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Joghurt selbst machen: Die einfache Grundmethode

Joghurt selbst zu machen klingt nach Küchenprojekt mit Thermometer, Spezialgerät und viel Hoffnung. In Wahrheit brauchst du für den Anfang nur Milch, einen aktiven Starter und eine warme, möglichst gleichmäßige Umgebung. Der Rest ist Geduld.

Der wichtigste Punkt: Joghurt wird nicht durch Rühren, Süßen oder besondere Zutaten fest, sondern durch Milchsäurebakterien. Sie arbeiten bei Wärme, wandeln Milchzucker in Milchsäure um und lassen die Milch dadurch andicken. Wenn Temperatur, Kultur und Ruhezeit passen, wird aus Milch Joghurt. Wenn einer dieser Punkte nicht passt, bleibt am Ende manchmal nur warme, leicht saure Milch im Glas.

Joghurt selbst herstellen klappt am zuverlässigsten mit einer einfachen Grundmethode: Milch erhitzen, auf etwa 40 bis 45 Grad abkühlen lassen, Naturjoghurt oder Ferment einrühren, mehrere Stunden warm halten und danach kalt stellen. Klingt schlicht. Ist es auch. Die Details entscheiden aber darüber, ob der Joghurt cremig, stichfest oder viel zu flüssig wird.

Joghurt selbst machen: die Grundformel

Für den ersten Versuch brauchst du keine lange Zutatenliste. Nimm am besten Vollmilch und einen Naturjoghurt mit lebenden Kulturen oder ein Joghurtferment. Vollmilch macht den Joghurt meist cremiger als fettarme Milch.

Zutat Menge für den Start Hinweis
Milch 1 Liter Vollmilch ergibt eine cremigere Konsistenz. H-Milch funktioniert besonders unkompliziert.
Naturjoghurt als Starter 2 bis 3 EL Er sollte frisch sein und lebende Kulturen enthalten.
Oder Joghurtferment Nach Packungsangabe Praktisch, wenn du definierte Kulturen verwenden möchtest.
Optional Magermilchpulver 1 bis 2 EL Kann den Joghurt fester machen, ist aber nicht zwingend nötig.

Der kurze Ablauf sieht so aus: Milch erhitzen, auf 40 bis 45 Grad abkühlen lassen, Starter einrühren, in saubere Gläser füllen, 6 bis 12 Stunden warm halten und anschließend mehrere Stunden in den Kühlschrank stellen. Swissmilk nennt für selbstgemachten Naturjoghurt ebenfalls Milch, Starterjoghurt und eine Reifephase bei möglichst konstant etwa 45 Grad.[1]

Was aus Milch Joghurt macht

Joghurt ist fermentierte Milch. Dabei übernehmen Milchsäurebakterien die Arbeit. Sie nutzen den Milchzucker und bilden daraus Milchsäure. Dadurch verändert sich das Milcheiweiß, die Milch dickt an und bekommt den typischen leicht säuerlichen Geschmack.

Das Bundeszentrum für Ernährung beschreibt Joghurt als Sauermilchprodukt, das durch Milchsäurebakterien entsteht; die Art der Kulturen beeinflusst unter anderem, ob ein Joghurt milder oder säuerlicher schmeckt.[2] Für deine Küche heißt das: Der Starter ist nicht nur Nebensache. Er bestimmt mit, wie dein Joghurt schmeckt und wie zuverlässig er fest wird.

Die Kulturen mögen Wärme, aber keine Hitze. Zu kalt, und sie arbeiten langsam oder kaum. Zu heiß, und sie können geschädigt werden. Deshalb ist ein Küchenthermometer am Anfang sehr hilfreich. Später bekommt man ein Gefühl dafür, aber beim ersten Versuch spart die Messung Nerven.

Welche Milch und welcher Starter funktionieren

Für den Einstieg ist Kuhmilch am einfachsten. H-Milch ist bereits hoch erhitzt und funktioniert meistens sehr zuverlässig. Frischmilch kannst du ebenfalls verwenden, solltest sie aber vor dem Beimpfen erhitzen und wieder abkühlen lassen. Vollmilch bringt mehr Fett mit und ergibt dadurch oft eine rundere, cremigere Konsistenz.

Beim Starter hast du zwei gute Möglichkeiten. Die erste ist ein gekaufter Naturjoghurt. Achte darauf, dass er lebende Kulturen enthält, nicht aromatisiert ist und möglichst frisch wirkt. Die zweite Möglichkeit ist Joghurtferment. Das ist besonders praktisch, wenn du regelmäßig Joghurt machen möchtest und eine gleichbleibendere Kultur verwenden willst.

