Wenn du die Luftfeuchtigkeit erhöhen willst, miss sie zuerst. Das klingt banal, verhindert aber den häufigsten Fehler: Wasser in einen Raum zu bringen, der gar nicht zu trocken ist. Als grobe Orientierung werden für Wohnräume oft 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit genannt. Im Winter kann an kalten Außenwänden allerdings schon ein niedrigerer Raumwert problematisch sein.[1][2]
Ein einfaches Thermo-Hygrometer reicht für diesen Check. Werte um 30 Prozent oder darunter sprechen eher für tatsächlich trockene Raumluft. Liegt der Raum dagegen schon bei 45 oder 50 Prozent, würde ich nicht mit nassen Handtüchern, Wäsche oder Duschdampf nachhelfen.[2]
Warum 50 Prozent nicht in jeder Wohnung gleich sind
Relative Luftfeuchtigkeit beschreibt die Feuchte der Luft bei einer bestimmten Temperatur. An kalten Flächen sieht die Situation anders aus. Hinter einem Schrank an einer schlecht gedämmten Außenwand kann die lokale Feuchte deutlich höher sein als in der Mitte des Zimmers.
Deshalb ist ein einzelner Zielwert keine Garantie gegen Schimmel. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bei schlecht gedämmten Gebäuden an kalten Tagen selbst Raumwerte um 40 Prozent an Wärmebrücken schon zu hoch sein können.[2]
Hygrometer nicht direkt auf die Heizung stellen
Miss dort, wo du dich tatsächlich aufhältst, und vergleiche bei Bedarf mehrere Stellen. Direkt über dem Heizkörper, am offenen Fenster oder unmittelbar an einer kalten Außenwand bekommst du Werte, die den ganzen Raum nur schlecht abbilden.
Duschdampf gehört nach draußen, nicht ins Wohnzimmer
Nach dem Duschen die Badezimmertür zu öffnen und die feuchte Luft in der Wohnung zu verteilen klingt im Winter zunächst sinnvoll. Genau das würde ich aber nicht als Befeuchtungsmethode nutzen.
Feuchtigkeit aus Dusche und Bad sollte möglichst direkt nach draußen gelüftet werden. Zieht warme, feuchte Luft in kühlere Räume, kann sie dort an kalten Oberflächen kondensieren und das Schimmelrisiko erhöhen.[1]
Ähnliches gilt für Kochen: Wasserdampf entsteht ohnehin. Ihn absichtlich in der Wohnung zu halten, nur um einen Hygrometerwert anzuheben, löst eher ein neues Problem.
Nasse Wäsche ist ebenfalls kein Raumluft-Trick
Ein Wäscheständer gibt viel Wasser an die Raumluft ab. Genau deshalb rät das Umweltbundesamt dazu, Wäsche nach Möglichkeit nicht in der Wohnung zu trocknen. Wenn es nicht anders geht, muss entsprechend stärker gelüftet werden.[1]
Wenn du bereits mit beschlagenen Fenstern oder feuchten Ecken kämpfst, wäre Wäsche im Wohnraum erst recht die falsche Richtung. Für den umgekehrten Fall haben wir den separaten Ratgeber Luftfeuchtigkeit im Raum senken.
Ist die Luft wirklich zu trocken, reicht oft eine kleine Korrektur
Bei gemessenen Werten deutlich unter 40 Prozent musst du nicht sofort einen großen Luftbefeuchter kaufen. Eine kleine Wasserschale an einem geeigneten warmen Ort kann die Verdunstung etwas erhöhen. Solche einfachen Maßnahmen werden auch von Verbraucherzentralen als Möglichkeit bei sehr trockener Raumluft genannt.[3]
Das Wasser sollte regelmäßig gewechselt und der Behälter gereinigt werden. Eine offene Schale ist keine Dauerinstallation, die wochenlang unbeachtet stehen sollte.
Auch zu starkes Heizen drückt die relative Feuchte
Kalte Außenluft enthält im Winter oft wenig absolute Feuchtigkeit. Wird sie drinnen stark erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte. Deshalb kann ein sehr warmes Zimmer trockener wirken als ein moderat beheiztes.
Das heißt nicht, dass du Räume auskühlen lassen solltest. Zu niedrige Raumtemperaturen erhöhen an kalten Oberflächen wiederum das Feuchterisiko. Heizen, Lüften und Luftfeuchte gehören immer zusammen betrachtet.[2]
Wie du im Winter lüftest, ohne die Wohnung unnötig auszukühlen, haben wir in Richtig lüften bei Kälte ausführlicher beschrieben.
Zimmerpflanzen verändern den Wert, aber nicht beliebig
Pflanzen geben über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab. Das kann die Luftfeuchtigkeit etwas beeinflussen, ersetzt aber keine Messung und ist schwer genau zu steuern.
Ich würde deshalb keine fünf Pflanzen kaufen, nur um aus 30 Prozent möglichst schnell 50 Prozent zu machen. Wenn du ohnehin Pflanzen hast, ist ihre Verdunstung ein Nebeneffekt. Für eine gezielte Regelung ist ein gemessener Wert wichtiger.
Bei einem Luftbefeuchter wird Hygiene Teil der Aufgabe
Ein elektrischer Luftbefeuchter kann sinnvoll sein, wenn die Raumluft tatsächlich dauerhaft sehr trocken ist. Dafür holst du dir aber ein wasserführendes Gerät ins Zimmer, das regelmäßig gereinigt werden muss.
Stehendes oder schlecht gepflegtes Wasser kann Mikroorganismen enthalten. Die Verbraucherzentrale warnt bei solchen Geräten vor Bakterienwachstum und einer zusätzlichen Schimmelgefahr durch zu hohe Luftfeuchte.[4] Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit weist ebenfalls darauf hin, dass falsch eingesetzte Luftbefeuchter Schimmel, Bakterien und Milben fördern können.[5]
Wenn du ein Gerät nutzt, halte dich deshalb an Wasserwechsel, Reinigung und Wartung des Herstellers und kontrolliere parallel das Hygrometer.
Trockene Schleimhäute haben nicht nur eine Ursache
Sehr trockene Luft kann Schleimhäute reizen. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Kratzen im Hals automatisch auf zu geringe Luftfeuchtigkeit zurückgeht.[2]
Wenn Beschwerden trotz normaler Raumwerte bleiben oder deutlich ausgeprägt sind, ist ein Hygrometer keine Diagnose. Dann lohnt sich eher die Suche nach anderen Auslösern beziehungsweise medizinischer Rat.
Mehr Feuchtigkeit ist nur dann die Lösung, wenn wirklich welche fehlt
Die sinnvolle Reihenfolge ist deshalb kurz: messen, Raum und kalte Flächen im Blick behalten und nur bei tatsächlich niedrigen Werten vorsichtig befeuchten. Duschdampf und nasse Wäsche absichtlich in der Wohnung zu verteilen, würde ich dafür nicht nutzen.
So bleibt aus einem trockenen Winterzimmer nicht versehentlich ein Feuchteproblem.
Quellen
- Umweltbundesamt: Richtig lüften und Schimmel vermeiden (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Verbraucherzentrale: Heizen, Lüften und Luftfeuchtigkeit (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Raumluft und einfache Befeuchtung (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Verbraucherzentrale: Hygiene und Schimmelrisiko bei Luftbefeuchtern (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Bundesamt für Gesundheit Schweiz: Luftbefeuchter richtig einsetzen (abgerufen am 27. Oktober 2026)