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Sollten neue Tomatenblüten im September noch dranbleiben?

Tomatenblüten im September sehen erst einmal nach Bonus-Ernte aus. Die Pflanze schiebt oben noch frische Blüten nach, unten hängen gleichzeitig grüne Tomaten und ein paar rote warten schon auf die Küche. Nur wird die Zeit langsam knapp. Vor allem im Freiland schaffen sehr spät angesetzte Früchte die Reife oft nicht mehr.

Ich würde deshalb Anfang September noch nicht hektisch jede neue Blüte abknipsen. Je nach Wetter, Standort und Sorte kann noch einiges passieren. Richtung Monatsmitte darf die Pflanze ihre Kraft aber zunehmend in das stecken, was bereits angesetzt hat.

Anfang September ist noch nicht automatisch Schluss

Tomaten können erstaunlich lange tragen. Unter einem Dach oder im Gewächshaus lässt sich die Ernte bei gesunden Pflanzen oft bis in den Oktober ziehen. Gerade Anfang September hängen deshalb häufig noch Blüten, kleine Fruchtansätze und größere grüne Tomaten gleichzeitig an derselben Pflanze.

Die Bayerische Gartenakademie beschreibt für den September genau diese Situation: Weiter ausgeizen, für Luft zwischen den Pflanzen sorgen und gesunde Bestände möglichst lange weitertragen lassen. Unter geschützten Bedingungen kann die Ernte noch mehrere Wochen laufen.[1]

Deshalb wäre mir ein pauschales „Ab 1. September alle Blüten weg“ zu grob. Eine Cocktailtomate unter einem Dach an einer warmen Hauswand hat andere Chancen als eine großfrüchtige Fleischtomate, die frei im Garten steht und jeden kühlen Septemberregen mitnimmt.

Mitte September würde ich den Blick nach oben richten

Spannend wird es ungefähr zur Monatsmitte. Tomaten wachsen bei passenden Bedingungen immer weiter und würden noch lange neue Triebe, Blüten und kleine Früchte bilden. Nur werden die Tage kürzer, die Nächte kühler und die vorhandenen Früchte brauchen ebenfalls noch Zeit.

Die Bayerische Gartenakademie nennt deshalb Mitte September als sinnvollen Zeitpunkt, um den Mitteltrieb zu kappen. Der Grund ist sehr praktisch: Früchte, die danach noch neu entstehen, reifen in der Regel nicht mehr aus. Das Kappen entlastet zugleich die Pflanze.[2]

Genau daraus ergibt sich auch der Umgang mit ganz neuen Blütenständen. Sitzen sie Ende September ganz oben an einer Freilandtomate, würde ich nicht mehr darauf setzen, daraus noch eine vernünftige Ernte zu bekommen. Dann dürfen sie weg, statt die Pflanze weiter in neues Wachstum zu schicken.

Was ich Mitte September am Tomatenstock machen würde

Erst die Pflanze einmal komplett ansehen. Große grüne Früchte und bereits angesetzte kleinere Tomaten bleiben natürlich dran. Ganz oben kann der Haupttrieb gekappt werden, wenn dort ständig neues Wachstum nachkommt. Neue Blütenstände, die erst jetzt erscheinen, müssen dann nicht mehr mitgeschleppt werden.

Bei geschützten Tomaten im warmen Gewächshaus darf man etwas gelassener sein. Dort kann die Saison länger laufen als bei einer Pflanze, die frei im Garten steht.

Vorhandene grüne Tomaten haben jetzt Vorrang

Im September geht es weniger darum, noch möglichst viele neue Früchte zu produzieren. Interessanter sind die Tomaten, die längst am Stock hängen. Sie sollen möglichst gesund bleiben und noch Farbe bekommen.

Dafür braucht die Pflanze weiterhin Wasser, wenn es trocken ist. Gleichzeitig wird Nässe zunehmend lästig. Kühle Nächte bringen mehr Tau, und feuchte Blätter trocknen langsamer ab. Damit steigt das Risiko für Kraut- und Braunfäule sowie Grauschimmel.[1]

Ich würde deshalb morgens direkt an den Wurzelbereich gießen und nicht über die ganze Pflanze. Auch dichtes Blattwerk darf jetzt etwas luftiger werden, besonders dort, wo die unteren Fruchtstände bereits abgeerntet sind. Komplett kahl machen würde ich die Tomate allerdings nicht – Blätter sind schließlich weiterhin für die Versorgung der Früchte da.

