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Motor im Stand warmlaufen lassen? Keine gute Idee!

Kalter Morgen, Scheiben vereist und du bist spät dran? Den Motor im Stand warmlaufen lassen klingt da wie die perfekte Lösung. Aber dieser vermeintliche Trick kostet dich bares Geld, schadet deinem Auto massiv und kann sogar ein saftiges Bußgeld nach sich ziehen.

Die kalte Wahrheit: Warum das Motor im Stand warmlaufen lassen kaum etwas bringt

Die Vorstellung, in ein wohlig warmes, eisfreies Auto zu steigen, ist verlockend. Die Realität sieht aber anders aus. Der Motor wird im Leerlauf nur extrem langsam warm. Der Grund dafür ist einfach: Ohne Last erzeugt der Motor nur wenig Abwärme. Das Kühlwasser erreicht nur sehr langsam eine nennenswerte Temperatur – und damit bleibt auch der Wärmetauscher für die Innenraumheizung kalt.

Was das konkret bedeutet, haben Tests des ADAC gezeigt: Nach vier Minuten Motorlaufzeit bei minus 10 °C Außentemperatur hatte das Motoröl gerade einmal eine Temperatur von minus 7 °C erreicht.[2] Im Innenraum kam währenddessen nur ein laues Lüftchen mit etwa 13 °C an. Wirklich warm ist anders. Dafür waren aber schon rund 0,1 Liter Kraftstoff sinnlos verbrannt. Die ernüchternde Bilanz: Ein Motor muss im Stand rund 20 Minuten laufen, um überhaupt auf Betriebstemperatur zu kommen.[2] Das ist nicht nur ineffizient, sondern leitet direkt zum nächsten, viel größeren Problem über.

Mehr Schaden als Nutzen: Was deinem Auto dabei wirklich passiert

Während du wartest und frierst, leidet die Mechanik deines Autos. Die Phase direkt nach dem Anlassen, der sogenannte Kaltstart, ist ohnehin die belastendste Zeit für einen Verbrennungsmotor. Ihn im Stand warmlaufen zu lassen, verlängert diese kritische Phase unnötig.

Erhöhter Verschleiß durch zähes Öl

Kaltes Motoröl ist zähflüssig, fast wie Honig. Nach dem Start dauert es einen Moment, bis die Ölpumpe den Schmierstoff an alle wichtigen Stellen im Motor befördert hat. Im Leerlauf sind Öldruck und Ölstrom geringer als unter moderater Last – die kritische Kaltlaufphase zieht sich dadurch länger. Das Energie-Lexikon erklärt den Mechanismus: Die Schmierung funktioniert beim Kaltstart noch nicht optimal, weil das kalte Schmieröl wesentlich zähflüssiger ist und noch nicht alle kritischen Stellen wie etwa Gleitlager ausreichend versorgt sind.[3] Die Folge: Die Reibung zwischen den Metallteilen wie Kolben und Zylinderwänden ist in dieser Phase enorm hoch. Jeder unnötige Moment in diesem Zustand führt zu messbarem Mehrverschleiß. Fährst du stattdessen direkt los, kommt der Motor unter moderater Last viel schneller auf Betriebstemperatur, das Öl wird flüssiger und die Schmierung funktioniert optimal.

Kraftstoff im Ölkreislauf – die unsichtbare Gefahr

Ein kalter Motor braucht ein fetteres Kraftstoff-Luft-Gemisch, um rund zu laufen. Das bedeutet, es wird mehr Benzin oder Diesel eingespritzt als eigentlich nötig wäre. Im Leerlauf kann dieser überschüssige Kraftstoff nicht vollständig verbrennen. Stattdessen kondensiert er an den kalten Zylinderwänden und wäscht den schützenden Ölfilm ab. Schlimmer noch: Ein Teil des unverbrannten Kraftstoffs gelangt ins Motoröl und verdünnt es. Diese Ölverdünnung verschlechtert die Schmierfähigkeit dauerhaft, wie das Energie-Lexikon ausführt – selbst wenn der Motor später warm ist.[3] Das ist einer der Hauptgründe, warum Kurzstreckenfahrten für einen Motor so schädlich sind – und das Warmlaufen im Stand ist quasi die Kurzstrecke auf null Kilometern.

