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Hund hat Schokolade gefressen: Was tun und wie vorbeugen?

Ein Szenario, bei dem man sich kurz fühlt, als hätte jemand den Boden weggezogen: Der Hund war schneller als du – und irgendwo fehlt plötzlich Schokolade. Das ist kein „Ups, wird schon“, sondern ein echter Notfall-Kandidat, weil Kakao bei Hunden über Theobromin (und auch Koffein) problematisch werden kann. Damit du im Ernstfall nicht erst googeln musst, findest du hier eine klare Einordnung, typische Symptome und ein Vorgehen, das in der Praxis wirklich hilft.

Warum Schokolade für Hunde so heikel ist

Schokolade bringt gleich zwei Dinge mit, die Hunde deutlich schlechter vertragen als wir Menschen: Theobromin und Koffein (beides gehört zu den Methylxanthinen). Diese Stoffe wirken stimulierend auf Nervensystem und Herz-Kreislauf – und werden beim Hund langsamer abgebaut. Das MSD/Merck Veterinary Manual beschreibt genau dieses Problem: Theobromin kann sich im Körper anreichern und dann von Magen-Darm-Symptomen bis zu Herzrhythmusstörungen und Krampfanfällen führen, abhängig von der Dosis.[3]

Der entscheidende Unterschied ist dabei nicht „Schokolade ist Schokolade“, sondern wie viel Kakao wirklich drinsteckt. Die Kleintierklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen nennt sehr konkrete Theobromin-Gehalte je nach Produkt – und daran hängt am Ende die Risikoabschätzung.[1]

Welche Schokolade wie riskant ist

Als schnelle Orientierung (die Werte schwanken je nach Marke und Kakaoanteil, aber die Größenordnung passt): Laut der Patienteninformation der JLU Gießen liegt Theobromin ungefähr bei[1]

Produkt Typischer Theobromin-Gehalt Warum das zählt
Backkakao / Kakaopulver ca. 14–26 mg pro g Das ist der „gefährlichste Klassiker“ im Haushalt, weil schon kleine Mengen viel Wirkstoff liefern.
Sehr dunkle Schokolade (z. B. 90 %) bis ca. 26 mg pro g Kann bei kleinen Hunden schnell in einen kritischen Bereich rutschen.
Zartbitter ca. 5–8 mg pro g Immer noch relevant – besonders, wenn es nicht nur ein Stück war.
Milchschokolade ca. 1,5–2 mg pro g Wirkt oft harmlos, kann aber bei kleinen Hunden oder größeren Mengen trotzdem Probleme machen.
Weiße Schokolade praktisch kaum Theobromin Vergiftungsrisiko durch Theobromin ist niedrig – Magen-Darm-Stress durch Fett/Zucker ist trotzdem möglich.

Ab welcher Menge wird es kritisch?

Hier ist die wichtigste Einordnung: Es geht nicht um „einmal dran geleckt“, sondern um die aufgenommene Theobromin-Dosis pro Kilogramm Körpergewicht. Vetpharm/Clinitox (Universität Zürich) und auch das MSD/Merck Veterinary Manual beschreiben grobe Schwellen, ab denen typischerweise etwas passieren kann.[2][3]

  • ab ca. 20 mg/kg können erste leichte Symptome auftreten (Unruhe, Magen-Darm).[2]
  • ab ca. 40–50 mg/kg werden Herz-Kreislauf-Symptome wahrscheinlicher (Tachykardie, Rhythmusstörungen).[3]
  • ab ca. 60 mg/kg steigt das Risiko für neurologische Symptome wie Zittern/Krampfanfälle.[2]
  • ab ca. 100–200 mg/kg wird es potenziell lebensbedrohlich (je nach Quelle/Setting werden solche Bereiche als hochriskant beschrieben).[3]

Wenn du das grob überschlagen willst (ohne dich in falscher Sicherheit zu wiegen):
Theobromin (mg/kg) = (mg pro g in der Schokolade × gegessene Gramm) / Gewicht deines Hundes (kg)

Beispiel: 10 g Zartbitter (angenommen 6 mg/g) bei einem 5-kg-Hund wären 60 mg / 5 kg = 12 mg/kg. Bei Backkakao oder sehr dunkler Schokolade kippt die Rechnung deutlich schneller, weil die Wirkstoffdichte höher ist.[1]

