Bei einer normalen Wand ist ein missglücktes Bohrloch lästig. Bei einer Fliese bleibt im schlimmsten Fall ein Sprung quer über die Oberfläche. Deshalb beginnt das Bohren nicht mit der Maschine, sondern mit der Bohrstelle. Wenn du Fliesen anbohren willst, brauchst du außerdem zwei Entscheidungen: Welcher Bohrer kommt durch die Fliese und was steckt dahinter? Denn sobald die Keramik durchbohrt ist, arbeitest du nicht mehr in der Fliese, sondern im eigentlichen Wandmaterial.
Prüfe zuerst, ob du an dieser Stelle überhaupt bohren kannst
Gerade im Bad und in der Küche können hinter der Fliesenwand Strom- und Wasserleitungen verlaufen. Verlass dich nicht allein darauf, dass Leitungen normalerweise senkrecht oder waagerecht zu Steckdosen und Anschlüssen geführt werden. In älteren Gebäuden kann die Leitungsführung davon abweichen.
Ein geeignetes Ortungsgerät hilft, Metall und je nach Gerät auch stromführende Leitungen hinter der Wand zu finden. Bosch empfiehlt, den geplanten Bohrbereich nicht nur direkt am Punkt, sondern auch oberhalb, unterhalb und seitlich davon abzusuchen.[1]
Drei Dinge vor dem ersten Loch
- Prüfe zuerst die Wand auf Leitungen.
- Kläre anschließend, ob du normale Keramik oder sehr hartes Feinsteinzeug vor dir hast.
- Im Bad kommt noch eine dritte Frage dazu: Liegt die Bohrstelle in einem Bereich, in dem hinter den Fliesen eine Abdichtung sitzt?
Der Bohrer muss zur Fliese passen
Ein normaler Steinbohrer ist nicht für jede Fliesenoberfläche die beste Wahl. Vor allem harte und dicht gebrannte Fliesen können damit unnötig schwierig anzubohren sein.
| Material | Geeigneter Bohrer |
|---|---|
| Normale Keramikfliese | Fliesen- oder Glasbohrer |
| Harte Keramik und Feinsteinzeug | Hartkeramikbohrer oder geeigneter Diamantbohrer |
| Wand hinter der Fliese | Bohrer passend zum eigentlichen Untergrund |
Für harte Keramik gibt es spezielle Hartkeramikbohrer, die mit niedriger Drehzahl und ohne Schlag arbeiten. Diamantbohrer sind ebenfalls eine Möglichkeit, wobei je nach Ausführung trocken oder mit Kühlung gebohrt wird. Entscheidend sind deshalb immer die Angaben zum verwendeten Bohrer.[2]
Der Durchmesser richtet sich nach der vorgesehenen Befestigung. Einfach ein größeres Loch zu bohren, weil der vorhandene Bohrer gerade zur Hand ist, macht die spätere Befestigung nicht besser.
Durch die Fliese immer ohne Schlag bohren
Jetzt kommt der Teil, bei dem die meisten Schäden entstehen können. Solange sich der Bohrer in der Fliese befindet, bleibt die Schlag- oder Hammerfunktion ausgeschaltet.
Setze den Bohrer möglichst rechtwinklig an und starte mit niedriger Drehzahl. Zu hoher Druck bringt ebenfalls nichts. Keramik ist hart und gleichzeitig spröde; Hitze und unnötiger Druck erhöhen das Risiko, dass etwas abplatzt oder reißt.[3]
Wenn der Bohrer auf einer glatten Glasur schlecht greift, kann Kreppband auf der Bohrstelle das Ansetzen erleichtern. Moderne Hartkeramikbohrer besitzen teilweise eine eigene Zentrierspitze und kommen auch ohne diesen Trick aus.
Für das eigentliche Loch kannst du so vorgehen:
- Bohrstelle ausmessen und Leitungen ausschließen.
- Passenden Fliesenbohrer einsetzen und Schlagfunktion ausschalten.
- Mit niedriger Drehzahl und mäßigem Druck anbohren.
- Beim Durchbohren den Druck reduzieren.
