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Erholung am Wochenende finden: Finde den Reset-Knopf!

Das Wochenende steht vor der Tür, aber dein Kopf läuft noch im Arbeitsmodus? Wenn du Erholung am Wochenende finden willst, ohne gleich in eine Wellness-Oase zu flüchten, geht es vor allem um clevere Grenzen, kleine Rituale und realistische Erwartungen – mitten in einem Alltag mit Handy, Familienchat und To-do-Liste.

Wenn Samstagmorgen schon wieder to-do nach to-do ruft

Der Wecker klingelt zwar nicht, aber du bist trotzdem früh wach. Auf dem Nachttisch vibriert das Smartphone, im Kopf laufen schon Mails, Kindergeburtstag, Wäsche, Wocheneinkauf. Rein objektiv hast du zwei freie Tage. Innerlich fühlt es sich aber eher nach einer anderen Art von Schichtdienst an.

Genau hier entsteht das Grundproblem: Dein Körper sitzt auf dem Sofa, aber dein Kopf hängt noch im Wochenrückblick. Erholung scheitert selten daran, dass zu wenig Zeit da wäre, sondern daran, dass du innerlich nicht runterkommst. Psycholog:innen sprechen von „psychologischer Distanzierung“ – also dem inneren Abkoppeln von der Arbeit.[1]

Ich hatte das lange perfektioniert: Samstagvormittag „nur kurz“ die Mails checken, schnell noch was am Konzept ändern, Sonntagabend den Kalender für die nächste Woche durchgehen. Bis ich gemerkt habe, dass ich montags genauso platt war wie donnerstags. Erholung am Wochenende findet dann faktisch nicht statt, auch wenn du theoretisch frei hast.

Warum echte Erholung am Wochenende so schwer fällt

Wenn du das Gefühl hast, am Sonntagabend eher erschöpfter als ausgeruhter zu sein, liegst du leider im Trend. Studien zu sogenannter „Leisure Sickness“ zeigen, dass fast ein Fünftel der Berufstätigen regelmäßig an freien Tagen Krankheitssymptome verspürt – vom Dauermüde-Gefühl bis zu Kopfschmerzen und Erkältung.[2]

Die Gründe dafür sind komplex, aber ein paar Muster tauchen in der Forschung immer wieder auf:

  • Du bist auch am Wochenende innerlich bei unerledigten Aufgaben, anstatt geistig abzuschalten.
  • Dein Smartphone hält dich ständig in Bereitschaft – Mails, Messenger, Social Media, alles in einer Tasche.
  • Freie Zeit wird so voll geplant, dass kein echter Leerlauf mehr übrig bleibt.

Das Stressor-Detachment-Modell der Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag beschreibt genau diesen Zusammenhang: Hohe Arbeitsbelastung erschwert das Abschalten, und mangelnde Distanz zur Arbeit verschlechtert dein Wohlbefinden – selbst dann, wenn du objektiv frei hast.[1]

Dazu kommt unsere digitale Gewohnheit. Aktuelle Untersuchungen zu Smartphone-Pausen zeigen, dass schon ein reduzierter Konsum von mobilen Angeboten über einige Wochen Stress senken und das Wohlbefinden steigern kann.[3] Wenn dein Handy also der ständige Türsteher zwischen dir und deiner Ruhezeit ist, lohnt es sich, genau dort anzusetzen.

Erholung am Wochenende finden: zuerst Grenzen ziehen

Bevor es um Yoga, Spaziergänge oder Serien geht, steht eine eher unspektakuläre Aufgabe an: klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Wochenende definieren. Ohne diesen „Rahmen“ wird alles andere zum Flickenteppich.

Arbeitsgedanken parken – statt sie mit ins Bett zu nehmen

Ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt: Mach dir am Freitag eine Mini-Übergabe an dich selbst. Schreib auf, was offen ist, was du delegiert hast und womit du Montag beginnst. Das nimmt deinem Gehirn den Job, alles übers Wochenende im Kurzzeitgedächtnis festhalten zu müssen.

