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Fliesen anbohren im Bad ohne Risse

Ein Loch in eine Fliese ist keine Stelle für Eile. Die Oberfläche ist glatt, darunter kann hartes Material sitzen, und im Bad verlaufen oft Wasser- oder Stromleitungen in der Wand. Wer einfach ansetzt und mit Druck bohrt, riskiert Kratzer, Ausbrüche oder einen Riss.

Fliesen anbohren klappt am sichersten mit einer klaren Reihenfolge: Leitungen prüfen, Bohrpunkt festlegen, Kreppband aufkleben, passenden Fliesen- oder Diamantbohrer nutzen, Schlagfunktion ausschalten und mit niedriger Drehzahl arbeiten. Erst wenn die Fliese durchbohrt ist, wechselst du für den Untergrund dahinter auf den passenden Stein- oder Betonbohrer.

Eine Garantie gegen Schäden gibt es trotzdem nicht. Alte Fliesen, Spannungen im Untergrund, harte Feinsteinzeugplatten oder bereits feine Haarrisse können das Risiko erhöhen. Mit der richtigen Technik wird das Bohrloch aber planbarer.

Erst prüfen, dann bohren

Der wichtigste Schritt passiert, solange die Bohrmaschine noch nicht läuft. Im Bad können Wasserleitungen, Heizungsrohre und Stromleitungen in der Wand liegen. Für Bohrarbeiten gilt deshalb grundsätzlich: Der Arbeitsbereich sollte vorher auf Leitungen, Kanäle und kritische Bauteile geprüft werden.[1]

Ein Leitungssuchgerät ist dabei keine übertriebene Vorsicht. Scanne nicht nur den exakten Punkt, sondern auch den Bereich oberhalb, unterhalb und seitlich davon. Gerade in älteren Bädern, nach Umbauten oder bei Vorwandinstallationen laufen Leitungen nicht immer so, wie man es erwartet.

Prüfe außerdem, ob der Gegenstand überhaupt gebohrt werden muss. Leichte Haken, kleine Ablagen oder einzelne Accessoires lassen sich je nach Gewicht, Untergrund und Feuchtraum-Eignung manchmal kleben. Für schwere Spiegelschränke, stark belastete Halterungen oder Bauteile mit Zugbelastung ist Bohren oft die verlässlichere Lösung.

Das richtige Werkzeug für Fliesen

Ein normaler Steinbohrer ist für die Fliesenschicht meistens nicht die beste erste Wahl. Die Glasur ist glatt und hart, bei Feinsteinzeug sogar sehr hart. Für den Start durch die Fliese brauchst du deshalb einen passenden Fliesenbohrer, Glasbohrer oder Diamantbohrer.

Diese Orientierung hilft bei der Auswahl:

Fliese oder Untergrund Geeigneter Bohrer Worauf du achten solltest
Normale glasierte Wandfliese Fliesen- oder Glasbohrer mit Hartmetallspitze Mit niedriger Drehzahl und ohne Schlag starten.
Harte Fliese oder Feinsteinzeug Diamantbohrer oder Diamant-Bohrkrone Wenig Druck, Kühlung und Geduld sind wichtig.
Natursteinfliese Je nach Stein meist Diamantbohrer Material vorher klären, weil Naturstein unterschiedlich empfindlich ist.
Mauerwerk hinter der Fliese Steinbohrer in passender Größe Erst nach dem Durchbohren der Fliese wechseln.
Beton hinter der Fliese Betonbohrer, später ggf. Schlagfunktion Schlag erst nutzen, wenn die Fliese komplett durch ist.

Bei der Bohrerauswahl spielt die Härte der Fliese eine große Rolle. Für weichere Fliesen reichen oft Fliesen- oder Glasbohrer, bei härteren Fliesen kommt eher ein Diamantbohrer infrage.[2] Wenn der Bohrer kaum vorankommt, stark quietscht oder schnell heiß wird, ist mehr Kraft selten die Lösung. Dann passt meist Werkzeug, Drehzahl oder Kühlung nicht.

Fuge oder Fliese wählen

Wenn die Position es zulässt, ist die Fuge oft die schonendere Stelle. Dort bohrst du nicht direkt durch die Fliese, der Bohrer findet leichter Halt, und ein späteres Verschließen ist meist unauffälliger möglich.

Die Fuge ist aber nicht automatisch der bessere Bohrpunkt. Der Gegenstand muss dort sinnvoll sitzen können, die Halterung muss passen, und der Dübel braucht dahinter tragfähigen Untergrund. Ein schwerer Spiegelschrank gehört nicht nur deshalb in die Fuge, weil sich das Loch dort leichter setzen lässt.

