Bei der Heizung in der Übergangszeit ist das Wetter oft das eigentliche Problem: morgens braucht man plötzlich einen Pullover, ein paar Stunden später scheint die Sonne durchs Fenster und die Wohnung ist wieder warm. Die Heizung jeden Tag komplett ein- und am Mittag wieder auszuschalten, ist deshalb meistens unnötig.
Wichtiger als ein festes Datum ist die Temperatur in den Räumen. Bleibt die Wohnung auch an kühlen Tagen angenehm warm, muss kein Heizkörper laufen. Sinkt sie dagegen dauerhaft deutlich ab, ist moderates Heizen sinnvoller, als Räume erst stark auskühlen zu lassen und später wieder hochzuheizen.
Der Kalender sagt wenig darüber aus, wann du heizen musst
Der 1. Oktober ist kein magischer Schalter für die Heizsaison. Gerade im September und Oktober unterscheiden sich Häuser enorm: Ein gut gedämmter Neubau kann an einem kühlen Herbsttag noch von gespeicherter Wärme und Sonne profitieren, während ein unsanierter Altbau schon deutlich früher auskühlt.
co2online, eine gemeinnützige Beratungsgesellschaft für Klimaschutz und Energieeffizienz, nennt deshalb je nach Gebäudestandard unterschiedliche grobe Außentemperaturen, ab denen Heizen sinnvoll werden kann. Bei unsanierten Altbauten liegt der Orientierungsbereich etwa bei 15 bis 17 °C Außentemperatur, bei Gebäuden nach 1995 eher bei 12 bis 15 °C und bei sehr effizienten Häusern noch darunter.[1]
Solche Werte taugen als Hinweis, aber nicht als persönliche Einschaltregel. Liegt dein Wohnzimmer trotz 12 °C draußen noch bei 20 °C, gibt es keinen Grund, allein wegen der Wetter-App Wärme nachzuschieben.
Am Heizkörper musst du nicht ständig an und aus drehen
Ein normales Heizkörperthermostat ist kein einfacher Wasserhahn. Es reagiert auf die Temperatur rund um den Thermostatkopf und drosselt den Heizwasserdurchfluss, sobald die eingestellte Raumtemperatur erreicht ist. Wird der Raum durch Sonne, Kochen oder andere Wärmequellen warm genug, schließt das Ventil entsprechend.[2]
Deshalb kann es in der Übergangszeit sinnvoll sein, das Thermostat einfach auf der gewünschten Temperatur stehen zu lassen. Bei vielen Standardthermostaten entspricht Stufe 3 ungefähr 20 °C und Stufe 2 etwa 16 °C. Die Werte sind nur Richtwerte und können je nach Thermostat etwas abweichen.[2]
Das erklärt auch den Klassiker „Die Heizung steht auf 3, aber der Heizkörper ist kalt“. Wenn der Raum bereits warm genug ist, ist genau das normales Verhalten. Der Heizkörper muss nicht dauerhaft heiß sein, nur weil das Thermostat nicht auf null steht.
Ganz abschalten kann in warmen Phasen trotzdem sinnvoll sein
Wer eine eigene Heizungsanlage besitzt, hat noch eine zweite Ebene: die zentrale Regelung. Im Sommer kann eine Anlage je nach System auf reinen Warmwasserbetrieb oder Sommermodus gestellt werden. In einer wechselhaften Herbstwoche ständig manuell zwischen Sommer- und Heizbetrieb zu springen, bringt dagegen wenig Komfort.
Moderne Heizungsregelungen können die benötigte Vorlauftemperatur anhand der Außen- oder Raumtemperatur selbst anpassen. Bei witterungsgeführten Anlagen übernimmt das eine Heizkurve: Je kälter es draußen wird, desto höher wird die notwendige Vorlauftemperatur. Die Verbraucherzentrale beschreibt eine gut eingestellte Regelung ausdrücklich als Möglichkeit, die Wärmeerzeugung automatisch an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.[3]
Wenn du in einem Einfamilienhaus wohnst und die Anlage jedes Jahr schon bei mildem Wetter unnötig loslegt, wäre deshalb eher die Heizgrenze beziehungsweise Heizkurve interessant als tägliches Ein- und Ausschalten am Kessel. Änderungen an einer bislang gut funktionierenden Heizkurve würde ich allerdings nicht auf Verdacht wild durchprobieren – die passende Einstellung hängt vom Gebäude und Heizsystem ab.
Zu kühl sollte die Wohnung auch im September nicht werden
Beim Energiesparen gibt es einen Punkt, an dem „Heizung aus“ nicht mehr besonders clever ist. Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume rund 20 °C als Orientierung, für Schlafzimmer etwa 17 °C. Gleichzeitig warnt es davor, Räume zu stark auskühlen zu lassen, weil mit niedrigeren Temperaturen und hoher Feuchtigkeit die Gefahr von Schimmel steigt.[4]
Das ist gerade in der Übergangszeit leicht zu übersehen. Draußen fühlt es sich noch nicht nach Winter an, in einer kühlen Ecke an der Außenwand können die Oberflächentemperaturen trotzdem deutlich niedriger sein als mitten im Zimmer. Dort schlägt sich Feuchtigkeit zuerst nieder.
