Anspringen ist so ein Klassiker, der im Alltag plötzlich riesig wirkt: Hose dreckig, Jacke zerkratzt, Besuch verunsichert – und bei größeren Hunden fühlt es sich einfach nicht mehr „niedlich“ an.
Wichtig ist die Einordnung: In den meisten Fällen ist das kein „Machtspiel“, sondern eine erlernte Begrüßung. Der Hund hat irgendwann gemerkt: Wenn ich hochspringe, passiert etwas. Aufmerksamkeit, Hände, Stimme, Bewegung – irgendwas kommt immer zurück. Genau deshalb lässt sich das Verhalten auch wieder umlernen, wenn du konsequent eine bessere Alternative aufbaust. Auch der American Kennel Club (AKC) empfiehlt dafür das Prinzip „vier Pfoten am Boden“ als feste Begrüßungsregel.[3]
Warum springen Hunde überhaupt hoch?
Meist ist es eine Mischung aus Aufregung, Nähe und Gewohnheit. Dein Hund will schnell an dein Gesicht, an deine Hände, mitten in die Situation rein – und wenn das früher mal „funktioniert“ hat, wird es zur festen Begrüßungsroutine. Selbst Schimpfen oder Wegdrücken kann das Verhalten versehentlich füttern, weil es für viele Hunde trotzdem Kontakt ist.[4]
Der britische Tierschutzverein Dogs Trust beschreibt genau das als typischen Stolperstein: Selbst negative Aufmerksamkeit kann für Hunde wie eine Belohnung wirken, wenn sie dadurch Nähe bekommen.[4]
Der wichtigste Gedanke fürs Training: Dein Hund soll lernen, dass Begrüßung nicht über Körperkontakt „oben“, sondern über Ruhe „unten“ läuft.
Woran du merkst, dass du aus Versehen belohnst
Viele verstärken das Anspringen unbewusst. Wenn du dich wegdrehst, aber dabei redest („Nein, aus!“), lachst oder ihn kurz wegschiebst, hat der Hund trotzdem sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit. Für ihn zählt oft nicht, was du sagst – sondern dass du reagierst.
Was du in dem Moment tun kannst, wenn er dich anspringt
Du brauchst eine Reaktion, die sicher ist und gleichzeitig verständlich bleibt. In der Praxis hilft am meisten eine Kombination aus „langweilig werden“ und „unten belohnen“:
Im Alltag funktioniert diese Reaktion oft am zuverlässigsten:
- Bleib ruhig und mach dich kurz uninteressant: kein Schimpfen, kein Lachen, keine Ansprache.
- Dreh dich leicht zur Seite oder weg, damit Hochspringen ins Leere geht.
- Kontakt gibt es erst wieder, wenn alle vier Pfoten am Boden sind – dann sofort loben oder ruhig streicheln.
Das ist nicht spektakulär, aber extrem wirksam – weil es dem Hund klar zeigt, welche Version der Begrüßung sich lohnt. Das ist nicht spektakulär, aber extrem wirksam – weil es dem Hund klar zeigt, welche Version der Begrüßung sich lohnt. Die RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals) empfiehlt dabei belohnungsbasiertes Training: ruhiges Verhalten verstärken, Anspringen dagegen konsequent ins Leere laufen lassen.[1]
Das Training, das den Knoten löst: Begrüßung mit Alternative
Anspringen verschwindet selten nur durch „Nein“. Es verschwindet, wenn dein Hund in genau der Situation weiß, was er stattdessen tun soll. Zwei sehr alltagstaugliche Alternativen sind „Sitz“ oder „auf die Decke“. Auch die Tierärztekammer Nordrhein führt solche alltagsnahen Grundregeln im Sachkunden-Kontext auf – weil sie Begrüßungen klarer und sicherer machen.[2]
So baust du es sauber auf:
Mit dieser Reihenfolge wird das Training meist deutlich stabiler:
- Übe die Alternative erst in ruhigen Momenten, damit sie wirklich sitzt.
- Starte mit kleinen Reizen: du gehst kurz raus und wieder rein – ohne Besuch, ohne Klingel.
- Dein Hund bekommt direkt beim Runterkommen oder Sitzen seine Belohnung (Timing ist hier alles).
- Steigere langsam: erst Familienmitglieder, dann ruhiger Besuch, dann „echte“ Situationen.
