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Ein Hund zu Weihnachten: Warum das eine Schnapsidee ist

Der Weihnachtsabend. Aufgeregte Kinder stürmen ins Wohnzimmer, reißen Geschenkpapier von Päckchen – und plötzlich tapselt da ein flauschiger Welpe unter dem Baum. Süß als Szene, schwierig in echt. Denn ein Hund zu Weihnachten ist selten „einfach nur ein Geschenk“, sondern eine Entscheidung, die den Alltag der nächsten Jahre komplett umbaut.

Warum Weihnachten als Startzeitpunkt fast immer danebenliegt

Ein Welpe (oder auch ein erwachsener Hund) braucht am Anfang vor allem Ruhe, Wiederholung und klare Abläufe: gleicher Schlafplatz, gleiche Gassi-Runden, gleiche Menschen, gleiche Regeln. Genau das ist an Feiertagen oft Mangelware.

Besuch, Geräusche, ungewohnte Gerüche, ungeplante Ausflüge, volle Kalender – das ist für viele Hunde eine Reizüberflutung. Der Deutsche Tierschutzbund sagt es sehr klar: Festtage seien kein idealer Zeitpunkt für ein neues tierisches Familienmitglied, weil die Situation selten genug Stabilität für eine gute Eingewöhnung bietet.[1]

Der häufigste Knackpunkt: Es wird zu spontan entschieden

Ein Hund ist kein „mal sehen, ob’s klappt“-Projekt. Der Tierschutzbund warnt explizit vor Tieren als Überraschungsgeschenk – unter anderem, weil Aufwand, Kosten und Zeitbedarf regelmäßig unterschätzt werden und Tiere später im Tierheim landen.[1]

Damit du beim Lesen direkt ein Gefühl dafür bekommst, wo es in Familien oft hakt:

  • Zeit: Mehrmals täglich raus, Training, Beschäftigung, Ruhephasen begleiten – nicht nur am Wochenende.
  • Geld: Tierarztkosten, Versicherung, Futter, Ausstattung, Hundeschule. Unerwartetes kommt fast immer irgendwann.
  • Organisation: Betreuung bei Krankheit, langen Arbeitstagen, Terminen, Urlaub – das muss vorher stehen.
  • Erziehung: Regeln lernen ist Arbeit. Gerade die ersten Monate sind nicht „läuft nebenbei“.

Wenn du diese Punkte ohnehin sauber planen willst, ist die Weihnachtsstimmung als Entscheidungsbeschleuniger einfach der falsche Motor.

Wenn es schiefgeht, zahlt am Ende fast immer der Hund

Nach ein paar Feiertagen kommt der Januar: Schule, Arbeit, Termine, weniger Zeit. Dann sitzt ein junger Hund plötzlich häufiger allein, obwohl er gerade in der Phase ist, in der Bindung, Sicherheit und Lernen besonders wichtig wären.

Der Deutsche Tierschutzbund beschreibt genau dieses Muster: Unüberlegt verschenkte Tiere finden sich im Laufe des neuen Jahres überdurchschnittlich häufig in Tierheimen wieder, weil Zeitaufwand und finanzielle Belastung unterschätzt werden.[1] Das ist nicht nur traurig, sondern für viele Hunde auch ein echter Bruch: neues Zuhause, wieder Verlust, wieder neue Umgebung.

Ein zweites Problem: Vor Weihnachten blüht der unseriöse Handel

Rund um Weihnachten steigt die Nachfrage – und damit auch das Risiko, bei unseriösen Angeboten zu landen. Der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) warnt seit Jahren vor dem Massengeschäft mit „Ware Welpe“ und erklärt, wie man unseriöse Händler erkennt.[2]

TASSO wird noch konkreter: Wer Tiere über unkontrollierte Verkaufsplattformen übernimmt, läuft eher Gefahr, illegal importierte, schlecht sozialisierte oder kranke Welpen zu erwischen – Dinge, die man beim ersten Anschauen nicht immer erkennt.[3]

Damit du beim Sortieren schneller Klarheit bekommst:

