Neulich beim Abendessen kam die Frage aus dem Nichts und ich war kurz aufgeschmissen. Wie viele Rippen hat ein Mensch denn nun genau? Wir klären die exakte Zahl, räumen mit dem größten Mythos auf und schauen uns an, warum nicht alle Rippen gleich sind.
Neulich am Küchentisch: Eine Frage, die für Grübeln sorgte
Es gibt diese Fragen von Kindern, die einen eiskalt erwischen. Nicht die philosophischen über den Sinn des Lebens, sondern die scheinbar simplen. „Papa, wie viele Rippen hat ein Mensch?“ Stille. Mein Gehirn ratterte. Klar, das wusste ich doch mal. Irgendwas mit zwölf… Paaren? Oder waren es insgesamt zwölf? Und war da nicht diese Sache mit Adam und Eva, dass Männer eine weniger haben? Plötzlich war ich mir überhaupt nicht mehr sicher.
Mein erster Impuls war, schnell das Handy zu zücken und die Antwort zu googeln. Aber dann dachte ich mir: Nein, das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder systematisch auf Spurensuche zu gehen. Denn hinter dieser einfachen Frage steckt eine ziemlich clevere Konstruktion unseres Körpers, die weit mehr zu bieten hat als nur eine simple Zahl. Also haben wir das Smartphone beiseitegelegt und eine kleine Entdeckungsreise in den menschlichen Brustkorb gestartet. Und was dabei herauskam, ist eigentlich ziemlich cool.
Wie viele Rippen hat ein Mensch? Die Standard-Ausrüstung
Fangen wir mit der direkten Antwort an, damit du bei der nächsten Quiznight glänzen kannst: Ein Mensch hat in der Regel 24 Rippen. Diese sind symmetrisch angeordnet, also 12 Rippen auf der linken und 12 auf der rechten Seite. Zusammen bilden sie den Brustkorb (Thorax), eine Art Schutzschild für unsere wichtigsten Organe wie Herz und Lunge. Ohne diesen stabilen, aber gleichzeitig flexiblen Käfig wären diese lebenswichtigen Weichteile ziemlich ungeschützt.
Die Rippen sind dabei keine starren, isolierten Knochen. Hinten sind sie über Gelenke mit den zwölf Brustwirbeln unserer Wirbelsäule verbunden. Das ist wichtig, denn nur so kann sich der Brustkorb beim Atmen heben und senken. Stell dir vor, das wäre eine feste Box – tief einatmen wäre unmöglich. Die Lunge braucht Platz, um sich auszudehnen, und genau den verschafft ihr die flexible Rippenkonstruktion. Vorne laufen die meisten Rippen am Brustbein (Sternum) zusammen, einem flachen Knochen in der Mitte deiner Brust. Aber eben nicht alle, und hier wird es interessant.
Echte, falsche und fliegende Rippen: Die Hierarchie im Brustkorb
Nicht jede Rippe ist gleich konstruiert. Anatomen teilen sie in drei Gruppen ein, je nachdem, wie sie vorne am Brustbein befestigt sind. Das klingt erstmal nach trockener Theorie, hat aber einen ganz praktischen Grund, der mit der Stabilität und Flexibilität des Brustkorbs zu tun hat.
Hier ist eine einfache Übersicht der Team-Aufstellung:
| Rippen-Typ | Paare | Merkmal |
|---|---|---|
| Echte Rippen (Costae verae) | 1 bis 7 | Sie sind über ihren eigenen Knorpel direkt mit dem Brustbein verbunden. Das sind die Stabilisatoren, das Fundament des Brustkorbs. |
| Falsche Rippen (Costae spuriae) | 8 bis 10 | Diese hängen sich quasi an ihre Vorgänger an. Ihr Knorpel ist mit dem Knorpel der siebten Rippe verbunden, also nur indirekt am Brustbein befestigt. |
| Freie Rippen (Costae fluctuantes) | 11 bis 12 | Die Rebellen. Sie sind hinten zwar an der Wirbelsäule verankert, enden vorne aber frei in der Bauchmuskulatur. Sie haben keine Verbindung zum Brustbein. |
Diese Aufteilung ist ziemlich clever. Die direkten Verbindungen der echten Rippen sorgen für maximale Stabilität im oberen Bereich, wo Herz und die großen Lungenteile sitzen. Die indirekte und freie Befestigung der unteren Rippen erlaubt hingegen mehr Beweglichkeit für das Zwerchfell, unseren wichtigsten Atemmuskel, der direkt darunter liegt.
Der hartnäckigste Anatomie-Mythos: Haben Männer eine Rippe weniger?
