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Hundeohren reinigen ohne zu tief zu putzen

Manchmal sieht man es ganz nebenbei: Der Hund liegt entspannt neben einem, man klappt beim Kraulen das Ohr hoch und innen sitzt brauner Schmutz. Der erste Impuls ist verständlich. Weg damit. Nur ist genau das bei Hundeohren nicht immer die beste Idee.

Wenn nur außen in der Ohrmuschel etwas Schmutz oder Ohrenschmalz sitzt und dein Hund keine Beschwerden zeigt, kannst du diesen sichtbaren Bereich vorsichtig auswischen. Riecht das Ohr unangenehm, ist es gerötet, nässt, schmerzt oder schüttelt dein Hund häufig den Kopf, solltest du nicht weiter reinigen, sondern das Ohr tierärztlich anschauen lassen.

Erst schauen, dann entscheiden

Die Farbe allein sagt noch nicht sicher, was im Ohr los ist. Brauner Schmutz kann harmloses Ohrenschmalz sein, vor allem wenn er nur außen sichtbar ist und dein Hund sich völlig normal verhält. Zusammen mit Geruch, Schmerz oder Ausfluss sieht die Sache anders aus.

Was du bemerkst Was du tun kannst
Wenig Schmutz außen in der Ohrmuschel, kein Geruch, kein Kratzen, kein Schmerz Sichtbaren Bereich vorsichtig mit einem weichen Pad oder Tuch auswischen.
Das Ohr riecht süßlich, säuerlich, faulig oder einfach deutlich anders als sonst Nicht mit Reiniger experimentieren, sondern untersuchen lassen.
Rötung, Schwellung, nässende Stellen oder Ausfluss Nicht im Ohr herumputzen. Tierärztlich abklären lassen.
Dein Hund kratzt stark, schüttelt häufig den Kopf oder lässt das Ohr kaum anfassen Ohr in Ruhe lassen und einen Termin vereinbaren.
Kopfschiefhaltung, Taumeln oder Gleichgewichtsprobleme Zeitnah tierärztlich vorstellen.

AniCura nennt unter anderem Geruch, Rötung, Ausfluss, vermehrtes Ohrenschmalz und Berührungsempfindlichkeit als Auffälligkeiten, bei denen ein Hundeohr untersucht werden sollte.[1] Die Bundestierärztekammer weist außerdem auf Kopfschütteln und Kopfschiefhaltung als mögliche Hinweise auf eine schmerzhafte Ohrenentzündung hin.[2]

Ein gesundes Hundeohr muss nicht blank sein

Bei Ohrenpflege denkt man schnell an gründliches Reinigen. Bei einem unauffälligen Hundeohr ist das aber nicht das Ziel. Etwas Ohrenschmalz kann normal sein, und gesunde Ohren haben eigene Mechanismen, um sich zu schützen.

AniCura beschreibt Ohrenschmalz und Schutzhärchen als Teil der natürlichen Selbstreinigung des Hundeohres. Eine geringe Menge Ohrenschmalz muss deshalb nicht automatisch entfernt werden.[1]

Kontrollieren ist trotzdem sinnvoll. Schau gelegentlich in die Ohren, besonders nach Baden, Schwimmen, Ausflügen durch hohes Gras oder wenn dein Hund plötzlich häufiger den Kopf schüttelt. Kontrollieren heißt aber nicht automatisch putzen.

So reinigst du nur die sichtbare Ohrmuschel

Ist dein Hund entspannt und der Schmutz sitzt nur außen sichtbar in der Ohrmuschel, reicht ein weiches fusselfreies Pad oder ein weiches Tuch. Du brauchst keinen Druck und keine Werkzeuge, die tiefer ins Ohr gehen.

So gehst du vor:

  1. Wähle einen ruhigen Moment, in dem dein Hund sich am Kopf anfassen lässt.
  2. Schau zuerst kurz ins Ohr. Bei Geruch, Rötung, Nässe, Ausfluss oder Schmerz brichst du ab.
  3. Wische nur den sichtbaren äußeren Bereich der Ohrmuschel aus.
  4. Arbeite immer nach außen, damit du Schmutz nicht Richtung Gehörgang schiebst.
  5. Nimm für das zweite Ohr ein frisches Pad oder eine frische Tuchstelle.

AniCura empfiehlt bei der Reinigung, sich auf die Ohrmuschel zu beschränken und behutsam vorzugehen, damit das empfindliche Ohr nicht verletzt wird.[1] Mehr muss zu Hause bei einem unauffälligen Ohr meist nicht passieren.

Die Grenze für zu Hause

Alles, was du außen gut sehen und ohne Druck abwischen kannst, ist bei einem beschwerdefreien Hund der Bereich für die Pflege zu Hause. Alles, wofür du tiefer ins Ohr müsstest, bleibt unangetastet.

Wattestäbchen gehören nicht in den Gehörgang

Wattestäbchen sehen praktisch aus, sind bei Hundeohren aber schnell riskant. Der Gehörgang ist nicht vollständig einsehbar, und ein Hund kann bei einer unangenehmen Berührung plötzlich den Kopf bewegen.

Die Bundestierärztekammer warnt, dass Halter bei einer Tiefenreinigung mit Wattestäbchen erhebliche Schäden verursachen können, im schlimmsten Fall sogar am Trommelfell.[2] Für zu Hause bedeutet das: keine Wattestäbchen in die Tiefe, keine Pinzette, kein Kratzen an festem Belag.