Der Katalysator schläft noch

Dein Abgaskatalysator ist ein kleines Chemielabor, das schädliche Abgase in harmlosere Stoffe umwandelt. Damit er arbeiten kann, braucht er aber eine Betriebstemperatur von mehreren hundert Grad Celsius. Direkt nach dem Kaltstart ist er völlig wirkungslos. Im Leerlauf dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Abgase heiß genug sind, um den Kat aufzuheizen. Das Energie-Lexikon beschreibt die Konsequenz: Kurz nach dem Kaltstart, wenn die Rohemissionen des Motors ohnehin höher sind, ist der Katalysator unwirksam – sehr giftige, auch krebserregende Abgase verlassen dann den Auspuff.[4] In dieser Zeit stößt dein Auto ein Vielfaches an Schadstoffen ungefiltert in die Umwelt – direkt vor deiner Haustür.

Nicht nur schlecht für den Motor

Die technischen Nachteile sind das eine. Aber die unnötige Standzeit hat auch ganz handfeste Konsequenzen für dich und dein Umfeld.

Das kostet dich das Motor im Stand warmlaufen lassen wirklich

Der Spritverbrauch im Leerlauf wird oft unterschätzt. Das Energie-Lexikon vergleicht: Der Kraftstoffverbrauch eines typischen Automotors im Leerlauf liegt in der Größenordnung von 10 kW bezogen auf die Primärenergie – deutlich mehr als die Heizungsanlage eines gut gedämmten Einfamilienhauses an den kältesten Tagen benötigt.[4] Zehn Minuten Warmlaufen jeden Morgen im Winter summieren sich schnell auf mehrere Liter pro Monat, die du dir sparen könntest. Auf eine ganze Wintersaison gerechnet, zahlst du für eine Gewohnheit, die deinem Auto schadet und dir kaum Komfort bringt, einen Betrag, für den du auch gut essen gehen könntest.

Ein teurer Morgen: Das droht bei einer Kontrolle

Das unnötige Laufenlassen des Motors ist kein Kavaliersdelikt. Laut § 30 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) sind vermeidbare Abgasbelästigungen und unnötiger Lärm verboten. Der Gesetzestext ist eindeutig: „Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen.“[1] Wer dabei erwischt wird, wie er sein Auto im Stand warmlaufen lässt, muss mit einem Bußgeld von 80 Euro rechnen. Das ist ein teurer Preis für ein lauwarmes Auto. Zum Vergleich: In Österreich kann das Warmlaufenlassen laut ÖAMTC mit Strafen von 75 bis 150 Euro geahndet werden – der gesetzliche Rahmen reicht dort sogar bis zu 10.000 Euro.[5]

Rechtliche Konsequenzen und Ärger mit der Nachbarschaft

Neben dem Bußgeld gibt es noch einen anderen Aspekt: deine Nachbarn. Niemand wird morgens gerne von einem dröhnenden Motor und Abgaswolken geweckt. Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern kann in Mehrfamilienhäusern oder Tiefgaragen sogar rechtliche Schritte nach sich ziehen. Ein Urteil des Landgerichts Berlin (Az.: 67 S 44/22) hat beispielsweise entschieden, dass Mitnutzer einer Tiefgarage das Warmlaufenlassen über 90 Sekunden nicht dulden müssen.[2] Gute Nachbarschaft sieht anders aus.

Die smarten Alternativen: So wird dein Auto wirklich schnell warm

Okay, die alte Methode ist also vom Tisch. Aber wie bekommst du dein Auto dann morgens schnell startklar, ohne zu frieren? Hier sind die Methoden, die wirklich funktionieren:

  1. Der Klassiker: Mechanische Helfer nutzen. Ein guter Eiskratzer mit stabiler Klinge ist die Basis. Für hartnäckiges Eis hilft Enteiser-Spray, das du aber sparsam einsetzen solltest. Wichtig ist eine freie Rundumsicht, nicht nur ein kleines Guckloch.
  2. Prävention ist alles: Die Frostschutzfolie. Klingt banal, ist aber die effektivste Methode. Eine einfache Abdeckfolie für die Windschutzscheibe, abends aufgelegt, erspart dir am nächsten Morgen das komplette Kratzen. Das kostet dich 30 Sekunden am Abend und spart fünf Minuten Stress am Morgen.
  3. Feuchtigkeit im Innenraum bekämpfen. Beschlagene Scheiben von innen sind oft das größere Problem. Die Ursache ist Feuchtigkeit im Auto. Gummifußmatten im Winter, die du regelmäßig ausleerst, helfen enorm. Ein wiederverwendbares Luftentfeuchter-Kissen auf dem Armaturenbrett wirkt über Nacht Wunder.
  4. Die Komfort-Lösung: Die Standheizung. Ja, sie ist eine Investition. Aber eine Standheizung ist die einzige Methode, die den Innenraum und den Motor wirklich vorwärmt. Sie verbrennt zwar auch Kraftstoff, tut dies aber viel effizienter als ein kalt laufender Motor. Der Motor startet vorgewärmt, was den Verschleiß drastisch reduziert. Der Mehrverbrauch der Standheizung wird durch den entfallenden Kaltstart-Mehrverbrauch fast kompensiert.

Damit bist du für den Winter gut gerüstet und dein Auto dankt es dir mit einer längeren Lebensdauer.

Sonderfall E-Auto: Die clevere Art des Vorwärmens

Besitzer von Elektroautos können hier nur müde lächeln. Der Begriff „Motor im Stand warmlaufen lassen“ existiert für sie nicht, da ein Elektromotor sich erst dreht, wenn das Auto fährt. Die Heizung funktioniert hier elektrisch, entweder über eine effiziente Wärmepumpe oder klassische Heizdrähte.

Der Clou ist die Vorklimatisierung. Nahezu jedes E-Auto lässt sich per App vorheizen, während es noch an der Ladesäule hängt. Du stellst eine Abfahrtszeit ein, und das Auto heizt den Innenraum und die kälteempfindliche Batterie mit Strom aus dem Netz auf die optimale Temperatur. Du steigst in ein perfekt temperiertes Auto, die Scheiben sind frei und die Batterie liefert vom ersten Meter an die volle Leistung und Reichweite.

Was du beim Kaltstart richtig machst: Die ersten Kilometer zählen

Die einzig richtige Methode für einen Verbrenner ist so simpel, dass man sie kaum glaubt: Motor an, anschnallen, und sofort losfahren. Natürlich nicht mit quietschenden Reifen, sondern mit Bedacht. Diese Erkenntnis ist übrigens so grundlegend, dass sie Teil der offiziellen Führerscheinprüfung ist: Auf die Frage „Wie können Sie nach einem Kaltstart die Umwelt und den Motor schonen?“ lautet die richtige Antwort: „Ohne Warmlaufenlassen des Motors mit niedriger Drehzahl losfahren.“[6]

Die folgenden Punkte helfen, den Motor schonend auf Betriebstemperatur zu bringen:

  • Sofort, aber sanft losfahren: Vermeide hohe Drehzahlen in den ersten fünf bis zehn Minuten. Eine gute Faustregel ist, unter 2.500 Umdrehungen pro Minute zu bleiben.
  • Heizung clever einsetzen: Schalte die Heizung und das Gebläse erst nach ein paar hundert Metern Fahrt ein. Wenn du sie sofort auf volle Leistung stellst, entziehst du dem ohnehin kalten Kühlwasser die wenige Wärme, die es gerade aufbaut, und der Motor braucht noch länger, um warm zu werden.
  • Auf Nebenverbraucher achten: Sitz- und Lenkradheizung sind super, da sie direkt wirken, ohne den Motorkreislauf zu belasten. Sie verbrauchen zwar Strom, der von der Lichtmaschine erzeugt werden muss, aber ihre Wirkung ist sofort da.