Jetzt zur Gretchenfrage, die auch mir am Küchentisch kurz Kopfzerbrechen bereitete. Ich geb’s zu, bei einer Pub-Quiz-Runde vor Jahren lag ich hier mal komplett daneben. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass Männer eine Rippe weniger haben – ein klassischer Fall von Mythos geglaubt und nie hinterfragt. Die Idee stammt natürlich aus der biblischen Schöpfungsgeschichte, in der Gott Eva aus einer Rippe Adams erschafft.
Diese Geschichte hat sich über Jahrhunderte so hartnäckig gehalten, dass selbst Mediziner lange Zeit davon ausgingen. Erst der flämische Anatom Andreas Vesalius hatte im Jahr 1543 den Mut, in seinem bahnbrechenden Werk „De humani corporis fabrica“ festzuhalten, was er bei unzähligen Sektionen beobachtet hatte: Männer und Frauen haben exakt dieselbe Anzahl an Rippen. Nämlich jeweils 12 Paare, also 24 Stück. Das sorgte damals für einen riesigen Skandal, weil es der kirchlichen Lehre widersprach. Heute ist es eine wissenschaftliche Binsenweisheit. Wenn also jemand versucht, dich mit dieser Frage aufs Glatteis zu führen: Die Antwort ist ein klares Nein.
Wie viele Rippen ein Mensch wirklich haben kann: Die Ausnahmen von der Regel
Die Zahl 24 ist zwar der Standard, aber die Natur liebt Variationen. Es gibt Menschen, die mit mehr oder weniger als 12 Rippenpaaren geboren werden. Das ist zwar selten, aber nicht außergewöhnlich. Manchmal fehlt das zwölfte Rippenpaar, sodass die Person nur 22 Rippen hat. Das fällt meist gar nicht auf und hat in der Regel keine gesundheitlichen Auswirkungen.
Viel häufiger ist das Phänomen einer zusätzlichen Rippe. Meistens handelt es sich dabei um eine sogenannte Halsrippe, die nicht am Brustkorb, sondern am letzten Halswirbel (C7) ansetzt. Etwa 0,5 % bis 1 % der Bevölkerung hat so eine zusätzliche Rippe, Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.[6] Sie kann einseitig oder beidseitig auftreten und in ganz unterschiedlichen Formen – von einem winzigen Knochenfortsatz bis hin zu einer fast vollständig ausgebildeten Rippe.
Die Halsrippe: Wenn der Körper eine Extrarunde dreht
Eine solche Halsrippe ist ein Überbleibsel aus unserer evolutionären Entwicklung. Während der Embryonalentwicklung werden die Anlagen für Rippen an allen Wirbeln gebildet, aber normalerweise bilden sie sich im Hals- und Lendenbereich wieder zurück. Manchmal bleibt die Anlage am siebten Halswirbel aber bestehen und wächst zu einer Rippe aus.
In den allermeisten Fällen bemerkt man davon ein Leben lang nichts. Sie wird oft nur zufällig bei einer Röntgenaufnahme entdeckt. In seltenen Fällen kann eine Halsrippe aber Probleme verursachen, weil im Halsbereich wenig Platz ist. Dort verlaufen wichtige Nerven (der Armplexus) und Blutgefäße, die zur Versorgung des Arms dienen. Eine zusätzliche Rippe kann diesen Raum einengen und auf die Strukturen drücken. Das wird dann als Thoracic-Outlet-Syndrom bezeichnet und kann zu Schmerzen, Kribbeln im Arm oder Durchblutungsstörungen führen. Aber keine Sorge: Das ist wirklich die Ausnahme. Die meisten Träger einer Halsrippe leben völlig beschwerdefrei.
Der Bauplan einer Rippe: Mehr als nur ein gebogener Knochen
Eine einzelne Rippe sieht auf den ersten Blick recht unspektakulär aus: ein langer, gebogener Knochen. Doch der Aufbau ist ziemlich durchdacht. Am hinteren Ende hat jede Rippe einen kleinen „Kopf“, mit dem sie an der Wirbelsäule angedockt ist. Der lange, gebogene Teil ist der „Körper“.
Richtig genial ist ein Detail an der Unterseite jeder Rippe: eine kleine Rille, die sogenannte Rippenfurche (Sulcus costae). Das ist quasi ein integrierter Kabelkanal. In dieser geschützten Furche verlaufen ein Nerv, eine Arterie und eine Vene, die den Bereich zwischen den Rippen versorgen. Mediziner müssen das wissen: Wenn sie zum Beispiel eine Drainage im Brustkorb legen, stechen sie immer am Oberrand der unteren Rippe ein, um diese empfindlichen Strukturen nicht zu verletzen. Ein kleines Detail mit großer praktischer Bedeutung.
Was passiert bei einem Rippenbruch?
