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Körpersprache im Vorstellungsgespräch: Was ist wirklich wichtig?

Du hast dich perfekt auf alle fiesen Fragen vorbereitet, deinen Lebenslauf im Kopf und das Outfit sitzt. Doch kaum öffnet sich die Tür zum Besprechungsraum, fühlst du dich wie ein absoluter Fremdkörper. Plötzlich weißt du nicht mehr, wie man normal geht, deine Hände fühlen sich riesig an und du fragst dich krampfhaft, wo du überhaupt hinschauen sollst.

Die Körpersprache im Vorstellungsgespräch ist für viele der größte Stressfaktor. Dabei musst du kein ausgebildeter Schauspieler sein, um souverän zu wirken. Wer ein paar simple, psychologische Ankerpunkte für seine Hände, seine Beine und seinen Blick kennt, strahlt selbst dann absolute Ruhe aus, wenn der Puls innerlich gerade Achterbahn fährt.

Die Stuhl-Falle: So sitzt du richtig

Der wichtigste Moment deiner Körpersprache beginnt, sobald dir ein Platz angeboten wird. Moderne Büros haben oft extrem tiefe Loungesessel oder sehr rutschige Konferenzstühle. Wenn du dich hier einfach nach hinten fallen lässt, hängst du in den Seilen und wirkst passiv oder gar desinteressiert.

Nutze stattdessen das vordere Drittel der Sitzfläche. Wenn du dich nicht komplett anlehnst, bist du gezwungen, eine aufrechte, aktive Grundspannung zu halten. Eine leicht nach vorn geneigte Haltung signalisiert deinem Gegenüber sofort: Ich bin ganz bei dir, ich höre aktiv zu und ich habe Lust auf dieses Gespräch. Deine Füße stellst du dabei am besten flach und hüftbreit auf den Boden, das gibt dir buchstäblich den besten Stand und verhindert nervöses Wippen mit den Knien.

Das größte Problem: Wohin mit den Händen?

Nichts verrät Nervosität so schnell wie wild fuchtelnde, knetende oder zitternde Hände. Die Lösung dafür ist eine sogenannte „Home Base“ – ein sicherer Hafen für deine Hände, in den sie immer wieder zurückkehren können, wenn du gerade nicht sprichst.

Lege deine Unterarme locker auf die Tischkante, sodass deine Hände sichtbar vor dir auf dem Tisch ruhen. Sichtbare Hände schaffen auf unbewusster Ebene extrem viel Vertrauen. Unter dem Tisch verschränkte Hände wirken hingegen geheimniskrämerisch. Wenn du dazu neigst, an deinen Fingernägeln zu kneten oder wenn deine Hände leicht zittern, gibt es einen brillanten Trick: Halte einfach einen schlichten Kugelschreiber fest oder lege deine Hände locker auf deinen mitgebrachten Notizblock. Das gibt dir physischen Halt und absorbiert die Nervosität.

Blickkontakt: Die 80/20-Regel bei mehreren Personen

Einem einzelnen Gesprächspartner in die Augen zu schauen, ist relativ einfach. Schwer wird es, wenn dir plötzlich drei Personen gegenübersitzen (z.B. HR-Manager, Abteilungsleiter und Geschäftsführer). Wer jetzt hektisch von links nach rechts schaut wie bei einem Tennismatch, wirkt getrieben und unsicher.

Hier hilft die 80/20-Regel. Wenn dir eine Person eine Frage stellt, hältst du während deiner Antwort zu etwa 80 Prozent den Blickkontakt mit genau dieser Person. Die restlichen 20 Prozent deiner Blicke verteilst du ganz ruhig auf die anderen beiden Personen am Tisch, um sie ins Boot zu holen. Am Ende deines Satzes kehrst du mit dem Blick immer wieder zu demjenigen zurück, der die Frage ursprünglich gestellt hat.

Wohin schauen, wenn der Blickkontakt zu anstrengend wird?

Dauerhafter Augenkontakt kann extrem intim und anstrengend sein. Wenn du merkst, dass du den Blick des Personalers nicht mehr halten kannst, schaue nicht auf den Tisch oder aus dem Fenster! Richte deinen Blick stattdessen genau auf die Nasenwurzel (zwischen den Augenbrauen) deines Gegenübers. Für die andere Person sieht es weiterhin wie perfekter Augenkontakt aus, für dich ist es aber wesentlich entspannender.

