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Schwangerschaft und Fisch: Welchen Fisch solltest du wählen?

Fisch in der Schwangerschaft wirkt an der Theke oft wie ein kleines Ratespiel: Du willst etwas Gutes tun – und gleichzeitig nichts riskieren. Mit drei klaren Entscheidungen (Fischart, Zubereitung, Häufigkeit) wird daraus ziemlich schnell wieder normales Essen.

Fisch in der Schwangerschaft: Die 3 Entscheidungen, die wirklich zählen

Viele Beiträge werfen dir zehn Warnungen und fünfzig Fischsorten hin. Im Alltag brauchst du eher einen Ablauf. Für die Schwangerschaft reichen meist diese drei Entscheidungen:

  • Art: eher kleine/fettreiche Fische statt große Raubfische – wegen Methylquecksilber.[3]
  • Zubereitung: nur komplett durchgegart – wegen möglicher Keime (z. B. Listerien).[6][7]
  • Rhythmus: 1–2 Portionen pro Woche, davon idealerweise einmal fettreicher Meeresfisch – für DHA.[1][2]

Wenn du diese drei Punkte im Kopf hast, wird die Fischabteilung wieder „machbar“. Und du musst nicht bei jeder Packung neu googeln.

Warum Fisch überhaupt Thema ist: Nährstoffe ja, Schadstoffe bitte nicht

Fisch kann in der Schwangerschaft ein ziemlich effizienter Nährstofflieferant sein: hochwertiges Eiweiß, Jod (je nach Art), Vitamin D und vor allem DHA, eine langkettige Omega-3-Fettsäure. Die DGE nennt als Zielwert in der Schwangerschaft im Durchschnitt 200 mg DHA pro Tag; das lässt sich über 1–2 Portionen fettreichen Fisch pro Woche erreichen.[1] Das Netzwerk Gesund ins Leben erklärt das ähnlich und ergänzt die einfache Portion-Orientierung: etwa handtellergroß.[2]

Parallel gibt es aber die Schattenseite: Methylquecksilber. Es kann sich in der Nahrungskette anreichern – besonders bei großen, langlebigen Raubfischen. Das BfR weist darauf hin, dass hohe Aufnahmen in der Schwangerschaft ungünstig für die neurologische Entwicklung sein können und empfiehlt daher, Fischarten mit hohen Gehalten zu meiden oder stark zu begrenzen.[3][4]

Heißt übersetzt: Nicht „Fisch ja/nein“, sondern „klug auswählen und sicher zubereiten“.

Die „grüne Zone“: Fischarten, die in der Schwangerschaft meist gut passen

Du musst keine wissenschaftliche Tabelle auswendig lernen. Du brauchst nur eine Handvoll Namen, die du an der Theke erkennst – plus einen simplen Grundsatz: kleiner, fettreicher, nicht am Ende der Nahrungskette.

Diese vier tauchen in Empfehlungen sehr häufig als gute DHA-Lieferanten auf und sind bei üblichem Verzehr eine pragmatische Wahl (vorausgesetzt: vollständig gegart):

  • Lachs[1]
  • Hering[1]
  • Makrele[1]
  • Sardinen (auch aus der Dose – gegart und praktisch)[2]

Ergänzend (wenn du Abwechslung magst oder Fisch eher „neutral“ bevorzugst) sind magerere Arten wie Kabeljau/Seelachs als Wechsel okay – sie liefern weniger DHA als die oben genannten, können aber gut in den Wochenrhythmus passen.[2]

Die „rote Zone“: Fischarten, die du besser meidest oder stark einschränkst

Hier geht es nicht um „schlecht“, sondern um „für diese Phase unnötiges Risiko“. Das BfR nennt in seinen Auswertungen (MEAL-Studie) besonders hohe Methylquecksilber-Gehalte unter anderem bei Thunfisch, Dornhai und Rotbarsch.[3][4]

Für den Alltag hilft eine kurze Merkliste mit Alternativen:

Lieber meiden / selten Entspanntere Alternative
Thunfisch (v. a. Steak, Sushi) Lachs oder Sardinen
Dornhai / Hai-Arten Hering oder Makrele
Rotbarsch Kabeljau/Seelachs (im Wechsel)
Schwertfisch (allgemein hoher Räuberfisch) Forelle (wenn du Süßwasserfisch magst)

Und was ist mit Thunfisch aus der Dose? Die Lage ist differenzierter als bei Thunfisch-Steaks, aber für Schwangere empfiehlt das BfR trotzdem Zurückhaltung: nicht als „Hauptfisch“, eher gelegentlich und nicht in großen Mengen.[3]

