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Warum scharrt meine Katze neben dem Futternapf?

Die Katze frisst ein paar Bissen, setzt eine Pfote neben den Napf und scharrt über Fliesen, Matte oder Parkett, als läge dort lockere Erde. Manche ziehen sogar ein Tuch Richtung Futter. Dieses „Vergraben“ ist bei Katzen meist normales, instinktives Verhalten und bedeutet nicht automatisch, dass das Futter schlecht ist.

Bei frei lebenden Katzen kann überschüssige Beute zeitweise versteckt werden. Ein ähnliches Grabverhalten taucht deshalb auch bei Hauskatzen rund um den Futternapf auf, obwohl auf dem Küchenboden natürlich nichts zu vergraben ist.[1]

Nach dem Fressen scharren passt besonders gut zum Verstecken von Resten

Hat deine Katze normal gefressen und beginnt erst danach mit dem Scharren, ist das häufig schlicht der Versuch, übrig gebliebenes Futter „wegzupacken“.

Die britische Katzenschutzorganisation Cats Protection ordnet dieses Verhalten als sogenanntes Food Covering beziehungsweise Caching ein: Futterreste werden instinktiv verdeckt, etwa um Geruch zu reduzieren oder Nahrung vor anderen Tieren zu verbergen.[2]

Das muss nicht bedeuten, dass deine Katze später tatsächlich wiederkommt. Das Bewegungsmuster kann auch dann ablaufen, wenn sie längst satt ist.

Scharren vor dem ersten Bissen erzählt eine andere Geschichte

Geht die Katze zum Napf, riecht daran, frisst nichts und beginnt sofort zu scharren, würde ich genauer hinschauen. Vielleicht ist sie gerade nicht hungrig, das Futter riecht anders als gewohnt oder der Futterplatz stört sie.

Aus der Pfotenbewegung allein lässt sich aber nicht ablesen: „Das schmeckt ihr nicht.“ Einige Katzen scharren bei Futter, das sie anschließend völlig normal fressen.

Entscheidender ist deshalb die Kombination aus Scharren und tatsächlicher Futteraufnahme.

Wenn sie trotzdem normal frisst, musst du nichts abgewöhnen

Eine Katze, die ihr normales Gewicht hält, gut frisst und nach der Mahlzeit ein paarmal neben dem Napf kratzt, braucht dafür kein Training.

Strafen würde ich komplett lassen. Das Verhalten ist nicht „ungezogen“. Wenn es dich wegen des Bodens stört, leg eine abwischbare, rutschfeste Unterlage unter den Napf oder räum den Napf nach der Mahlzeit weg.

Cats Protection empfiehlt bei störendem Food Covering ebenfalls eher praktische Änderungen rund um den Futterplatz als eine Bestrafung.[2]

Die Napfmatte wird zur Decke

Manche Katzen gehen einen Schritt weiter und ziehen Zeitung, Geschirrtuch oder Napfmatte über das Futter. Das sieht erstaunlich zielgerichtet aus.

Auch das passt zum Verbergen beziehungsweise Abdecken von Futter. Entferne lose Textilien einfach aus Reichweite, wenn regelmäßig Nassfutter darin landet.

Bei einer schweren, flachen Unterlage kann die Katze weiter scharren, ohne den halben Küchenboden umzudekorieren.

Zu große Portionen können das Verhalten häufiger machen

Wenn nach jeder Mahlzeit viel Futter übrig bleibt, kann eine kleinere Portion sinnvoll sein. Die Tagesration bleibt dabei gleich, wird aber auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt.

Katzen nehmen natürlicherweise eher mehrere kleinere Mahlzeiten auf als eine sehr große Portion. Die veterinärmedizinische Wissensplattform Royal Canin Academy beschreibt außerdem, dass überschüssige Beute bei Katzen zeitweise versteckt werden kann und dieser Zusammenhang das Grabverhalten am Napf erklären kann.[1]

Bei Nassfutter hat die kleinere Portion noch einen Vorteil: Es steht nicht unnötig lange offen herum.

Der Futterplatz sollte nicht direkt am Katzenklo liegen

Wenn eine Katze erst seit einem Umzug des Napfes scharrt oder beim Fressen unruhig wirkt, schau auf den Standort. Futter, Wasser und Toilette müssen nicht wie eine kleine Katzenstation direkt nebeneinander stehen.

Gerade in Mehrkatzenhaushalten können getrennte Futterstellen entspannter sein. Die Royal Canin Academy empfiehlt räumlichen Abstand zwischen Futterplätzen und Katzentoiletten und berücksichtigt bei mehreren Katzen auch den Wettbewerb um Ressourcen.[3]

Ein ruhiger Platz, an dem niemand ständig vorbeiläuft, reicht oft schon.

