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Kartoffeln keimen – kann man sie noch essen?

Die Kartoffeln liegen noch nicht besonders lange im Schrank und trotzdem wachsen aus den ersten Augen kleine helle Triebe. Muss jetzt der ganze Beutel weg? Nicht unbedingt. Bei einer festen Kartoffel mit wenigen kleinen Keimansätzen kannst du die Keime großzügig entfernen und die Knolle schälen. Stark keimende, deutlich grüne, schrumpelige oder bitter schmeckende Kartoffeln würde ich dagegen nicht mehr essen.

Ein paar kleine Keime bedeuten noch nicht automatisch Müll

Kartoffeln enthalten von Natur aus Glykoalkaloide wie α-Solanin und α-Chaconin. Besonders konzentriert sitzen diese Stoffe in Keimen, den sogenannten Augen, in der Schale und in grünen Bereichen der Knolle.[1]

Deshalb würde ich nicht nur die Länge eines einzelnen Keims betrachten. Viel aussagekräftiger ist der Zustand der ganzen Kartoffel.

Der schnelle Kartoffel-Check

  1. Fest, normale Farbe, nur wenige kleine Keime: Keimstellen großzügig ausschneiden, Kartoffel schälen und anschließend normal zubereiten.
  2. Mehrere längere Keime, aber die Knolle ist noch fest: Kritischer prüfen. Sind größere Bereiche betroffen oder kommen grüne Stellen dazu, würde ich sie aussortieren.
  3. Stark gekeimt, überwiegend grün oder deutlich schrumpelig: Nicht mehr verwenden.
  4. Bitterer Geschmack: Nicht weiteressen.

Auch beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) wird diese Unterscheidung gemacht: Keimansätze und grüne Stellen können großzügig entfernt werden. Ist dagegen ein großer Teil der Kartoffel davon betroffen, gehört die Knolle nicht mehr auf den Teller.[2]

Warum werden keimende Kartoffeln problematischer?

Das Keimen selbst ist zunächst ein natürlicher Vorgang. Die Kartoffel beginnt, aus ihren gespeicherten Reserven eine neue Pflanze zu bilden.

Gleichzeitig steigt rund um Keime und Augen die Konzentration der Glykoalkaloide. Auch Licht spielt eine Rolle: Wird die Knolle grün, ist das Grün zwar Chlorophyll und damit selbst nicht giftig. Es zeigt aber Bedingungen an, unter denen sich zusätzlich mehr Glykoalkaloide bilden können.[1]

Deshalb ist die Kombination aus Keimen plus grünen Stellen für mich wesentlich relevanter als ein winziger Austrieb an einer ansonsten festen, normal aussehenden Kartoffel.

Grüne Stellen immer großzügig wegschneiden

Eine kleine grüne Stelle würde ich nicht nur hauchdünn abschälen. Der verfärbte Bereich und die Umgebung sollten großzügig entfernt werden.

Dasselbe gilt für die Augen. Dort sitzen Glykoalkaloide besonders konzentriert.[1]

Ist eine Kartoffel an vielen Stellen grün oder zieht sich die Grünfärbung über einen großen Teil der Knolle, lohnt das Ausschneiden irgendwann nicht mehr. Das BZfE empfiehlt stark ergrünte Kartoffeln ebenso wie stark keimende und schrumpelige Exemplare nicht mehr zu verzehren.[3]

Beim Schälen würde ich übrigens nicht versuchen, möglichst wenig Material zu verlieren. Wenn die Alternative darin besteht, zweifelhafte Stellen stehen zu lassen, ist die etwas kleinere Kartoffel die bessere Lösung.

Kochen macht Solanin nicht einfach unschädlich

„Das wird beim Kochen schon verschwinden“ wäre hier keine gute Rettungsstrategie.

Glykoalkaloide sind relativ hitzestabil. Ein Teil geht beim Kochen zwar ins Wasser über, vollständig verschwinden die Stoffe dadurch aber nicht.[3]

Das Kochwasser von Kartoffeln würde ich deshalb anschließend wegschütten und nicht beispielsweise als Grundlage für eine Soße weiterverwenden.

Der sinnvollere Zeitpunkt für die Entscheidung liegt ohnehin vorher: auffällige Kartoffeln aussortieren, Keime und grüne Stellen großzügig entfernen und die übrigen Knollen schälen.

Ein bitterer Geschmack ist ein deutliches Stoppsignal

Normalerweise schmeckt eine Kartoffel mild und unauffällig. Wird sie auffällig bitter oder hinterlässt sie ein brennendes Gefühl im Mund, würde ich das Gericht nicht weiteressen.

Hohe Gehalte an Glykoalkaloiden können genau solche Geschmacks- und Reizerscheinungen verursachen. In größeren Mengen sind außerdem Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall möglich.[1]

Das bedeutet nicht, dass jede Kartoffel mit einem zwei Millimeter langen Keim plötzlich gefährlich ist. Es erklärt aber, warum stark gekeimte oder stark ergrünte Knollen nicht mit dem Argument „wird schon gehen“ verarbeitet werden sollten.

Bei Kindern würde ich strenger aussortieren

Für kleine Kinder empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung geschälte Kartoffeln. Gerade bei deutlich grünen oder stark keimenden Exemplaren würde ich deshalb nicht versuchen, noch möglichst viel von der Knolle zu retten.[1]

So keimen Kartoffeln langsamer

Keimende Kartoffeln sind oft ein Lagerproblem. Wärme beschleunigt den Austrieb, Licht fördert zusätzlich die Grünfärbung.

Am besten liegen Kartoffeln dunkel, trocken und kühl. Für größere Vorräte nennt das BZfE einen dunklen Keller mit ungefähr 4 bis 6 °C als günstigen Bereich. Kunststoffbeutel sollten geöffnet beziehungsweise die Kartoffeln herausgenommen werden; luftdurchlässige Papier- oder Jutesäcke eignen sich besser.[4]

Kartoffeln würde ich außerdem nicht direkt zusammen mit Zwiebeln lagern. Unter diesen Bedingungen können sie schneller keimen und verderben.[4]

Wer keinen kühlen Vorratsraum hat, fährt meistens besser damit, kleinere Mengen einzukaufen. Dann muss aus einem kleinen Keimproblem nicht erst ein ganzer Beutel schrumpeliger Kartoffeln werden.

Für die Entscheidung am Küchentisch reicht am Ende ein kurzer Blick: Fest und nur leicht gekeimt lässt sich meist noch sinnvoll vorbereiten. Stark gekeimt, großflächig grün, schrumpelig oder bitter gehört aussortiert.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Solanin und anderen Glykoalkaloiden in Kartoffeln (abgerufen am 31.08.2026)
  2. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Kartoffeln vom Einkauf bis in die Küche – Keime, grüne Stellen und Lagerung (abgerufen am 31.08.2026)
  3. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Kartoffeln – Glykoalkaloide, grüne Stellen und stark keimende Knollen (abgerufen am 31.08.2026)
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Lebensmittel richtig lagern – Kartoffeln kühl, trocken und dunkel aufbewahren (abgerufen am 31.08.2026)
Verfasst von

Maria Schmidt

Maria schreibt über Ordnung, Reinigung und praktische Ideen für die Küche. Besonders gern probiert sie Rezepte aus der Heißluftfritteuse aus und entdeckt immer wieder neue kreative Projekte und Hobbys.

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