Wenn etwas dort sitzt, wo du es nicht oberflächlich abwischen kannst, ist das kein Auftrag zum gründlicheren Putzen. Dann sollte das Ohr angeschaut werden.

Ohrreiniger und Hausmittel nicht auf Verdacht verwenden

Ein Ohrreiniger für Hunde kann sinnvoll sein, wenn er zu deinem Hund passt und dir die Anwendung gezeigt wurde. Er ist aber kein Mittel, das du bei jedem braunen Belag einfach vorsorglich ins Ohr gibst.

Wichtig ist vor allem der Zeitpunkt. AniCura weist darauf hin, dass Reinigungsmittel vor einem Tierarztbesuch die Diagnose einer Ohrenerkrankung beeinträchtigen können.[3] Wenn das Ohr also riecht, nässt, schmerzt oder dein Hund auffällig reagiert, solltest du vorher nicht noch selbst spülen.

Auch Hausmittel wie Öl, Essig oder Kamillentee gehören nicht in ein auffälliges Hundeohr. Ohne Untersuchung weißt du nicht, ob eine Entzündung, ein Fremdkörper, Milben, eine Verletzung oder ein Problem am Trommelfell dahintersteckt. Gut gemeint kann dann schnell zusätzlich reizen.

Wenn dein Hund das Ohr nicht anfassen lässt

Manche Hunde mögen Berührungen am Ohr einfach nicht besonders. Plötzliche Abwehr kann aber auch Schmerz bedeuten. Wenn dein Hund ausweicht, fiept, knurrt, schnappt oder den Kopf heftig wegzieht, solltest du die Pflege nicht mit Festhalten durchsetzen.

Ist das Ohr äußerlich unauffällig, kannst du Berührungen in Mini-Schritten üben: kurz ans Ohr fassen, belohnen, später kurz anheben, wieder belohnen. Gibt es zusätzlich Geruch, Ausfluss, Rötung oder starkes Kratzen, ist das kein Trainingsthema, sondern ein Grund für eine Untersuchung.

Nach Wasser oder Dreck reicht oft ein kurzer Blick

Nach dem Baden, Schwimmen oder Toben im hohen Gras lohnt sich ein kurzer Check. Hängt außen Sand, Erde oder Feuchtigkeit in der Ohrmuschel, kannst du den sichtbaren Bereich vorsichtig trocknen oder auswischen. Mehr nicht.

Die Bundestierärztekammer unterscheidet ausdrücklich zwischen dem vorsichtigen Säubern beziehungsweise Trocknen der Ohrmuschel und einer Reinigung des Gehörgangs, die fachkundig erfolgen sollte.[2]

Wenn dein Hund nach dem Ausflug auffällig viel schüttelt, am Ohr kratzt oder den Kopf schief hält, ist das kein Zeichen dafür, dass du tiefer reinigen musst. Dann sollte geklärt werden, ob etwas im Ohr steckt oder eine Entzündung beginnt.

Bei Hundeohren ist vorsichtig besser als gründlich

Hundeohren reinigen heißt nicht, regelmäßig tief im Ohr zu putzen. Ein gesundes Ohr darf etwas Ohrenschmalz haben. Sichtbaren Schmutz außen kannst du bei einem entspannten, beschwerdefreien Hund vorsichtig entfernen.

Sobald Geruch, Rötung, Ausfluss, Schmerz, häufiges Kopfschütteln oder starke Abwehr dazukommen, legst du Pad und Reiniger besser weg. Dann ist nicht die gründlichere Reinigung gefragt, sondern ein Blick in der Tierarztpraxis.

Quellen

  1. AniCura: Hundeohren selbst reinigen (abgerufen am 01.06.2026)
  2. Bundestierärztekammer: Ohrenentzündung beim Hund – Tipps für Tierhalter (abgerufen am 01.06.2026)
  3. AniCura Österreich: Hundeohren reinigen – Hinweise zu Ohrreinigern vor dem Tierarztbesuch (abgerufen am 01.06.2026)

FAQs zum Thema Hundeohren reinigen

Muss brauner Schmutz im Hundeohr immer weg?

Nein. Eine kleine Menge Ohrenschmalz kann normal sein. Wenn der Schmutz nur außen sichtbar ist und dein Hund keine Beschwerden zeigt, reicht vorsichtiges Auswischen der Ohrmuschel. Bei Geruch, Rötung, Ausfluss oder Schmerz sollte das Ohr untersucht werden.

Darf ich beim Hund Wattestäbchen verwenden?

Nicht im Gehörgang. Wattestäbchen können Schmutz tiefer hineinschieben oder das Ohr verletzen, wenn dein Hund plötzlich den Kopf bewegt. Für zu Hause reicht ein weiches Pad oder Tuch für die sichtbare Ohrmuschel.

Kann ich Ohrreiniger nehmen, wenn mein Hund am Ohr kratzt?

Nicht auf Verdacht. Wenn dein Hund kratzt, das Ohr riecht oder schmerzt, sollte es vorher tierärztlich untersucht werden. Ein Reiniger kann den Befund verändern oder ein gereiztes Ohr zusätzlich belasten.

Verfasst von

Robert Hendrichs

Technik-Freak und Hunde-Urgestein in Personalunion: Robert liefert dir ehrliche Ratgeber für ein smartes Zuhause ebenso wie profunde Praxistipps aus 25 Jahren Leben mit Vierbeinern.

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