Roher, geräucherter, gebeizter Fisch: Warum hier die Vorsicht höher ist

Bei rohem oder nur kalt geräuchertem/ gebeiztem Fisch geht es weniger um Quecksilber und mehr um Keime. In der Schwangerschaft wird deshalb oft empfohlen, solche Produkte zu meiden, weil Listerien (und je nach Lebensmittel auch andere Erreger) ein Risiko darstellen können.[6] Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt explizit Sushi/Sashimi sowie geräucherte oder gebeizte Fische als nicht empfehlenswert in der Schwangerschaft.[7]

Praktisch heißt das: Fisch, der zuhause wirklich durchgegart wird, ist die einfache, sichere Route. Alles, was „kalt serviert“ wird und nicht mehr erhitzt wird, ist die Route mit mehr Fragezeichen.

Wenn du beim Einkauf vor Räucherlachs stehst: Verbraucherzentralen ordnen Räucherfisch als typisches Risikolebensmittel ein, weil er vor dem Essen meist nicht mehr erhitzt wird.[8] Das muss nicht heißen, dass jede Packung problematisch ist – aber in der Schwangerschaft ist es sinnvoll, nicht genau an dieser Stelle „auf gut Glück“ zu gehen.

Sicher zubereiten, ohne den Fisch totzukochen

Du brauchst kein Profi-Equipment, aber du brauchst ein eindeutiges „fertig“. Das funktioniert mit zwei einfachen Kriterien:

  • Optik: Der Fisch ist nicht mehr glasig, sondern durchgehend opak (bei Lachs eher hellrosa als roh-leuchtend).
  • Textur: Er lässt sich mit der Gabel leicht in Lamellen teilen, ohne innen roh zu wirken.

Wer es gern sehr eindeutig mag, kann ein Thermometer nutzen. Auf vielen Infoseiten zur Lebensmittelsicherheit taucht als Praxisregel auf: ausreichend erhitzen (oft genannt: mindestens um 70 °C über kurze Zeit) – dann sinkt das Keimrisiko deutlich.[9] Für den Alltag ist aber meist schon die „nicht mehr glasig“-Regel die schnellste Orientierung.

Zusätzlich helfen drei Hygieneschritte, die nicht nach Labor aussehen:

  • Fisch im Kühlschrank ganz unten lagern (auslaufende Flüssigkeit soll nichts anderes berühren).
  • Schneidebrett/Messer direkt heiß spülen (nicht erst „später“).
  • Fisch möglichst am selben oder nächsten Tag zubereiten.

Wie viel Fisch ist sinnvoll – und warum „immer derselbe“ keine gute Idee ist

Die Empfehlung „1–2 Portionen Fisch pro Woche“ taucht bei DGE und Gesund ins Leben als wiederkehrender Rahmen auf, inklusive dem Hinweis, mindestens einmal fettreichen Fisch für DHA einzuplanen.[1][2]

Alltagstauglich wird das so:

  • Woche = 1–2 Fischmahlzeiten
  • davon 1× fettreicher Fisch (DHA-Fokus)
  • der Rest nach Lust (magerer Fisch oder nochmals fettreich, aber nicht immer dieselbe Art)

Abwechslung hat einen sehr praktischen Nutzen: Du verteilst mögliche Belastungen und bekommst automatisch unterschiedliche Nährstoffe. Und du ersparst dir die Situation, dass du zufällig genau die eine Sorte ständig isst, die du gerade eigentlich begrenzen wolltest.

„Ich mag keinen Fisch“ oder „ich esse keinen Fisch“: Was dann

Das kommt häufiger vor, als man denkt. Und es muss nicht dazu führen, dass du die ganze Schwangerschaft mit einem unguten Gefühl herumläufst. Gesund ins Leben erklärt sehr klar, dass pflanzliche Omega-3-Quellen vor allem ALA liefern und die Umwandlung zu DHA im Körper nur begrenzt ist.[10] Genau deshalb wird in manchen Fällen eine Ergänzung über DHA (z. B. Algenöl) als Option genannt – idealerweise individuell besprochen.[10]

Wenn du die Versorgung ohne Fisch angehen willst, funktioniert oft diese Logik:

  • ALA in den Alltag: Rapsöl, Leinöl, Walnüsse (regelmäßig, nicht einmal pro Monat).
  • DHA gezielt: Bei dauerhaftem Verzicht auf Fisch eine passende Ergänzung mit Ärztin/Arzt oder Hebamme besprechen.[10]

Ergänzend: Die Verbraucherzentrale ordnet Nahrungsergänzungen in der Schwangerschaft grundsätzlich als Thema ein, das man sinnvollerweise nicht „auf Verdacht“ macht, sondern nach Bedarf und Beratung.[11]