Motor warmlaufen lassen auf einen Blick

Um mit den alten Weisheiten endgültig aufzuräumen, hier die Fakten in der Übersicht:

Der Mythos Die Realität Das Fazit
Es schont den Motor. Es erhöht den Verschleiß durch schlechte Schmierung und Ölverdünnung massiv. Komplett falsch
Der Innenraum wird schnell warm. Es dauert sehr lange und ist extrem ineffizient. Der Motor braucht im Stand rund 20 Minuten bis zur Betriebstemperatur. Ein Trugschluss
Die Scheiben tauen schnell ab. Die lauwarme Luft reicht oft nur für einen kleinen Bereich der Frontscheibe. Sehr ineffektiv
Es ist eine harmlose Gewohnheit. Es ist umweltschädlich, laut und kann ein Bußgeld von 80 Euro kosten. Teuer und illegal

Ein Relikt aus vergangenen Zeiten

Das Motor im Stand warmlaufen lassen ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Motorentechnik und Umweltbewusstsein noch in den Kinderschuhen steckten. Heute ist es schlicht und ergreifend schädlich, teuer und absolut unnötig.

Die beste Strategie ist eine Kombination aus Vorbereitung am Abend und richtigem Verhalten am Morgen. Eine Frostschutzfolie ist eine kleine Mühe mit riesiger Wirkung. Und die Regel für den Start ist denkbar einfach: Kratzen, einsteigen, anschnallen und mit Gefühl losfahren. So sparst du Geld, schonst die Technik deines Autos und tust der Umwelt und deinen Nachbarn einen großen Gefallen.

Quellen

  1. Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) § 30 – Umweltschutz, Sonn- und Feiertagsfahrverbot (Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 16.01.2025)
  2. Motor warmlaufen lassen – schädlich und verboten (ADAC, abgerufen am 16.01.2025)
  3. Kaltstart – Verbrennungsmotor, Kraftstoffverbrauch, Abgas, Schadstoffe, Warmlaufphase, Schmierung (Energie-Lexikon, Dr. Rüdiger Paschotta, abgerufen am 16.01.2025)
  4. Leerlauf – Drehzahl, Verbrennungsmotor, Kraftstoffverbrauch, Schadstoffemissionen (Energie-Lexikon, Dr. Rüdiger Paschotta, abgerufen am 16.01.2025)
  5. Motor im Stillstand warmlaufen lassen (ÖAMTC – Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touring Club, abgerufen am 16.01.2025)
  6. Amtlicher Fragenkatalog für die Führerschein-Theorieprüfung, Frage 2.5.01-009 (abgerufen am 16.01.2025)

FAQs zum Thema Motor im Stand warmlaufen lassen

Macht es einen Unterschied, ob ich einen Diesel- oder einen Benzinmotor habe?

Ja, der Unterschied ist sogar erheblich. Ein Dieselmotor arbeitet noch effizienter als ein Benziner und erzeugt daher im Leerlauf noch weniger Abwärme. Das bedeutet, er braucht deutlich länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Folglich sind die schädlichen Effekte wie erhöhter Verschleiß und die Verdünnung des Motoröls bei einem Diesel, den du im Stand warmlaufen lässt, sogar noch ausgeprägter.

Und wie sieht es bei Hybridfahrzeugen aus? Sollte ich da den Motor manuell starten, um vorzuheizen?

Nein, auf keinen Fall. Das intelligente Energiemanagement deines Hybridautos weiß am besten, wann der Verbrennungsmotor laufen muss. Wenn du losfährst, nutzt das Auto meistens erst den Elektromotor. Der Verbrenner schaltet sich dann bei Bedarf unter Last zu, wodurch er viel schneller und schonender warm wird als im Stand. Vertraue also einfach der Automatik und fahre sanft los.

Ist das Warmlaufen im Stand für Motoren mit Turbolader besonders kritisch?

Absolut. Der Turbolader ist ein hochpräzises Bauteil, dessen Welle sich mit über 200.000 Umdrehungen pro Minute drehen kann. Diese Welle ist auf eine sofortige und perfekte Schmierung angewiesen. Im kalten Zustand ist das Öl aber sehr zäh und der Öldruck im Leerlauf niedrig. Dadurch wird der Turbo anfangs nur unzureichend geschmiert, was zu einem stark erhöhten Verschleiß führen kann. Sanftes Fahren bringt das Öl hingegen schneller auf Temperatur und baut den nötigen Öldruck auf.

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