Woran du eine Schokoladenvergiftung erkennst

Die Symptome können früh starten und sich über Stunden verstärken. In einer Auswertung zu Schokoladenaufnahmen bei Hunden (FU Berlin, Journal of Small Animal Practice) wurden als häufige Vorstellungsgründe in der Praxis vor allem Unruhe, Zittern, Erbrechen und Tachykardie beschrieben.[4]

Wenn du etwas beobachten willst, dann vor allem das hier:

  • Magen-Darm Erbrechen, Durchfall, deutliches Hecheln, auffällig viel Durst.[3]
  • Kreislauf Herzrasen, starke Unruhe, schneller Atem.[3]
  • Nerven Muskelzittern, Taumeln, Krampfanfälle.[3]

Was du sofort tun solltest

In der Praxis hilft ein strukturiertes Vorgehen mehr als jede Internet-Checkliste. Wenn du diese Punkte abarbeitest, hat die Tierärztin oder der Tierarzt direkt die Infos, die für die Entscheidung wichtig sind:

  1. Ruf sofort an Tierarztpraxis oder Notdienst, nicht erst „mal beobachten“.[3]
  2. Sammle Fakten Gewicht, Uhrzeit, Schokoladentyp (Kakaoanteil, falls bekannt), geschätzte Menge. Verpackung bereithalten.[1]
  3. Mach keine Experimente Erbrechen auslösen oder Hausmittel geben nur, wenn die Praxis es ausdrücklich anleitet.[3]
  4. Beobachte ruhig, aber genau und beschreibe Symptome am Telefon klar.[4]

Was in der Praxis häufig gemacht wird (nur damit du weißt, warum Eile zählt): Je nach Zeitpunkt kann Dekontamination sinnvoll sein (z. B. Erbrechen unter Kontrolle, Aktivkohle, Überwachung von Herz und Kreislauf). In der FU-Berlin-Fallserie wurden solche Maßnahmen häufig dokumentiert; die meisten Tiere erholen sich bei schneller Behandlung, aber es gibt auch schwere Verläufe.[4]

So reduzierst du das Risiko im Alltag

Du musst dafür nicht dein komplettes Zuhause umbauen. Kritisch sind oft die Momente, in denen Schokolade offen herumliegt – Feiertage, Besuch, Backen, Kinderhände. Backkakao ist dabei besonders tückisch, weil die Wirkstoffdichte sehr hoch ist.[1] Ein einfacher Grundsatz, der sich bewährt: Alles mit Kakao gehört hundesicher verstaut – auch Krümel.

Quellen

  1. Justus-Liebig-Universität Gießen (Kleintierklinik): Schokoladenvergiftung (Theobrominvergiftung) bei Hund und Katze (abgerufen am 16.12.2025)
  2. Vetpharm/Clinitox (Universität Zürich): Methylxanthine (u. a. Theobromin) – Toxikologie bei Kleintieren (abgerufen am 16.12.2025)
  3. MSD/Merck Veterinary Manual: Chocolate Toxicosis in Animals (abgerufen am 16.12.2025)
  4. Weingart et al. (2021), Journal of Small Animal Practice: Chocolate ingestion in dogs: 156 events (2015–2019) (PDF, Freie Universität Berlin) (abgerufen am 16.12.2025)

FAQs zum Thema Hund hat Schokolade gefressen

Mein Hund wirkt noch ganz normal. Kann ich abwarten?

Abwarten ist riskant, weil Symptome verzögert auftreten können und Maßnahmen zeitabhängig sind. Ruf lieber sofort an und lass anhand von Gewicht, Sorte und Menge einschätzen, wie kritisch es ist.[3]

Ist weiße Schokolade dann „okay“?

Das Theobromin-Risiko ist deutlich niedriger, aber Fett und Zucker können trotzdem Magen-Darm-Probleme machen. Praktisch gilt: Schokolade bleibt grundsätzlich tabu.[1]

Was muss ich der Tierarztpraxis am Telefon sagen?

Gewicht, Zeitpunkt, Schokoladentyp (Kakaoanteil, wenn möglich), geschätzte Menge und ob schon Symptome da sind. Verpackung mitnehmen, wenn du hinfahren sollst.[1]

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