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Beim Überholtwerden geblitzt worden – wer zahlt die Strafe?

Geblitzt beim Überholtwerden? Wenn der rote Blitz zuckt, obwohl du nicht zu schnell warst, ist die Verunsicherung groß. Keine Sorge: Du bist in der besseren Position, als du denkst! Wir zeigen dir, wie du jetzt Schritt für Schritt vorgehst, deine Unschuld beweist und das drohende Bußgeld clever abwendest.

Ein Blitz aus heiterem Himmel

Ich stand neulich im Keller und sortierte alte Aktenordner aus. Ein ewiges Projekt, das ich immer vor mir herschiebe. Zwischen alten Rechnungen und Bedienungsanleitungen für Geräte, die ich längst nicht mehr besitze, fiel mir ein vergilbter Umschlag in die Hände: mein allererster Bußgeldbescheid von vor über zehn Jahren. Damals war die Sache klar, ich war schlicht zu schnell. Ein Kumpel von mir hatte es neulich aber deutlich kniffliger. Er rief mich völlig aufgelöst an: „Stell dir vor, ich fahre exakt 80, ein anderer überholt mich mit gefühlten 120 und BÄM, der Blitzer geht los. Und jetzt hab ich den Salat im Briefkasten.“ Eine klassische Situation, die mehr Leute betrifft, als man denkt, und die sofort einen Knoten im Magen verursacht. Denn die erste Frage ist immer dieselbe: Wie beweise ich, dass ich unschuldig bin?

Beim Überholtwerden geblitzt worden: Was der Blitzer wirklich sieht

Der erste Impuls ist oft Panik. Du siehst den Blitz, dein Tacho zeigt die korrekte Geschwindigkeit an und dein Puls geht trotzdem hoch. Das ist total normal. Das Wichtigste zuerst: Die Behörde steht in der Beweispflicht. Sie muss zweifelsfrei nachweisen, dass dein Fahrzeug zu schnell war und du am Steuer saßt. Moderne Messgeräte sind zwar ziemlich clever und können oft mehrere Spuren gleichzeitig überwachen, aber sie sind nicht unfehlbar.[4]

Das entscheidende Beweismittel ist das Blitzerfoto. In vielen Fällen lässt sich darauf klar erkennen, welches Auto den Verstoß begangen hat. Wenn aber beide Fahrzeuge auf gleicher Höhe sind oder sich teilweise überdecken, wird die Sache kompliziert. Eine saubere Fahreridentifizierung ist dann oft nicht möglich. Genau hier liegt deine Chance. Ist auf dem Foto nicht eindeutig zu sehen, wer gefahren ist und welches Auto zu schnell war, ist der Bescheid oft anfechtbar. Mein Kumpel hatte genau diesen Fall: Auf seinem Foto waren die beiden Autos so unglücklich nebeneinander, dass man die genaue Position im Messfeld kaum zuordnen konnte. Der erste Bußgeldbescheid kam trotzdem erst mal zu ihm.

Post vom Amt: Der Bußgeldbescheid ist da, was nun?

Ein paar Wochen nach dem Blitz liegt er dann im Briefkasten: ein offiziell aussehender Brief. Jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Das Allerschlimmste, was du tun kannst, ist, die Strafe aus reinem Schreck sofort zu bezahlen. Eine Zahlung kommt einem Schuldeingeständnis gleich und damit ist die Sache für dich erledigt, meistens zu deinem Nachteil.

Nimm dir den Brief und prüfe ihn in Ruhe. Meistens handelt es sich entweder um einen Anhörungsbogen, in dem du dich zum Vorwurf äußern sollst, oder direkt um einen Bußgeldbescheid. Bevor du irgendetwas tust, gehe diese Schritte durch:

  1. Fordere das Beweisfoto an oder sieh es online ein. Das ist dein wichtigstes Werkzeug. Prüfe genau, ob dein Fahrzeug und du als Fahrer eindeutig zu identifizieren sind. Manchmal ist das Foto so schlecht, dass die Sache damit schon erledigt ist.
  2. Prüfe alle Daten im Schreiben. Stimmen Kennzeichen, Ort und Zeit? Manchmal schleichen sich auch hier Fehler ein. Mein erster Versuch, mich gegen einen falschen Bescheid zu wehren, scheiterte kläglich, weil ich die Einspruchsfrist verpennt hatte. Achte also penibel auf alle Fristen, meist hast du nur ein oder zwei Wochen Zeit zu reagieren.
  3. Fülle nichts voreilig aus. Gib auf dem Anhörungsbogen nicht mehr zu als nötig. Du musst dich nicht selbst belasten. Kreuze nur die Pflichtangaben zur Person an, wenn diese nicht schon korrekt sind.

Nachdem du diese Punkte geprüft hast, kannst du deine Strategie festlegen. Du hast verschiedene Möglichkeiten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Deine Optionen im Überblick, wenn du beim Überholtwerden geblitzt wurdest

Die richtige Reaktion hängt stark vom Einzelfall ab, vor allem von der Qualität des Blitzerfotos. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über deine Handlungsmöglichkeiten:

Option Vorteile Nachteile Wann sinnvoll?
Anhörungsbogen ausfüllen und Situation schildern Kostengünstig, schnell, kann das Verfahren direkt beenden. Deine Aussage kann gegen dich verwendet werden, wenn sie ungeschickt formuliert ist. Wenn das Foto wirklich unklar ist und deine Unschuld offensichtlich scheint.
Einspruch erheben (ohne Anwalt) Du behältst die volle Kontrolle und sparst Anwaltskosten. Du musst dich selbst mit den rechtlichen Details auseinandersetzen, hohes Fehlerrisiko. Bei kleineren Bußgeldern und wenn du dich mit der Materie auskennst.
Einspruch erheben (mit Anwalt) Maximale Erfolgschancen, da der Anwalt Akteneinsicht beantragen und Messfehler aufdecken kann. Es entstehen Kosten für den Anwalt, die bei einem verlorenen Verfahren selbst zu tragen sind (außer bei Rechtsschutzversicherung). Wenn es um hohe Bußgelder, Punkte oder ein Fahrverbot geht.

