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Fliegende Ameisen im Haus – woher kommen sie?

Am Fenster sitzen plötzlich Dutzende dunkle Insekten mit Flügeln. Einige krabbeln über die Scheibe, andere verschwinden hinter dem Vorhang oder kommen offenbar aus einer Fuge. Fliegende Ameisen im Haus wirken schnell wie ein großer Befall, dabei kann auch ein kurzer Schwarmflug dahinterstecken.

Wo die Tiere zum ersten Mal auftauchen, liefert den wichtigsten Hinweis. Einzelne Ameisen an einem geöffneten Fenster können von draußen hereingeflogen sein. Kommen viele Tiere gleichzeitig aus einer Fußleiste, Wandöffnung oder Holzverkleidung, ist ein Nest im Gebäude deutlich wahrscheinlicher.

Was du jetzt direkt tun kannst

Halte zunächst die Türen zu anderen Räumen geschlossen. So verteilen sich die Tiere nicht weiter in der Wohnung. Fotografiere einige Exemplare aus der Nähe und achte darauf, ob sie nur am Fenster sitzen oder aus einer bestimmten Stelle hervorkommen.

Die sichtbaren Ameisen kannst du mit dem Staubsauger aufnehmen. Entleere einen beutellosen Behälter anschließend draußen in einen verschlossenen Müllbeutel. Auch einen Staubsaugerbeutel solltest du verschließen, damit überlebende Tiere nicht wieder herauskrabbeln.

Ein geöffnetes Fenster kann den flugfähigen Tieren den Weg nach draußen erleichtern. Verzichte vorerst auf Sprays und verschließe eine verdächtige Fuge nicht sofort. Sitzt dahinter eine Kolonie, bleiben Königin, Arbeiterinnen und Brut unberührt. Die Ameisen können sich anschließend einen anderen Ausgang suchen.

Beobachte die verdächtige Stelle für zehn bis fünfzehn Minuten, bevor du dort wischst oder etwas abdichtest. Notiere, wo die ersten Tiere erscheinen und ob auch flügellose Arbeiterinnen denselben Weg nutzen. Die Austrittsstelle ist für die Nestersuche wichtiger als das helle Fenster, an dem sich der Schwarm später sammelt.

Warum Ameisen plötzlich Flügel tragen

Fliegende Ameisen sind keine besondere Ameisenart. Es handelt sich um fortpflanzungsfähige Männchen und junge Königinnen, die eine bestehende Kolonie zum Paarungsflug verlassen. Die Arbeiterinnen, die sonst auf Ameisenstraßen unterwegs sind, besitzen keine Flügel.

Der Zeitpunkt hängt von der Art und vom Wetter ab. Bei der häufigen Schwarzgrauen Wegameise können die geflügelten Geschlechtstiere laut dem niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz LAVES, zwischen Mai und Oktober auftreten.[1]

Ein solcher Schwarm kann innerhalb kurzer Zeit groß werden und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Damit endet der Flug, nicht unbedingt das Leben der Kolonie. Befindet sich das Nest in einer Wand oder einem anderen Bauteil, bleibt es dort bestehen.

So erkennst du eine geflügelte Ameise

Bei einer Ameise ist der Körper zwischen Brust und Hinterleib deutlich eingeschnürt. Die Fühler wirken abgeknickt und das vordere Flügelpaar ist länger als das hintere. Junge Königinnen sind meist größer und kräftiger gebaut als die Männchen.

Auf einem unscharfen Foto lassen sich kleine Insekten trotzdem leicht verwechseln. Fange nach Möglichkeit ein unbeschädigtes Tier in einem kleinen, fest verschlossenen Behälter auf. Das erleichtert die Bestimmung durch eine Schädlingsbekämpfung oder eine andere fachkundige Stelle.

Woran du ein Nest im Gebäude erkennst

Geflügelte Ameisen orientieren sich am Licht und sammeln sich deshalb häufig an Fenstern. Das Nest muss dort nicht liegen. Suche an der Stelle weiter, an der du die ersten Tiere bemerkt hast.

Auch flügellose Arbeiterinnen können den Weg zeigen. Verfolge ihre Laufstrecke eine Weile, bevor du die Fläche reinigst. Ameisen markieren regelmäßig genutzte Wege mit Duftstoffen. Eine sichtbare Ameisenstraße führt häufig zu einer Nahrungsquelle oder zurück in Richtung Nest.[2]

Mehrere Beobachtungen sprechen dafür, dass die Tiere nicht nur von draußen hereingeflogen sind:

  • Viele geflügelte Ameisen kommen gleichzeitig aus derselben Fuge, Fußleiste oder Wandverkleidung.
  • Der Schwarm tritt an mehreren Tagen oder im nächsten Jahr wieder an derselben Stelle auf.
  • Flügellose Arbeiterinnen verschwinden regelmäßig in Spalten am Boden, an Fenstern oder in Türrahmen.
  • Unter einer Leiste liegt feines Material aus Holz, Dämmstoff, Erde oder Insektenresten.
  • In der Nähe befinden sich feuchtes Holz, ein früherer Wasserschaden oder eine undichte Stelle.