Ein Sturz vom Fahrrad oder ein heftiger Stoß beim Sport – und schon ist es passiert: eine Rippe ist gebrochen oder geprellt. Das ist extrem schmerzhaft, und der Grund dafür liegt in der Funktion des Brustkorbs. Du kannst ein gebrochenes Bein schienen und ruhigstellen. Einen gebrochenen Arm auch. Aber den Brustkorb? Unmöglich.
Du musst atmen. Bei jedem einzelnen Atemzug heben und senken sich die Rippen. Bei jedem Huster, jedem Lachen, jeder Drehung im Bett bewegt sich die Bruchstelle. Das ist der Grund, warum eine Rippenverletzung so langwierig und unangenehm ist. Man kann sie nicht wirklich ruhigstellen. Die am häufigsten betroffenen sind übrigens die mittleren Rippen (etwa die 4. bis 9. Rippe), da sie am wenigsten durch Schultergürtel oder Muskulatur geschützt sind.
Erste Hilfe bei Verdacht: Was du tun solltest
Wenn du nach einem Unfall starke Schmerzen im Brustkorb hast, die sich beim Atmen oder Husten verschlimmern, solltest du das ärztlich abklären lassen. Eine einfache Prellung lässt sich von außen kaum von einem Bruch unterscheiden.
Folgende Schritte sind sinnvoll:
- Kühlen: Ein Kühlpack (in ein Tuch gewickelt) auf die schmerzende Stelle zu legen, kann die Schwellung und den Schmerz lindern. Aber nie direkt auf die Haut legen.
- Schonatmung vermeiden: Auch wenn es wehtut, versuche, so normal wie möglich weiterzuatmen. Zu flaches Atmen über längere Zeit erhöht das Risiko für eine Lungenentzündung, da die Lunge nicht richtig belüftet wird.
- Ärztliche Abklärung: Ein Arzt oder eine Ärztin kann feststellen, ob es sich um einen Bruch handelt und ob innere Organe verletzt wurden, was zwar selten, aber möglich ist. Die Behandlung besteht meist aus Schmerzmitteln und Geduld.
Eine Rippenverletzung heilt in der Regel von selbst, aber es dauert seine Zeit – oft vier bis sechs Wochen. In dieser Zeit lernst du deinen Brustkorb auf eine ganz neue, sehr bewusste Art und Weise kennen.
Quellen
- The Thoracic Cage (abgerufen am 18.11.2025)
- The Ribs – Kenhub (abgerufen am 18.11.2025)
- Ribs – Radiopaedia (abgerufen am 18.11.2025)
- Divisions of the Skeletal System (abgerufen am 18.11.2025)
- Rib Cage – Wikipedia (Biblical story) (abgerufen am 18.11.2025)
- Anatomy, Thorax, Cervical Rib – NCBI (abgerufen am 18.11.2025)
FAQs zum Thema Wie viele Rippen hat ein Mensch
Kann man sich Rippen entfernen lassen, um eine schmalere Taille zu bekommen?
Ja, das ist tatsächlich möglich, aber es ist ein sehr umstrittener und seltener chirurgischer Eingriff. Dabei werden in der Regel die untersten, die sogenannten „freien“ oder „fliegenden“ Rippen (das 11. und 12. Rippenpaar) entfernt. Da diese keine Verbindung zum Brustbein haben und keine lebenswichtigen Organe schützen, gilt ihre Entfernung als medizinisch vertretbar, wenn auch riskant. Die oberen Rippen, die den Brustkorb bilden und Herz sowie Lunge schützen, werden bei solchen kosmetischen Operationen nicht angetastet.
Haben Rippen neben dem Schutz und der Atmung noch andere Aufgaben?
Absolut! Deine Rippen sind nicht nur ein Schutzschild, sondern auch ein wichtiger Produktionsort. Wie viele andere große Knochen in deinem Körper enthalten sie rotes Knochenmark. In diesem Gewebe findet die Blutbildung (Hämatopoese) statt. Das bedeutet, deine Rippen helfen dabei, rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport, weiße Blutkörperchen für die Immunabwehr und Blutplättchen für die Gerinnung zu produzieren. Sie sind also eine lebenswichtige Fabrik für dein Blut.
Warum sind die Rippen vorne mit Knorpel statt mit festem Knochen am Brustbein befestigt?
Diese flexible Verbindung aus Rippenknorpel ist entscheidend für deine Atmung. Würden die Rippen direkt und starr mit dem Brustbein verwachsen sein, wäre dein Brustkorb eine unbewegliche Box. Der elastische Knorpel wirkt wie ein Scharnier und gibt dem Brustkorb die nötige Beweglichkeit, um sich beim Einatmen auszudehnen und beim Ausatmen wieder zusammenzuziehen. Ohne diese Elastizität könntest du nicht tief durchatmen, da sich deine Lunge nicht vollständig entfalten könnte.