Fuge nutzen, wenn sie zum Vorhaben passt

Für leichte Haken oder kleine Ablagen kann ein Bohrloch in der Fuge sehr sinnvoll sein. Bei schweren Teilen zählt zuerst der sichere Halt im Untergrund. Die schönere Bohrstelle hilft wenig, wenn die Befestigung später nicht zuverlässig trägt.

Fliese Schritt für Schritt anbohren

Arbeite langsam und prüfe jeden Schritt. Bei Fliesen ist Kontrolle wichtiger als Tempo. Die Maschine soll nicht mit Kraft in die Wand gedrückt werden, sondern der Bohrer soll sich gleichmäßig durch die Oberfläche arbeiten.

Bohrstelle abkleben und markieren

Klebe Malerkrepp auf die geplante Bohrstelle. Ein Kreuz aus zwei Streifen gibt der Bohrerspitze mehr Halt und lässt sich gut markieren. Auf glatter Fliesenoberfläche reduziert Kreppband das Risiko, dass der Bohrer beim Start wandert.[2]

Miss die Position sorgfältig aus. Bei Spiegelschränken, Duschregalen und Haltern fallen kleine Abweichungen schnell auf. Nutze Wasserwaage, Schablone oder die Halterung selbst als Vorlage.

Ohne Schlag und mit niedriger Drehzahl starten

Die Schlagfunktion bleibt aus, solange du durch die Fliese bohrst. Die Fliese braucht keine Hammerschläge, sondern eine ruhige Drehbewegung. Eine niedrige Drehzahl und ausgeschalteter Schlag sind zentrale Punkte beim Anbohren der Fliesenschicht.[2]

Setze die Maschine gerade an und arbeite mit wenig Druck. Wenn der Bohrer zu heiß wird oder die Fliese anfängt zu vibrieren, stoppst du kurz. Mehr Druck macht das Loch nicht besser, sondern erhöht nur das Risiko für Schäden.

Diamantbohrer kontrolliert ansetzen

Bei runden Diamant-Bohrkronen ohne Zentrierspitze ist ein gerader Start schwierig. Setze die Bohrkrone zuerst leicht schräg mit einer Kante an, bis eine kleine Spur entsteht. Danach richtest du die Maschine langsam auf, bis sie im rechten Winkel zur Fliese steht.

Eine Bohrführung ist dafür noch sicherer. Gerade bei sehr glatten Feinsteinzeugfliesen oder größeren Bohrkronen ist sie angenehmer als freihändiges Ansetzen.

Harte Fliesen kühlen

Bei Feinsteinzeug und Diamantbohrern entsteht schnell Wärme. Wasser kann den Bohrer kühlen und bindet einen Teil des Bohrstaubs. Achte dabei darauf, dass kein Wasser in elektrische Geräte, Steckdosen oder offene Installationen läuft.

Für kleine Arbeiten hilft oft ein feuchter Schwamm direkt unterhalb der Bohrstelle. Bei größeren Bohrungen oder harten Fliesen sind Bohrkronen mit passender Kühlung oder Führungssystemen deutlich angenehmer.

Nach der Fliese den Bohrer wechseln

Sobald du durch die Fliesenschicht bist, stoppst du. Danach geht es nicht mehr um Keramik, sondern um den Untergrund dahinter. Für Mauerwerk nimmst du einen Steinbohrer, für Beton einen passenden Betonbohrer.

Die Schlagfunktion kommt erst jetzt infrage, wenn der Untergrund sie braucht. In der Fliese selbst bleibt sie aus. So vermeidest du, dass die Schläge die Keramik belasten, obwohl du eigentlich nur tiefer in die Wand willst.

Dübel richtig setzen

Ein Bohrloch in der Fliese ist nur die halbe Arbeit. Der Dübel muss im tragfähigen Untergrund halten, nicht in der Fliesenschicht Druck aufbauen. Wenn sich ein Spreizdübel direkt auf Höhe der Fliese ausdehnt, kann seitlicher Druck auf die Keramik entstehen.

Wandmaterial und Traglast entscheiden darüber, welcher Dübel passt. Dübel verankern Lasten je nach System durch Spreizen, Kippen oder Verknoten im Untergrund; der passende Dübel hängt deshalb nicht nur vom Lochdurchmesser ab.[3]

Der Dübel sollte so tief sitzen, dass er hinter der Fliese im Untergrund greift. Wenn ein Randkragen das verhindert, ist nicht automatisch Abschneiden die beste Lösung. Manchmal brauchst du einen anderen Dübeltyp, einen längeren Dübel oder eine längere Schraube.