Ein paar Tiere an einem weit geöffneten Fenster sind dagegen noch kein sicherer Nesthinweis. Sind nach dem Absaugen und Schließen des Fensters keine weiteren Ameisen zu sehen, kann der Schwarm von draußen gekommen sein.

Bei der Schwarzen Wegameise liegt das Nest meist draußen

Die Schwarze beziehungsweise Schwarzgraue Wegameise gehört zu den häufigsten Arten rund ums Haus. Ihre Nester befinden sich überwiegend im Boden, unter Terrassen- und Gehwegplatten, in Mauerspalten oder gelegentlich in morschem Holz. Arbeiterinnen laufen auf der Suche nach zuckerhaltiger oder eiweißreicher Nahrung in Gebäude.[1][3]

Eine Ameisenstraße in der Küche bedeutet daher nicht automatisch, dass die Kolonie in der Wand sitzt. Prüfe auch die Außenseite des Gebäudes, Terrassenplatten, Pflasterfugen und den Bereich unter bodennahen Fenstern. Feiner Sand- oder Erdauswurf kann einen Nesteingang verraten.

Entferne im Haus erreichbare Nahrungsquellen. Krümel, offene Süßigkeiten, klebrige Getränkereste und frei stehendes Tierfutter halten eine Ameisenstraße in Gang. Vorräte gehören in dicht schließende Behälter.

Ameisen aus Holz oder Dämmung genauer prüfen

Kommen die Tiere aus Holzbalken, Türrahmen oder gedämmten Hohlräumen, sollte die Art bestimmt werden. Einige in Deutschland vorkommende Arten nutzen Holz oder Dämmmaterial als Nistplatz. Dazu gehört die Kleine Rotrückige Hausameise, die auch intakte Holzkonstruktionen und Dämmstoffe besiedeln kann.[1]

Holzbewohnende Ameisen ernähren sich nicht vom Holz. Beim Anlegen und Erweitern des Nestes räumen sie jedoch Material aus. Besonders häufig werden feuchte, pilzgeschädigte oder bereits angegriffene Bereiche besiedelt. Einige Arten können auch scheinbar intakte Bauteile nutzen.[4]

Feines Holzmaterial unter einer Leiste beweist noch keinen schweren Gebäudeschaden. Bei weichen Balken, sichtbaren Hohlräumen oder wiederkehrendem Auswurf sollte der Bereich jedoch fachlich untersucht werden. Auch die Ursache einer möglichen Durchfeuchtung gehört dann auf die Prüfliste.

Wie du die Ameisen dauerhaft loswirst

Sind die Tiere lediglich durch ein Fenster hereingeflogen, genügt meist das Absaugen. Ein intaktes Fliegengitter kann weitere Schwärmer abhalten. Bleibt die Wohnung danach ruhig, sind keine weiteren Mittel nötig.

Bei einer Ameisenstraße beginnt die Arbeit an den erreichbaren Nahrungsquellen. Reinige die Flächen, bewahre Lebensmittel geschlossen auf und lasse Tierfutter nicht länger als nötig stehen. Eintrittswege können später abgedichtet werden, sobald ausgeschlossen ist, dass sich dahinter ein unbehandeltes Nest befindet.

Bei einer Kolonie im oder unmittelbar am Gebäude sind Köderdosen meist sinnvoller als ein Kontaktspray. Arbeiterinnen nehmen den Köder auf und tragen den Wirkstoff in das Nest, wo er an weitere Tiere und die Brut weitergegeben wird. Die Wirkung benötigt Zeit und setzt voraus, dass noch genügend Arbeiterinnen zwischen Köder und Kolonie unterwegs sind.[2]

Stelle eine Köderdose auf einen erkennbaren Laufweg und halte dich an die Angaben auf dem Etikett. Sprühe nicht gleichzeitig auf dieselbe Strecke. Werden die Arbeiterinnen dort sofort getötet oder vertrieben, gelangt weniger Köder in das Nest.

Warum Absaugen und Hausmittel allein oft nicht reichen

Der Staubsauger entfernt den sichtbaren Schwarm, erreicht aber keine Kolonie hinter einer Wand oder unter dem Boden. Auch Reiniger und stark riechende Mittel können eine Laufspur unterbrechen, beseitigen jedoch weder Königin noch Brut.

Solche Maßnahmen helfen, wenn einige Arbeiterinnen von einem Außennest zu einer Nahrungsquelle laufen. Kommen geflügelte Tiere wiederholt aus einem Bauteil, sollte die Suche nicht mit dem Wischen der Ameisenstraße enden.

Wann eine Schädlingsbekämpfung sinnvoll ist

Fachliche Hilfe ist angebracht, wenn die Ameisen wiederholt aus Wand, Fußboden, Holz oder Dämmung kommen. Das gilt ebenfalls, wenn mehrere Räume oder Wohnungen betroffen sind, Köder nach längerer Anwendung keine erkennbare Wirkung zeigen oder Material aus einem Bauteil austritt.