- Sobald die Fliese durchbohrt ist, Maschine stoppen.
- Für den Untergrund den passenden Bohrer einsetzen und dort nur dann mit Schlag weiterarbeiten, wenn Wandmaterial und Werkzeug das verlangen.
Dieser Bohrerwechsel wird leicht vergessen. Für eine Beton- oder Mauerwerkswand brauchst du hinter der Fliese andere Schneiden und eventuell Schlag. Bei Gipskarton wäre Schlag dagegen fehl am Platz.
Ist die Fuge wirklich die bessere Bohrstelle?
Wer keine Fliese beschädigen möchte, landet schnell bei der Fuge. Das kann funktionieren, ist aber nicht automatisch sicherer.
Viele Fugen sind nur wenige Millimeter breit. Sitzt ein größeres Bohrloch zu dicht an den Fliesenkanten, können gleich zwei benachbarte Fliesen Schaden nehmen. Bosch weist deshalb auch beim Bohren in Fugen auf dieses Risiko hin.[4]
Eine Fuge hat allerdings einen praktischen Vorteil: Ein später nicht mehr benötigtes Loch lässt sich dort oft unauffälliger mit Fugenmaterial schließen.
Die Bohrstelle würde ich deshalb nicht danach auswählen, wo das Loch später leichter zu verstecken ist. Wichtiger sind die Position der Halterung, ausreichend Platz zum Fliesenrand und ein tragfähiger Untergrund dahinter.
Im Duschbereich muss das Bohrloch wieder dicht werden
Im Bad steckt hinter der sichtbaren Fliese häufig eine Abdichtung. Ein Bohrloch für Duschstange, Ablage oder Halterung kann diese Schicht durchdringen.
In Bereichen mit Wasserbelastung sollte die Befestigung deshalb nicht nur mechanisch halten, sondern die Durchdringung auch wieder zuverlässig abdichten. Für solche Anwendungen gibt es spezielle Abdichtungsdübel und abgestimmte Montagesysteme. Sopro beschreibt entsprechende Lösungen für Durchbohrungen von Fliesen und Verbundabdichtungen bis hin zu stark wasserbelasteten Bereichen.[5]
Dusche und Badewanne sind kein normales Bohrloch
Wenn du innerhalb oder unmittelbar an einer Dusche beziehungsweise Badewanne bohrst, kläre vorher, wie die vorhandene Abdichtung aufgebaut ist und wie die Durchdringung wieder abgedichtet wird. Einfach einen normalen Dübel ins Loch zu stecken und darauf zu hoffen, dass die Fliese das Wasser abhält, reicht dort nicht.
Wenn der Bohrer durch die Fliese ist, ist der heikle Teil geschafft
Ab diesem Punkt bestimmt vor allem die Wand den weiteren Ablauf. Beton, Ziegel, Kalksandstein und Gipskarton brauchen unterschiedliche Bohrer und Befestigungen. Auch der Dübel muss zum Untergrund und zur Last passen.
Für die Fliese selbst bleibt die Sache überschaubar: Leitungen ausschließen, einen geeigneten Bohrer verwenden, langsam starten und die Schlagfunktion erst dann überhaupt in Betracht ziehen, wenn die Fliese vollständig durchbohrt ist.
Damit braucht es weder besondere Tricks noch viel Kraft. Gerade zu viel Kraft ist beim Fliesenbohren eher Teil des Problems.
Quellen
- Bosch DIY: Fliesen bohren – Leitungen suchen und Bohrstelle vorbereiten (abgerufen am 01.09.2026)
- Bosch Professional: Fliesenbohrer für harte Keramik und Feinsteinzeug (abgerufen am 01.09.2026)
- Bosch Professional: Fliesen mit niedriger Drehzahl und ohne Schlag bohren (abgerufen am 01.09.2026)
- Bosch DIY: Bohren in Fliesen und Fugen (abgerufen am 01.09.2026)
- Sopro: Abdichtung von Bohrlöchern in bestehenden Fliesenbelägen und Nassbereichen (abgerufen am 01.09.2026)