Ausgeizen läuft im September noch weiter

Das Kappen der Spitze ist nicht dasselbe wie Ausgeizen. Geiztriebe wachsen aus den Blattachseln und können der Pflanze noch einmal ordentlich Masse verpassen. Bei Stabtomaten werden sie auch im September weiterhin entfernt. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beschreibt das regelmäßige Ausbrechen dieser Seitentriebe ebenfalls als normale Pflegemaßnahme bei unbegrenzt wachsenden Tomatensorten.[3]

Wenn ein Geiztrieb allerdings längst kräftig geworden ist, blüht und vielleicht sogar schon Früchte trägt, würde ich nicht automatisch einen halben Tomatenbusch herausreißen. Unter einem Dach und mit genügend Platz kann so ein zusätzlicher Trieb durchaus weiterlaufen. Genau diese pragmatische Ausnahme nennt auch die Bayerische Gartenakademie.[1]

Buschtomaten sind ohnehin eine andere Geschichte. Sie werden normalerweise nicht wie Stabtomaten konsequent ausgegeizt, weil ihr kompakter, verzweigter Wuchs zur Sorte gehört.

Bei kaltem, nassem Wetter ändert sich die Rechnung schneller

Der September kann zwei völlig verschiedene Gesichter haben. Eine Woche mit 24 Grad am Nachmittag und milden Nächten verlängert die Saison. Eine längere Phase mit Regen, kalten Nächten und kaum Sonne bremst dagegen sowohl Wachstum als auch Reife deutlich.

Wenn die Pflanzen draußen zunehmend nass bleiben und erste braune Stellen an Blättern auftauchen, wäre mir die Gesundheit der vorhandenen Früchte wichtiger als jeder neue Blütenstand. Befallenes Laub sollte zügig entfernt werden; trockene, luftige Bestände sind im Spätsommer und Herbst besonders wichtig.[3]

Und irgendwann kommt ohnehin der Punkt, an dem grüne Früchte besser ins Haus geholt werden. Tomaten, die bereits ihre sortentypische Größe erreicht haben und erste Farbveränderungen zeigen, können bei ungefähr 20 °C nachreifen. Ein reifer Apfel oder eine Banane daneben beschleunigt das durch das abgegebene Ethylen.[4]

Ich würde also nicht nach Kalender abknipsen

Am 1. September dürfen neue Blüten bei einer gesunden Tomate erst einmal bleiben. Je weiter der Monat fortschreitet, desto weniger sinnvoll ist neues Wachstum – besonders draußen. Spätestens wenn du den Haupttrieb Mitte September kappst, brauchst du die ganz frischen Blütenstände darüber ebenfalls nicht mehr.

Bei Tomatenblüten im September zählt deshalb weniger das genaue Datum als die Frage, ob die Pflanze überhaupt noch genug warme Zeit für neue Früchte hat. Was längst angesetzt ist, bekommt Vorrang. Das fühlt sich im ersten Moment etwas schade an, wenn oben noch hübsche gelbe Blüten sitzen. Im Oktober ist eine Handvoll ausgereifter Tomaten aber deutlich nützlicher als zwanzig winzige grüne Ansätze.

Quellen

  1. Bayerische Gartenakademie: Tomatenpflege im September – Ausgeizen, Belüftung und lange Ernte (01.09.2020, abgerufen am 04.09.2026)
  2. Bayerische Gartenakademie: Tomatenvielfalt – Pflege im Spätsommer und Kappen des Mitteltriebs ab Mitte September (2026, abgerufen am 04.09.2026)
  3. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: So klappt’s mit den Tomaten – Seitentriebe, Bewässerung und Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten (23.07.2026, abgerufen am 04.09.2026)
  4. Bayerische Gartenakademie: Von Grün nach Rot – Nachreifen von Tomaten im Herbst (01.10.2024, abgerufen am 04.09.2026)
Verfasst von

Stefan Berger

Stefan schreibt über Werkzeug, Reparaturen und praktische Lösungen für drinnen und draußen. Bevor etwas ersetzt wird, schaut er lieber, ob es sich noch reparieren lässt.

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