Viele Beschäftigte berichten, dass ihnen genau diese Form von innerem Feierabend hilft, gedanklich loszulassen.[1] Statt diffusem Grübeln hast du eine konkrete Liste. Wichtig ist: Die Liste gehört danach in die Tasche oder in die Schublade, nicht mit aufs Sofa.

Handy-Regeln, die du wirklich einhalten kannst

Du musst nicht gleich ins Waldkloster ziehen, um digital etwas Abstand zu bekommen. Realistischer ist eine „light“-Variante, die zu deinem Leben passt. Zum Beispiel:

Lege zwei Handyfenster fest: vielleicht Samstag vormittags eine halbe Stunde und Sonntagabend kurz, um die Woche zu sortieren. Der Rest der Zeit: Flugmodus, Schublade, anderer Raum. Gerade wenn du beruflich viel am Bildschirm hängst, wirkt es fast absurd wohltuend, das Gerät wirklich mal nicht in Reichweite zu haben.

Aus arbeitspsychologischer Sicht lohnt sich dieser Schritt enorm: Je weniger du in deiner freien Zeit erreichbar bist, desto besser gelingt die Erholung – das zeigt ein Forschungsüberblick der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur ständigen Erreichbarkeit.[1][4]

Welcher Erholungstyp passt zu dir – und was dir wirklich gut tut

Ein Grund, warum viele nach dem Wochenende nicht erfrischt sind: Sie orientieren sich an irgendwelchen Idealbildern. Der eine schwört auf lange Läufe, die andere auf Netflix-Marathons. Erholung funktioniert aber sehr unterschiedlich – je nachdem, wie deine Woche aussieht.

Aktiv, ruhig, sozial, kreativ: Misch dich ruhig

Forschung wie das Effort-Recovery-Model zeigt, dass sich der Körper am besten erholt, wenn du in der freien Zeit andere Ressourcen nutzt als im Job.[5] Sitzt du unter der Woche viel am Schreibtisch, darf dein Wochenende körperlicher sein; bist du dauernd im Kundenkontakt, kann Rückzug hilfreich sein.

Zur Orientierung kannst du dir vier grobe Erholungsrichtungen anschauen:

  1. Bewegung (Wandern, Radfahren, Tanzen) – hilft, Stresshormone abzubauen und macht den Kopf frei.
  2. Ruhe (lesen, Musik hören, einfach liegen) – gibt deinem Nervensystem die Chance, runterzufahren.
  3. Kontakt (Freunde treffen, Familie, gemeinsames Kochen) – füllt dein soziales Konto, wenn du dich die Woche über eher einsam fühlst.
  4. Kreatives (Malen, Werkeln, Kochen, Schreiben) – lässt dich etwas tun, bei dem Ergebnis und Prozess in deiner Hand liegen.

Du musst dich nicht entscheiden. Ein Samstag mit Spaziergang und abends Sofa und ein Sonntag mit Kaffee bei Freund:innen kann schon eine gute Mischung sein. Entscheidend ist, dass sich deine Aktivitäten nicht wie eine zweite To-do-Liste anfühlen.

Mini-Routinen für zwei Tage, die sich nach Pause anfühlen

Große „Ich-stelle-alles-auf-den-Kopf“-Pläne scheitern oft an der Realität. Besser sind kleine Rituale, die sich leicht einbauen lassen und sich im Laufe der Zeit fast automatisch anfühlen.

Freitagabend: einen klaren Schnitt machen

Statt aus dem Laptop direkt in den Wäschekorb zu fallen, lohnt sich ein kurzer Übergangsritus. Das kann ein Spaziergang um den Block sein, eine Dusche oder ein bewusstes Aufräumen des Schreibtisches zu Hause. Dein Gehirn liebt solche Marker: „Ab jetzt ist Wochenende.“

Ich habe mir angewöhnt, freitagabends eine Kerze auf dem Esstisch anzuzünden, Handy wegzupacken und wirklich einmal tief durchzuatmen. Klingt unspektakulär, aber genau diese Wiederholung macht den Unterschied.

Samstag: einen Kernmoment festlegen

Statt alles gleichzeitig zu wollen, such dir eine Sache aus, die dein Samstag tragen soll. Vielleicht Frühstück auf dem Balkon, ein längerer Spaziergang, ein Sporttermin oder zwei Stunden Basteln mit den Kindern. Wenn du einen Kernmoment hast, fühlt sich der Tag weniger zerrissen an.

