Folge uns auf
Homepage » Haushalt » Auto & Mobilität » Reifendruck prüfen: Welcher Wert gilt?

Reifendruck prüfen: Welcher Wert gilt?

Du stehst an der Tankstelle, schraubst die Ventilkappe ab und willst nur kurz Luft nachfüllen. Dann kommt der eigentliche Haken: Im Auto steht nicht ein einziger Wert, sondern gleich mehrere. Vorn, hinten, leer, voll beladen, manchmal noch verschiedene Reifengrößen. Genau deshalb lohnt der Blick auf den Aufkleber in der Tür.

Reifendruck prüfen solltest du etwa alle zwei Wochen und zusätzlich vor längeren Fahrten, vor dem Urlaub oder nach einem deutlichen Temperaturwechsel. Gemessen wird am besten am kalten Reifen, also vor der Fahrt oder nach nur kurzer Strecke. Der richtige Wert steht meist an der B-Säule der Fahrertür, im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung.[1]

Wie oft du den Reifendruck prüfen solltest

Für den normalen Alltag ist ein Zwei-Wochen-Rhythmus eine gute Orientierung. Das klingt häufiger, als viele es machen, aber Reifen verlieren mit der Zeit Luft. Du siehst das nicht immer von außen. Ein Reifen kann zu wenig Druck haben und trotzdem noch völlig normal aussehen.

Vor längeren Autobahnfahrten, Urlaubsfahrten, Fahrten mit voller Beladung oder nach dem Reifenwechsel prüfst du zusätzlich. Auch im Herbst und Winter lohnt ein genauerer Blick, weil fallende Temperaturen den Luftdruck sinken lassen. Continental nennt als Faustwert 0,07 bis 0,14 bar weniger Druck pro 10 Grad Celsius Temperaturabfall.[2]

Wenn dein Auto ein Reifendruckkontrollsystem hat, bist du nicht vom Prüfen befreit. Das System warnt bei Druckverlust, ersetzt aber nicht die regelmäßige Kontrolle am Ventil. Seit November 2014 müssen in der EU neu zugelassene Pkw mit einem RDKS ausgestattet sein; prüfen musst du den Luftdruck trotzdem.[3]

Wie oft sollte man den Reifendruck wirklich prüfen?

Etwa alle zwei Wochen und zusätzlich vor längeren Fahrten. Wenn das Auto voll beladen ist, neue Reifen montiert wurden oder die Temperatur stark fällt, prüfst du früher. Das RDKS im Auto ist eine Warnung, kein Ersatz für die Kontrolle.

Was der Aufkleber in der Tür bedeutet

Der Reifendruck-Aufkleber sitzt häufig an der B-Säule bei geöffneter Fahrertür. Manchmal findest du ihn im Tankdeckel, im Handschuhfach oder nur in der Bedienungsanleitung. Er zeigt nicht irgendeinen Durchschnittswert, sondern die Herstellervorgabe für dein Auto.

Der Aufkleber ist oft dichter gepackt, als man erwartet:

Angabe auf dem Aufkleber Was sie bedeutet
Vorderachse und Hinterachse Vorn und hinten können unterschiedliche Druckwerte gelten.
Personen- oder Gepäcksymbol Werte für wenig oder volle Beladung.
Reifengröße Andere Felgen- oder Reifengrößen können andere Werte brauchen.
bar, kPa oder psi Unterschiedliche Einheiten für denselben Druckwert.
Eco- oder Komfortwert Manche Fahrzeuge zeigen mehrere erlaubte Varianten.

Für den Alltag nimmst du den Wert, der zu deiner aktuellen Reifengröße und Beladung passt. Fährst du allein oder mit wenig Gepäck, gilt meist die niedrigere Beladungsstufe. Fährst du mit Familie, Koffern, Dachbox oder Anhängelast, nimmst du den Wert für volle Beladung. Der Unterschied kann spürbar sein; je nach Fahrzeug und Beladung können die Herstellervorgaben deutlich auseinanderliegen.[1]

Kalte Reifen messen

Reifendruck misst du am besten, wenn der Reifen nicht warmgefahren ist. Beim Fahren erwärmt sich der Reifen, und der Druck steigt. Wenn du dann auf den kalten Sollwert ablässt, kann der Reifen später mit zu wenig Druck dastehen.

