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Warum reiben Fliegen sich eigentlich permament die Beine?

Kurzfassung

  • Beine der Fliegen trägst Geschmacksrezeptoren, die Nahrung auf Essbarkeit prüfen.
  • Körperpflege durch Beinerubbeln entfernt Schmutzpartikel, um Sinnesorgane sauber zu halten.
  • Haftung und Gefahrenwahrnehmung hängen von sauberen, fettigen Polstern und freien Härchen ab.
  • Fliegen reagieren mit verstärktem Putzen auf Bakterienbestandteile zur Erhaltung der Sensorik.
  • Reiben der Beine kein böser Plan, sondern entscheidende Überlebensstrategie.

Du kennst es: Eine Fliege landet, und sofort beginnt sie, ihre Vorderbeine aneinander zu reiben – fast wie ein kleiner Bösewicht, der einen Plan schmiedet. Doch hinter dieser Geste steckt kein Welteroberungsplan, sondern pure Überlebensstrategie.

Fliegen schmecken mit den Füßen

Was erstmal absurd klingt, ist wissenschaftlich belegt: Fliegen haben Geschmacksrezeptoren an ihren Beinen. An den sogenannten Tarsen – den untersten Beingliedern – sitzen winzige Sinneszellen, mit denen das Insekt erkennt, ob etwas essbar ist, noch bevor es überhaupt seinen Rüssel ausfährt.[1]

Studien an Fruchtfliegen zeigen, dass diese Geschmacksrezeptoren verschiedene Substanzen unterscheiden können: süß, bitter, salzig.[2] Wenn eine Fliege auf deinem Marmeladenbrot landet, „schmeckt“ sie also bereits mit den Füßen, ob sich das Hinsitzen gelohnt hat.Das Problem: Diese Sensoren funktionieren nur, wenn sie sauber sind. Staub, Pollen, Flüssigkeitsreste – all das kann die empfindlichen Rezeptoren verstopfen. Und genau hier kommt das Reiben ins Spiel.

Körperpflege für Überlebenskünstler

Das Aneinanderreiben der Beine ist nichts anderes als Körperpflege. Fliegen entfernen damit Schmutzpartikel, die ihre Sinnesorgane blockieren würden.[3] Dabei reinigen sie nicht nur die Vorderbeine, sondern auch Kopf, Flügel und Hinterleib – ein echtes Ganzkörperprogramm.

Eine einzelne Putzaktion kann bis zu einer Minute dauern und wird mehrmals täglich wiederholt. Für ein Tier, das oft nur wenige Wochen lebt, ist das ein erheblicher Zeitaufwand – aber einer, der sich lohnt.

Haften, Schmecken, Überleben

Die Beine einer Fliege erfüllen drei zentrale Funktionen, die alle von Sauberkeit abhängen:

  • Geschmack: Die Rezeptoren an den Tarsen prüfen, ob Nahrung genießbar oder giftig ist.[1]
  • Haftung: Spezielle Polster an den Füßen produzieren eine fettige Substanz, mit der Fliegen an glatten Oberflächen – sogar an der Decke – laufen können. Verschmutzte Polster bedeuten: Absturzgefahr.
  • Gefahrenwahrnehmung: Feine Härchen an den Beinen registrieren kleinste Luftbewegungen. So spürt die Fliege, wenn sich eine Fliegenklatsche nähert – aber nur, wenn die Härchen nicht verklebt sind.[4]

Hygiene trotz Müllplatz-Lifestyle

Es klingt paradox: Fliegen sitzen auf Kot, Kadavern und verdorbenen Lebensmitteln – und sind trotzdem penible Putzer. Doch genau das ergibt biologisch Sinn.

An den Beinen einer Fliege können Millionen von Bakterien haften. Durch das Reiben werden zumindest die Sinnesorgane von Krankheitserregern befreit, die sonst ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigen würden.[3]

Das Putzen dient also nicht der Hygiene im menschlichen Sinne, sondern der Erhaltung der Sensorik.Studien zeigen außerdem, dass Fliegen auf bestimmte Bakterienbestandteile mit verstärktem Putzverhalten reagieren – eine Art Frühwarnsystem des Körpers.[5]

Warum das Timing zählt

Besonders häufig reiben Fliegen ihre Beine direkt nach der Landung. Der Grund: Im Flug sammeln sich Partikel an, die sofort entfernt werden müssen, damit die Sensoren wieder einsatzbereit sind.Auch nach dem Fressen wird geputzt – vergleichbar mit dem Händewaschen nach dem Essen bei uns. Nur dass Fliegen ihre „Hände“ reinigen, um danach besser schmecken zu können.

Kein Masterplan, sondern Überlebensstrategie

Das nächste Mal, wenn eine Fliege vor dir ihre Beine reibt, weißt du: Sie plant keinen Angriff. Sie macht Körperpflege – und zwar eine, die über Leben und Tod entscheiden kann. Ohne saubere Sinnesorgane kein Essen finden, keine Gefahr erkennen, nirgends landen können. Das ständige Reiben ist keine Marotte, sondern ein Meisterwerk der Evolution.

Quellen

  1. Molecular neurobiology of Drosophila taste – Current Opinion in Neurobiology (PMC) (abgerufen am 07.01.2026)
  2. A Taste of the Drosophila Gustatory Receptors – Annual Review of Entomology (PMC) (abgerufen am 07.01.2026)
  3. Quantification of Drosophila Grooming Behavior – Journal of Visualized Experiments (PMC) (abgerufen am 07.01.2026)
  4. Stuttgarter Nachrichten: Verhalten des Insekts erklärt – Darum reiben sich Fliegen die Hände (abgerufen am 07.01.2026)
  5. Hygienic grooming is induced by contact chemicals in Drosophila melanogaster – Frontiers in Behavioral Neuroscience (abgerufen am 07.01.2026)

FAQs zum Thema Warum reiben sich Fliegen die Beine?

Können Fliegen wirklich mit den Beinen schmecken?

Ja. Fliegen besitzen Geschmacksrezeptoren an ihren Tarsen (den untersten Beingliedern), mit denen sie süße, bittere und salzige Substanzen erkennen können – noch bevor sie ihren Rüssel einsetzen.[1]

Wie oft putzen sich Fliegen am Tag?

Fliegen putzen sich mehrmals täglich, oft direkt nach der Landung oder nach dem Fressen. Eine einzelne Putzaktion kann bis zu einer Minute dauern.[3]

Ist das Händereiben ein Zeichen von Krankheit?

Nein, das Reiben ist normales Verhalten und dient der Reinigung der Sinnesorgane. Es zeigt eher an, dass die Fliege gesund und aktiv ist.

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