Ein Blick in den Spiegel gehört zum Alltag. Doch hast du dich schon mal gefragt, welche Farbe ein Spiegel eigentlich hat? Klingt erst mal wie eine Quatschfrage – aber dahinter steckt ziemlich saubere Physik. Und am Ende wirkt ein Spiegel plötzlich viel weniger „magisch“ (und gleichzeitig irgendwie noch spannender).
Hat ein Spiegel überhaupt eine eigene Farbe?
Wenn wir von „Farbe“ sprechen, meinen wir meistens: Ein Material schluckt bestimmte Teile des Lichts und wirft andere zurück. Ein rotes Objekt reflektiert zum Beispiel vor allem rotes Licht – der Rest wird stärker absorbiert.
Ein Spiegel spielt hier in einer anderen Liga. Seine Aufgabe ist nicht „Farbe zeigen“, sondern Licht möglichst vollständig und geordnet zurückzuwerfen. Deshalb wirkt ein Spiegel auf den ersten Blick farblos: Du siehst vor allem das, was er reflektiert.
Der entscheidende Punkt ist dabei die Art der Reflexion: Beim Spiegel handelt es sich um gerichtete (spekulare) Reflexion. Das bedeutet: Licht trifft auf eine sehr glatte Oberfläche und wird so zurückgeworfen, dass ein klares Bild entsteht (Einfallswinkel = Ausfallswinkel).[1]
Warum Spiegel trotzdem nicht „perfekt“ neutral sind
Jetzt kommt das Detail, das viele überrascht: Ein normaler Haushaltsspiegel reflektiert nicht 100 % des Lichts. Je nach Beschichtung geht ein kleiner Teil verloren – und genau dort kann ein minimaler Farbstich entstehen.
In der Optik wird oft mit zwei Standard-Metallen gearbeitet:
Silber reflektiert im sichtbaren Bereich ungefähr rund 95 %, Aluminium ungefähr rund 90 %.[2] Das ist der Grund, warum ein Spiegel zwar „neutral“ wirkt, aber nie völlig ohne Eigenwirkung ist.
Und noch etwas ist wichtig: Viele Spiegel bestehen aus Glas plus Metallschicht auf der Rückseite. Das Licht geht also nicht einfach „rein und raus“, sondern passiert das Glas auf dem Hin- und Rückweg. Dadurch kann das Glas einen kleinen Anteil herausfiltern.
Warum Spiegel manchmal leicht grünlich wirken
Vielleicht kennst du das: Zwei Spiegel gegenüber, und die unendliche Spiegelgasse wirkt irgendwann leicht grünlich oder „kühler“. Das kommt oft nicht vom Metall, sondern vom Glas.
Normales Floatglas hat häufig einen leichten Grünstich, weil in den Rohstoffen geringe Mengen Eisenoxide stecken. Und je länger der Lichtweg durchs Glas ist (zum Beispiel bei mehreren Reflexionen), desto sichtbarer wird dieser Effekt.[3]
Heißt praktisch: Der Spiegel ist nicht „grün“, aber er verhält sich so, als würde er einen winzigen Teil der Lichtanteile unterschiedlich stark durchlassen bzw. schlucken – und das summiert sich über viele Reflexionen.
Was ist mit „Super-Spiegeln“ aus der Technik?
Hier wird es kurz nerdig, aber verständlich: In Laboren, Lasertechnik oder Teleskopen nutzt man oft keine einfachen Metallspiegel, sondern sogenannte dielektrische Spiegel. Die bestehen aus vielen ultradünnen Schichten, die Licht besonders effizient zurückwerfen.
Solche Beschichtungen schaffen im sichtbaren Bereich Reflexionswerte von über 99 % – und wirken dadurch noch neutraler und „heller“ als viele Alltagsspiegel.[4] Diese Spiegel sind aber nicht das, was du üblicherweise im Bad hängen hast.
Fazit: Welche Farbe hat ein Spiegel nun?
Ein Spiegel hat im klassischen Sinn keine „eigene“ Farbe wie ein roter Pullover oder eine blaue Tasse. Er ist dafür gemacht, möglichst viel Licht geordnet zurückzuwerfen, damit ein Bild entsteht.[1]
Aber: Weil kein Spiegel perfekt ist, entstehen minimale Effekte durch Material und Aufbau. Silber und Aluminium reflektieren nicht exakt gleich stark,[2] und normales Spiegelglas kann einen leichten Grünstich mitbringen,[3] der vor allem bei mehreren Reflexionen sichtbar wird.
Unterm Strich ist die beste Antwort deshalb:
Ein Spiegel ist „fast farblos“ – und zeigt dir hauptsächlich die Farben der Welt, nicht seine eigenen.
Quellen
- Specular reflection (gerichtete Reflexion, Reflexionsgesetz) (Wikipedia, abgerufen am 15.01.2026)
- Mirrors: Coating Choice Makes a Difference (Reflexion Aluminium ~90 %, Silber ~95 % im sichtbaren Bereich) (photonics.com, abgerufen am 15.01.2026)
- Materialarchiv: Floatglas (Grünstich durch Eisenoxide, reduzierbar durch eisenoxidarme Rohstoffe) (materialarchiv.ch, abgerufen am 15.01.2026)
- Thorlabs: Visible Dielectric Coating (400–750 nm), Reflectance > 99 % (thorlabs.com, abgerufen am 15.01.2026)
FAQs zum Thema Welche Farbe hat ein Spiegel
Warum wirkt ein Spiegel „silbern“, wenn er doch keine Farbe hat?
Weil viele Spiegel eine Metallschicht (oft Silber oder Aluminium) nutzen. Diese Metalle reflektieren sehr viel Licht, dadurch wirkt die Oberfläche „hell“ und metallisch. Die eigentliche Bildwirkung entsteht aber vor allem durch die sehr glatte Oberfläche und die gerichtete Reflexion.[1]
Stimmt es, dass Spiegel eigentlich grün sind?
Nicht wirklich „grün“ – aber normales Spiegelglas kann einen leichten Grünstich haben, weil geringe Eisenoxid-Anteile im Glas stecken. Bei einzelnen Spiegelungen fällt das kaum auf, bei vielen Reflexionen (Spiegel gegenüber) kann es sichtbarer werden.[3]
Warum reflektiert ein Spiegel nicht 100 % des Lichts?
Weil reale Materialien immer kleine Verluste haben: Ein Teil wird im Metall minimal absorbiert oder gestreut. Typische Metallspiegel liegen im sichtbaren Bereich ungefähr bei 90 % (Aluminium) bis etwa 95 % (Silber).[2] Hochwertige dielektrische Spiegel schaffen auch über 99 %, sind aber eher Technik- und Laborstandard.[4]