Stinkwanzen in der Wohnung sind vor allem im Herbst ein Thema. Erst sitzt eine außen am Fensterrahmen, ein paar Tage später krabbelt eine über den Vorhang und plötzlich entdeckt man mehrere Tiere zwischen Rollladen und Fenster. Besonders angenehm ist das nicht – gefährlich ist dieser herbstliche Besuch für Menschen aber normalerweise ebenfalls nicht.
Viele der Wanzen wollen weder Lebensmittel befallen noch sich im Wohnzimmer dauerhaft vermehren. Sie suchen einen geschützten Platz für den Winter. Genau deshalb tauchen einige Arten jetzt ausgerechnet an Hausfassaden, in Ritzen, auf Dachböden und schließlich auch in Wohnungen auf.
Warum kommen Stinkwanzen im Herbst ins Haus?
Bei der Marmorierten Baumwanze lässt sich der Zeitpunkt ziemlich gut erklären. Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt für die ausgewachsenen Tiere die Suche nach einem Winterquartier. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt Temperaturen unter etwa 9 °C zusammen mit abnehmender Tageslänge als Auslöser. Überwintert wird anschließend unter anderem in Ritzen und Spalten von Häusern, in Schuppen oder unter Baumrinde.[1]
Bevor die Tiere darin verschwinden, sammeln sie sich gern an warmen Fassaden. Besonders sonnenbeschienene Hauswände können zeitweise ziemlich voll werden. Für 2024 dokumentierte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft solche Ansammlungen der Marmorierten Baumwanze zusammen mit heimischen Baumwanzenarten ausdrücklich auch an Gebäuden; anschließend werden teilweise Wohnungen als Überwinterungsplatz aufgesucht.[2]
Das erklärt auch, warum man die ersten Tiere häufig am Fenster bemerkt. Ein kleiner Spalt am Rahmen, eine Öffnung am Rollladenkasten oder eine nicht ganz dichte Balkontür reicht irgendwann als Eingang.
Nicht jede braune Wanze am Fenster ist dieselbe Art
Der Begriff Stinkwanze wird im Alltag ziemlich großzügig verwendet. Besonders auffällig ist inzwischen die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), eine ursprünglich aus Ostasien stammende Art, die sich mittlerweile in Deutschland ausgebreitet hat. Sie kann etwa 12 bis 17 Millimeter groß werden und ist braun bis grau marmoriert.[3]
Sehr ähnlich sieht die heimische Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) aus. Selbst auf einem guten Foto ist die Unterscheidung für jemanden, der sich nicht mit Wanzen beschäftigt, nicht immer sofort offensichtlich. Bei der Marmorierten Baumwanze fallen unter anderem helle Zeichnungen an den Fühlern und am Körperrand auf; die Graue Gartenwanze besitzt dagegen auf der Bauchseite einen deutlich erkennbaren Dorn.[1]
Für die Situation im Wohnzimmer ist die exakte Art meistens gar nicht entscheidend. Beide können im Herbst als sogenannte Lästlinge in Gebäuden auftauchen, und beide sind für Menschen ungefährlich.[4]
Eine Wanze sitzt am Fenster – was jetzt?
Stell ein Glas oder einen anderen Behälter über das Tier und schieb ein Stück feste Pappe darunter. Danach kannst du die Wanze draußen wieder freilassen.
Ich würde sie weder mit den Fingern zerdrücken noch unnötig reizen. Baumwanzen besitzen Duftdrüsen und geben ihr auffälliges Abwehrsekret vor allem dann ab, wenn sie sich bedroht fühlen.[4]
Woher kommt dieser ziemlich spezielle Geruch?
Wer noch nie eine Stinkwanze geärgert hat, versteht den Namen vielleicht zunächst nicht. Das kann sich innerhalb weniger Sekunden ändern. Fühlt sich eine Baumwanze bedroht, kann sie ein intensiv riechendes Sekret absondern. Bei einer einzelnen Wanze verfliegt der Geruch irgendwann wieder, angenehm ist er trotzdem nicht.
Genau deshalb würde ich auch nicht mit einem Taschentuch kräftig zugreifen. Ruhiges Einfangen verursacht deutlich weniger Drama. Dasselbe gilt für den Staubsauger: Eine Wanze lässt sich damit zwar schnell beseitigen, aber wenn sie im Gerät ihr Abwehrsekret abgibt, hat man das Geruchsproblem lediglich an einen anderen Ort verlegt.
Das Sekret dient der Verteidigung und bedeutet nicht, dass die Wanze gerade irgendetwas in der Wohnung markiert oder dort ein Nest baut. Die Tiere wollen schlicht in Ruhe gelassen werden.
Gehen Stinkwanzen an Lebensmittel oder Möbel?