Diese Varianten solltest du kennen:

  • Mit H-Milch wird der Einstieg besonders einfach, weil sie bereits stark erhitzt wurde.
  • Mit Vollmilch wird der Joghurt meist cremiger als mit fettarmer Milch.
  • Mit Naturjoghurt als Starter klappt es gut, solange er lebende Kulturen enthält.
  • Mit Joghurtferment arbeitest du genauer nach Packungsangabe.
  • Mit Pflanzenmilch wird es ein eigenes Thema, weil Eiweiß, Zucker und Verdickung anders funktionieren.

Sojadrink funktioniert unter den pflanzlichen Alternativen oft noch am ehesten, weil er mehr Eiweiß mitbringt. Hafer-, Mandel- oder Kokosdrinks brauchen dagegen häufig zusätzliche Verdickungsmittel und passende vegane Kulturen. Für den ersten Joghurtversuch würde ich deshalb bei Milch bleiben und pflanzliche Varianten später getrennt angehen.

Joghurt selber machen Schritt für Schritt

Diese Grundmethode funktioniert mit Joghurtbereiter, Backofen, Thermoskanne oder gut isolierter Box. Wichtig ist, dass die Temperatur während der Reifezeit möglichst stabil bleibt.

  1. Erhitze 1 Liter Milch langsam auf etwa 85 bis 90 Grad und halte sie einige Minuten heiß, ohne sie stark kochen zu lassen.
  2. Lass die Milch auf etwa 40 bis 45 Grad abkühlen.
  3. Rühre 2 bis 3 Esslöffel Naturjoghurt oder Ferment nach Packungsangabe in eine kleine Menge der warmen Milch ein.
  4. Gib diese Mischung zurück zur restlichen Milch und verrühre alles gründlich, aber nicht schaumig.
  5. Fülle die beimpfte Milch in saubere Gläser.
  6. Halte die Gläser 6 bis 12 Stunden warm, je nach gewünschter Festigkeit und Säure.
  7. Stelle den fertigen Joghurt danach mehrere Stunden in den Kühlschrank, damit er fester wird und durchkühlt.

Die University of Alaska Fairbanks Cooperative Extension beschreibt für hausgemachten Joghurt ebenfalls eine warme Reifephase im Bereich um 110 Grad Fahrenheit, also etwa 43 Grad Celsius. Wird Joghurt nach dem Festwerden länger warm gehalten, wird er saurer und es kann sich mehr Molke absetzen.[3]

Am Anfang lieber messen

Wenn dein erster Joghurt flüssig bleibt, liegt es sehr oft an der Temperatur. Ein einfaches Küchenthermometer ist deshalb sinnvoller als Rätselraten. Die Milch darf beim Einrühren der Kulturen nicht mehr heiß sein, sollte aber warm genug bleiben, damit die Bakterien arbeiten.

Joghurtbereiter oder ohne Gerät?

Ein Joghurtbereiter ist kein Muss, aber bequem. Er hält die Gläser über mehrere Stunden warm und nimmt dir die Temperaturfrage weitgehend ab. Wenn du regelmäßig Joghurt machst, kann sich das lohnen. Wenn du nur ausprobieren möchtest, geht es auch ohne extra Gerät.

Ohne Joghurtbereiter brauchst du eine Methode, die Wärme möglichst gleichmäßig hält. Diese Varianten sind für den Einstieg realistisch:

  • Im Backofen kannst du die Gläser in den ausgeschalteten, leicht vorgewärmten Ofen stellen. Die Temperatur darf nicht zu hoch werden.
  • In einer Thermoskanne bleibt die beimpfte Milch oft mehrere Stunden warm.
  • In einer gut isolierten Box mit warmem Wasserbad lässt sich die Temperatur ebenfalls halten.
  • Mit Handtüchern und einer warmen Umgebung geht es manchmal auch, ist aber ungenauer.

Die Backofen-Methode ist bequem, aber nicht jeder Ofen hält niedrige Temperaturen zuverlässig. Gerade moderne Geräte können auch auf niedrigster Stufe zu warm werden. Wenn du den Ofen nutzt, kontrolliere die Temperatur beim ersten Versuch lieber einmal mehr.

Warum wird mein Joghurt nicht fest?

Flüssiger Joghurt ist der häufigste Frustpunkt. Meist ist nicht „alles schiefgelaufen“, sondern einer der Grundfaktoren hat nicht gepasst: Temperatur, Starter, Milch, Zeit oder Bewegung.

