Draußen regnet es quer, der Spaziergang fällt kürzer aus und der Hund steht eine halbe Stunde später wieder erwartungsvoll im Wohnzimmer. Dann muss nicht gleich der komplette Möbelparcours aufgebaut werden. Ein bisschen Beschäftigung kann einen ruhigen Tag wunderbar ergänzen, sie ersetzt aber weder Spaziergänge noch Erholung. Wenn du deinen Hund drinnen beschäftigen möchtest, würde ich vor allem seine Nase nutzen. Ein paar versteckte Futterstücke, eine kleine Suche durchs Zimmer oder fünf Minuten gemeinsames Training sind schnell vorbereitet und für viele Hunde interessanter als permanentes Ballwerfen durch den Flur.
Ein paar Minuten Schnüffeln können schon ziemlich viel sein
Für den Anfang brauchst du nicht einmal besonderes Zubehör. Lass deinen Hund kurz warten, verteile einige Stücke seines normalen Futters im Zimmer und schick ihn anschließend suchen. Beim ersten Versuch dürfen die Verstecke noch sehr offensichtlich sein. Später kann ein Stück hinter einem Stuhlbein, unter dem Rand einer Decke oder in einer offenen Pappschachtel liegen.
Nasenarbeit ist dabei mehr als irgendeine Beschäftigung für Regentage. In einer 2019 veröffentlichten Untersuchung absolvierten Hunde zwei Wochen lang entweder Nasenarbeit oder Fußarbeit. Die Hunde aus der Nasenarbeitsgruppe reagierten anschließend in einem Verhaltenstest optimistischer auf mehrdeutige Situationen. Die Forschenden sahen darin einen Hinweis darauf, dass die Möglichkeit, selbstständig mit der Nase zu suchen, zum Wohlbefinden beitragen kann.[1] Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) hat diese Ergebnisse Anfang 2026 ebenfalls aufgegriffen.[2]
Aus dem Wohnzimmer muss dafür keine Geruchswerkstatt werden. Gerade die Einfachheit gefällt mir an solchen Spielen: Futter verstecken, Hund suchen lassen, fertig.
Aus einem Karton wird für fünf Minuten ein Suchplatz
Ein leerer Versandkarton kann erstaunlich interessant werden. Knülle etwas sauberes Papier locker hinein und verteile dazwischen ein paar Futterstücke. Der Hund darf schnüffeln, Papier beiseiteschieben und selbst herausfinden, wo etwas liegt.
Solche einfachen Suchboxen werden auch von Dogs Trust, einer großen britischen Tierschutzorganisation für Hunde, als Beschäftigung für zuhause eingesetzt. Wichtig ist dabei die Aufsicht, denn nicht jeder Hund beschränkt sich darauf, den Karton zu durchsuchen. Manche zerlegen ihn anschließend in Briefmarkengröße und würden die Einzelteile am liebsten gleich mitessen.[3]
Bei einem Hund, der Papier oder Pappe verschluckt, würde ich deshalb eine andere Variante nehmen. Du kannst Futter genauso gut unter mehreren umgedrehten Kunststoffbechern verstecken oder ein paar Stücke in einem zusammengelegten Handtuch verteilen.
Drei Suchspiele ohne große Vorbereitung
- Verteile einen Teil der normalen Futterration sichtbar und später etwas schwieriger im Zimmer.
- Verstecke ein bekanntes Spielzeug und lass deinen Hund danach suchen.
- Leg Futter unter einen von mehreren stabilen Bechern und lass ihn herausfinden, unter welchem es liegt.
Mach es am Anfang lieber zu leicht als zu schwer. Ein Suchspiel soll Spaß machen und nicht damit enden, dass der Hund fünf Minuten ratlos vor einem Schrank sitzt.
Auch bekannte Signale lassen sich plötzlich anders nutzen
Indoor-Beschäftigung muss nicht immer ein neues Spielzeug bedeuten. Ein paar bekannte Übungen reichen oft schon, wenn du sie etwas veränderst. „Sitz“ und „Platz“ allein sind irgendwann wenig aufregend, aber du kannst beispielsweise verschiedene Positionen kombinieren, eine Decke als Ziel einbauen oder deinen Hund um einen Gegenstand herumführen.
Ein neuer kleiner Trick passt ebenfalls gut in solche Tage. Nase an die Hand tippen, auf eine bestimmte Decke gehen, Spielzeug in eine Kiste legen oder sich einmal um die eigene Achse drehen – mehr muss daraus nicht werden. Fünf konzentrierte Minuten sind oft sinnvoller als eine halbe Stunde, in der beide irgendwann nur noch genervt sind.