Die Fliese trägt nicht die Last

Die Fliese ist die Oberfläche, nicht der eigentliche Befestigungsgrund. Der Dübel muss dahinter im tragfähigen Untergrund arbeiten. Das ist besonders wichtig bei Spiegelschränken, Haltegriffen und schweren Regalen.

Bohrlöcher im Nassbereich abdichten

Im Bad kommt noch ein Punkt dazu: Feuchtigkeit. Ein Bohrloch in oder nahe einer Nasszone sollte nicht einfach offen bleiben. Dringt Wasser hinter die Fliese, kann das langfristig Bauschäden begünstigen.

Für solche Stellen gibt es abdichtende Befestigungssysteme oder geeignete Dichtstoffe. Spezielle Nassbereichsdübel sind genau für Bohrlöcher in gefliesten Flächen gedacht und sollen das Loch zusätzlich abdichten.[4] Das ersetzt nicht die passende Planung, kann aber bei Befestigungen in Spritzwasserbereichen wichtig sein.

Besonders vorsichtig solltest du in der Dusche, direkt am Waschbecken, nahe der Badewanne oder an regelmäßig nassen Flächen sein. Dort ist ein einfaches Bohrloch ohne Abdichtung keine gute Idee.

Mietwohnung: lieber vorsichtig planen

In einer Mietwohnung solltest du Badfliesen nicht leichtfertig anbohren. Ob ein Bohrloch erlaubt oder später problematisch ist, hängt vom Mietvertrag, vom Einzelfall, von vorhandener Ausstattung und von der Platzierung der Löcher ab.

Aktuelle mietrechtliche Berichterstattung zeigt, wie heikel Bohrlöcher in Fliesen sein können. In einem Fall wurde das Durchbohren von Fliesen unter anderem deshalb als vertragswidrig bewertet, weil eine Platzierung in der Fuge möglich gewesen wäre.[5]

Praktisch heißt das: Wenn Kleben sicher reicht, ist Kleben oft die ruhigere Variante. Wenn gebohrt werden muss, ist die Fuge meist besser als die Fliesenmitte. Bei schweren Teilen solltest du aber nicht aus Angst vor Bohrlöchern auf eine zu schwache Klebelösung ausweichen.

Häufige Fehler beim Fliesenbohren

Die meisten Schäden entstehen durch eine Kette aus Eile, falschem Bohrer und zu viel Druck. Diese Fehler solltest du vermeiden:

  • Die Schlagfunktion ist beim Bohren durch die Fliese eingeschaltet.
  • Der Bohrpunkt wird nicht abgeklebt, und die Bohrerspitze wandert über die Glasur.
  • Ein normaler Steinbohrer wird für hartes Feinsteinzeug verwendet.
  • Der Bohrer läuft zu schnell und wird heiß.
  • Die Maschine wird mit Druck in die Fliese geschoben.
  • Der Dübel spreizt in der Fliesenschicht statt im Untergrund.
  • Es wird gebohrt, ohne vorher nach Leitungen zu suchen.

Wenn etwas nicht vorangeht, stoppe lieber. Prüfe Bohrer, Drehzahl, Kühlung, Material und Wandaufbau. Bei Fliesen ist Nachdenken fast immer billiger als Nacharbeiten.

Wenn schon ein Loch oder Riss da ist

Ein kleines Bohrloch in der Fuge lässt sich oft mit passender Fugenmasse wieder unauffällig schließen. Ein Loch in der Fliese bleibt schwieriger. Reparatursets können optisch helfen, ersetzen aber keine neue Fliese, wenn der Schaden groß oder mitten im Sichtbereich liegt.

Bei einem Riss solltest du nicht einfach weiterbohren. Die Fliese kann sich weiter lösen oder beim Anziehen der Schraube stärker beschädigt werden. Kläre erst, ob der Gegenstand an eine andere Stelle kann oder ob die Fliese ersetzt werden muss.

So bleibt das Bohrloch planbar

Fliesen anbohren ist keine Mutprobe. Es ist eine Reihenfolge: Leitung suchen, Bohrpunkt sinnvoll wählen, Material einschätzen, passenden Bohrer nutzen, ohne Schlag starten, langsam arbeiten und den Dübel im Untergrund halten lassen.