Im Haus sind die typischen herbstlichen Baumwanzen keine Vorratsschädlinge. Sie knabbern also nicht plötzlich Mehlpackungen an und fressen auch keine Löcher in Kleidung oder Möbel. Draußen sieht das Verhältnis zu Pflanzen anders aus: Die Marmorierte Baumwanze saugt an zahlreichen Obst- und Gemüsearten und kann dort durchaus Schäden verursachen.[3]
Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg, eine Fachbehörde des Landes Baden-Württemberg für Landwirtschaft und Pflanzengesundheit, führt unter den Wirtspflanzen beispielsweise Äpfel, Birnen, Tomaten und Paprika auf. Zum Überwintern sammeln sich die ausgewachsenen Tiere dagegen in Gebäuden, Kellern und auf Dachböden.[3]
Wenn du im Oktober zehn Wanzen hinter einem Vorhang findest, bedeutet das deshalb nicht, dass sich dort gerade eine neue Generation entwickelt. Die Tiere haben wahrscheinlich nur dieselbe vermeintlich gute Winterunterkunft entdeckt.
Bei vielen Wanzen ist Vorbeugen einfacher als Einsammeln
Eine einzelne Wanze im Wohnzimmer ist schnell wieder draußen. Wenn jeden Abend fünf neue dazukommen, würde ich mir dagegen Fenster und Türen etwas genauer ansehen. Gerade dort, wo sich außen bereits viele Tiere sammeln, sind kleine Spalten interessant.
Fliegengitter können den direkten Weg durch geöffnete Fenster versperren. Größere Fugen und unnötige Öffnungen an Fensterrahmen oder anderen Gebäudeteilen lassen sich ebenfalls prüfen. Komplett wanzenfrei wird ein Haus dadurch nicht automatisch – die Tiere können erstaunlich kleine Verstecke nutzen –, aber ein offensichtlich offener Zugang muss ihnen nicht zusätzlich angeboten werden.
Bei Pflanzen im Garten werden gegen die Marmorierte Baumwanze ebenfalls engmaschige Schutznetze eingesetzt. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bewertet solche mechanischen Barrieren als eine der wirksamsten Möglichkeiten, den Zuflug zu verhindern; Pflanzenschutzmittel spielen im Haus- und Kleingarten gegen diese Tiere dagegen kaum eine sinnvolle Rolle.[5]
In der Wohnung würde ich deshalb erst recht nicht mit Insektenspray anfangen, nur weil im Herbst ein paar Wanzen am Fenster sitzen. Einsammeln und Zugänge erschweren reicht bei einem normalen Auftreten meistens aus.
Warum sitzen manchmal gleich zwanzig Stück an einer Hauswand?
Das wirkt deutlich dramatischer als eine einzelne Wanze. Tatsächlich können sich die Tiere vor dem Winter in größerer Zahl an geeigneten Gebäuden sammeln. Sonne spielt dabei eine Rolle: Warme Fassaden sind attraktiv, bevor sich die Wanzen in geschützte Spalten zurückziehen.[2]
Bei der invasiven Marmorierten Baumwanze kommt hinzu, dass sie inzwischen keineswegs nur vereinzelt vorkommt. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg beschreibt sie 2026 als mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet.[3] Regional können die Mengen trotzdem sehr unterschiedlich ausfallen.
Eine Ansammlung außen an der Fassade ist also nicht automatisch ein Hinweis auf einen Befall innerhalb der Wohnung. Sie ist aber ein guter Anlass, in den nächsten Wochen öfter auf Fensterrahmen und Rollladenkästen zu schauen.
Im Frühjahr tauchen manche Wanzen plötzlich wieder auf
Wer im Herbst keine einzige Wanze bemerkt hat, kann im Frühjahr trotzdem überrascht werden. Tiere, die unbemerkt in einer Ritze oder einem kühleren Gebäudebereich überwintert haben, werden bei steigenden Temperaturen wieder aktiv. Bei der Marmorierten Baumwanze beginnt das Verlassen der Winterquartiere laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft bei Temperaturen oberhalb von ungefähr 10 °C.[1]
Dann sitzt im März oder April plötzlich eine Wanze innen am Fenster und man fragt sich, wo die mitten im Winter hergekommen sein soll. Sehr wahrscheinlich war sie längst da und hat lediglich mehrere Monate kaum etwas von sich sehen lassen.
Für den Herbst bleibt die Vorgehensweise deshalb angenehm unspektakulär: Einzelne Stinkwanzen vorsichtig nach draußen setzen, nicht zerdrücken und bei wiederholtem Auftreten nach offensichtlichen Zugängen suchen. Dass die Tiere ausgerechnet jetzt am Haus auftauchen, hat vor allem mit ihrer Suche nach einem geschützten Winterquartier zu tun.
Quellen
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Neue Schadwanzen auf dem Vormarsch – Marmorierte Baumwanze, Lebensweise und Überwinterung (abgerufen am 03.09.2026)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Jahresbericht 2024 – Marmorierte Baumwanzen an Hauswänden und in Wohnungen (abgerufen am 03.09.2026)
- Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ): Marmorierte Baumwanze – Verbreitung, Wirtspflanzen und Überwinterung in Gebäuden (Ausgabe 2026, abgerufen am 03.09.2026)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Schädigende Wanzen im Gartenbau – Graue Gartenwanze, Marmorierte Baumwanze und Abwehrsekret (abgerufen am 03.09.2026)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten – invasive Schadwanzen und mechanische Abwehr (abgerufen am 03.09.2026)