Eher seriös Hohes Risiko
Tierheim oder anerkannte Tierschutzorganisation mit nachvollziehbarer Vermittlung Übergabe „auf halbem Weg“, Parkplatz, Raststätte
Besuch im Zuhause/der Zuchtstätte ist möglich, Fragen sind ausdrücklich erwünscht „Keine Zeit für Besuch“, „Mutter ist gerade weg“, „nur heute so günstig“
Unterlagen, Impfungen/Chip, Transparenz über Herkunft Unklare Papiere, Ausreden, Druck zum schnellen Kauf

Woran du einen vernünftigen Start erkennst

Es muss nicht perfekt sein – aber plausibel. TASSO nennt zum Beispiel als Orientierung, dass Hundewelpen idealerweise erst mit 8–12 Wochen ins neue Zuhause ziehen sollten, damit sie die wichtige Zeit bei Mutter und Geschwistern haben.[3] Und: Wenn du die Zuchtstätte nicht sehen darfst oder die Übergabe außerhalb stattfindet, sollte bei dir innerlich die Tür zugehen.[3]

Was du stattdessen zu Weihnachten schenken kannst

Wenn jemand „Hund“ auf dem Wunschzettel hat, lässt sich die Vorfreude verschenken – ohne das Tier zu überrumpeln.

Diese Varianten sind in der Praxis deutlich fairer:

  • Ein Plan statt eines Hundes: „Wir starten im Januar gemeinsam mit der Vorbereitung“ (inklusive Zeitplan und Budget).
  • Tierheim-Besuch mit Führung: Erst kennenlernen, dann entscheiden. Der Tierschutzbund empfiehlt ausdrücklich, mit Bedacht ein Tier aus dem Tierheim aufzunehmen.[1]
  • Schnupperstunde in der Hundeschule: Das ist oft der Moment, in dem aus „süß“ ein realistisches Bild wird.
  • Symbolisches Geschenk: Patenschaft oder Spende für ein Tierheim/Tierschutzprojekt (statt Lebewesen im Karton).

Schlussgedanke: Ein guter Hundestart braucht Timing, nicht Lametta

Wenn du wirklich einen Hund in die Familie holen willst, ist das keine Absage – nur ein besserer Zeitpunkt. Nutzt die Zeit nach den Feiertagen, wenn Kalender und Kopf wieder ruhiger sind. Dann könnt ihr euch gemeinsam entscheiden, seriöse Wege nutzen und die Eingewöhnung so planen, dass der Hund nicht „mitläuft“, sondern wirklich ankommt.

Quellen

  1. Deutscher Tierschutzbund: „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke – Verantwortung endet nicht unterm Baum“ (abgerufen am 14.01.2026)
  2. VDH: Welpenhandel – Hinweise, Checklisten und Aufklärung (abgerufen am 14.01.2026)
  3. TASSO: Seriöse Züchter erkennen (inkl. Warnsignale und Abgabealter) (abgerufen am 14.01.2026)

FAQs zum Thema Ein Hund zu Weihnachten

Wie kann ich den Hundewunsch zu Weihnachten sinnvoll „verschenken“, ohne einen Hund zu kaufen?

Verschenk lieber den Start in die Planung: gemeinsamer Tierheim-Besuch, eine Schnupperstunde in der Hundeschule und ein klarer Zeitplan für die Monate danach. So entsteht Vorfreude, ohne dass ein Tier zur Überraschung wird.

Woran erkenne ich, dass ein Angebot unseriös ist?

Sehr oft an Druck, Ausreden und fehlender Transparenz: keine Besichtigung, Übergabe außerhalb, Muttertier nicht sichtbar, „muss heute weg“. Solche Muster nennt TASSO ausdrücklich als Warnsignale.[3]

Ist ein Welpe wirklich so zeitintensiv, wie alle sagen?

Ja – vor allem am Anfang. Stubenreinheit, kurze Lernschritte, viele kleine Runden und ruhige Gewöhnung brauchen Zeitfenster, die im Feiertags- und Januarstress oft fehlen. Genau deshalb rät der Tierschutzbund von Weihnachten als Startzeitpunkt ab.[1]

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