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Warum schnurren Katzen? Nicht nur aus Wohlgefühl

Eine Katze liegt halb auf deinem Schoß, halb auf der Tastatur, die Augen sind geschlossen und irgendwo tief im Brustkorb läuft dieser kleine Motor. In so einer Situation ist die Sache ziemlich klar: Das Schnurren gehört zur entspannten Stimmung. Nur lässt sich das nicht auf jede schnurrende Katze übertragen. Katzen schnurren bei Wohlbefinden und engem Sozialkontakt, aber auch in angespannten Situationen und manchmal bei Schmerzen. Das Geräusch allein sagt deshalb erstaunlich wenig. Interessanter ist, was die Katze währenddessen sonst macht.

Beim Kuscheln ist Schnurren meistens das, wonach es aussieht

Liegt die Katze locker da, sind Ohren und Gesicht entspannt und vielleicht kommen noch langsames Blinzeln oder Milchtritt mit den Vorderpfoten dazu, passt das Schnurren gut zu Wohlbefinden. Viele Katzen beginnen damit schon, sobald sie sich neben einen vertrauten Menschen legen oder gestreichelt werden.

Das Geräusch begleitet soziale Nähe außerdem schon sehr früh im Katzenleben. Junge Kätzchen können bereits kurz nach der Geburt schnurren und nutzen Lautäußerungen im Kontakt mit ihrer Mutter. Die britische Katzenschutzorganisation Cats Protection ordnet das frühe Schnurren unter anderem als Teil dieser Kommunikation zwischen Mutterkatze und Nachwuchs ein.[1]

Dass erwachsene Katzen später beim Körperkontakt mit uns schnurren, passt also durchaus zu diesem sozialen Hintergrund. Ob eine Katze dabei laut brummt oder man das Schnurren fast nur mit der Hand am Hals spürt, ist allerdings individuell sehr verschieden.

Manche Katzen schnurren auch, wenn sie etwas wollen

Wer morgens von einer schnurrenden Katze Richtung Futterschrank begleitet wird, hat möglicherweise schon eine etwas andere Variante gehört. Sie klingt häufig nicht ganz so gemütlich wie das tiefe Brummen auf dem Sofa.

In einer Studie in der Fachzeitschrift Current Biology wurden Schnurrlaute von Katzen untersucht, die ihre Menschen zum Füttern bewegen wollten. In diesen Lauten steckte zusätzlich eine höhere, rufähnliche Komponente. Testpersonen empfanden dieses sogenannte „solicitation purr“ als dringlicher als gewöhnliches Schnurren – sogar dann, wenn sie selbst keine Katzenerfahrung hatten.[2]

Das heißt nicht, dass Katzen bewusst einen akustischen Trick planen. Es zeigt aber schön, dass Schnurren nicht einfach nur ein gleichförmiges Geräusch mit der Übersetzung „mir geht es gut“ ist. Katzen können es offenbar auch in Situationen einsetzen, in denen sie Aufmerksamkeit oder Futter möchten.

Eine Katze kann beim Tierarzt schnurren und trotzdem gestresst sein

Spannend wird es, wenn die Situation überhaupt nicht gemütlich wirkt. Manche Katzen schnurren in der Transportbox, auf dem Behandlungstisch oder nachdem sie sich erschreckt haben. Dann lohnt es sich, das vertraute Geräusch einmal auszublenden und stattdessen die Katze anzusehen.

Angelegte oder seitlich gedrehte Ohren, große Pupillen, ein angespannter Körper, geduckte Haltung oder der Versuch, sich zu verstecken, passen nicht zu einer entspannten Katze. Schnurren kann solche Stresssituationen trotzdem begleiten.[1] Eine mögliche Erklärung ist, dass es auch der Selbstberuhigung dient. Vollständig geklärt ist diese Funktion bislang nicht.

Das erklärt auch die manchmal etwas absurde Situation beim Tierarzt: Die Katze schnurrt so laut, dass Herz und Lunge kaum abzuhören sind, obwohl sie den Ausflug offensichtlich nicht bestellt hat.

Auch Schmerzen können mit Schnurren einhergehen

Gerade dieser Punkt wird leicht übersehen, weil wir Schnurren so stark mit Zufriedenheit verbinden. Eine kranke oder verletzte Katze kann ruhig daliegen und schnurren, obwohl sie sich nicht wohlfühlt. Katzen zeigen Schmerzen ohnehin oft wesentlich unauffälliger, als man erwarten würde.

