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Seit wann gibt es Kaffee in Deutschland? Eine kleine Zeitreise vom Luxusdrink zum Alltagsritual

Kaffee wirkt heute so selbstverständlich, dass man fast vergisst, wie „neu“ er historisch eigentlich ist. Morgens im Becher, mittags als kurzer Espresso, nachmittags als Filterkaffee in der Küche – und nebenbei läuft die Kaffeemaschine in Deutschland so regelmäßig, als wäre sie schon immer Teil des Haushalts gewesen.

Aber Kaffee war hier nicht immer Normalität. Er war zuerst eine importierte Besonderheit, dann ein Statussymbol, später ein politisches Reizthema – und irgendwann der Startknopf für den Tag. Und genau diese Entwicklung ist ziemlich spannend.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

In Deutschland taucht Kaffee im 17. Jahrhundert als Handelsware auf. Als Meilensteine gelten die ersten Kaffeehäuser in Bremen (1673) und Hamburg (1677). Von dort aus wurde Kaffee Schritt für Schritt zum Massengetränk – heute trinken Menschen in Deutschland im Schnitt rund 163 Liter pro Kopf und Jahr.[1][4]

Die ersten Kaffee-Spuren: Warum ausgerechnet Hafenstädte?

Wenn man fragt, seit wann es Kaffee in Deutschland gibt, landet man fast automatisch bei den Nordsee-Häfen. Das liegt nicht daran, dass Bremen und Hamburg „Kaffeestädte“ sein wollten – sondern daran, dass Kaffee über Handelsschiffe nach Europa kam. Was in Istanbul, Kairo oder später in europäischen Metropolen bereits gesellschaftlich etabliert war, wurde bei uns zunächst als exotische Neuheit wahrgenommen.

Als frühe Fixpunkte gelten die ersten Kaffeehäuser in Deutschland: Bremen 1673 und Hamburg 1677.[2] Kaffee war damals kein Getränk „für alle“, sondern ein Produkt für Menschen, die Geld, Zeit und Interesse an neuen Dingen hatten.

Und ja – damals war Kaffee auch ein bisschen eine Bühne. Wer ins Kaffeehaus ging, zeigte damit: Ich bin informiert, ich bin modern, ich leiste mir das.

Vom Luxus zum Trend: Wie Kaffee im 18. Jahrhundert richtig Fahrt aufnimmt

Im 18. Jahrhundert beginnt der Moment, in dem Kaffee sich aus der reinen „Luxus-Ecke“ herausarbeitet. Er wurde zunehmend in bürgerlichen Haushalten getrunken, war Thema in Stadtgesellschaften – und wurde plötzlich so relevant, dass Politik und Staat nicht mehr nur zugeschaut haben.

Das klingt übertrieben, war aber ziemlich real: Kaffee wurde zum Wirtschaftsfaktor, weil Import, Steuern und Konsum immer größer wurden. Und sobald ein Produkt groß wird, kommt fast automatisch die Frage: Wer kontrolliert das eigentlich?

Ein berühmtes Beispiel ist Preußen unter Friedrich II. („Friedrich der Große“). Dort wurden Kaffee und vor allem das private Rösten zeitweise stark eingeschränkt und staatlich überwacht. Es gab sogar Kontrolleure, die nach Kaffeegeruch suchen sollten – die legendären „Kaffeeschnüffler“.[3]

Das zeigt ganz gut: Kaffee war längst nicht mehr „nur ein Getränk“. Er war ein Thema, das den Alltag erreicht hatte – und damit auch Konflikte.

Kaffee als Zuhause-Ritual: Kaffeetafel, Besuch, „kurz hinsetzen“

Parallel zur politischen Seite hat Kaffee etwas geschafft, was nur wenige Produkte so hinbekommen: Er wurde ein sozialer Anker. Nicht als Event, sondern als Gewohnheit.

Kaffee war irgendwann nicht mehr „ich gönn mir was“, sondern eher: So funktioniert ein Besuch. Man setzt sich, man redet, man reicht etwas dazu. Und selbst wer keinen großen Appetit hatte, trank oft trotzdem eine Tasse – weil es dazugehört.

Das ist auch der Grund, warum Kaffee in Deutschland nicht nur Geschmack ist, sondern Atmosphäre. Es geht selten um „den besten Kaffee der Welt“, sondern um den Moment, den er markiert.