Gut ist eine Messung vor der Fahrt, auf dem Hof, an der heimischen Garage oder an einer Tankstelle in der Nähe. Wenn du schon länger gefahren bist, korrigiere nicht hektisch nach unten. Besonders bei warmen Reifen sollte Luft nicht einfach abgelassen werden, nur weil der angezeigte Wert höher wirkt.[4]

Miss immer alle vier Reifen. Wenn dein Auto ein Reserverad hat, gehört auch das gelegentlich dazu. Das wird gern vergessen und fällt erst auf, wenn es gebraucht wird.

So stellst du den Luftdruck an der Tankstelle ein

Die Geräte an Tankstellen unterscheiden sich etwas, der Ablauf bleibt ähnlich:

  1. Den passenden Sollwert vom Aufkleber oder aus der Bedienungsanleitung ablesen.
  2. Ventilkappe abschrauben und sicher in die Tasche oder auf den Reifen legen.
  3. Aufsatz gerade auf das Ventil drücken, bis kein Zischen mehr zu hören ist.
  4. Aktuellen Druck ablesen oder am Gerät den Zielwert einstellen.
  5. Luft nachfüllen oder ablassen, bis der passende Wert erreicht ist.
  6. Aufsatz lösen und Ventilkappe wieder fest aufschrauben.
  7. Den Vorgang an allen Reifen wiederholen.

Wenn es am Ventil zischt, sitzt der Aufsatz nicht dicht. Dann misst du falsch und verlierst währenddessen Luft. Kurz lösen, gerade neu ansetzen und erst dann ablesen.

Zu wenig Druck merkst du oft zu spät

Ein leicht platter Reifen fällt am stehenden Auto nicht immer auf. Genau das macht zu niedrigen Reifendruck unangenehm. Das Auto kann schwammiger lenken, auf nasser Straße schlechter bremsen, der Reifen wird stärker belastet und verschleißt schneller. Schon 0,4 bar unter dem Sollwert können den Verschleiß erhöhen und den Verbrauch steigen lassen.[1]

Zu viel Druck ist aber auch kein Ziel. Dann liegt der Reifen anders auf, die Mitte der Lauffläche nutzt sich stärker ab, der Komfort sinkt und die Haftung kann leiden. Du suchst also nicht den höchsten Wert, sondern den passenden Wert für Reifengröße, Achse und Beladung.

Wann du zusätzlich prüfen solltest

Neben dem Zwei-Wochen-Rhythmus gibt es ein paar Situationen, in denen du nicht warten solltest:

  • vor längeren Autobahn- und Urlaubsfahrten
  • nach dem Wechsel auf Sommer- oder Winterreifen
  • bei voller Beladung, Dachbox, Fahrradträger oder Anhänger
  • wenn die RDKS-Warnleuchte angeht
  • nach starkem Temperaturabfall
  • wenn ein Reifen sichtbar anders wirkt als die anderen

Leuchtet das RDKS, fährst du nicht einfach tagelang weiter. Ist ein Reifen sichtbar platt oder beschädigt, bleibt das Auto stehen. Sieht äußerlich nichts auffällig aus, prüfst du den Druck möglichst bald und suchst bei wiederholtem Druckverlust nach Ursache, etwa Nagel, Ventilproblem oder Felgenschaden.

Warum der Druck nach dem Reifenwechsel anders sein kann

Nach dem Wechsel von Sommer- auf Winterreifen oder umgekehrt passt der alte Druck nicht automatisch. Andere Reifengröße, andere Beladung, andere Temperaturen und längere Lagerzeit verändern die Ausgangslage. Deshalb nach dem Montieren immer neu prüfen.

Bei Fahrzeugen mit RDKS kann außerdem ein Reset oder Anlernen nötig sein. Das hängt vom System ab. Manche Autos nutzen direkte Sensoren im Reifen, andere arbeiten indirekt über die Raddrehzahl. Welches System verbaut ist und wie es zurückgesetzt wird, steht in der Bedienungsanleitung.[3]

Die häufigsten Fehler beim Reifendruck

Der erste Fehler ist der Blick nur auf den Reifen. Ein Reifen mit zu wenig Druck sieht nicht zwingend platt aus. Der zweite Fehler ist der falsche Wert vom Aufkleber. Wer voll beladen mit dem Leerfahrzeug-Wert losfährt, fährt nicht mit der passenden Vorgabe.

