Die Teeblätter liegen nach der ersten Tasse noch im Sieb. Sie sind aufgequollen, riechen noch nach Tee und sehen nicht aus, als wären sie schon komplett erledigt. Genau dann liegt die Frage nah: Kann man Tee zweimal aufbrühen oder wird daraus nur warmes Wasser mit Erinnerung an Geschmack?
Tee zweimal aufbrühen klappt bei einigen Sorten sehr gut. Lose Grüntees, Oolong, weißer Tee und Pu-Erh können einen zweiten Aufguss vertragen, manchmal auch mehr. Bei vielen Teebeuteln, Früchtetees, Kräutertees und stark aromatisierten Mischungen schmeckt der zweite Aufguss dagegen oft flach. Die nassen Blätter sollten außerdem nicht stundenlang offen stehen.
Beim zweiten Aufguss zählt das Blatt
Der zweite Aufguss lebt davon, dass im Tee nach der ersten Tasse noch genug Aroma steckt. Das ist bei ganzen oder grob gebrochenen Blättern eher der Fall als bei sehr feinem Teestaub. Kleine Partikel geben ihre Inhaltsstoffe schneller ab. Deshalb ist ein normaler Teebeutel nach dem ersten Aufguss oft schon ziemlich leer.
Loser Tee hat hier meist bessere Karten. Die Blätter brauchen im Wasser Platz, quellen auf und geben ihre Aromen nach und nach ab. Ein enges Tee-Ei ist dafür ungünstig, weil die Blätter darin zusammengedrückt bleiben. Ein großes Sieb, eine Kanne mit Filter oder ein Gaiwan lassen dem Tee mehr Raum.
Die UK Tea & Infusions Association rät bei der Zubereitung unter anderem zu frischem Wasser und dazu, die Angaben auf der Packung zu beachten, weil Tee nicht immer gleich behandelt wird.[1] Für den zweiten Aufguss ist das ein guter Startpunkt. Hochwertige Tees liefern oft eigene Hinweise zu Temperatur, Ziehzeit und mehreren Aufgüssen.
Welche Tees sich für einen zweiten Aufguss eignen
Ein zweiter Aufguss lohnt sich vor allem bei Tees aus der Teepflanze Camellia sinensis, also bei grünem Tee, weißem Tee, Oolong, schwarzem Tee und Pu-Erh. Trotzdem verhalten sich diese Sorten sehr unterschiedlich.
| Teesorte | Zweiter Aufguss | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Grüner Tee | Oft gut möglich | Wasser nicht zu heiß wählen, sonst wird der Tee rasch herb. |
| Weißer Tee | Bei großen Blättern meist passend | Der zweite Aufguss wird oft zarter, nicht kräftiger. |
| Oolong | Sehr gut geeignet | Viele Oolongs verändern sich von Aufguss zu Aufguss. |
| Pu-Erh | Sehr gut geeignet | Kurze Aufgüsse und mehrere Runden sind hier normal. |
| Schwarzer Tee | Mal möglich, oft schwächer | Kräftige lose Blätter funktionieren besser als feiner Beuteltee. |
| Früchte- und Kräutertee | Meist wenig lohnend | Geschmack und Farbe sind oft schon nach dem ersten Aufguss deutlich schwächer. |
| Aromatisierter Tee | Oft enttäuschend | Das zugesetzte Aroma ist beim ersten Aufguss meist am stärksten. |
Bei Grüntee ist der zweite Aufguss oft milder als der erste. Das kann angenehm sein, wenn der erste Aufguss etwas grasig oder herb war. Oolong und Pu-Erh sind die stärkeren Kandidaten, weil sie traditionell häufig mehrfach aufgegossen werden. Bei schwarzem Tee hängt viel vom Blatt ab. Ein kräftiger loser Assam kann noch eine zweite Tasse liefern, ein feiner Frühstückstee im Beutel eher selten.
Früchtetee und Kräutertee nicht lange stehen lassen
Bei Früchte- und Kräutertee geht es nicht nur um Geschmack. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, rät bei Kräutertee dazu, ihn mit sprudelnd kochendem Wasser aufzugießen und nicht über mehrere Stunden stehen zu lassen. Hintergrund ist, dass mögliche Keime zwar durch kochendes Wasser reduziert werden, widerstandsfähigere Sporen aber überstehen und im warmen Tee auskeimen können.[2]
Für den zweiten Aufguss heißt das: Nasse Kräuter- oder Früchteteemischungen sind keine gute Kandidaten für „später nochmal“. Wenn du sie direkt im Anschluss erneut aufgießt, ist das geschmacklich oft schon dünn. Nach mehreren Stunden bei Raumtemperatur würde ich sie nicht mehr verwenden.
Nasse Blätter zeitnah wieder aufgießen
Wenn du Tee ein zweites Mal aufbrühen willst, gieße die Blätter nach dem ersten Aufguss gut ab und nutze sie zeitnah weiter. Sie sollten nicht im lauwarmen Restwasser liegen und nicht den halben Tag offen in der Küche stehen.
Temperatur und Ziehzeit beim zweiten Aufguss
Der zweite Aufguss braucht nicht automatisch doppelt so lange. Bei manchen Tees funktioniert eine etwas höhere Temperatur, bei anderen eine längere Ziehzeit. Bei Oolong und Pu-Erh sind sogar mehrere kurze Aufgüsse möglich, statt einer langen zweiten Runde.
Als einfache Küchenregel kannst du so starten:
- Grünen Tee beim zweiten Aufguss nur leicht länger ziehen lassen und nicht mit kochendem Wasser übergießen.
- Weißen Tee eher sanft behandeln, damit die feinen Noten nicht herb werden.
- Oolong mit kurzen Aufgüssen testen; oft verändert sich der Geschmack deutlich.