Warum Kaffee hier so hängen geblieben ist

Kaffee lässt sich leicht in Routinen einbauen. Er braucht keine große Vorbereitung, er funktioniert warm und kalt, er passt zu Gesprächen genauso wie zu „ich sitz kurz allein in der Küche“. Und genau diese Alltagstauglichkeit ist wahrscheinlich der unterschätzte Grund, warum er nie wieder verschwunden ist.

Wenn Kaffee knapp wird: Ersatzkaffee, Improvisation und die Nachkriegsjahre

Es gab natürlich Zeiten, in denen Kaffee nicht einfach „da“ war. In Krisen- und Kriegszeiten wurde er knapp oder teuer, und in vielen Haushalten kamen Ersatzprodukte auf den Tisch. Manche kennen dafür noch das Wort „Muckefuck“ – ein Begriff, der im Alltag bis heute auftaucht, auch wenn ihn längst nicht jede Person benutzt.

Solche Phasen gehören zur deutschen Kaffeegeschichte genauso dazu wie die Kaffeehäuser. Sie zeigen, wie stark Kaffee bereits im Alltag verankert war: Wenn Menschen anfangen zu improvisieren, dann nicht, weil es egal ist – sondern weil es ihnen fehlt.

Ab den 1950ern wird’s „moderner“: Espresso, Italien-Einfluss, neue Cafés

Nach dem Zweiten Weltkrieg verändert sich die Kaffeekultur wieder deutlich. Deutschland wird wirtschaftlich stabiler, Konsum wächst – und Kaffee wird endgültig ein Massenprodukt im besten Sinne: verfügbar, bezahlbar, fest eingeplant.

Später kommen neue Zubereitungen dazu: Espresso, Cappuccino, Café Crema. Das hängt stark mit dem italienischen Einfluss zusammen – nicht nur durch Reisen, sondern auch durch Gastronomie und neue Maschinen. Kaffee wird damit ein bisschen „stylischer“, ohne seinen alten Platz zu verlieren.

Filterkaffee bleibt, aber daneben entsteht eine zweite Welt: Kaffee als Bar-Getränk, Kaffee als „kurz an die Theke“, Kaffee als kleiner Luxus mitten am Tag.

Und heute? Deutschland ist Kaffee-Land – aber anders als früher

Heute trinken Menschen in Deutschland im Schnitt rund 163 Liter Kaffee pro Kopf und Jahr – und Kaffee gilt als eines der meistgetrunkenen Getränke überhaupt.[1][4]

Was sich verändert hat, ist weniger die Menge – sondern die Art, wie Kaffee im Alltag aussieht. Früher war „Kaffee“ oft ein ziemlich eindeutiges Ding. Heute ist es eher ein ganzes Regal an Möglichkeiten.

Was man aktuell besonders merkt, sind diese drei Entwicklungen:

  • Viele kaufen bewusster ein und achten stärker auf Herkunft, Zertifizierungen oder Preis-Leistung.
  • Ganze Bohnen und frische Zubereitung sind deutlich beliebter geworden – auch, weil gute Vollautomaten und Mühlen heute normal sind.
  • Die Kaffee-Pause ist nicht nur „Koffein“, sondern oft ein Mini-Ritual zwischen Terminen, Familie oder Arbeit.

Und dann ist da noch das Thema Preis. Kaffee bleibt zwar Alltag, wird aber durch Ernteprobleme und Marktentwicklung teils spürbar teurer. Das merkt man im Supermarkt genauso wie im Café um die Ecke.[5]

Kaffee ist in Deutschland nicht alt – aber extrem gut verwurzelt

Kaffee ist in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar, wurde über Hafenstädte eingeführt und hat sich dann über Jahrhunderte in den Alltag „eingeschrieben“.[2] Erst als Luxus, dann als Streitpunkt, später als Standard – und heute als Mischung aus Gewohnheit und kleiner Genusskultur.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Kaffee hier so stark ist: Er passt zu fast allem. Zu Gesprächen, zu Arbeit, zu ruhigen Morgen, zu langen Nachmittagen. Und er ist gleichzeitig schlicht genug, um Alltag zu bleiben – und interessant genug, um immer wieder neu entdeckt zu werden.

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