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Regenschirm richtig trocknen: offen oder geschlossen?

Man kommt klatschnass nach Hause, stellt den Regenschirm in die Ecke und denkt erst wieder an ihn, wenn es zwei Tage später erneut regnet. Noch ungünstiger ist nur die Variante, bei der der feuchte Taschenschirm sofort zusammengefaltet in seiner Hülle verschwindet. Ein nasser Regenschirm sollte erst vollständig trocknen, bevor du ihn zusammenlegst und verstaust. Feuchtigkeit bleibt sonst nicht nur im Stoff hängen, sondern auch am Gestell und in den Gelenken. Beim Trocknen selbst gibt es allerdings eine kleine Überraschung: Ob der Schirm dabei komplett oder nur teilweise geöffnet sein sollte, wird selbst von Herstellern unterschiedlich beantwortet.

Nass zusammengefaltet sollte der Schirm nicht bleiben

Der Stoff eines Regenschirms trocknet langsam, wenn mehrere feuchte Lagen eng aufeinanderliegen. Gleichzeitig bleiben Streben, Gelenke und andere Teile des Gestells länger nass. Das kann auf Dauer Flecken, unangenehmen Geruch und bei entsprechend anfälligen Metallteilen Korrosion begünstigen.

Dass vollständiges Trocknen wichtiger ist als irgendein komplizierter Pflegetrick, findet sich entsprechend auch in den Herstellerhinweisen. Knirps, ein bekannter Hersteller von Taschen- und Stockschirmen, nennt trockenes Verstauen und das Vermeiden von Staunässe als wesentliche Punkte für eine lange Lebensdauer.[1] Bei doppler werden ebenfalls ausdrücklich Stoff und Gestell einbezogen; insbesondere das Gestell soll vollständig trocknen, damit sich Verschmutzungen und Rost möglichst nicht festsetzen.[2]

Wenn der Schirm unterwegs für ein paar Minuten nass in die Tasche muss, ist das natürlich etwas anderes. Zu Hause würde ich ihn dann aber wieder herausnehmen und trocknen lassen, statt ihn bis zum nächsten Regentag vergessen zu lassen.

Ganz aufspannen oder nur halb öffnen?

Genau hier wird es interessanter. Der oft gehörte Rat lautet, einen Regenschirm vollständig geöffnet trocknen zu lassen. Für Knirps-Schirme steht das tatsächlich so in den aktuellen Pflegehinweisen: Nach Gebrauch soll der Schirm aufgespannt an der Luft trocknen.[1]

Bei doppler findet sich dagegen auf einer aktuellen Produktübersicht eine andere Empfehlung. Dort soll der Schirm nur halb aufgespannt beziehungsweise aufgehängt trocknen, weil der komplett geöffnete Bezug dauerhaft stärker unter Spannung steht.[3]

Das ist kein Grund, aus dem Regenschirmtrocknen eine Wissenschaft zu machen. Es zeigt eher, warum eine einzige Regel nicht zu jedem Modell passen muss. Bei einem hochwertigen oder konstruktiv ungewöhnlichen Schirm würde ich deshalb kurz nachsehen, was der Hersteller für dieses Modell vorsieht.

Wenn du keine Anleitung mehr hast

Sorge vor allem dafür, dass Luft an den nassen Stoff kommt und das Gestell vollständig trocknen kann. Lass den Schirm nicht zusammengerollt oder mit geschlossenem Verschlussband stehen. Eine lockere beziehungsweise teilweise geöffnete Position belastet den Bezug weniger stark als ein dauerhaft straff gespannter Schirm und lässt die Stofflagen trotzdem voneinander weg.

Heizung und Föhn machen das Trocknen nicht besser

Nach einem kräftigen Regenschauer soll es manchmal schneller gehen, also landet der Schirm direkt neben dem Heizkörper. Nötig ist das nicht. Normale Luftzirkulation reicht vollkommen aus, und zusätzliche Hitze kann Materialien beziehungsweise Beschichtungen unnötig belasten.

In den Pflegehinweisen von doppler werden Heizkörper und Föhn deshalb ausdrücklich nicht als Beschleuniger empfohlen; der Schirm soll ohne zusätzliche Wärmequelle trocknen.[2] Praktisch ist ein Platz im Bad, Flur oder Hauswirtschaftsraum, an dem etwas Wasser auf dem Boden kein Drama ist.