Problem Wahrscheinliche Ursache Was beim nächsten Mal hilft
Der Joghurt bleibt sehr flüssig Temperatur zu niedrig, Starter zu schwach oder Reifezeit zu kurz Temperatur messen, frischen Starter nutzen und länger reifen lassen
Der Joghurt wird körnig Milch war zu heiß beim Einrühren oder Reifung war zu warm Milch erst auf 40 bis 45 Grad abkühlen lassen und Wärme gleichmäßiger halten
Der Joghurt ist sehr sauer Reifezeit war lang oder Temperatur eher hoch Kürzer reifen lassen und danach früher kühlen
Es setzt sich viel Molke ab Joghurt wurde lange warm gehalten, bewegt oder zu stark erhitzt Kürzer reifen lassen, Gläser nicht bewegen und Temperatur stabil halten
Der Joghurt riecht unangenehm Mögliche Verunreinigung oder verdorbene Zutaten Nicht essen, Gläser und Zubehör gründlicher reinigen, frische Zutaten verwenden
Der Joghurt zieht Fäden Starterkultur, Temperatur oder Fremdkeime können eine Rolle spielen Starter wechseln, sauberer arbeiten und Reifezeit/Temperatur prüfen

Wenn der Joghurt nur etwas weicher ist, kannst du ihn trotzdem essen, sofern Geruch und Geschmack normal sind. Für dickeren Joghurt hilft Abtropfen. Für den nächsten Ansatz kannst du Vollmilch nutzen, etwas Magermilchpulver ergänzen oder die Temperatur genauer halten.

Wie lange selbstgemachter Joghurt hält

Selbstgemachter Joghurt gehört nach der Reifezeit in den Kühlschrank. Dort wird er fester und bleibt länger frisch. Arbeite immer mit sauberen Gläsern und nimm Joghurt später nur mit sauberem Löffel heraus.

Als grobe Orientierung sind einige Tage bis etwa eine Woche im Kühlschrank realistisch. Je sauberer du arbeitest, je frischer die Milch war und je kühler der Kühlschrank ist, desto besser. Wenn sich Schimmel bildet, der Joghurt stark hefig, bitter, faulig oder einfach ungewohnt riecht, entsorgst du ihn.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont für Lebensmittel im Privathaushalt grundsätzlich, dass saubere Hände, saubere Arbeitsflächen und eine richtige Lagerung wichtig sind, um Lebensmittelinfektionen zu vermeiden.[4] Bei Joghurt gilt das besonders, weil die Milch mehrere Stunden warm steht und unerwünschte Keime dort ebenfalls gute Bedingungen finden könnten.

Kann ich selbst gemachten Joghurt als Starter weiterverwenden?

Ja, du kannst von einem gelungenen Naturjoghurt ein paar Esslöffel für den nächsten Ansatz aufheben. Das funktioniert meist mehrere Durchgänge. Irgendwann kann der Joghurt aber weniger zuverlässig fest werden oder anders schmecken, weil sich das Verhältnis der Kulturen verändert oder Fremdkeime dazukommen.

Heb den Starter direkt nach dem Kühlen in einem sauberen kleinen Glas auf und rühre nicht erst mit dem Frühstückslöffel darin herum. Wenn der neue Ansatz schwächer wird, ungewöhnlich riecht oder nicht mehr gut gelingt, startest du wieder mit frischem Naturjoghurt oder neuem Ferment.

Griechischen Joghurt selber machen

Griechischer Joghurt ist im Grunde abgetropfter Joghurt. Du brauchst dafür keinen neuen Ansatz. Gib fertigen Naturjoghurt in ein feines Sieb, das mit einem sauberen Tuch ausgelegt ist, und stelle es über eine Schüssel in den Kühlschrank.

Nach ein paar Stunden ist der Joghurt deutlich fester. Über Nacht wird er dick und cremig. Die ablaufende Molke kannst du zum Backen oder für Smoothies verwenden, wenn sie frisch riecht und sauber aufgefangen wurde. Je länger du abtropfen lässt, desto fester wird der Joghurt.

Früchte, Süße und Toppings erst danach

Für den ersten Ansatz würde ich Naturjoghurt machen und alles Weitere später ergänzen. Früchte, Zucker, Honig, Kompott oder Nüsse kommen am besten erst nach dem Fermentieren dazu. So störst du die Kulturen nicht und kannst einzelne Portionen unterschiedlich verfeinern.

Fruchtpüree vor der Reifezeit ist möglich, aber unberechenbarer. Es bringt Zucker, Säure und zusätzliche Keime mit. Für Anfänger ist das unnötig kompliziert. Besser ist: Erst einen stabilen Naturjoghurt hinbekommen, dann Geschmack ins Glas bringen.