Scharrt sie nur bei einer bestimmten Futtersorte?

Dann kannst du das im Hinterkopf behalten, ohne das Verhalten sofort als Geschmacksurteil zu interpretieren. Beobachte lieber, wie viel sie wirklich frisst.

Wenn sie die neue Sorte normal aufisst und danach scharrt, spricht wenig dafür, dass sie das Futter komplett ablehnt. Riecht sie nur daran, scharrt und geht weg, kann die Sorte, Konsistenz oder Frische eine Rolle spielen.

Trockenfutter sollte kühl und trocken gelagert und nicht über das Haltbarkeitsdatum hinaus verfüttert werden. Das Cornell Feline Health Center der US-amerikanischen Cornell University weist darauf hin, dass lange Lagerung Geschmack und Fettqualität beeinträchtigen kann.[4]

Plötzlich neu und gleichzeitig schlechter Appetit?

Dann würde ich nicht bei der Verhaltensdeutung stehen bleiben. Eine Katze kann rund um den Napf scharren und gleichzeitig aus einem völlig anderen Grund weniger fressen.

Wenn das Verhalten neu ist und zusätzlich Erbrechen, Gewichtsverlust, Speicheln, auffälliges Kauen, Durchfall oder deutliche Futterverweigerung dazukommen, gehört die Katze tierärztlich untersucht. Cats Protection nennt plötzlich stark verändertes Food Covering zusammen mit fehlender Futteraufnahme ebenfalls als Situation, bei der ein gesundheitlicher Grund abgeklärt werden sollte.[2]

Mehrere Katzen können das Futterverhalten verändern

Kommt eine zweite Katze dazu oder drängt sich eine andere Katze regelmäßig am Napf vorbei, kann Futter plötzlich stärker „gesichert“ werden.

Stell in solchen Haushalten nicht alle Näpfe direkt nebeneinander. Räumliche Trennung nimmt Druck aus der Situation und macht es leichter zu erkennen, wer tatsächlich wie viel frisst.

Das ist auch dann hilfreich, wenn eine Katze sehr langsam und die andere extrem schnell frisst.

Wasser neben dem Futternapf ist ein eigener Fall

Einige Katzen scharren auch neben dem Wassernapf. Das sieht ähnlich aus, muss aber nicht exakt dieselbe Bedeutung haben.

Prüfe dort zuerst, ob der Napf wackelt, ob Wasser danebensteht oder ob die Katze damit spielt. Ein schwerer Napf auf rutschfester Unterlage verhindert zumindest, dass aus dem Scharren regelmäßig eine Pfütze wird.

Wann würde ich am Futterplatz etwas ändern?

  • Wenn die Katze beim Scharren regelmäßig Näpfe umwirft oder Nassfutter verteilt.
  • Wenn mehrere Katzen sich am selben Futterplatz bedrängen.
  • Wenn der Napf direkt neben der Toilette oder in einem unruhigen Durchgang steht.
  • Wenn große Portionen fast immer stehen bleiben.
  • Wenn der Napf oder die Unterlage starke Gerüche angenommen hat.

Dann geht es nicht darum, das Scharren „wegzutrainieren“, sondern die Fütterung angenehmer zu machen.

Ein paar Pfotenbewegungen nach dem Essen sind meistens einfach Katze

Frisst deine Katze normal und scharrt danach kurz neben dem Futternapf, kannst du das in der Regel als normales Food-Covering abhaken. Manche Katzen zeigen es oft, andere überhaupt nicht.

Interessant wird die Veränderung erst, wenn das Scharren neu und auffällig ist und gleichzeitig die Futteraufnahme oder das übrige Verhalten kippt. Dann zählt nicht die Pfote auf dem Boden, sondern das Gesamtbild.

Quellen

  1. Royal Canin Academy: Ernährungsverhalten bei Katzen und Grabverhalten nach der Nahrungsaufnahme (abgerufen am 06.10.2026)
  2. Cats Protection: Warum Katzen ihr Futter abdecken beziehungsweise vergraben (abgerufen am 06.10.2026)
  3. Royal Canin Academy: Futterplätze, Katzentoiletten und Ressourcen bei Katzen (abgerufen am 06.10.2026)
  4. Cornell University College of Veterinary Medicine: Fütterung und Lagerung von Katzenfutter (abgerufen am 06.10.2026)
Verfasst von

Leni Wehner

Leni schreibt über Reinigung, Lebensmittel und das Leben mit zwei Katzen. Dabei probiert sie praktische Tipps selbst aus und schaut, was zu Hause tatsächlich funktioniert.

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