Die Heizung zu entlüften kann helfen, wenn ein Heizkörper gluckert oder im oberen Bereich kalt bleibt, obwohl das Thermostat geöffnet ist. Luft sammelt sich bevorzugt an hohen Stellen und kann dort den Durchfluss des Heizungswassers behindern.[1]
Ein komplett kalter Heizkörper ohne Gluckern muss dagegen nicht voller Luft sein. Auch ein klemmendes Thermostatventil, zu geringer Anlagendruck oder Probleme mit der hydraulischen Verteilung kommen infrage. Entlüften ist deshalb eine konkrete Maßnahme für typische Symptome – keine Standardkur für jeden Heizkörper.
Vor dem Schlüssel kommt der Blick auf die Anlage
Bei einer eigenen Heizungsanlage kannst du häufig auch auf Wärmeerzeuger, Umwälzpumpe und Manometer zugreifen. In einer Mietwohnung mit Zentralheizung fehlen diese Möglichkeiten meist. Das verändert den Ablauf.
Viessmann nennt für Anlagen mit zugänglicher Umwälzpumpe folgenden Weg: Pumpe abschalten, Thermostate vollständig öffnen und 30 bis 60 Minuten warten, damit sich die Luft sammeln kann.[1] Vaillant beschreibt ebenfalls das Abschalten von Heizung beziehungsweise Umwälzpumpe bei einer eigenen Anlage, unterscheidet aber ausdrücklich den Fall einer Wohnung mit Zentralheizung.[2]
Mietwohnung mit Zentralheizung
Wenn du keinen Zugang zur Heizungsanlage hast, verstellst du nicht auf eigene Faust Pumpen, Kessel oder zentrale Absperrungen. Den Heizkörper selbst kannst du nach den Vorgaben für deine Anlage entlüften. Muss ständig Luft heraus oder bleibt der Heizkörper danach kalt, gehört die Hausverwaltung beziehungsweise der Heizungsbetrieb dazu.
So lässt du die Luft kontrolliert heraus
Du brauchst einen passenden Entlüftungsschlüssel, ein kleines Gefäß und ein Tuch. Das Ventil sitzt bei klassischen Heizkörpern meist oben auf der gegenüberliegenden Seite des Thermostats.
- Stelle das Thermostat nach dem für deine Anlage vorgesehenen Ablauf ein. Bei einer eigenen Anlage werden die Thermostate für das Entlüften üblicherweise vollständig geöffnet.
- Schalte die Umwälzpumpe ab, wenn du Zugriff darauf hast, und warte etwa 30 bis 60 Minuten.[1]
- Halte Gefäß und Tuch direkt unter das Entlüftungsventil.
- Öffne das Ventil langsam nur so weit, bis Luft hörbar entweicht. Heizungswasser kann heiß sein.
- Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrom ohne Luft kommt, schließt du das Ventil wieder. Nicht mit Kraft festziehen.
- Nach dem Entlüften nimmst du die Anlage wieder in Betrieb und kontrollierst den Systemdruck.
Bei der Reihenfolge gibt es keine einzige Herstellerregel
Der alte Rat, grundsätzlich immer am tiefsten Heizkörper zu beginnen, ist zu pauschal. Selbst große Heizungshersteller beschreiben unterschiedliche Abläufe. Viessmann beginnt in seiner Anleitung mit dem höchstgelegenen Heizkörper, während Vaillant bei einem Einfamilienhaus von der untersten Etage nach oben arbeitet.[1][2]
Wenn die Anleitung deiner Heizungsanlage eine Reihenfolge nennt, hat sie Vorrang. Gerade bei größeren Gebäuden, mehreren Heizkreisen, Fußbodenheizung oder automatischen Entlüftern lässt sich eine allgemeine Regel aus einem kurzen Ratgeber nicht sauber auf jede Anlage übertragen.
Der Druck wird erst nach dem Entlüften interessant
Beim Entlüften tritt neben Luft immer etwas Heizungswasser aus. Dadurch kann der Anlagendruck sinken. Viessmann nennt die Kontrolle des Manometers ausdrücklich als Schritt nach dem Entlüften.[1]
Eine universelle Zahl wie „jede Heizung muss auf 1,5 bar stehen“ wäre allerdings falsch. Der erforderliche Druck hängt unter anderem von Gebäudehöhe und Anlage ab. Nutze die Kennzeichnung am Manometer beziehungsweise die Unterlagen des Herstellers.
Auch das Nachfüllen sollte nicht automatisch mit einem Gartenschlauch und Leitungswasser passieren. Vaillant weist darauf hin, dass für moderne Anlagen nicht in jedem Fall normales Leitungswasser als Füllwasser geeignet ist.[2] In einer Mietwohnung ist das Nachfüllen ohnehin Sache von Vermieter, Hausverwaltung oder Heizungsbetrieb.
Ständig neue Luft spricht für ein anderes Problem
Musst du denselben Heizkörper alle paar Tage oder Wochen erneut entlüften, ist die Luft nicht das eigentliche Problem. Ein Heizkreis ist ein geschlossenes System. Wiederkehrender Lufteintrag kann unter anderem mit Undichtigkeiten, einem Problem am Ausdehnungsgefäß oder häufigem Nachfüllen zusammenhängen. Solche Ursachen führen sowohl Viessmann als auch Vaillant auf.[1][2]
Auch ein Heizkörper, aus dessen geöffnetem Entlüftungsventil weder Luft noch Wasser kommt, gehört nicht endlos weiter aufgedreht. Dann muss der Anlagendruck beziehungsweise die Versorgung des Heizkörpers geprüft werden.
Bleibt der Heizkörper nach einem sauberen Entlüftungsvorgang kalt, kann stattdessen das Thermostatventil klemmen, die Pumpenleistung nicht passen oder ein hydraulisches Problem vorliegen. Ab diesem Punkt bringt weiteres Entlüften meist wenig – die Anlage selbst muss geprüft werden.
Quellen
- Viessmann: Heizung entlüften in wenigen Schritten (abgerufen am 16.10.2026)
- Vaillant: Heizkörper entlüften (abgerufen am 16.10.2026)