Auch warme Reifen führen leicht zu Verwirrung. Wenn du nach längerer Fahrt misst, ist der Wert höher als am kalten Reifen. Nicht einfach Luft ablassen, nur damit die Anzeige zum kalten Sollwert passt. Besser später kalt prüfen.

Der dritte Klassiker: nur den Reifen korrigieren, der komisch aussieht. Reifendruck wird immer rundum geprüft. Vorderachse und Hinterachse können verschiedene Werte brauchen, aber die beiden Reifen einer Achse sollten gleich eingestellt sein.

Was du dir merken kannst

Reifendruck prüfen dauert nur wenige Minuten, aber der richtige Wert kommt nicht aus dem Bauchgefühl. Öffne die Fahrertür, lies den Aufkleber, wähle die Zeile für deine Reifengröße und Beladung und miss am kalten Reifen.

Alle zwei Wochen ist ein guter Rhythmus. Vor Urlaub, Autobahn, voller Beladung, Reifenwechsel und bei RDKS-Warnung prüfst du zusätzlich. Der Aufkleber in der Tür ist dabei keine Deko, sondern die wichtigste Angabe für dein Auto.

Quellen

  1. ADAC: Der richtige Luftdruck beim Auto: Reifendruck messen, einstellen, prüfen (abgerufen am 02.07.2026)
  2. Continental: Reifendruck im Winter (abgerufen am 02.07.2026)
  3. ÖAMTC: Reifendruck-Kontrollsysteme (abgerufen am 02.07.2026)
  4. ADAC: Beim Reifenwechsel richtig Druck machen (abgerufen am 02.07.2026)

Stand: · Inhalte werden bei Bedarf aktualisiert.

FAQs zum Thema Reifendruck prüfen

Wie oft sollte ich den Reifendruck am Auto prüfen?

Etwa alle zwei Wochen. Zusätzlich solltest du vor längeren Fahrten, nach dem Reifenwechsel, bei voller Beladung, nach starkem Temperaturabfall und bei einer RDKS-Warnung prüfen.

Wo finde ich den richtigen Reifendruck für mein Auto?

Meist steht der richtige Reifendruck auf einem Aufkleber an der B-Säule der Fahrertür oder im Tankdeckel. Alternativ findest du die Werte in der Bedienungsanleitung. Achte auf Reifengröße, Vorder- und Hinterachse sowie Beladung.

Was bedeuten die Symbole auf dem Reifendruck-Aufkleber?

Die Symbole zeigen meist unterschiedliche Beladungen. Wenige Personen und wenig Gepäck stehen für den normalen Wert. Viele Personen, Gepäck, Dachbox oder Urlaubsladung bedeuten den höheren Wert für volle Beladung.

Soll ich den Reifendruck kalt oder warm prüfen?

Am besten kalt, also vor der Fahrt oder nach nur kurzer Strecke. Warme Reifen zeigen einen höheren Druck. Deshalb solltest du nach längerer Fahrt nicht einfach Luft ablassen, nur um den kalten Sollwert zu treffen.

Ersetzt das Reifendruckkontrollsystem die Kontrolle?

Nein. Das RDKS warnt bei Druckverlust, ersetzt aber nicht die regelmäßige Kontrolle. Gerade schleichender Luftverlust, Temperaturwechsel oder falsche Werte nach dem Reifenwechsel sollten trotzdem geprüft werden.

Muss der Reifendruck vorne und hinten gleich sein?

Nicht immer. Viele Fahrzeuge haben unterschiedliche Werte für Vorder- und Hinterachse. Der Aufkleber im Auto zeigt, welcher Druck für welche Achse und Beladung gilt.

Verfasst von

Stefan Berger

Glaubt fest daran, dass man fast alles mit dem richtigen Werkzeug und ein bisschen Fluchen reparieren kann, bevor es auf dem Schrottplatz landet.

Zum vollständigen Autorenprofil →

Schreibe einen Kommentar