Bei der Einschätzung zählt deshalb das Gesamtbild. Der nordamerikanische Tierklinikverbund VCA Animal Hospitals führt ungewöhnliches Schnurren ausdrücklich unter möglichen Verhaltensänderungen bei Schmerzen auf. Dazu passen etwa Rückzug, geringere Aktivität, Schwierigkeiten beim Springen, veränderte Körperhaltung oder weniger Interesse am Futter.[3]

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass eine schnurrende Katze automatisch Schmerzen hat. Wenn sie wie jeden Abend entspannt auf dem Sofa liegt, frisst, spielt und sich normal bewegt, gibt es keinen Grund, aus ihrem Schnurren plötzlich ein Krankheitssymptom zu machen.

Ob Schnurren tatsächlich die Heilung fördert, ist nicht belegt

Rund um das Schnurren hält sich eine besonders schöne Geschichte: Die niedrigen Frequenzen sollen Knochen und Gewebe heilen, Schmerzen lindern und erklären, warum Katzen sich angeblich so gut von Verletzungen erholen. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht – Schnurren liegt tatsächlich in einem ungewöhnlich niedrigen Frequenzbereich. Daraus wird im Netz allerdings häufig mehr Gewissheit gemacht, als die Forschung hergibt.

Es gibt Hypothesen über mögliche physiologische Effekte dieser Vibrationen, aber keinen belastbaren Nachweis dafür, dass Katzen gezielt schnurren, um Knochen oder andere Gewebe zu reparieren. Als Erklärung dafür, warum eine verletzte Katze schnurrt, würde ich deshalb eher vorsichtig bleiben. Selbstberuhigung, Kommunikation und die jeweilige emotionale Situation sind deutlich näher an dem, was sich beobachten lässt.[1]

Wie Katzen schnurren, ist ebenfalls spannender geworden

Jahrzehntelang wurde das Schnurren meist so erklärt: Nervenimpulse lassen Muskeln im Kehlkopf rhythmisch arbeiten, dadurch wird der Luftstrom beim Ein- und Ausatmen immer wieder unterbrochen und das typische Geräusch entsteht. Ganz erledigt ist diese Erklärung nicht, aber seit einigen Jahren passt sie nicht mehr so sauber wie früher.

2023 untersuchte ein internationales Forschungsteam die Kehlköpfe von acht Hauskatzen. Alle acht konnten in einem Versuchsaufbau schnurrähnliche Schwingungen von etwa 25 bis 30 Hertz erzeugen, obwohl keine Nervenimpulse und aktiven Muskelkontraktionen mehr beteiligt waren. Im Gewebe der Stimmlippen fanden die Forschenden außerdem kleine Bindegewebsstrukturen, die offenbar dabei helfen, solche ungewöhnlich tiefen Frequenzen zu erzeugen.[4]

Damit ist noch nicht jede Einzelheit des echten Schnurrens einer lebenden Katze geklärt. Die Untersuchung zeigt aber, dass der Kehlkopf selbst wesentlich mehr zur tiefen Schwingung beitragen kann, als lange angenommen wurde. Die alte Erklärung vom rein muskelgesteuerten „Schnurrmotor“ ist also zumindest unvollständig.

Am besten hörst du nicht nur hin

Beim eigenen Tier wird der Kontext meistens schnell zur Gewohnheit. Das Schnurren auf der Decke kurz vor dem Einschlafen klingt anders als das aufgeregte Brummen in der Transportbox. Dazu kommen Haltung, Ohren, Augen, Schwanz und die Frage, was unmittelbar vorher passiert ist.

Deshalb lässt sich die Frage „Warum schnurren Katzen?“ auch nicht mit einem einzigen Gefühl beantworten. Häufig genießen sie gerade Nähe und Ruhe. Manchmal möchten sie etwas, gelegentlich versuchen sie offenbar, mit einer unangenehmen Situation zurechtzukommen, und bei einer kranken Katze kann Schnurren sogar mit Schmerzen zusammenfallen.

Das macht das Geräusch eigentlich interessanter als die einfache Übersetzung „Katze glücklich“. Wenn deine Katze neben dir zusammengerollt liegt und dabei zufrieden vor sich hin brummt, darfst du es trotzdem genau so verstehen.

Quellen

  1. Cats Protection: Why does my cat purr? – Wohlbefinden, Kommunikation, Stress und Schmerzen (abgerufen am 03.09.2026)
  2. Current Biology: The cry embedded within the purr – Untersuchung des auffordernden Schnurrens bei Hauskatzen (14.07.2009, abgerufen am 03.09.2026)
  3. VCA Animal Hospitals: How do I know if my cat is in pain? – Verhaltensänderungen und ungewöhnliches Schnurren bei Schmerzen (abgerufen am 03.09.2026)
  4. Current Biology: Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input – Forschung zum Entstehungsmechanismus des Schnurrens (06.11.2023, abgerufen am 03.09.2026)
Verfasst von

Leni Wehner

Leni schreibt über Reinigung, Lebensmittel und das Leben mit zwei Katzen. Dabei probiert sie praktische Tipps selbst aus und schaut, was zu Hause tatsächlich funktioniert.

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