Dieses Gefühl, wenn die Welt klingt, als hättest du zwei Wattebäusche in den Gehörgängen. Dieser nervige Druck auf den Ohren bei Erkältung ist mehr als nur lästig. Hier kommen ein paar Handgriffe, die wirklich helfen.
Wenn die Welt plötzlich auf Watte schaltet
Es fängt schleichend an. Erst ist da nur der übliche Erkältungsmatsch im Kopf. Doch dann, meist über Nacht, verändert sich die Akustik. Gespräche klingen gedämpft, als würde jemand einen Equalizer verstellen und alle hohen Frequenzen rausdrehen. Die eigene Stimme dröhnt unangenehm im Schädel und selbst das Bellen meines Hundes klingt, als käme es aus der Nachbarwohnung.
Man fühlt sich von der Außenwelt abgekoppelt, fast wie in einer Taucherglocke. Jeder Schluck, jedes Gähnen wird von einem merkwürdigen Knacken oder Ploppen begleitet, das für eine Sekunde Hoffnung macht – nur damit der dumpfe Zustand sofort wieder einsetzt. Das ist nicht nur irritierend, es kann einen auch ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen, buchstäblich.
Was steckt eigentlich hinter dem Druck auf den Ohren bei Erkältung?
Die Ursache für das ganze Dilemma liegt meist gar nicht direkt im Ohr, sondern in einer winzigen Verbindung zwischen deinem Rachen und dem Mittelohr: der Eustachischen Röhre, auch Ohrtrompete genannt. Ihre Aufgabe ist es, für Druckausgleich zu sorgen. Stell sie dir wie ein Belüftungsventil vor, das sich beim Schlucken oder Gähnen kurz öffnet, damit der Luftdruck im Mittelohr dem Außendruck entspricht.
Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at beschreibt genau das: Das Mittelohr liegt hinter dem Trommelfell und ist über die Eustachische Röhre mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden – bei Infekten können Erreger und Sekret über diesen Gang dorthin wandern und Probleme machen.[2] Auch der HNO-Berufsverband (HNO-Ärzte im Netz) erklärt, dass beim gestörten „Belüftungsmechanismus“ ein dumpfes Hören und dauerhafter Ohrendruck entstehen, wenn die Ohrtrompete nicht richtig öffnet.[3]
Bei einer Erkältung schwellen die Schleimhäute an und produzieren jede Menge Sekret. Dieses verstopft das kleine Röhrchen wie ein Pfropfen. Das Ventil klemmt. Die Folge ist ein Unterdruck im Mittelohr, der das Trommelfell nach innen zieht. Genau das spürst du als unangenehmen Druck und Wattegefühl. Kliniken wie das Varisano-Klinikum Frankfurt Höchst nennen Infekte der oberen Atemwege als eine der häufigsten Ursachen für solche Tubenbelüftungsstörungen.[4]
Das System ist also nicht kaputt, es ist vorübergehend blockiert – wie ein Abfluss, der durch zu viel Erkältungs-Schleim dicht macht.
Die besten Sofortmaßnahmen: Druck ablassen, aber richtig
Wenn der Kopf voll und die Ohren zu sind, willst du schnelle Linderung. Es gibt ein paar einfache mechanische Tricks, die den Druckausgleich anstoßen können. Das Wichtigste dabei ist, es nicht mit Gewalt zu versuchen.
Mein erster Versuch bei einer fiesen Erkältung endete damit, dass ich presste wie verrückt. Das Resultat: Die Ohren taten danach erst recht weh. Ein klassischer Fall von „gut gemeint, schlecht umgesetzt“. Sanfter Druck ist hier der Schlüssel.
Die bekannteste Methode ist das Valsalva-Manöver, das auch in HNO-Praxen als eine Möglichkeit beschrieben wird, die Ohrtrompete zu öffnen.[4][5] So geht’s in der Alltagspraxis:
- Halte dir die Nase fest zu.