- Pu-Erh lieber mehrfach kurz aufgießen als einmal sehr lange stehen lassen.
- Schwarzen Tee nur dann erneut aufgießen, wenn der erste Aufguss nicht zu lang gezogen hat.
Wenn der zweite Aufguss bitter wird, war die Ziehzeit zu lang oder das Wasser zu heiß. Wenn er dünn bleibt, waren die Blätter wahrscheinlich schon weitgehend ausgelaugt. Beim nächsten Mal kannst du etwas mehr Tee nehmen oder den ersten Aufguss kürzer halten.
Koffein ist beim zweiten Aufguss nicht weg
Der zweite Aufguss enthält oft weniger Koffein als der erste, aber koffeinfrei ist er nicht. Wie viel Koffein im Tee landet, hängt von Sorte, Blattgröße, Wassermenge, Temperatur und Ziehzeit ab. Eine Untersuchung zu mehreren Teeaufgüssen zeigte sogar, dass bei bestimmten Bedingungen der zweite Aufguss hohe Gehalte an Koffein und Catechinen enthalten kann; bei heißerem Wasser lag der höchste Gehalt eher im ersten Aufguss.[3]
Für den Abend ist der zweite Aufguss deshalb keine sichere koffeinfreie Lösung. Wenn du auf Koffein empfindlich reagierst, ist koffeinfreier Tee oder ein geeigneter Kräutertee die verlässlichere Wahl. Bei Kräutertee bleiben aber die Hinweise zur Zubereitung und zum zeitnahen Trinken bestehen.
Wann der zweite Aufguss im Alltag passt
Der zweite Aufguss passt gut, wenn du losen Tee trinkst, die Blätter direkt wieder nutzt und Lust auf einen milderen Geschmack hast. Er passt weniger gut, wenn der erste Aufguss schon sehr lange gezogen hat oder die nassen Blätter seit dem Morgen im Sieb liegen.
Bei hochwertigem Tee kann der zweite Aufguss sogar der angenehmere sein. Manche Grüntees werden weicher, Oolong kann runder oder blumiger werden, Pu-Erh verändert oft seine Tiefe. Bei günstigen Beuteln, Früchtetee und aromatisierten Mischungen ist das Ergebnis dagegen häufig ernüchternd.
Tee ein zweites Mal aufbrühen: einfache Regel
Wenn du unsicher bist, prüfe drei Dinge: Sind es ganze oder größere Blätter? Wurde der erste Aufguss nicht überzogen? Werden die nassen Blätter direkt wieder genutzt? Wenn du dreimal Ja sagen kannst, lohnt sich der zweite Aufguss meistens.
Bei losem Grüntee, weißem Tee, Oolong und Pu-Erh ist ein zweiter Aufguss oft eine gute Idee. Bei Früchtetee, Kräutertee, aromatisierten Mischungen und vielen Teebeuteln kannst du ihn probieren, solltest aber keine kräftige zweite Tasse erwarten. Nasse Teeblätter gehören nicht stundenlang in die warme Küche. Dann ist der Kompost die bessere Adresse als die nächste Tasse.
Quellen
- UK Tea & Infusions Association: The Perfect Brew (abgerufen am 27.06.2026)
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Kräutertees unbedingt mit kochendem Wasser aufgießen (abgerufen am 27.06.2026)
- Yang, D. J. et al.: Effects of different steeping methods and storage on caffeine, catechins and gallic acid in bag tea infusions (Journal of Chromatography A, 2007; abgerufen am 27.06.2026)
FAQs zum Thema Tee zweimal aufbrühen
Kann man Tee zweimal aufbrühen?
Ja, bei vielen losen Blatttees klappt das gut. Besonders grüner Tee, weißer Tee, Oolong und Pu-Erh können einen zweiten Aufguss liefern. Bei Früchtetee, Kräutertee, aromatisierten Mischungen und vielen Teebeuteln wird die zweite Tasse oft deutlich schwächer.
Wie lange dürfen nasse Teeblätter stehen?
Am besten nutzt du sie zeitnah wieder. Nasse Teeblätter sollten nicht stundenlang warm und offen herumstehen. Bei Kräuter- und Früchtetees ist besondere Vorsicht sinnvoll, weil das BfR bei Kräutertee ausdrücklich davon abrät, aufgegossenen Tee über mehrere Stunden stehen zu lassen.
Hat der zweite Aufguss weniger Koffein?
Oft ja, aber sicher koffeinfrei ist er nicht. Koffein hängt von Teesorte, Temperatur, Ziehzeit und Blattgröße ab. Bei empfindlicher Reaktion auf Koffein solltest du dich nicht darauf verlassen, dass der zweite Aufguss am Abend mild genug ist.
Kann man grünen Tee zweimal aufbrühen?
Ja, grüner Tee eignet sich häufig gut für einen zweiten Aufguss. Nimm nicht zu heißes Wasser und lass ihn nur etwas länger ziehen. Wenn der erste Aufguss sehr lange gezogen hat, bleibt für die zweite Tasse weniger Aroma übrig.
Kann man Teebeutel zweimal verwenden?
Man kann es probieren, aber oft schmeckt der zweite Aufguss dünn. Viele Teebeutel enthalten kleine Blattstücke oder Teestaub, die beim ersten Aufguss rasch auslaugen. Pyramidenbeutel mit größeren Blattstücken schneiden meist besser ab.
Kann man Kräutertee ein zweites Mal aufgießen?
Direkt im Anschluss ist es möglich, geschmacklich aber oft schwach. Nach längerer Standzeit solltest du nasse Kräuter nicht erneut aufgießen. Kräutertee wird laut BfR mit kochendem Wasser zubereitet und sollte nicht über mehrere Stunden stehen.