. Zerreibe sie nicht zu Pulver, da sich sehr feine Pflanzenteile später nur schwer herausfiltern lassen.
  3. Gieße das Trägeröl langsam über die Blüten. Fahre mit einem trockenen Holzstäbchen oder Löffelstiel vorsichtig am Glasrand entlang, damit eingeschlossene Luftblasen aufsteigen.
  4. Fülle bei Bedarf etwas Öl nach. Zwischen den obersten Blüten und der Öloberfläche sollte mindestens ein kleiner Abstand bleiben.
  5. Verschließe das Glas und beschrifte es mit Datum, Lavendelsorte und verwendetem Trägeröl.
  6. Stelle den Ansatz bei normaler Raumtemperatur in einen dunklen Schrank. Eine sonnige Fensterbank ist ungeeignet, weil Licht und Wärme die Alterung des Öls beschleunigen können.
  7. Schwenke das Glas während der ersten Woche täglich vorsichtig. Danach genügt es, den Ansatz alle paar Tage zu bewegen und zu kontrollieren.
  8. Seihe das Öl nach zwei bis vier Wochen ab. Wie lange du es ziehen lässt, hängt vom Duft der Blüten und deinem gewünschten Ergebnis ab.

Kontrolliere während der Ziehzeit, ob alle Blüten unter der Öloberfläche bleiben. Entdeckst du Wassertropfen, sichtbaren Schimmel oder einen ungewöhnlich gärigen beziehungsweise muffigen Geruch, solltest du den gesamten Ansatz entsorgen.

Welches Trägeröl zum Lavendel passt

Jojobaöl besitzt kaum Eigengeruch und fühlt sich auf der Haut vergleichsweise leicht an. Chemisch handelt es sich um ein flüssiges Wachs, das weniger schnell ranzig wird als viele klassische Pflanzenöle. Es ist eine gute Wahl, wenn du nur kleine Mengen verwendest und die Flasche einige Zeit reichen soll.

High-Oleic-Sonnenblumenöl ist preiswerter und relativ neutral. „High Oleic“ bedeutet, dass das Öl einen hohen Anteil an Ölsäure besitzt und dadurch stabiler ist als herkömmliches Sonnenblumenöl. Die entsprechende Bezeichnung sollte auf der Flasche stehen.

Mandelöl lässt sich ebenfalls verwenden und fühlt sich als Körperöl angenehm an. Bei einer bekannten Nuss- oder Mandelallergie ist ein anderes Basisöl die vorsichtigere Wahl.

Olivenöl funktioniert technisch, bringt aber einen deutlichen Eigengeruch mit. Der feine Lavendelduft geht darin häufig unter.

So wird der Ölauszug klarer

Gieße den fertigen Ansatz zunächst durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch. Lasse das Öl anschließend noch einmal durch einen Kaffeefilter laufen, wenn möglichst wenige Schwebstoffe in der Flasche bleiben sollen. Das kann je nach Öl mehrere Stunden dauern.

Drücke die Blüten nicht mit großer Kraft aus. Dabei gelangen feine Pflanzenreste und möglicherweise eingeschlossene Feuchtigkeit in das fertige Öl. Ein kleiner Rest im Tuch ist weniger ärgerlich als ein trüber Ansatz mit vielen Partikeln.

Fülle das gefilterte Öl in eine trockene, dunkle Flasche und beschrifte sie erneut mit Datum und Trägeröl. Eine kleinere Flasche mit wenig Luftraum ist günstiger als ein großes, nur teilweise gefülltes Gefäß.

Mehr Lavendelduft durch einen zweiten Ansatz

Ein Mazerat riecht immer milder als ätherisches Lavendelöl. Auch sehr viele Blüten können diesen Unterschied nicht ausgleichen. Ist dir der erste Auszug zu schwach, kannst du ihn ein zweites Mal mit neuen, vollständig getrockneten Blüten ansetzen.

Seihe dafür die erste Blütenmenge vollständig ab und gib frischen trockenen Lavendel in das bereits aromatisierte Öl. Nach weiteren ein bis zwei Wochen wird der Duft meist etwas kräftiger. Diese doppelte Mazeration verändert jedoch nicht die grundsätzliche Art des Produkts: Es bleibt ein Ölauszug.

Lagerung und Haltbarkeit ohne falsche Versprechen

Für einen selbst hergestellten Lavendel-Ölauszug gibt es keine im Labor geprüfte Haltbarkeitsfrist. Das verwendete Trägeröl, die Trockenheit der Blüten, die Verarbeitung und die Lagerung beeinflussen, wie lange er verwendbar bleibt.