- Schließe den Mund und versuche dann, ganz sanft Luft durch die zugehaltene Nase zu pressen.
- Du solltest ein leises „Plopp“ oder Knacken hören, wenn es funktioniert. Höre sofort auf, wenn du Schmerzen spürst.
Oft reichen aber auch schon viel einfachere Bewegungen. Bewusstes und herzhaftes Gähnen öffnet die Eustachische Röhre auf natürliche Weise. Auch wiederholtes Schlucken – am besten mit einem Schluck Wasser oder Tee – aktiviert die richtigen Muskeln. Kaugummi kauen hat einen ähnlichen Effekt und kann zwischendurch eine gute Option sein.
Dampf-Inhalation: Warmer Nebel gegen zähen Druck
Eine der angenehmsten Methoden, um festsitzenden Schleim zu lösen, ist Inhalation. Der warme, feuchte Dampf befeuchtet die Schleimhäute, verflüssigt Sekret und unterstützt damit indirekt auch die Belüftung der Ohrtrompete. Viele HNO-Infos nennen Inhalationen mit Wasser oder Kochsalzlösung als sinnvolle Ergänzung, um Nase und Nasen-Rachen-Raum zu entlasten – also genau den Bereich, in dem die Ohrtrompete mündet.[4][5]
Für die simple Version brauchst du nur eine große Schüssel mit heißem (nicht kochendem!) Wasser und ein Handtuch. Kopf über die Schüssel, Handtuch drüber, 10 bis 15 Minuten ruhig atmen. Kamillenblüten oder etwas Salz können den Effekt angenehm abrunden. Wichtig: Immer ausreichend Abstand zur Wasseroberfläche halten, damit es nicht zur unfreiwilligen Gesichtssauna mit Verbrühungen wird.
Abschwellende Nasensprays: Freund oder Feind?
Bei starkem Druck auf den Ohren sind abschwellende Nasentropfen oder -sprays oft die Abkürzung zur Ursache – und das ist medizinisch durchaus logisch.
HNO-Praxen erklären es so: Hier, im Nasenrachenraum, münden die Eustachischen Röhren. Wenn dieser Bereich durch Schnupfen zugeschwollen ist, funktioniert die Belüftung des Mittelohrs nicht mehr richtig. Abschwellende Präparate können helfen, die Öffnung zur Ohrtrompete wieder freizugeben, sodass Luft durchkommt und sich der Druck normalisieren kann.[5][4]
Worauf du achten solltest:
- Nur kurzfristig verwenden: HNO-Infos betonen, dass klassische abschwellende Sprays in der Regel höchstens 5–7 Tage am Stück genutzt werden sollten, weil sonst ein Gewöhnungseffekt droht und die Schleimhaut ohne Spray erst recht anschwillt.
- Richtig „platzieren“: Am besten im Sitzen oder Liegen mit leicht nach hinten geneigtem Kopf anwenden, damit der Wirkstoff dort ankommt, wo die Ohrtrompete in den Nasenrachenraum mündet.[5]
- Kinder & Vorerkrankungen: Bei Kindern, Bluthochdruck oder Herzproblemen immer vorher ärztlich klären, welches Präparat und welche Dosierung passen.
Ich nutze Nasenspray bei Ohrdruck sehr bewusst wie ein Werkzeug: gezielt, für ein paar Tage – und parallel immer mit Befeuchtung (Nasendusche, Inhalation), damit die Schleimhaut nicht komplett austrocknet.