Wenn du bei harten Fliesen, schweren Lasten oder unklarem Wandaufbau unsicher bist, ist Hilfe vom Fachbetrieb kein Scheitern. Ein falsch gesetztes Loch im Bad kann deutlich teurer werden als ein kurzer professioneller Check.

Quellen

  1. BG BAU Medien: Diamantkernbohrarbeiten – Hinweise zum Prüfen des Arbeitsbereichs (abgerufen am 26.06.2026)
  2. Bosch DIY: Ohne Fliesenbruch – so bohrst du ein Loch in eine Fliese (abgerufen am 26.06.2026)
  3. fischer: Der fischer Dübelratgeber (abgerufen am 26.06.2026)
  4. fischer: DuoSeal – der abdichtende Dübel für den Nassbereich (abgerufen am 26.06.2026)
  5. Haufe: Löcher bohren in Mietwohnung: Vertragsgemäße Nutzung? (abgerufen am 26.06.2026)

FAQs zum Thema Fliesen anbohren

Kann man Fliesen mit einem normalen Bohrer anbohren?

Für die Fliesenschicht solltest du einen Fliesenbohrer, Glasbohrer oder bei hartem Feinsteinzeug einen Diamantbohrer nutzen. Ein normaler Steinbohrer ist auf glatter, harter Glasur oft unpräzise und kann leichter abrutschen. Nach der Fliese wechselst du für die Wand dahinter auf den passenden Stein- oder Betonbohrer.

Darf beim Bohren in Fliesen die Schlagfunktion eingeschaltet sein?

Nein, beim Durchbohren der Fliese bleibt die Schlagfunktion aus. Die Schläge können die Fliese reißen oder ausbrechen lassen. Erst wenn die Fliese komplett durchbohrt ist und du im tragenden Untergrund weiterbohrst, kann die Schlagfunktion je nach Wandmaterial sinnvoll sein.

Wie verhindert man, dass der Bohrer auf der Fliese abrutscht?

Klebe Malerkrepp auf die Bohrstelle und markiere den Punkt darauf. Die leicht raue Oberfläche gibt der Bohrerspitze mehr Halt. Bei Diamant-Bohrkronen ohne Zentrierspitze hilft zusätzlich eine Bohrführung oder ein vorsichtiger schräger Start.

Ist es besser, in die Fuge oder in die Fliese zu bohren?

Wenn Position und Traglast passen, ist die Fuge oft schonender und später leichter zu verschließen. Für schwere Gegenstände zählt aber, dass der Dübel im tragfähigen Untergrund sicher hält. Die Fuge ist deshalb nicht automatisch die beste Stelle.

Welcher Bohrer eignet sich für Feinsteinzeug?

Für Feinsteinzeug brauchst du meist einen Diamantbohrer oder eine Diamant-Bohrkrone. Das Material ist sehr hart, klassische Hartmetall-Fliesenbohrer kommen dort oft schlecht voran oder werden schnell stumpf. Kühlung und wenig Druck sind dabei besonders wichtig.

Wie tief muss der Dübel beim Bohren durch Fliesen sitzen?

Der Dübel sollte hinter der Fliese im tragenden Untergrund halten. Er darf nicht direkt in der Fliesenschicht spreizen, weil dadurch Druck auf die Keramik entstehen kann. Je nach Fliesendicke brauchst du längere Dübel, passende Schrauben oder einen anderen Dübeltyp.

Muss ein Bohrloch im Bad abgedichtet werden?

In Bereichen mit Spritzwasser oder regelmäßiger Feuchtigkeit ist Abdichtung wichtig. Offene Bohrlöcher können Feuchtigkeit hinter die Fliese lassen. Dafür gibt es geeignete Dichtstoffe oder spezielle Nassbereichsdübel.

Darf man in einer Mietwohnung Badfliesen anbohren?

Das hängt vom Einzelfall ab. In Mietwohnungen ist Bohren in Fliesen heikel, besonders wenn Alternativen möglich sind oder die Fuge als Bohrpunkt ausgereicht hätte. Sicherer ist es, vorher die Zustimmung einzuholen, Klebelösungen zu prüfen oder – wenn gebohrt werden muss – eher Fugen statt Fliesenflächen zu nutzen.

Verfasst von

Stefan Berger

Glaubt fest daran, dass man fast alles mit dem richtigen Werkzeug und ein bisschen Fluchen reparieren kann, bevor es auf dem Schrottplatz landet.

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