Der Rest darf dann ruhig unspektakulär sein. Es ist völlig in Ordnung, zwischendurch einfach zu bummeln, die Spülmaschine auszuräumen oder kurz zu dösen. Erholung heißt nicht, dass jede Minute „perfekt genutzt“ sein muss.

Sonntag: Vorbereitung ohne inneren Stress

Viele berichten vom berühmten „Sonntagabend-Kloß im Bauch“. Da hilft eine Mischung aus Vorbereitung und Grenzen: kurz Kalender checken, Tasche packen, Kleidung rauslegen – und dann bewusst etwas Nettes machen. Ein warmes Bad, ein Telefonat mit einer vertrauten Person oder ein kurzes Journal für die kommende Woche.

Wichtig bleibt: Beende den Sonntag mit etwas, das dir gut tut – nicht mit der letzten Mail. Sonst nimmst du die Unruhe direkt mit in die Nacht.

Digital Detox light: Erholung am Wochenende finden ohne permanenten Scroll-Daumen

Hand aufs Herz: Wie oft greifst du am Wochenende zum Smartphone, ohne zu wissen, warum? Genau das zieht viel Energie, die du eigentlich für Erholung brauchen könntest. Studien zu digitaler Auszeit zeigen, dass schon zwei Wochen mit deutlich weniger mobilem Internet das Wohlbefinden verbessern können – inklusive besserem Schlaf.[3]

Bildschirmzeit bewusst deckeln

Du musst nicht komplett offline gehen, aber du kannst deine Screentime am Wochenende bewusst begrenzen. Viele Geräte bieten dir inzwischen eine Übersicht deiner Nutzungsdauer – oft erschreckt schon der Blick auf die Zahl.

Ein realistischer Anfang kann so aussehen: Social Media nur zu zwei festen Zeiten, Nachrichtenblock statt Dauerscrollen, ab einer bestimmten Uhrzeit Flugmodus. Je klarer deine eigenen Regeln sind, desto weniger verhandelst du mit dir – und desto mehr Platz entsteht für analoge Sachen, die dich wirklich runterbringen.

Bewusst wählen, womit du dich berieseln lässt

Auch Inhalte machen einen Unterschied. True-Crime-Dokus oder hektische Reels vor dem Schlafen sind nicht gerade das, was dein Nervensystem braucht. Vielleicht tut dir eine entspannte Serie, ein Podcast über ein Hobby oder Musik besser.

Ein Vorschlag für deine nächste freie Stunde: Leg das Handy in einen anderen Raum, stell dir einen Timer auf 30 Minuten und mach genau eine Sache: lesen, malen, Nähen, Gitarre, Lego bauen – irgendetwas, das dich interessiert. Diese Art von fokussierter Tätigkeit entspannt deutlich stärker als paralleles Doppel- und Dreifachscrollen.

Lesetipp Digital Detox: So klappt es im Alltag
Die ständige Erreichbarkeit führt oft zu Stress und Ablenkung. Bewusste Pausen vom Bildschirm helfen, den Fokus wiederzufinden. Konkrete Digital Detox Tipps, vom Abschalten der Push-Nachrichten bis zu handyfreien Zonen, ermöglichen mehr Gelassenheit im Alltag.

Wenn die zwei Tage einfach nicht reichen

Manchmal merkst du trotz aller guten Routinen: Es reicht nicht. Du schläfst schlecht, bist dauernd gereizt, wirst am ersten Urlaubstag krank oder zählst die Stunden bis zum nächsten Feiertag. In der Forschung spricht man davon, dass längerfristig fehlende Erholung die Gesundheit belastet – körperlich und psychisch.[2][5]

Dann geht es nicht mehr nur darum, das Wochenende ein bisschen netter zu strukturieren, sondern genauer hinzuschauen: Arbeitsbelastung, Care-Arbeit, finanzielle Sorgen, Pflege von Angehörigen – vieles davon lässt sich nicht mit einem Spaziergang heilen.