Wenn dein Hund zwischendurch den Faden verliert, wild herumprobiert oder die Belohnung hektisch aus der Hand holen möchte, mach die Aufgabe leichter oder hör auf. Beschäftigung sollte nicht daran gemessen werden, wie lange du sie durchziehen kannst.
Futterspiele kannst du aus der normalen Mahlzeit bauen
Bei Hunden, die gern fressen, lässt sich ein Teil der Tagesration ziemlich einfach für Beschäftigung verwenden. Statt den kompletten Napf innerhalb einer Minute zu leeren, kann ein Teil davon gesucht oder aus einem geeigneten Futterspielzeug herausgearbeitet werden.
Das hat noch einen praktischen Nebeneffekt: Aus zehn Suchspielen am Tag werden nicht unbemerkt zehn zusätzliche Portionen Leckerli. Dogs Trust weist bei futterbasierter Beschäftigung ebenfalls darauf hin, die verwendeten Mengen bei der normalen Tagesration zu berücksichtigen.[4]
Wie schwierig das Spiel sein darf, hängt stark vom Hund ab. Einer schiebt begeistert fünf Minuten lang einen Futterball durchs Zimmer, der nächste gibt nach zwanzig Sekunden auf und legt sich daneben. Beschäftigung wird nicht automatisch besser, nur weil der Hund länger für sein Futter arbeiten muss.
Wohnzimmer-Action ersetzt den Spaziergang nicht
Ein Regentag ist eine Sache. Den Hund dauerhaft nur drinnen mit Denkspielen auszulasten wäre etwas anderes. Draußen geht es schließlich nicht allein darum, Kilometer zurückzulegen. Der Hund bewegt sich, erkundet Gerüche, beobachtet seine Umgebung und bekommt Informationen, die du ihm zwischen Sofa und Esstisch nicht bieten kannst.
Der VDH zählt Bewegung und Beschäftigung ausdrücklich zu den Bedürfnissen, die bei der Haltung berücksichtigt werden müssen.[5] An Tagen mit schlechtem Wetter spricht trotzdem nichts dagegen, die große Runde etwas ungünstiger zu finden als der Hund. Eine kurze Suchrunde zuhause kann anschließend genau die Abwechslung liefern, die noch gefehlt hat.
Ist dein Hund wegen einer Verletzung, Operation oder Erkrankung zu körperlicher Ruhe verdonnert worden, gelten allerdings andere Regeln. Dann würde ich auch scheinbar harmlose Such- und Denkspiele danach auswählen, was tierärztlich erlaubt ist. Ein Hund, der begeistert unter Möbeln nach Futter krabbelt, hält sich schließlich nicht automatisch an seine verordnete Schonzeit.
Und irgendwann ist einfach Feierabend
Der wahrscheinlich wichtigste Punkt geht in Beschäftigungsartikeln gern unter: Ein Hund muss nicht jede freie Minute irgendeine Aufgabe bekommen. Nach einem Suchspiel darf er sich hinlegen. Nach fünf Minuten Training auch. Ruhe gehört genauso zu einem normalen Hundetag wie Spaziergang, gemeinsames Tun und ein bisschen Unsinn.
Der Deutsche Tierschutzbund sieht bei Hunden am Arbeitsplatz beispielsweise ausdrücklich einen geschützten Rückzugsort vor und beschreibt den Büroalltag so, dass ein gut ausgelasteter Hund einen großen Teil davon ruhend oder schlafend verbringen kann.[6] Das lässt sich ziemlich gut auf zuhause übertragen: Beschäftigung und Ruhe müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Wenn draußen wenig geht, würde ich deshalb gar nicht versuchen, einen kompletten Spaziergang im Wohnzimmer nachzubauen. Zehn Minuten suchen, ein kleiner neuer Trick oder ein Teil des Futters als Nasenaufgabe – und danach darf auch wieder nichts passieren. Für viele Hunde ist genau dieser Wechsel wesentlich angenehmer als Dauerbespaßung.
Quellen
- Applied Animal Behaviour Science: „Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs“ – Studie zu Nasenarbeit und Wohlbefinden bei Haushunden (2019, abgerufen am 03.09.2026)
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Aus der Wissenschaft – Nasenarbeit macht Hunde glücklich (29.01.2026, abgerufen am 03.09.2026)
- Dogs Trust: Indoor-Beschäftigung mit Suchboxen und anderen einfachen Schnüffelspielen (abgerufen am 03.09.2026)
- Dogs Trust: Beschäftigung für Hunde – Nasenarbeit, Futtersuchspiele und sichere Gestaltung (abgerufen am 03.09.2026)
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Bedürfnisse bei der Haltung von Hunden (abgerufen am 03.09.2026)
- Deutscher Tierschutzbund: Beschäftigung, Bewegung und Ruhephasen bei Hunden im Büroalltag (28.05.2025, abgerufen am 03.09.2026)