Richtig argumentieren: So schilderst du den Fall am besten

Wenn du dich entscheidest, dich zum Vorfall zu äußern, ist die Formulierung entscheidend. Bleibe immer sachlich, kurz und höflich. Emotionale Ausbrüche oder Anschuldigungen bringen dich nicht weiter. Konzentriere dich auf die Fakten, die für dich sprechen.

Ein guter Grund für einen erfolgreichen Widerspruch ist ein nicht eindeutiges Beweisfoto. Die Rechtsprechung zeigt, dass die Messung oft als ungültig gewertet wird, wenn nicht klar ist, welches Fahrzeug den Blitz ausgelöst hat.[3] Es ist nicht deine Aufgabe, den wahren Täter zu finden, sondern es reicht, wenn die Behörde dir die Tat nicht zweifelsfrei nachweisen kann. Wenn du einen `Einspruch erheben` möchtest, achte darauf, die richtigen Argumente zu nutzen.

Hier sind Punkte, die du in deiner Argumentation vermeiden solltest:

  • Spekulationen über den anderen Fahrer: Aussagen wie „Der andere raste wie ein Verrückter“ sind subjektiv und bringen nichts.
  • Widersprüchliche Angaben: Bleibe bei einer klaren und konsistenten Darstellung des Sachverhalts.
  • Unnötige Details: Beschränke dich auf das Wesentliche, nämlich dass das Foto keine eindeutige Zuordnung zulässt.
  • Das Verpassen der Frist: Der mit Abstand häufigste Fehler ist, zu lange zu warten. Danach ist der Bescheid rechtskräftig.

Sonderfall: Das Tempolimit war durch einen LKW verdeckt

Eine besondere Situation tritt ein, wenn du beim Überholen eines LKW geblitzt wirst und das Geschwindigkeitsschild dadurch verdeckt war. Gerichte haben hier schon zugunsten von Autofahrern entschieden. Die Argumentation: Wenn du das Schild objektiv nicht sehen konntest, konntest du auch nicht wissen, dass du zu schnell fährst.[3] Der Haken an der Sache ist, dass du dies nachweisen oder zumindest sehr glaubhaft machen musst. Hier kann die Hilfe eines Anwalts, der Akteneinsicht beantragt und die genaue Position von Schild und Blitzer prüft, Gold wert sein.

Ein unfairer Blitz muss dich nicht teuer zu stehen kommen

Beim Überholtwerden geblitzt worden zu sein, ist erstmal ein riesiger Schreck. Aber es ist kein Grund zu verzweifeln. Der Schlüssel liegt darin, ruhig zu bleiben und systematisch vorzugehen. Prüfe das Beweisfoto, achte auf die Fristen und wäge deine Optionen ab. Die Beweislast liegt nicht bei dir, sondern bei der Behörde. Und wenn das Foto keine klare `Fahreridentifizierung` zulässt oder die Messung fehlerhaft sein könnte, stehen deine Chancen gut, ohne Bußgeld davonzukommen.

Am Ende ist die Situation ein bisschen wie bei einem wackeligen Regal, das man aufbaut: Mit dem richtigen Werkzeug, etwas Geduld und einer sauberen Analyse kriegt man es meistens wieder geradegebogen. Und wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin und einen Blitzer sehe, fahre ich mittlerweile extra entspannt. Man lernt ja dazu.

FAQs zum Thema Beim Überholtwerden geblitzt worden

Ich wurde im Firmen- oder Mietwagen geblitzt. Ändert das etwas am Vorgehen?

Ja, das ändert den ersten Schritt. Der Anhörungsbogen wird zunächst an den Halter des Fahrzeugs, also deine Firma oder die Autovermietung, geschickt. Diese wird in der Regel dich als Fahrer benennen. Wichtig ist, dass du dein Unternehmen oder die Vermietung proaktiv informierst, dass du den Bescheid anfechten möchtest. So verhinderst du, dass die Firma das Bußgeld einfach bezahlt und dir in Rechnung stellt, was einem Schuldeingeständnis gleichkäme.

Wird es teurer, wenn ich Einspruch einlege, aber am Ende doch verliere?

Ja, das ist möglich. Wenn dein Einspruch von der Behörde abgelehnt wird und der Fall vor Gericht geht, kommen bei einer Verurteilung zusätzliche Kosten auf dich zu. Dazu zählen in der Regel die Gerichtsgebühren sowie mögliche Auslagen für Zeugen oder Gutachten. Diese können das ursprüngliche Bußgeld deutlich übersteigen, weshalb du das Risiko vor allem bei geringen Strafen gut abwägen solltest.

Was ist, wenn ich das Kennzeichen des anderen Fahrzeugs habe? Sollte ich es melden?

Es ist nicht deine Aufgabe, den „wahren Schuldigen“ zu finden. Deine Verteidigung sollte sich darauf konzentrieren, dass der Beweis gegen dich nicht ausreicht. Du kannst in deiner Stellungnahme sachlich erwähnen, dass du von einem anderen Fahrzeug überholt wurdest, um die Situation zu erklären. Eine direkte Anschuldigung oder das Nennen des Kennzeichens ist aber meist nicht zielführend, denn die Behörde muss dir deine Schuld nachweisen, nicht du die Schuld eines anderen.

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