- Wenn es wackelt, mach es leichter: Leine dran oder ein kurzer Abstand, damit der Hund überhaupt ansprechbar bleibt.
Damit trainierst du nicht nur „spring nicht“, sondern Begrüßung in Ruhe. Und das ist langfristig das, was bei den meisten Hunden wirklich hängen bleibt.
Wie lange dauert das realistisch?
Realistisch: Bei manchen Hunden siehst du nach ein paar Tagen schon weniger Anspringen. Stabil wird es meist nach zwei bis vier Wochen – je nachdem, wie konsequent alle im Haushalt sind und wie viel Besuch/Action das Verhalten immer wieder triggert.
Wenn Besuch kommt und dein Hund komplett überdreht
Dann ist Management kein Scheitern, sondern ein sinnvoller Zwischenschritt. Wenn dein Hund schon am Limit ist, kann er nicht „brav wählen“. Er kann dann nur noch reagieren. Genau deshalb hilft es, Begrüßungen erst mal so zu gestalten, dass dein Hund eine Chance hat, das richtige Verhalten überhaupt zu zeigen.
Das kann heißen: Hund kurz anleinen, räumlich abtrennen oder erst dann Kontakt zulassen, wenn er sich sichtbar beruhigt. Viele seriöse Hundetrainer arbeiten genau so – erst Situation entschärfen, dann Training möglich machen.[4]
Was du besser lässt, auch wenn es „streng“ wirkt
Wegschubsen, Knie hochziehen oder lautes Anbrüllen klingt nach Kontrolle, sorgt aber häufig für mehr Aufregung. Zusätzlich ist es unnötig riskant, wenn dein Hund dabei blöd landet oder jemand verletzt wird.
Belohnungsbasiertes Training setzt stattdessen darauf, dass der Hund eine klare Alternative bekommt und ruhiges Verhalten sich lohnt. Das ist nicht „weich“, sondern einfach sauberer im Ergebnis.[1]
Wenn ein fremder Hund dich anspringt
Du musst das nicht kommentarlos hinnehmen. Ruhig zur Seite drehen, Hände am Körper lassen und keinen großen Reiz liefern – das nimmt oft schon Druck raus. Wenn du Abstand bekommst, nutz ihn. Und wenn Besitzer:innen es herunterspielen: Du darfst trotzdem klar bleiben. Nicht jeder will angesprungen werden, egal wie „lieb“ der Hund ist.
Fazit
Anspringen ist meistens erlernte Begrüßung – und genau deshalb kannst du es umtrainieren. Entscheidend ist: Hochspringen läuft ins Leere, vier Pfoten am Boden wird belohnt. Dazu eine Alternative wie „Sitz“ oder „Decke“ und am Anfang so viel Management, dass dein Hund überhaupt lernen kann. Wenn das konsequent passiert, wird es im Alltag spürbar entspannter.
Quellen
- RSPCA – How to stop a dog jumping up (abgerufen am 19.01.2026)
- Tierärztekammer Nordrhein – Sachkundefragen (ab 01.01.2025), Abschnitt Begrüßung/Anspringen (abgerufen am 19.01.2026)
- American Kennel Club (AKC) – How to Stop Your Dog From Jumping Up on People (abgerufen am 19.01.2026)
- Dogs Trust – Training: Jumping up (abgerufen am 19.01.2026)
FAQs zum Thema Hund springt mich an
Warum springt mein Hund mich zur Begrüßung an?
Meist aus Aufregung und weil es sich für ihn lohnt: Er bekommt Aufmerksamkeit, Nähe oder Action. So wird das Verhalten schnell zur Gewohnheit.[3]
Wie reagiere ich richtig, wenn er hochspringt?
Ruhig bleiben, kurz wegdrehen und erst dann begrüßen, wenn alle vier Pfoten am Boden sind. Das richtige Verhalten muss sich lohnen, sonst bleibt das Anspringen attraktiv.[4]
Hilft „Sitz“ gegen das Anspringen?
Ja, weil „Sitz“ ein klarer Gegenentwurf ist. Wichtig ist nur, dass du es in ruhigen Situationen aufgebaut hast und bei Begrüßungen wirklich konsequent einsetzt.[2]
Was mache ich, wenn Besuch kommt und der Hund völlig aufdreht?
Dann hilft Management: kurze Leine, Abstand, kurz trennen – erst runterfahren lassen, dann begrüßen. So kann dein Hund überhaupt lernen, ruhig zu bleiben.[4]