Mini-Guide für den Einkauf: So fühlst du dich an der Theke nicht ausgeliefert

Du musst nicht alles wissen. Du brauchst ein paar Sätze, die du dir innerlich sagen kannst, während du bestellst:

  • „Ich nehme etwas, das ich komplett durchgaren kann.“
  • „Eher Lachs/Hering/Makrele/Sardinen statt große Räuber.“
  • „Heute lieber frisch oder tiefgekühlt als kalt geräuchert.“
  • „Eine Portion reicht – nächste Woche wieder.“

Das ist kein Perfektionismus, das ist Entlastung. Und genau darum geht es bei Ernährung in der Schwangerschaft am Ende oft: Du sollst gut versorgt sein – ohne dass jede Mahlzeit sich wie eine Entscheidung unter Beobachtung anfühlt.

Wenn doch mal etwas schiefgeht: einmalig ist nicht automatisch ein Drama

Manchmal passiert es: Ein Bissen vom Sushi beim Essen gehen, ein belegtes Brötchen, bei dem erst später klar wird, dass es kalt geräucherter Lachs war. Wichtig ist dann vor allem, nicht in die Spirale zu rutschen. Die meisten Kontakte mit Risikolebensmitteln führen nicht automatisch zu einer Erkrankung. Sinnvoll ist: auf Symptome achten (z. B. Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Magen-Darm-Beschwerden) und bei Unsicherheit frühzeitig ärztlich abklären lassen.[8]

Für deinen Alltag ist aber die wichtigste Botschaft: Wenn du den Standard „durchgegart + geeignete Arten + 1–2× pro Woche“ einhältst, hast du den Kern bereits sehr gut im Griff.[1][3]

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen (abgerufen am 04.01.2026)
  2. Netzwerk Gesund ins Leben: Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft (abgerufen am 04.01.2026)
  3. BfR: Schwangere und Stillende sollten Fischarten mit hohen Gehalten an Methylquecksilber meiden (28.05.2024, abgerufen am 04.01.2026)
  4. BfR: Methylquecksilber in Fisch und Meeresfrüchten – Bewertung neuer Daten aus der BfR-MEAL-Studie (PDF) (28.05.2024, abgerufen am 04.01.2026)
  5. Verbraucherzentrale: Listerien und Listeriose – so schützen Sie sich (04.07.2024, abgerufen am 04.01.2026)
  6. Netzwerk Gesund ins Leben: Listeriose und Toxoplasmose – Auswahl und Zubereitung von Lebensmitteln in der Schwangerschaft (22.04.2021, abgerufen am 04.01.2026)
  7. BfR: Listerien in Räucherfisch – Hinweise für Risikogruppen (30.09.2020, abgerufen am 04.01.2026)
  8. LAVES Niedersachsen: Listerien – Erhitzen als Schutzmaßnahme (u. a. 70 °C-Richtwert) (abgerufen am 04.01.2026)
  9. Netzwerk Gesund ins Leben: Sind Supplemente mit Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft notwendig? (19.05.2021, abgerufen am 04.01.2026)
  10. Verbraucherzentrale: Welche Nahrungsergänzungen brauchen Schwangere? (24.10.2025, abgerufen am 04.01.2026)

FAQs zum Thema Fisch in der Schwangerschaft

Ist tiefgekühlter Fisch in der Schwangerschaft okay

Ja, wenn du ihn vollständig durchgarst. Tiefkühlware kann sogar praktisch sein, weil die Kühlkette klar ist und du portionsweise arbeiten kannst. Entscheidender als „frisch vs. TK“ ist die sichere Zubereitung.[7]

Sind Fischstäbchen eine sinnvolle Option

Als gelegentliche Lösung ja, weil sie gut durcherhitzt werden können. Beim Quecksilber-Thema ist aber wichtig: Seelachs/Fischstäbchen tragen laut BfR wegen der häufigen Verzehrsmenge zur Aufnahme bei, auch wenn die Gehalte niedriger sind als bei manchen Raubfischen. Abwechslung bleibt deshalb sinnvoll.[3]

Was mache ich, wenn ich aus Versehen rohen oder kalt geräucherten Fisch gegessen habe

Beobachte dich, bleib aufmerksam auf Symptome und kläre Unsicherheiten frühzeitig ärztlich ab. Für viele ist es ein einmaliger Ausrutscher ohne Folgen – wichtig ist nur, nicht zu ignorieren, wenn Fieber oder starkes Krankheitsgefühl dazukommt.[6]

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