Bei einem tropfnassen Stockschirm kannst du ihn zunächst über Badewanne oder Dusche abtropfen lassen. Einen Taschenschirm würde ich ebenfalls nicht direkt auf empfindliches Holz oder Laminat stellen – irgendwo sammelt sich am Ende doch noch eine kleine Pfütze.

Wenn der Regenschirm schon muffig riecht

Ein Schirm, der wiederholt feucht zusammengefaltet wurde, kann irgendwann abgestanden riechen. Dann würde ich ihn zunächst vollständig öffnen beziehungsweise nach Herstellerangabe ausbreiten und gründlich trocknen lassen. Oft verschwindet ein leichter Geruch schon nach längerem Lüften.

Sitzt sichtbarer Schmutz auf dem Stoff, reicht meist eine schonende Reinigung. Knirps nennt dafür einen weichen Schwamm beziehungsweise ein weiches Tuch und lauwarmes Wasser. Auch doppler setzt bei Flecken auf ein feuchtes Tuch und warnt vor groben Bürsten und aggressiven Reinigungsmitteln, weil dadurch die wasserabweisende Ausrüstung des Stoffes leiden kann.[1][2]

Danach beginnt das Spiel allerdings wieder von vorn: Der gereinigte Schirm muss vollständig trocknen. Einen noch feuchten Bezug direkt nach der Reinigung zusammenzurollen wäre ziemlich kontraproduktiv.

Roststellen am Gestell würde ich nicht ignorieren

Ein paar orangebraune Punkte an einer Strebe bedeuten nicht automatisch, dass der Schirm sofort ersetzt werden muss. Sie zeigen aber, dass Feuchtigkeit offenbar länger an einer Stelle geblieben ist oder die Oberflächenbeschichtung dort bereits beschädigt wurde.

Kleine oberflächliche Stellen kannst du zunächst trocken abwischen und beobachten. Bei Gelenken wäre ich mit Öl oder irgendwelchen Rostlösern auf Verdacht zurückhaltend: Was für ein Metallgelenk geeignet ist, kann auf dem angrenzenden Schirmstoff Flecken hinterlassen oder dessen Beschichtung beeinträchtigen.

Problematischer wird es, wenn Streben bereits stark korrodiert, verbogen oder an Gelenken instabil sind. Ein Regenschirm steht bei Wind unter erheblicher mechanischer Belastung. Ein beschädigtes Gestell würde ich deshalb nicht mit Gewalt weiterverwenden.

Erst trocken kommt der Taschenschirm wieder in seine Hülle

Ist alles trocken, kannst du die Stoffbahnen wieder ordentlich um den Stock legen und das Verschlussband schließen. Es muss dabei nicht möglichst fest gezogen werden. Knirps nennt in seinen Pflegehinweisen ebenfalls ein vorsichtiges Zusammenlegen und ein nicht zu straffes Verschlussband.[4]

Bei einem Taschenschirm kommt anschließend wieder die Hülle darüber. Die ist vor allem unterwegs praktisch, weil ein kurzzeitig nasser Schirm dann nicht direkt den Inhalt der Tasche durchnässt. Für die langfristige Aufbewahrung gilt trotzdem: Erst trocknen, dann einpacken.

Mehr Pflege braucht ein normaler Regenschirm im Alltag eigentlich nicht. Nach dem Regen bekommt er Zeit und Luft zum Trocknen, anschließend wird er locker zusammengelegt und trocken verstaut. Ob dein Modell dabei komplett oder nur teilweise geöffnet stehen soll, ist einer der seltenen Fälle, bei denen die Anleitung des Herstellers tatsächlich hilfreicher ist als eine pauschale Internetregel.

Quellen

  1. Knirps: Qualität, Pflege und Gebrauch – Trocknen, Reinigen und Verstauen von Regenschirmen (abgerufen am 03.09.2026)
  2. doppler: Regenschirm-Ratgeber – Trocknung des Gestells, Reinigung und Pflege (abgerufen am 03.09.2026)
  3. doppler: Regenschirme – Hinweise zum halb geöffneten Trocknen (abgerufen am 03.09.2026)
  4. Knirps: Häufige Fragen – Regenschirm trocknen und anschließend zusammenlegen (abgerufen am 03.09.2026)
Verfasst von

Leonie Wickstein

Leonie schreibt über Upcycling, kreative Reparaturen und Ideen für ein gemütliches Zuhause. Dabei zeigt sie auch, was nicht sofort klappt und worauf es beim Nachmachen ankommt.

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