Wenn du die Autoschlüssel in die Hand nimmst und dein Hund unterm Sofa verschwindet, steckt dahinter meist eine negative Erfahrung – die sich aber mit gezielten, kleinen Trainingsschritten auflösen lässt. Der Weg zum entspannten Beifahrer beginnt nicht mit einer Fahrt, sondern mit Geduld im Stand.
Wenn die Autoschlüssel klappern und der Hund abtaucht
Das Geräusch ist kaum hörbar, aber für den Hund unmissverständlich: das leise Klirren der Autoschlüssel. Sofort verzieht er sich in die hinterste Ecke. Bei uns war das lange so. Dahinter steckt keine Sturheit, sondern eine simple, aber starke Verknüpfung: Auto bedeutet Stress, Unwohlsein oder den ungeliebten Besuch beim Tierarzt.
Die gute Nachricht ist, dass sich diese erlernte Verbindung genauso systematisch wieder auflösen und durch eine positive ersetzen lässt. Das Ziel ist, das Auto von einer rumpelnden Schreckenskiste in einen neutralen – oder sogar spannenden – Ort zu verwandeln. Und das schaffst du, indem du die Erwartungshaltung deines Hundes komplett umkrempelst.
Hund ans Autofahren gewöhnen: Die Antwort liegt im Stand
Der Kern des Trainings findet statt, bevor du auch nur einen Meter fährst. Dein Hund muss lernen, dass das Auto selbst ein sicherer und angenehmer Ort ist. Vergiss erst mal alles, was mit Fahren zu tun hat. Der Wagen ist für die nächste Zeit einfach nur eine Futterstation auf Rädern.
Beginne damit, deinen Hund ausschließlich im Auto zu füttern. Parke das Auto, öffne den Kofferraum oder eine Seitentür, stell den Napf rein und lass ihn in Ruhe fressen. Wiederhole das bei jeder Mahlzeit. Dein Hund soll merken: Hier passiert nichts Schlimmes, im Gegenteil, hier gibt es das beste Futter. Wenn das problemlos klappt, schließt du die Tür für ein paar Minuten, während er frisst. Der Motor bleibt die ganze Zeit über aus.
In kleinen Schritten zum Roadtrip: Ein Trainingsplan, der funktioniert
Sobald dein Hund das stehende Auto als normalen Ort akzeptiert, kannst du die nächsten Stufen einleiten. Gehe aber immer erst dann zum nächsten Schritt über, wenn der vorherige für deinen Hund absolut langweilig geworden ist.
So gewöhnst du deinen Hund ans Autofahren:
- Starte den Motor für nur 5 bis 10 Sekunden, während dein Hund im Auto frisst oder einen Kauknochen bearbeitet – dann sofort wieder aus. Wiederhole das, bis das Geräusch für ihn zur reinen Nebensache wird.
- Fahr als erste Bewegung maximal 20 Meter die Einfahrt runter und wieder rauf – nicht weiter. Direkt danach passiert etwas Tolles: ein Spiel, ein Spaziergang, ein Leckerli.
- Verlängere die Fahrten in winzigen Schritten. Das Ziel jeder Fahrt muss konsequent positiv sein: der Startpunkt eurer Lieblingsrunde, der Hundepark oder ein Besuch bei Freunden.
Dieser schrittweise Aufbau nimmt den Druck aus der Situation und gibt deinem Hund die Kontrolle zurück. Er lernt, dass die Autofahrt nur ein kurzer Übergang zu etwas Schönem ist.
Wie lange dauert es, einen Hund ans Autofahren zu gewöhnen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Bei einem jungen Hund, der noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat, reichen vielleicht wenige Tage. Ein Hund mit tief sitzender Angst braucht eventuell mehrere Wochen oder sogar Monate. Der wichtigste Faktor ist, dass du das Tempo deines Hundes vorgibst und keinen Schritt überspringst. Zwinge ihn niemals ins Auto – das macht alles nur schlimmer.
Was tun, wenn dem Hund im Auto trotzdem schlecht wird?
Manchmal ist es keine Angst, sondern echte Reiseübelkeit (Kinetose). Dieses Problem ist körperlich und hat nichts mit dem Verhalten deines Hundes zu tun. Sie entsteht, weil das Gehirn widersprüchliche Signale empfängt: Die Augen melden Stillstand im Auto, während das Gleichgewichtsorgan im Innenohr Bewegung registriert.[1] Laut Fachliteratur ist etwa jeder sechste erwachsene Hund davon betroffen.[2]
Die Anzeichen für Übelkeit sind oft subtiler als Erbrechen. Eine an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführte Untersuchung hebt hervor, dass Hunde oft schon lange vor dem Erbrechen deutliche Symptome zeigen, die aber leicht übersehen werden.[4] Achte auf:
- Heftiges Speicheln oder Sabbern
- Häufiges Lippenlecken und Schmatzen
- Gähnen und Unruhe
- Starkes Hecheln ohne Hitze
Wenn du diese Anzeichen bemerkst, helfen oft schon einfache Maßnahmen: Gib deinem Hund vor der Fahrt etwa zwei Stunden lang kein Futter, sorge für frische Luft und ermögliche ihm eine freie Sicht nach draußen (natürlich immer gut gesichert). Bei hartnäckigen Fällen kann dein Tierarzt mit speziellen Medikamenten helfen, die die Übelkeit unterbinden, ohne den Hund müde zu machen.
