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Kann man zu viel schlafen? Was Oversleeping mit dir macht

Dass man zu viel schlafen kann, klingt erstmal wie ein Luxusproblem. Doch wer regelmäßig länger als neun Stunden im Bett bleibt und sich trotzdem schlapp fühlt, kennt das Gähn-Paradox. Hier erfährst du, warum mehr Schlaf nicht immer besser ist und wann dein Körper dir damit etwas sagen will.

Das Gähn-Paradox: Wenn mehr Schlaf müder macht

Der Wecker ist aus, es ist Samstag und du hast dir vorgenommen, das Schlafdefizit der Woche aufzuholen. Das Ergebnis nach zehn oder elf Stunden Schlaf ist aber oft ernüchternd: Du fühlst dich benommen, der Kopf ist schwer und der Antrieb für den Tag liegt irgendwo unter der Bettdecke begraben. Ich kenne das selbst nur zu gut von Wochenenden, an denen ich mir mal richtig „Schlaf gönnen“ wollte – und mich danach matter gefühlt habe als nach einer normalen 7-Stunden-Nacht.

Dieses Gefühl ist keine Einbildung. Es hat einen Namen: Schlaf-Trägheit oder „sleep inertia“. Und sie ist oft ein direktes Resultat davon, dass du deinen Körper aus seinem festen Rhythmus geworfen hast.

Ja, man kann zu viel schlafen – und dein Körper merkt das

Die kurze Antwort lautet also: Ja. Dauerhaft zu viel zu schlafen kann für den Körper genauso belastend sein wie zu wenig Schlaf. Die meisten Gesundheitsorganisationen sind sich hier einig. So gibt die Techniker Krankenkasse (TK) an, dass die meisten Erwachsenen mit sieben bis acht Stunden Schlaf gut auskommen.[2] Die amerikanische Sleep Foundation ist noch konkreter und bezeichnet regelmäßiges Schlafen von mehr als neun Stunden als „Oversleeping“.[3]

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie geht sogar noch einen Schritt weiter und warnt, dass sowohl weniger als sechs als auch mehr als acht Stunden Schlaf mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können.[1] Dein Körper liebt Routine. Eine plötzliche oder regelmäßige Abweichung von deinem gewohnten Schlafpensum bringt seine innere Uhr durcheinander – mit spürbaren Folgen.

Was passiert im Körper, wenn man zu viel schlafen darf?

Wenn du deutlich länger schläfst als gewohnt, passiert mehr, als dass du nur Zeit verlierst. Dein Körper reagiert auf die unerwartete Verlängerung der Nachtruhe irritiert. Das ist der Grund, warum zu viel schlafen sich so seltsam anfühlen kann.

Der wichtigste Faktor ist dein zirkadianer Rhythmus, also deine innere 24-Stunden-Uhr. Sie steuert, wann du müde wirst und wann du aufwachst. Langes Ausschlafen verschiebt diesen Rhythmus. Für deinen Körper fühlt es sich an wie ein Mini-Jetlag, ohne dass du verreist bist. Die Hormone, die für Wachheit zuständig sind, werden verspätet ausgeschüttet, was zu dem benommenen Gefühl führt.

Zudem kann zu viel Schlaf langfristig ernstere Folgen haben. Eine Analyse, auf die sich die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bezieht, kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die täglich mehr als acht Stunden schlafen, ihr Schlaganfall-Risiko um 46 Prozent erhöhen.[5] Das bedeutet nicht, dass jeder lange Schlaf gefährlich ist, aber es zeigt, dass ein dauerhaftes Zuviel ein Ungleichgewicht signalisiert.

Wann ist langes Schlafen ein Warnsignal?

Einmal am Wochenende auszuschlafen, um sich von einer anstrengenden Woche zu erholen, ist in der Regel unproblematisch. Kritisch wird es, wenn das Bedürfnis nach übermäßig viel Schlaf zum Dauerzustand wird oder plötzlich auftritt, ohne dass du nachts schlecht geschlafen hättest. Das kann ein Hinweis auf ein zugrunde liegendes Problem sein.

Achte auf diese Anzeichen, die laut der renommierten Mayo Clinic und der Sleep Foundation auf mehr als nur Müdigkeit hindeuten können:[3][4]

  • Du fühlst dich tagsüber extrem schläfrig, obwohl du nachts ausreichend oder sogar sehr lange geschlafen hast.
  • Du hast große Schwierigkeiten, morgens aufzuwachen, und fühlst dich nach dem Aufwachen oft verwirrt und desorientiert.
  • Das gesteigerte Schlafbedürfnis ist mit Symptomen wie Antriebslosigkeit oder gedrückter Stimmung verbunden, was auf eine Depression hindeuten kann.