Mit fertigem Naturjoghurt kannst du später viel machen: Frühstück mit Obst, Kräuter-Joghurt-Dressing, Dip, Overnight Oats, Smoothie oder Joghurt-Eis. Der Grundjoghurt bleibt dabei die Basis.

Wenn Milch im Glas zu Joghurt wird

Joghurt selbst herzustellen ist kein Zaubertrick, sondern ein kontrollierter kleiner Fermentationsprozess. Milch, Starter, Wärme, Zeit. Mehr braucht es nicht für den Einstieg. Der Rest sind Stellschrauben: mehr Fett für Cremigkeit, längere Reifezeit für mehr Säure, Abtropfen für festere Konsistenz.

Der erste Versuch muss nicht perfekt werden. Wenn er zu weich bleibt, ist das kein Beinbruch. Beim nächsten Mal misst du die Temperatur genauer, nimmst einen frischeren Starter oder lässt den Joghurt etwas länger stehen. Nach zwei, drei Durchgängen merkst du ziemlich gut, wie deine Küche, deine Milch und deine Methode zusammenarbeiten.

Quellen

  1. Swissmilk: Joghurt selber machen? (abgerufen am 16.06.2026)
  2. Bundeszentrum für Ernährung: Milch: Gesundheit und Umwelt (abgerufen am 16.06.2026)
  3. University of Alaska Fairbanks Cooperative Extension Service: Making Yogurt at Home (abgerufen am 16.06.2026)
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Verbrauchertipps: Schutz vor Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt (PDF, abgerufen am 16.06.2026)

FAQs zum Thema Joghurt selbst herstellen

Welche Milch eignet sich am besten, um Joghurt selbst herzustellen?

Für den Einstieg funktioniert Kuhmilch am zuverlässigsten. Vollmilch ergibt meist eine cremigere Konsistenz als fettarme Milch. H-Milch ist besonders unkompliziert, Frischmilch kannst du ebenfalls verwenden, solltest sie aber vorher erhitzen und wieder auf die richtige Temperatur abkühlen lassen.

Welche Temperatur brauche ich für selbstgemachten Joghurt?

Beim Einrühren der Kulturen sollte die Milch etwa 40 bis 45 Grad warm sein. In diesem Bereich können die Joghurtkulturen gut arbeiten. Ist die Milch zu heiß, können die Kulturen geschädigt werden. Ist sie zu kalt, wird der Joghurt oft nicht richtig fest.

Warum wird mein selbstgemachter Joghurt nicht fest?

Häufig liegt es an zu niedriger oder zu hoher Temperatur, einem schwachen Starter, zu kurzer Reifezeit oder sehr fettarmer Milch. Beim nächsten Versuch helfen ein frischer Naturjoghurt mit lebenden Kulturen, ein Thermometer und eine möglichst gleichmäßige Wärme während der Reifezeit.

Wie lange muss Joghurt reifen?

Viele Ansätze brauchen etwa 6 bis 12 Stunden. Kürzere Reifezeiten ergeben meist milderen Joghurt, längere Reifezeiten machen ihn säuerlicher. Danach sollte der Joghurt mehrere Stunden in den Kühlschrank, damit er fester wird und durchkühlt.

Kann ich selbst gemachten Joghurt als Starter wiederverwenden?

Ja, du kannst von einem gelungenen Joghurt ein paar Esslöffel für den nächsten Ansatz aufheben. Nach mehreren Durchgängen kann die Kultur aber schwächer werden oder anders schmecken. Dann ist ein frischer Starter oder neues Ferment sinnvoll.

Kann ich Joghurt auch ohne Joghurtbereiter machen?

Ja. Du kannst die beimpfte Milch in einer Thermoskanne, in einer isolierten Box, im warmen Wasserbad oder im leicht vorgewärmten Backofen reifen lassen. Wichtig ist eine möglichst konstante Wärme im Bereich um 40 bis 45 Grad.

Wann sollte ich selbstgemachten Joghurt nicht mehr essen?

Wenn der Joghurt schimmelt, faulig, hefig, bitter oder ungewöhnlich riecht, schleimig wirkt oder stark anders aussieht als erwartet, solltest du ihn entsorgen. Arbeite beim nächsten Ansatz mit frisch gereinigten Gläsern, frischem Starter und sauberem Zubehör.

Verfasst von

Maria Schmidt

Findet beim Putzen ihr Zen und in der Heißluftfritteuse die perfekte Abkürzung zum Genuss. Sobald alles blitzt, stürzt sich Maria auf ihr neuestes Hobby - sie zeigt dir, wie Ordnung den Kopf frei für kreative Abenteuer macht.

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