Die Frage, wie hoch der Notgroschen sein sollte, ist im Alltag keine Theorie. Es ist das Polster, das dafür sorgt, dass eine kaputte Waschmaschine „nervig“ bleibt – und nicht direkt zum finanziellen Problem wird.
Was ein Notgroschen ist – und wofür er wirklich gedacht ist
Ein Notgroschen ist eine Rücklage für ungeplante, notwendige Ausgaben. Also für Dinge, die dich nicht fragen, ob es gerade passt.
Typische Beispiele sind:
- Auto- oder Heizungsreparatur, die sofort erledigt werden muss
- kaputte Haushaltsgeräte (Waschmaschine, Kühlschrank)
- plötzliche Nachzahlungen (Strom, Nebenkosten)
- kurze Einkommenslücke, wenn etwas wegbricht
Was der Notgroschen nicht ist: ein Urlaubstopf, ein „nice to have“-Budget oder Geld, das du fest einplanst. Dafür funktionieren separate Sparziele besser, weil du sonst ständig an deine Reserve gehst – und sie im Ernstfall plötzlich nicht mehr da ist.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein? Eine sinnvolle Faustregel
Im deutschsprachigen Raum hat sich als Grundidee etabliert: 3 Monatsausgaben als Startpunkt. Das ist meist ein realistischer Wert, der viele Alltags-Notfälle abfedern kann, ohne dass das Ziel völlig utopisch wirkt.
Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt als grobe Orientierung sogar 3–4 Nettogehälter für einen Notgroschen. [1] Der Bundesverband deutscher Banken beschreibt ebenfalls das Prinzip, dass Rücklagen eine wichtige Basis sind, bevor man größere Schritte plant. [2]
Wichtig dabei: Es geht nicht darum, eine „richtige Zahl“ zu finden, sondern um dein persönliches Risiko.
Warum “3 Monate” manchmal zu wenig sind
Diese Faustregel passt gut, wenn dein Leben gerade recht stabil läuft: festes Einkommen, überschaubare Fixkosten, keine großen Wackler im Monat.
Du solltest eher größer denken, wenn bei dir mehrere dieser Punkte zutreffen:
Du hast ein stark schwankendes Einkommen (z. B. Selbstständigkeit), du bist allein für Kinder oder andere Personen verantwortlich, du besitzt ein Haus oder ein älteres Auto, oder du hast hohe feste Verpflichtungen, die nicht flexibel sind.
Dann sind 4–6 Monate der notwendigen Ausgaben oft das, was sich wirklich nach „Sicherheit“ anfühlt – nicht nach „Zahl auf dem Konto“.
Die bessere Rechnung: Notgroschen nach Fixkosten statt nach Gehalt
Viele rechnen den Notgroschen am Gehalt fest – dabei ist die Frage viel praktischer: Was kostet mein Leben pro Monat, wenn ich nur das Nötigste zahle?
Das ist deine Basis:
Miete oder Kreditrate, Strom, Versicherungen, Essen, Mobilität, Internet/Handy (realistisch, nicht Luxus), Medikamente.
Wenn du diese Summe kennst, ist die Rechnung simpel:
Fixkosten × 3 (Basis) oder Fixkosten × 6 (sehr sicher)
Das passt oft besser als „3 Nettogehälter“, weil Menschen sehr unterschiedlich leben – auch bei gleichem Einkommen.
Wo du den Notgroschen am besten parkst
Ein Notgroschen hat ein Jobprofil: sicher, schnell verfügbar, nicht schwankend.
Darum landet er in der Praxis meistens auf einem Tagesgeldkonto. Die Verbraucherzentrale empfiehlt genau dafür häufig Tagesgeld oder Girokonto, weil es schnell verfügbar ist und nicht „gebunden“ wie fest angelegtes Geld. [1]
Wenn du ein Tagesgeldkonto nutzt, lohnt sich ein Blick auf die Basics zur Einlagensicherung: In der EU sind Einlagen bei Banken typischerweise bis 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich abgesichert. [3]
Das ist für einen Notgroschen meistens mehr als ausreichend – aber es erklärt gut, warum Tagesgeld so oft empfohlen wird.
Wie du den Notgroschen aufbaust, ohne dass es nervt
Die meisten scheitern nicht an Mathe, sondern an Alltag. Darum ist der wichtigste Trick: automatisch sparen, damit du nicht jeden Monat neu entscheiden musst.
So klappt es stabil:
- Mini-Ziel setzen: Erst 500 €, dann 1.000 €, dann weiter.
- Dauerauftrag direkt nach Gehalt: selbst 25–50 € sind ein Start.
- Sondergeld nicht komplett verplanen: Rückzahlung, Bonus, Geburtstagsgeld – ein Teil davon geht in die Reserve.
- Nach Notfall wieder auffüllen: Nicht „irgendwann“, sondern als erstes Ziel danach.
Und ja: Das wirkt am Anfang langsam. Aber genau das macht es langfristig machbar.
Wann du den Notgroschen anfassen solltest – und wann nicht
Eine gute Regel ist: Notwendig + ungeplant + zeitkritisch.
Wenn du dir bei einem Kauf denkst „das wäre schon nett“, ist es kein Notgroschen-Thema.
Wenn du dir denkst „das muss jetzt leider sein“, dann ist es genau dafür da.
Fazit: Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Für viele passt als solide Basis: 3 Monatsausgaben. Wenn dein Alltag mehr Risiko hat, sind 4–6 Monatsausgaben oft die entspanntere Zielgröße.
Wichtiger als die perfekte Zahl ist, dass du dir ein System baust, das wirklich hält: getrennt vom Alltag, schnell erreichbar, und so angelegt, dass du es nicht ständig aus Versehen „mitbenutzt“. Dann macht dein Notgroschen genau das, was er soll: Druck rausnehmen, wenn das Leben mal wieder ungefragt um die Ecke kommt.
Quellen
- Verbraucherzentrale Hamburg: Notgroschen für Unvorhergesehenes (abgerufen am 18.01.2026)
- Bundesverband deutscher Banken: Haushaltsbuch führen (Budget & Rücklagen) (abgerufen am 18.01.2026)
- BaFin: Einlagensicherung (gesetzlicher Schutz) (abgerufen am 18.01.2026)
FAQs zum Thema Wie hoch sollte der Notgroschen sein
Reichen 1.000 Euro als Notgroschen?
Für den Anfang kann das ein sehr guter Start sein, weil du damit kleine Notfälle direkt abfederst. Für viele Lebenssituationen reicht es langfristig aber nicht, wenn Auto, Haushalt oder größere Fixkosten im Spiel sind.
Sollte ich 3 Monatsgehälter oder 3 Monatsausgaben sparen?
Monatsausgaben sind in der Praxis oft genauer, weil sie deine echten Verpflichtungen abbilden. Wer sehr sparsam lebt, braucht nicht automatisch „3 Gehälter“, sondern eher „3× das, was wirklich jeden Monat raus muss“.
Ist Tagesgeld wirklich besser als Girokonto?
Meist ja, weil du dein Polster nicht dauernd im Blick hast und es nicht aus Versehen mit dem Alltagsbudget vermischst. Gleichzeitig bleibt es schnell verfügbar.
Was mache ich, wenn ich meinen Notgroschen aufbrauchen musste?
Dann hat er genau funktioniert. Danach ist der wichtigste Schritt, ihn wieder aufzufüllen – selbst wenn es erstmal nur langsam geht. Das ist meistens sinnvoller, als parallel wieder große neue Sparziele aufzubauen.