Stelle deshalb lieber eine kleine Menge her, die du innerhalb einiger Monate verbrauchst. Das Mindesthaltbarkeitsdatum des Trägeröls ist nur eine äußere Orientierung und verlängert sich durch den Lavendel nicht.

Bewahre die Flasche dunkel, kühl und gut verschlossen auf. Entnimm das Öl mit einem trockenen Verschluss oder einer Pipette und vermeide den Kontakt mit nassen Händen.

Riecht das Öl später stechend, alt, lackartig oder deutlich ranzig, solltest du es nicht mehr verwenden. Auch sichtbarer Schimmel, Wassertropfen oder ungewöhnliche Ablagerungen sind Gründe, den gesamten Inhalt zu entsorgen.

So kannst du das Lavendelöl verwenden

Der Ölauszug eignet sich vor allem als einfaches Körper- oder Massageöl. Einige Tropfen lassen sich nach dem Duschen auf noch leicht feuchter Haut verteilen. Dadurch wird weniger Öl benötigt und es lässt sich gleichmäßiger auftragen.

Lavendelhaltige Hautprodukte können bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Darauf weist das National Center for Complementary and Integrative Health, eine US-amerikanische Gesundheitsbehörde für komplementäre Verfahren, hin.[2]

Teste eine kleine Menge deshalb zunächst an einer begrenzten Hautstelle. Treten Rötung, Juckreiz oder Brennen auf, wäschst du das Öl ab und verwendest den Ansatz nicht weiter.

Auf verletzte, entzündete oder stark gereizte Haut gehört das Öl nicht. Vermeide außerdem den Kontakt mit Augen und Schleimhäuten.

Warum der Ansatz nicht in die Küche gehört

Diese Anleitung ist nicht für ein essbares Kräuteröl gedacht. Für Kräuter in Speiseöl gelten eigene lebensmittelhygienische Anforderungen, weil Öl ein sauerstoffarmes Milieu bildet und eingeschleppte Feuchtigkeit problematisch werden kann. Die Oregon State University empfiehlt für selbst gemachte Kräuteröle zum Essen streng begrenzte Kühlzeiten oder geprüfte Verfahren zur Ansäuerung.[3]

Verwende den Lavendel-Ölauszug deshalb ausschließlich für die vorgesehene äußere Anwendung und kennzeichne die Flasche entsprechend.

Quellen

  1. Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum (Europäische Arzneimittel-Agentur, Definition von ätherischem Lavendelöl und Herstellungsverfahren, abgerufen am 14.07.2026)
  2. Lavender: Usefulness and Safety (National Center for Complementary and Integrative Health, US-Gesundheitsbehörde für komplementäre Verfahren, abgerufen am 14.07.2026)
  3. Herbs and vegetables in oil (Oregon State University Extension Service, Hinweise zur Lebensmittelsicherheit bei Kräutern in Speiseöl, abgerufen am 14.07.2026)

FAQs zum Thema Lavendelöl selber machen

Kann ich frischen Lavendel direkt in Öl einlegen?

Für einen länger ziehenden Ansatz solltest du vollständig getrocknete Blüten verwenden. Frischer Lavendel enthält Wasser, das sich im Glas sammeln und den Ansatz verderben kann.

Wie lange muss Lavendelöl ziehen?

Zwei bis vier Wochen sind für einen kalten Ölauszug eine praktische Orientierung. Prüfe den Duft nach zwei Wochen und lasse den Ansatz länger stehen, wenn er noch sehr schwach riecht. Das Glas bleibt währenddessen dunkel und bei normaler Raumtemperatur gelagert.

Warum riecht mein Lavendelöl kaum nach Lavendel?

Ein Ölauszug ist wesentlich milder als ätherisches Lavendelöl. Auch Lavendelsorte, Alter der Blüten und Eigengeruch des Trägeröls spielen eine Rolle. Eine zweite Mazeration mit neuen getrockneten Blüten kann den Duft etwas verstärken.

Kann ich den Ansatz auf die sonnige Fensterbank stellen?

Davon ist abzuraten. Direktes Sonnenlicht und starke Wärme fördern die Alterung des Trägeröls. Ein geschlossener Schrank bei normaler Raumtemperatur ist besser geeignet.

Kann ich selbst gemachtes Lavendelöl essen?

Nein, diese Rezeptur ist als Ölauszug für äußere Anwendungen gedacht. Für essbare Kräuteröle gelten andere Herstellungs-, Kühl- und Sicherheitsregeln.

Verfasst von

Leonie Wickstein

Rettet mit Herz und Heißkleber fast alles vor der Tonne: Leonie zeigt dir, wie du dein Zuhause durch Upcycling und kreative Reparaturen nachhaltig gemütlicher machst - Pannen inklusive.

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