Wenn du dich hier wiedererkennst, ist es ratsam, das ärztlich abklären zu lassen, um Schlafstörungen wie Hypersomnie oder andere gesundheitliche Ursachen auszuschließen.

Wie findest du dein persönliches Schlaf-Soll?

Die oft genannten 7 bis 8 Stunden sind ein guter Durchschnittswert, aber keine in Stein gemeißelte Regel. Dein persönlicher Schlafbedarf ist individuell und kann sich je nach Alter, Aktivitätslevel und Gesundheitszustand ändern. Um herauszufinden, wie viel Schlaf du wirklich brauchst, kannst du ein kleines Experiment machen, am besten im Urlaub oder an einer freien Woche.

Geh einfach mal eine Woche lang dann ins Bett, wenn du müde bist, und steh auf, ohne dir einen Wecker zu stellen. Notiere dir die Schlafenszeiten. In den ersten Nächten wirst du vielleicht noch Schlaf nachholen, aber nach ein paar Tagen pendelt sich dein Körper wahrscheinlich auf seine natürliche Schlafdauer ein. Das ist dein persönlicher Richtwert.

Drei konkrete Schritte für einen stabileren Rhythmus

Wenn du merkst, dass du aus reiner Gewohnheit zu lange schläfst und dich danach schlecht fühlst, kannst du mit kleinen Anpassungen gegensteuern. Es geht darum, deiner inneren Uhr wieder ein klares Signal zu geben:

  1. Halte eine konstante Aufstehzeit ein – auch am Wochenende. Das ist der wirksamste Hebel, um deinen zirkadianen Rhythmus zu stabilisieren. Eine Abweichung von maximal einer Stunde ist in Ordnung.
  2. Sorge direkt nach dem Aufstehen für helles Tageslicht. Öffne die Vorhänge oder geh für ein paar Minuten nach draußen. Licht ist das stärkste Signal für deinen Körper, die Produktion des Schlafhormons Melatonin zu stoppen.
  3. Etabliere eine entspannende Abendroutine, die deinem Körper signalisiert, dass es Zeit ist, herunterzufahren. Das kann Lesen, leise Musik oder ein warmes Bad sein. Vermeide blaues Licht von Bildschirmen etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen.

Diese drei Gewohnheiten helfen deinem Körper, einen verlässlichen Rhythmus zu finden, sodass du morgens erfrischt aufwachst – egal, ob nach sieben oder acht Stunden.

Quellen

  1. Schlaf: Wie viele Stunden sind gesund fürs Herz? (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, abgerufen am 24. Mai 2024)
  2. Wie viel Schlaf braucht der Mensch? (Techniker Krankenkasse, abgerufen am 24. Mai 2024)
  3. Oversleeping: Why Am I Sleeping Too Much All of a Sudden? (Sleep Foundation, abgerufen am 24. Mai 2024)
  4. Idiopathic hypersomnia – Symptoms and causes (Mayo Clinic, abgerufen am 24. Mai 2024)
  5. Viel oder wenig Schlaf – Beides kann ungesund sein (Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, abgerufen am 24. Mai 2024)

FAQs zum Thema Kann man zu viel schlafen

Beeinflusst zu viel Schlafen auch mein Körpergewicht?

Ja, das kann tatsächlich der Fall sein. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges langes Schlafen, ähnlich wie zu wenig Schlaf, mit einem höheren Risiko für Gewichtszunahme verbunden ist. Der Grund dafür ist, dass die Störung deiner inneren Uhr auch den Stoffwechsel und die Hormone, die den Appetit regulieren, beeinflussen kann. Zudem verkürzt langes Schlafen natürlich auch die Zeit, in der du körperlich aktiv bist.

Macht ein langer Mittagsschlaf das Problem mit dem „Zu-viel-schlafen“ noch schlimmer?

Das kommt ganz auf die Länge und den Zeitpunkt an. Ein kurzer Power-Nap von 15 bis 20 Minuten kann dir zwar neue Energie geben, ohne deine innere Uhr zu stören. Wenn du aber am späten Nachmittag lange schläfst, kann das den Schlafdruck für die Nacht senken, sodass du abends schlechter einschläfst. Dadurch verschiebt sich dein Rhythmus weiter, was das Gefühl der Schlafträgheit am nächsten Morgen sogar noch verstärken kann.

Ist es in jedem Alter ungesund, mehr als 9 Stunden zu schlafen?

Nein, der Schlafbedarf ist stark vom Alter abhängig. Während für die meisten Erwachsenen mehr als neun Stunden Schlaf oft zu viel sind, ist diese Dauer für Jugendliche völlig normal und sogar notwendig. Teenager benötigen im Durchschnitt etwa 8 bis 10 Stunden Schlaf für ihre körperliche und geistige Entwicklung. Die Empfehlungen beziehen sich also hauptsächlich auf Erwachsene im mittleren Lebensalter.

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