Wann du Hilfe holen solltest

Wenn du über Wochen das Gefühl hast, am Limit zu sein, ständig müde bist, dich kaum erholen kannst oder sich körperliche Beschwerden häufen, ist das ein Signal, das du ernst nehmen solltest. Ein Gespräch mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, mit einer psychologischen Beratungsstelle oder mit dem Betriebsarzt kann ein erster Schritt sein.

Erholung ist kein Luxus, den man sich „verdienen“ muss, sondern eine Voraussetzung dafür, dass du langfristig gesund und arbeitsfähig bleibst. Genau das betonen auch arbeitspsychologische Empfehlungen: Gute Arbeit braucht gute Erholung – nicht nur im Urlaub, sondern jede Woche.[1][5]

Erholung am Wochenende finden: klein anfangen, dranbleiben

Du musst dein komplettes Leben nicht in einem Wochenende umkrempeln. Sinnvoller ist es, zwei oder drei Punkte aus diesem Text herauszugreifen und sie ein paar Wochen auszuprobieren. Vielleicht ist es die klare Handyregel, die kleine Freitagsritual, eine feste Spaziergangrunde oder ein Sonntagabend ohne Bildschirm.

Mit der Zeit merkst du, was dir wirklich hilft. Erholung am Wochenende finden heißt nicht, alles perfekt zu machen, sondern dir regelmäßig kleine Inseln im Dauerrauschen zu schaffen. Und wenn du montags ab und zu feststellst, dass du nicht komplett ausgelaugt bist, sondern einen Hauch mehr Luft hast als früher, bist du auf einem sehr guten Weg.

Quellen

  1. Mentale Erholung von der Arbeit: Abschalten lernen (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, abgerufen am 27.11.2025)
  2. Leisure Sickness: Erschöpft statt erholt (WELT / IU Internationale Hochschule, abgerufen am 27.11.2025)
  3. Psychologie: Urlaub vom Smartphone hilft (Deutschlandfunk Nova, abgerufen am 27.11.2025)
  4. Stressfaktor Smartphone: Erreichbarkeit in der Freizeit (Hans-Böckler-Stiftung, abgerufen am 27.11.2025)
  5. Wie erhole ich mich richtig? Neue Erkenntnisse zu guten Pausen (TU Dresden, abgerufen am 27.11.2025)

FAQs zum Thema Erholung am Wochenende finden

Warum bin ich am Wochenende oft kränker oder müder als unter der Woche?

Das Phänomen, an freien Tagen krank zu werden, wird in Studien „Leisure Sickness“ genannt.[2] Wenn du über längere Zeit auf „Durchhalten“ gestellt bist, schaltet der Körper in der Ruhephase von Alarm- auf Reparaturmodus – und genau dann spürst du Erschöpfung und Infekte stärker. Mittel- bis langfristig helfen dir regelmäßigere Erholung im Alltag, klarere Grenzen und gelegentlich auch ein medizinischer Check, wenn du merkst, dass es immer wieder passiert.

Reicht ein Wochenende pro Woche überhaupt, um Erholung zu finden?

Ein Wochenende ersetzt keinen Urlaub, aber es kann sehr viel abfedern, wenn du es bewusst gestaltest. Aus der Erholungsforschung weiß man, dass schon kurze, regelmäßige Pausen viel bringen – besser als wenige, dafür riesige Auszeiten.[1][5] Wenn du schrittweise mehr Distanz zur Arbeit schaffst, Bildschirmzeiten reduzierst und dir kleine Rituale baust, wird der Erholungseffekt mit der Zeit spürbarer.

Wie kann ich Erholung am Wochenende finden, wenn ich Familie habe und ständig etwas los ist?

Gerade mit Familie ist das Wochenende selten Wellnesslandschaft. Trotzdem kannst du kleine Stellschrauben drehen: kurze Zeitfenster nur für dich einplanen, Aufgaben gerechter verteilen, nicht jeden Nachmittag vollverplanen. Oft hilft es, offen zu sagen, dass du bestimmte Stunden brauchst, um deine Energie zu halten – am Ende haben alle etwas davon, wenn du nicht komplett ausgebrannt bist.

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