Der Fehler, den fast alle machen (und wie du ihn vermeidest)
Bei uns war das Problem lange hausgemacht. Jede Autofahrt endete entweder beim Tierarzt oder in der Hundepension vor dem Urlaub. Logisch, dass mein Hund das Auto mit Abschied und unangenehmen Untersuchungen verknüpft hat. Das ist der häufigste Fehler: Das Auto wird fast ausschließlich für notwendige, aber für den Hund unangenehme Zwecke genutzt.
Die Lösung ist einfach, erfordert aber Konsequenz. Sorge dafür, dass mindestens 9 von 10 Autofahrten zu einem super Ziel führen. Fahrt zum See, in den Wald, zum Toben auf die Hundewiese. Die Fahrt selbst wird so zur Ankündigung für ein kleines Abenteuer. Diese positive Verknüpfung ist oft wirkungsvoller als jedes Training.
Und was ist mit Welpen? Die Gewöhnung von Anfang an
Am einfachsten ist es natürlich, wenn ein Hund das Autofahren von klein auf als etwas Normales kennenlernt. Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten prägen das Verhalten nachhaltig. Ein guter Züchter beginnt deshalb schon früh mit der Gewöhnung. Prof. Urs Lüscher von der Vetsuisse-Fakultät in Bern stellt klar: „Ein verantwortungsvoller Züchter wird die Welpen auch daran gewöhnen, sich in einem Käfig und im fahrenden Auto wohlzufühlen.“[3]
Wenn du einen Welpen bekommst, mache genau da weiter. Integriere kurze, positive Autofahrten fest in euren Alltag. So wird das Auto einfach ein Teil des Lebens – wie das Körbchen oder der Futternapf.
Quellen
- Das Vestibular-Syndrom (Justus-Liebig-Universität Gießen, abgerufen am 23.02.2026)
- Autofahrten mit dem Hund – nur mit Übelkeit? Was hilft gegen Kinetose? (Georg Thieme Verlag KG, abgerufen am 23.02.2026)
- Welpenentwicklung und Prävention von Verhaltensproblemen (Vetmeduni Vienna, abgerufen am 23.02.2026)
- Entwicklung und Validierung einer numerischen Ratingskala (NRS) zur Erfassung von Übelkeit bei Hunden mit akutem Vestibularsyndrom (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, abgerufen am am 23.02.2026)
FAQs zum Thema Hund ans Autofahren gewöhnen
Sollte ich meinen Hund vor der Fahrt körperlich auslasten?
Ja, das ist oft eine sehr gute Idee. Ein ausgiebiger Spaziergang oder eine intensive Spieleinheit vor der Autofahrt kann helfen, überschüssige Energie abzubauen. Ein körperlich und geistig zufriedener Hund ist nämlich deutlich entspannter und neigt eher dazu, sich im Auto hinzulegen und zu dösen, anstatt sich in seine Nervosität hineinzusteigern.
Was mache ich, wenn mein Hund während der Fahrt plötzlich in Panik gerät?
Bleibe vor allem selbst ruhig und fahre bei der nächsten sicheren Gelegenheit rechts ran. Öffne ein Fenster, um für frische Luft zu sorgen, und gib deinem Hund einen Moment, um sich zu beruhigen. Rede ihm leise und gelassen zu. Oft hilft eine kurze Pause an der frischen Luft. Zwinge ihn nicht, die Fahrt fortzusetzen, wenn er extrem gestresst ist – manchmal ist es besser, umzukehren und das Training an einem anderen Tag fortzusetzen.
Welche Sicherungsmöglichkeit im Auto ist für einen ängstlichen Hund am besten?
Für ängstliche Hunde ist eine stabile, gut gesicherte Transportbox oft die beste Wahl. Sie bietet eine Art schützende Höhle, die Sicherheit vermittelt und die Reize von außen reduziert. Gewöhne deinen Hund aber zuerst in der Wohnung positiv an die Box. Alternativ kann ein gut sitzendes Sicherheitsgeschirr mit einem speziellen Gurt für den Anschnaller eine Option sein, wenn dein Hund sich in einer Box zu eingesperrt fühlt.