Hausmittel, die den Druck auf den Ohren bei Erkältung wirklich lindern
Neben den mechanischen Tricks gibt es ein paar einfache Dinge, die sich bei mir bewährt haben – und gut zu dem passen, was seriöse Gesundheitsportale zu Erkältung und Mittelohrproblemen empfehlen.[1][2]
Eine warme Kompresse, zum Beispiel ein feuchter Waschlappen oder ein kleines Kirschkernkissen, auf das betroffene Ohr gelegt, kann sehr wohltuend sein. Die Wärme entspannt die Muskulatur im Kiefer- und Nackenbereich und wird von vielen als angenehm druckmindernd empfunden. In manchen Familien ist das Zwiebelsäckchen Klassiker: gehackte Zwiebel in ein dünnes Tuch, 15–20 Minuten vorsichtig ans Ohr legen. Die ätherischen Öle sollen entzündungshemmend und schleimlösend wirken – selbst wenn dazu keine großen Studien existieren, ist es für viele ein persönliches Ritual.
Zwei weitere, oft unterschätzte Grundlagen sind:
- Ausreichend trinken: Wasser und ungesüßte Kräutertees helfen, Schleim in Nase und Rachen flüssig zu halten, sodass er besser ablaufen kann. Das entlastet indirekt auch die Ohrtrompete.
- Kopf hochlagern: Besonders nachts hilft ein zusätzliches Kissen. Die Schwerkraft unterstützt dann den Abfluss des Sekrets aus Nasennebenhöhlen und Rachenraum – und damit den Belüftungsweg zum Mittelohr.
Wann du bei Ohrendruck ärztliche Hilfe brauchst
Meistens ist der Druck auf den Ohren bei Erkältung harmlos und verschwindet zusammen mit den anderen Symptomen. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, wo die Grenze ist.
Infektionsschutz.de (BZgA) und gesund.bund.de beschreiben typische Warnzeichen einer Mittelohrentzündung: starke, stechende Ohrenschmerzen, Fieber und deutlich schlechtes Hören durch Flüssigkeit im Mittelohr.[1][2] Der HNO-Berufsverband rät außerdem, anhaltenden Ohrdruck und gestörten Druckausgleich grundsätzlich beim HNO-Facharzt abklären zu lassen, damit keine dauerhaften Schäden entstehen.[3]
Du solltest ärztliche Hilfe suchen, wenn:
- der Druck sich in starke, pochende Schmerzen verwandelt oder deutlich einseitig ist,
- du Fieber bekommst oder dich sehr krank fühlst,
- Schwindel, ein plötzlicher Hörverlust oder austretende Flüssigkeit aus dem Ohr dazukommen,
- der Druck auf den Ohren auch nach etwa einer Woche Erkältung nicht besser wird oder sogar zunimmt.
Bei Kindern gilt: Lieber einmal zu früh als zu spät in die Praxis – gerade Mittelohrentzündungen können dort sehr heftig sein, auch wenn sie in vielen Fällen ohne Komplikationen wieder abklingen.[2]
Vorbeugung: Damit es gar nicht erst so weit kommt
Ganz verhindern lässt sich Ohrdruck bei Erkältung nicht – aber du kannst die Rahmenbedingungen verbessern. Ein wichtiger Punkt ist die Art, wie du dir die Nase putzt.
Viele ziehen den Schleim hoch oder schnäuzen mit voller Kraft. Beides ist keine gute Idee. Beim Hochziehen bleibt das Sekret im Nasen-Rachen-Raum hängen, beim zu kräftigen Schnäuzen presst du es regelrecht in Richtung Ohrtrompete. Besser ist es, immer ein Nasenloch zuzuhalten und durch das andere sanft zu schnäuzen. So entsteht deutlich weniger Druck im System.
Wenn du zu wiederkehrenden Belüftungsstörungen neigst, können HNO-Ärztinnen und -Ärzte zusätzlich prüfen, ob anatomische Faktoren oder Allergien mitspielen – der Berufsverband weist darauf hin, dass etwa chronische Schleimhautschwellungen, Allergien oder vergrößerte Rachenmandeln den Tubenmechanismus dauerhaft stören können.[3][4]
Es sind oft diese kleinen Anpassungen im Alltag, die einen großen Unterschied machen. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen ist die Welt bald auch akustisch wieder voll da.
Quellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (infektionsschutz.de): Ohrinfektionen – Mittelohrentzündung & Symptome (abgerufen am 03.12.2025)
- gesund.bund.de: Akute Mittelohrentzündung – Ursachen, Symptome, Verlauf (abgerufen am 03.12.2025)
- HNO-Ärzte im Netz: Ständiger Ohrdruck – gestörten Druckausgleich vom HNO-Arzt abklären lassen (abgerufen am 03.12.2025)
- Varisano Klinikum Frankfurt Höchst: Tubenbelüftungsstörungen – Ursachen und Behandlung (abgerufen am 03.12.2025)
- HNO-Praxis Riemann: Nasensprays, Nasen-Rachen-Raum und Eustachische Röhre (abgerufen am 03.12.2025)
- HNO-Ärzte im Netz: Ohrenkerzen sind gefährlich (abgerufen am 03.12.2025)
- hno-wartezimmer.de: Ohrenkerzen mit erheblichen Risiken (abgerufen am 03.12.2025)
- Uniklinikum Erlangen, HNO-Klinik: Ohren unter Druck – Tipps zum Druckausgleich (u.a. bei Flugreisen) (abgerufen am 03.12.2025)
FAQs zum Thema Druck auf den Ohren bei Erkältung
Kann ich mit Druck auf den Ohren fliegen oder sollte ich das lieber lassen?
Vom Fliegen mit einer starken Erkältung und ausgeprägtem Ohrdruck raten viele HNO-Kliniken eher ab. Wenn der Druckausgleich über die Eustachische Röhre nicht richtig funktioniert, können die schnellen Druckänderungen beim Starten und Landen starke Schmerzen, Schwindel oder im Extremfall ein Barotrauma mit Verletzung des Trommelfells auslösen.[8] Wenn ein Flug gar nicht verschiebbar ist, empfehlen HNO-Ärztinnen und -Ärzte häufig: etwa 30 Minuten vor Start und Landung ein abschwellendes Nasenspray nutzen, während dieser Phasen häufig schlucken, gähnen oder vorsichtig (!) das Valsalva-Manöver anwenden – und beim kleinsten Anzeichen von starken Schmerzen sofort ärztlichen Rat nach der Landung suchen.
Warum fühle ich mich manchmal schwindelig, wenn meine Ohren zu sind?
Dein Gleichgewichtsorgan sitzt im Innenohr und ist über Strukturen im Felsenbein eng mit dem Mittelohr verbunden. Wenn durch eine verstopfte Eustachische Röhre ein Unterdruck im Mittelohr entsteht oder sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell sammelt, kann das die Schallleitung und manchmal auch das Gleichgewichtsgefühl stören. HNO-Ärzte im Netz beschreiben, dass Patienten bei länger gestörtem Druckausgleich neben dumpfem Hören auch Ohrgeräusche und Schwindel angeben können.[3] In vielen Fällen normalisiert sich das mit dem Abklingen der Erkältung wieder. Wenn der Schwindel stark ist, plötzlich beginnt oder mit Hörverlust einhergeht, solltest du aber zügig eine HNO-Praxis aufsuchen.
Helfen spezielle Ohrkerzen gegen den Druck?
Nein – im Gegenteil, von Ohrkerzen wird von HNO-Fachgesellschaften ausdrücklich abgeraten. HNO-Ärzte im Netz weisen darauf hin, dass es für die versprochene „reinigende“ Wirkung keinen belastbaren Nachweis gibt, aber sehr wohl dokumentierte Verbrennungen im Gehörgang und Trommelfellverletzungen durch heißes Wachs.[6] Eine neuere Stellungnahme auf hno-wartezimmer.de kommt zum gleichen Ergebnis und spricht von „erheblichen Risiken“ ohne belegebaren Nutzen.[7] Wenn du etwas gegen Ohrdruck tun willst, sind Inhalation, abschwellende Nasentropfen und bei Bedarf eine HNO-Abklärung die deutlich sichereren Wege.