Wenig genutzte Räume komplett kalt zu lassen und sie durch eine offene Tür vom warmen Wohnzimmer „mitzuheizen“, ist ebenfalls keine gute Idee. Mit der warmen Luft wandert Feuchtigkeit in den kühleren Raum. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb, Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen zu halten und auch wenig genutzte Räume geringfügig zu temperieren.[4]
Ein Thermometer sagt dir mehr als die Außentemperatur
Wenn du jedes Jahr unsicher bist, wann du anfangen sollst zu heizen, reicht für den Anfang ein Blick auf die tatsächliche Raumtemperatur. Das Bauchgefühl kann im September ziemlich täuschen: Nach einem warmen Sommertag fühlen sich 19 °C plötzlich kalt an, während dieselbe Temperatur im Februar fast freundlich wirkt.
Zusätzlich ist die Luftfeuchtigkeit interessant. Je kühler ein Raum ist, desto weniger Wasserdampf kann die Luft aufnehmen. Regelmäßiges Stoßlüften bleibt deshalb auch dann wichtig, wenn die Heizung erst gelegentlich läuft. Das Umweltbundesamt rät zu kurzem, intensivem Lüften statt dauerhaft gekippten Fenstern.[4]
Für mich ist das die praktischste Herbstregel: Erst messen, dann drehen. Wenn Wohnräume morgens noch um die 20 °C haben und tagsüber wieder wärmer werden, muss die Heizung nicht aus Prinzip laufen. Wenn die Temperaturen dagegen über mehrere Tage absacken, spricht nichts dagegen, moderat gegenzusteuern.
Beim Lüften darf das Thermostat kurz zu
Eine Stelle, an der sich das manuelle Drehen tatsächlich lohnt, ist das Lüften. Steht ein Heizkörper direkt unter dem geöffneten Fenster, registriert das Thermostat die kalte einströmende Luft und kann das Ventil öffnen. Dann heizt der Heizkörper ausgerechnet während des Stoßlüftens stärker.
Für diese paar Minuten kannst du das Thermostat herunterdrehen und danach wieder auf die gewünschte Einstellung stellen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt genau dieses Vorgehen ebenfalls.[2]
Anders sieht es aus, wenn dein Thermostat einen Fensterkontakt besitzt oder einen schnellen Temperaturabfall selbst erkennt. Dann kann die Regelung diese Pause automatisch übernehmen.
Fußbodenheizungen mögen keine hektischen Richtungswechsel
Bei einer Fußbodenheizung ist tägliches Hoch- und Runterdrehen noch weniger reizvoll. Durch die große beheizte Fläche und den Bodenaufbau reagiert das System träger als ein einzelner Heizkörper. Bis eine geänderte Einstellung tatsächlich im Raum ankommt, kann einige Zeit vergehen.
Gerade hier ist eine passende Heizkurve wichtiger als das spontane Reagieren auf jeden sonnigen Nachmittag. Bei höheren Außentemperaturen reduziert eine witterungsgeführte Regelung die Vorlauftemperatur ohnehin. Bei gut eingestellten Systemen arbeitet die Anlage damit bereits genau so, wie man es in der Übergangszeit eigentlich haben möchte: nur so viel Wärme bereitstellen, wie gerade nötig ist.[3]
Dass sich der Fußboden an einem milden Herbsttag nicht warm anfühlt, bedeutet übrigens nicht automatisch, dass die Heizung defekt ist. Bei geringem Wärmebedarf kann die Oberflächentemperatur nur wenig über der Raumtemperatur liegen.
In der Übergangszeit darf die Heizung einfach langweilig arbeiten
Man muss aus dem ersten kalten Septembermorgen keine Zeremonie machen. Solange die Räume warm genug bleiben, kann die Heizung Pause haben. Werden sie zu kühl, stellst du am Thermostat die Temperatur ein, die du tatsächlich haben möchtest, und lässt die Regelung ihren Job machen.
Die Heizung in der Übergangszeit muss also weder grundsätzlich aus noch rund um die Uhr aufgedreht sein. Raumtemperatur, Feuchtigkeit und der energetische Zustand des Hauses sind wesentlich aussagekräftiger als das Datum. Wer eine eigene moderne Anlage hat, sollte zudem lieber auf eine vernünftig eingestellte Heizkurve und Heizgrenze setzen als morgens am Kessel ein- und nachmittags wieder auszuschalten.
So unspektakulär darf Energiesparen manchmal sein: nicht frieren, nicht überheizen und die Technik nicht ständig daran hindern, automatisch zu regeln.
Quellen
- co2online: Heizperiode 2026/2027 – Orientierung für Heizbeginn nach Gebäudeart und Außentemperatur (aktualisiert 2026, abgerufen am 03.09.2026)
- Verbraucherzentrale: Thermostat richtig einstellen – Funktionsweise, Temperaturstufen und Verhalten beim Lüften (Stand 16.02.2026, abgerufen am 03.09.2026)
- Verbraucherzentrale: Heizung optimieren – Heizungsregelung, Vorlauftemperatur und Heizkurve (Stand 10.02.2026, abgerufen am 03.09.2026)
- Umweltbundesamt: Richtiges Heizen schützt Klima und Geldbeutel – Raumtemperaturen, Lüften und Schimmelvorsorge (zuletzt aktualisiert am 24.10.2023, abgerufen am 03.09.2026)