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Erst schauen, dann starten

Marder im Auto – weiterfahren oder stehen lassen?

Zuletzt aktualisiert am

Pfotenabdrücke auf der Motorhaube oder Dämmmaterial unter dem Auto sind ärgerlich, bedeuten aber nicht automatisch, dass du nicht mehr fahren darfst. Die entscheidende Frage ist, ob der Marder nur Spuren hinterlassen oder tatsächlich Leitungen, Schläuche oder Dämmung beschädigt hat. Genau das lässt sich vor dem Start mit einem kurzen Blick besser einschätzen als während der Fahrt.

Marderbisse treffen unter anderem Zündkabel, Kühlwasser- und Scheibenwaschschläuche, Gummimanschetten und Dämmmaterial. Der ADAC spricht von mehr als 200.000 gemeldeten Schäden pro Jahr; der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft meldete für 2024 rund 252.000 kaskoversicherte Marderschäden.[1][2]

Auto stehen lassen und Hilfe holen: wenn eine rote Warnleuchte erscheint, Kühlmittel oder andere Flüssigkeit austritt, Kabel sichtbar durchgebissen sind, der Motor ungewöhnlich läuft oder bei einem Elektroauto orange Hochvolt-Leitungen beschädigt aussehen. Nur Spuren, aber kein sichtbarer Schaden und keine Warnmeldung: vorsichtig prüfen und zeitnah Werkstattkontrolle einplanen.

Woran du erkennst, dass ein Marder im Motorraum war

Typisch sind kleine Pfotenabdrücke auf Lack oder Motorabdeckung, Haare, Kot, verschobenes Dämmmaterial und Bissspuren an Gummi oder Kabeln. Nicht jeder Besuch endet mit einem Schaden. Auffällig wird es, wenn Schutzummantelungen eingerissen sind oder Schläuche kleine Zahnspuren zeigen.

Der Motorraum ist dabei attraktiver als der Fahrgastraum. Die häufige Suchfrage, ob ein Marder während der Fahrt „im Auto bleibt“, klingt dramatischer, als der typische Fall ist: Meist geht es um einen Besuch im abgestellten Fahrzeug und anschließende Schäden im Motorraum.

Vor dem Start: fünf Minuten Sichtkontrolle

Motorhaube öffnen und mit einer Lampe von oben schauen. Nicht an Kabeln ziehen und nichts auseinanderbauen. Achte auf:

  • angeknabberte oder freiliegende Kabel,
  • beschädigte Gummischläuche und Manschetten,
  • lose Dämmmatten oder Schaumstoffreste,
  • Flüssigkeit unter dem Auto oder feuchte Stellen im Motorraum,
  • auffälligen Geruch, der neu ist.

Nach dem Start sind Warnleuchten, unrunder Motorlauf, Leistungsverlust oder eine schnell steigende Motortemperatur Gründe, sofort wieder abzustellen. Ein angebissener Kühlmittelschlauch kann beispielsweise erst unter Druck deutlich undicht werden.

Bei diesen Schäden würde ich nicht weiterfahren

Ist ein Schlauch durchgebissen und Flüssigkeit tritt aus, bleibt das Auto stehen. Dasselbe gilt bei sichtbar beschädigten elektrischen Leitungen oder einer Warnmeldung, die auf Motor, Kühlung oder Elektrik hinweist. Ein Pannendienst oder eine Werkstatt kann dann prüfen, wie weit der Schaden reicht.

Bei Zündkabeln kann ein Marderbiss zu Fehlzündungen und unrundem Lauf führen. Auch unscheinbare Bissstellen können problematisch sein, wenn die Isolierung verletzt wurde. Deshalb ist „sieht noch fast ganz aus“ kein besonders guter Funktionstest.

Elektroauto: orange Kabel nicht anfassen

Bei Elektroautos kommen Hochvolt-Leitungen hinzu. Der ADAC weist darauf hin, dass Schäden an diesen Kabeln teuer werden können und Hochvoltsysteme je nach Fahrzeug mit 400 bis 800 Volt arbeiten.[3] Orange gekennzeichnete Hochvolt-Leitungen gehören deshalb nicht in eine private Schadensprüfung mit den Händen.

Zeigt das Fahrzeug eine Hochvolt- oder Isolationswarnung oder siehst du Beschädigungen an orangefarbenen Leitungen, nicht weiterfahren und fachkundige Hilfe holen.

Warum Marder nach einem Fahrzeugwechsel besonders bissig werden können

Der Steinmarder verteidigt sein Revier. Geruchsspuren eines anderen Tieres im Motorraum können dazu führen, dass ein Marder aggressiver an Schläuchen und Dämmmaterial arbeitet. Der ADAC empfiehlt nach einem festgestellten Besuch deshalb eine professionelle Motorwäsche, um Duftmarken zu reduzieren.[1]

Das erklärt auch, warum Schäden nach einem Ortswechsel häufiger auffallen können: Das Auto bringt Geruchsspuren aus einem anderen Revier mit.

Ultraschall, Gitter oder Stromplättchen?

Mechanische Abschottungen und elektrische Kontaktplättchen gelten als wirksamer als Duftsprays oder Hausmittel. Der ADAC nennt unter anderem Kabelschutz, Abschottungen des Motorraums und Elektroschock-Systeme als mögliche Schutzmaßnahmen.[1]

Ultraschall kann funktionieren, ist aber stark von Einbau, Frequenz und Umgebung abhängig. WC-Steine, Hundehaare oder andere Gerüche würde ich nicht als verlässlichen Schutz behandeln.

Was die Versicherung übernimmt

Direkte Marderschäden sind häufig über Teil- oder Vollkasko versichert. Entscheidend wird es bei Folgeschäden. Laut GDV hängt deren Erstattung vom konkreten Tarif ab.[2] Ein durchgebissener Kühlmittelschlauch kann vergleichsweise klein sein; ein daraus entstehender Motorschaden ist eine ganz andere Größenordnung.

Fotografiere sichtbare Bissspuren und beschädigte Teile vor der Reparatur. Bei größeren Schäden würde ich außerdem vorab klären, welche Nachweise die Versicherung verlangt.

Wenn nur Pfotenabdrücke da sind

Dann besteht kein Grund, automatisch vom schlimmsten Fall auszugehen. Schau trotzdem einmal in den Motorraum, besonders wenn das Auto regelmäßig draußen steht und die Spuren neu sind. Findest du nichts Auffälliges und das Fahrzeug startet ohne Warnmeldungen, spricht das eher für einen Besuch ohne erkennbaren Schaden.

Bei wiederholten Spuren würde ich nicht warten, bis der erste Schlauch angeknabbert ist. Dann lohnt eine Werkstattkontrolle und eine dauerhafte Schutzlösung eher als der nächste Duftspray-Versuch.

Quellen

  1. ADAC: Marder am Auto – Schäden erkennen und vorbeugen (abgerufen am 13.10.2026)
  2. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Mehr als 250.000 Marderschäden pro Jahr (abgerufen am 13.10.2026)
  3. ADAC: Marderschäden am Elektroauto (abgerufen am 13.10.2026)
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Verfasst von

Stefan Berger

Stefan schreibt über Werkzeug, Reparaturen und praktische Lösungen für drinnen und draußen. Bevor etwas ersetzt wird, schaut er lieber, ob es sich noch reparieren lässt.

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