Körpersprache-Mythen, die du vergessen kannst

Im Internet kursieren viele veraltete Regeln zur Körpersprache, die dich nur unnötig verunsichern. Es ist an der Zeit, ein paar dieser Mythen zu begraben.

  • Es ist absolut nicht verboten, die Beine übereinanderzuschlagen. Wenn das deine natürliche, bequeme Sitzhaltung ist, mach das ruhig. Vermeide es nur, die Arme gleichzeitig vor der Brust zu verschränken, da diese Doppel-Blockade extrem abweisend wirkt.
  • Du musst die Körpersprache deines Gegenübers nicht krampfhaft spiegeln. Dieser alte Verkäufer-Trick wirkt in Vorstellungsgesprächen oft unnatürlich und manipulativ. Konzentriere dich lieber auf deine eigene ruhige Haltung.
  • Gestikulieren ist erlaubt und sogar erwünscht! Wer seine Hände beim Sprechen nutzt, wirkt dynamisch und authentisch. Achte nur darauf, dass deine Gesten nicht über die Schulterhöhe hinausgehen, sonst wirkt es schnell unkontrolliert theatralisch.

Der letzte Eindruck bleibt (genau wie der erste)

Sobald die magischen Worte „Haben Sie noch Fragen?“ gefallen sind und das Gespräch endet, fällt bei vielen Bewerbern die gesamte Körperspannung ab. Sie sacken zusammen, atmen hörbar aus und schlurfen zur Tür.

Behalte deine professionelle Haltung unbedingt bei, bis du das Firmengebäude komplett verlassen hast. Steh ruhig auf, sammle deine Unterlagen entspannt zusammen und verabschiede dich mit einem festen (aber nicht knochenbrechenden) Händedruck und direktem Blickkontakt. Oft wird auf dem Weg zur Tür oder im Fahrstuhl noch klassischer Smalltalk geführt – wer hier aufrecht und lächelnd bleibt, festigt den kompetenten Eindruck der vergangenen Stunde.

FAQs zum Thema Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Was mache ich gegen einen roten Kopf oder Flecken am Hals?

Stressflecken (Hektikflecken) sind eine völlig normale körperliche Reaktion auf Adrenalin und lassen sich kaum unterdrücken. Das Wichtigste: Sprich es nicht an und versuche nicht, es krampfhaft mit den Händen zu verdecken. Personaler kennen dieses Phänomen. Wenn du dich modisch damit wohlfühlst, kann ein Halstuch, ein leichter Schal oder ein Hemdkragen helfen, die Flecken etwas zu kaschieren.

Wie stark darf mein Händedruck sein?

Die goldene Mitte ist entscheidend. Ein schlaffer, feuchter Händedruck (der sprichwörtliche tote Fisch) wirkt extrem unsicher. Ein Schraubstock-Griff, der dem Gegenüber die Finger quetscht, wirkt dominant und unhöflich. Reiche die Hand senkrecht, greife fest zu und schüttle die Hand maximal ein- bis zweimal leicht, während du lächelst und in die Augen schaust.

Was tue ich gegen extrem schwitzige Hände vor der Begrüßung?

Ein alter Trick: Wasche dir auf der Firmentoilette kurz vor dem Gespräch die Hände mit sehr kaltem Wasser, das zieht die Poren zusammen. Trockne sie danach extrem gründlich ab. Stecke zudem ein Papiertaschentuch in deine Hosen- oder Jackentasche. Kurz bevor du den Raum betrittst, kannst du die Hand in der Tasche unauffällig daran abtrocknen.

Darf ich mich während des Gesprächs anders hinsetzen?

Absolut! Du bist keine Statue. Wenn das Gespräch 45 Minuten dauert, ist es völlig normal und sogar gesund, die Sitzposition zwischendurch leicht zu verändern. Wer starr in einer Position verharrt, wirkt unnatürlich angespannt. Verlagere dein Gewicht ruhig mal oder wechsle das überschlagene Bein, tue dies aber ruhig und nicht hektisch wippend.

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