Eine genaue Artbestimmung ermöglicht eine passendere Behandlung. Bei holzzerstörenden, invasiven oder schwer zu bekämpfenden Ameisenarten rät auch das Umweltbundesamt davon ab, sich allein auf eigene Versuche zu verlassen.[2]

Für die Anfrage bei einem Betrieb helfen scharfe Fotos, ein unbeschädigtes Exemplar und eine kurze Dokumentation. Notiere den Fundort, die ungefähre Anzahl, den Zeitpunkt und die Stelle, aus der die Tiere hervorkamen. Fotografiere auch Holz- oder Dämmmaterial, das unter einer Fuge liegt.

Ein seriöser Schädlingsbekämpfungsbetrieb sollte die Ameisenart und den Nestbereich prüfen, bevor großflächig Mittel eingesetzt werden. Fachkräfte können ihre Qualifikation beispielsweise über eine IHK-Prüfung oder einen Sachkundenachweis belegen.[6]

Was Mieter bei einem Nest im Haus tun sollten

Kommen die Ameisen aus einer Wand, dem Fußboden, einem Fensteranschluss oder einem anderen Bauteil der Mietwohnung, solltest du den Fund zeitnah dokumentieren und dem Vermieter oder der Hausverwaltung melden.

§ 536c BGB verpflichtet Mieter dazu, einen während der Mietzeit auftretenden Mangel unverzüglich anzuzeigen.[5] Die Meldung beantwortet noch nicht, wer den Befall verursacht hat oder für die Bekämpfung bezahlen muss.

Öffne keine Fußböden, Wandverkleidungen oder fest eingebauten Fußleisten auf eigene Faust. In Mehrfamilienhäusern können Laufwege und Nestbereiche durch Hohlräume oder Leitungsschächte über mehrere Wohnungen reichen.

Nach der Bekämpfung neue Wege versperren

Ritzen an Fenstern, Türen, Rohrdurchführungen und Sockelleisten können abgedichtet werden, sobald die Kolonie beseitigt oder ein Nest hinter der Öffnung ausgeschlossen wurde. Kontrolliere dabei auch feuchte Fensteranschlüsse, undichte Leitungen und weiches Holz.

Das Umweltbundesamt empfiehlt außerdem, Lebensmittel unzugänglich aufzubewahren und mögliche Eintrittswege zu schließen. Auch mit Pflanzen, Erde oder hereingetragenem Holz können Ameisen unbemerkt ins Haus gelangen.[2]

Ein einmaliger Schwarm ist meist schnell vorbei. Wiederholen sich die geflügelten Ameisen an derselben Stelle, liefert nicht das Fenster den entscheidenden Hinweis, sondern der Weg, auf dem die Tiere in den Raum gelangen.

Quellen

  1. Ameisen im Wohnzimmer (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, abgerufen am 13.07.2026)
  2. Ameisen (Umweltbundesamt, abgerufen am 13.07.2026)
  3. Schwarze Wegameise (Umweltbundesamt, aktualisiert am 11.03.2026, abgerufen am 13.07.2026)
  4. Holzzerstörende Ameisen (Umweltbundesamt, aktualisiert am 11.03.2026, abgerufen am 13.07.2026)
  5. § 536c BGB – Während der Mietzeit auftretende Mängel (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie Bundesamt für Justiz, abgerufen am 13.07.2026)
  6. Professionelle Schädlingsbekämpfung (Umweltbundesamt, abgerufen am 13.07.2026)

FAQs zum Thema fliegende Ameisen im Haus

Kann ich fliegende Ameisen einfach absaugen?

Ja, damit entfernst du die sichtbaren Tiere aus dem Raum. Befindet sich hinter einer Wand oder im Boden ein Nest, bleibt die Kolonie jedoch bestehen. Entleere den Staubsauger anschließend draußen und beobachte, ob neue Ameisen aus derselben Stelle kommen.

Sollte ich die Fuge sofort verschließen?

Nicht, solange ein Nest dahinter möglich ist. Die Ameisen können sich einen anderen Ausgang suchen und später an einer neuen Stelle auftauchen. Dokumentiere zunächst die Austrittsöffnung und kläre, ob eine Bekämpfung erforderlich ist.

Wie lange bleiben fliegende Ameisen im Haus?

Der sichtbare Schwarm kann nach wenigen Stunden wieder vorbei sein. Kommen die Tiere nur von draußen, endet das Problem damit häufig. Bei einem Nest im Gebäude können weitere Ameisen folgen oder im nächsten Schwarmzeitraum erneut auftreten.

Wann brauche ich eine Schädlingsbekämpfung?

Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn die Ameisen wiederholt aus Bauteilen kommen, mehrere Räume betroffen sind oder Holz- und Dämmmaterial aus einer Fuge tritt. Auch eine unbekannte oder schwer bekämpfbare Ameisenart sollte vor dem Einsatz größerer Mengen an Bioziden bestimmt werden.

Verfasst von

Leonie Wickstein

Rettet mit Herz und Heißkleber fast alles vor der Tonne: Leonie zeigt dir, wie du dein Zuhause durch Upcycling und kreative Reparaturen nachhaltig gemütlicher machst - Pannen inklusive.

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