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Stromwärme richtig vergleichen

Heizen mit Strom: Direktheizung oder Wärmepumpe?

Zuletzt aktualisiert am

Heizen mit Strom kann bedeuten, dass ein Heizlüfter morgens zehn Minuten das Bad wärmt. Es kann aber auch eine Wärmepumpe sein, die ein ganzes Haus versorgt. Beide Systeme brauchen Strom, bei Verbrauch und laufenden Kosten sind sie trotzdem kaum vergleichbar.

Für kurze Zusatzwärme kann eine Direktheizung praktisch sein. Soll ein ganzes Gebäude dauerhaft beheizt werden, zählt dagegen, wie viel Wärme aus jeder eingesetzten Kilowattstunde Strom entsteht und wie hoch der Wärmebedarf des Hauses überhaupt ist.

Direktheizung und Wärmepumpe arbeiten grundverschieden

Heizlüfter, Elektroradiator, Infrarotheizung und elektrische Fußbodenheizung zählen zu den Stromdirektheizungen. Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht am Gerät ungefähr eine Kilowattstunde Wärme. Eine Wärmepumpe nutzt den Strom dagegen als Antrieb und holt zusätzliche Wärme aus Luft, Erdreich oder Wasser. Die Verbraucherzentrale trennt diese Systeme deshalb wirtschaftlich sehr deutlich voneinander.[1]

System Typischer Einsatz Was beim Verbrauch zählt
Heizlüfter kurze Zusatzwärme in kleinen Bereichen hohe Leistung, meist kurze Laufzeit
Elektroradiator einzelne Räume oder Übergangszeiten Direktstrom wird zu Raumwärme
Infrarotheizung gezielte Strahlungswärme kein grundsätzlich höherer Umwandlungswirkungsgrad als andere Direktheizungen
Elektrische Fußbodenheizung kleine Flächen oder passend geplante Gebäude Laufzeit und Wärmebedarf bestimmen die Kosten
Wärmepumpe Raumheizung und oft Warmwasser nutzt zusätzlich Umweltwärme

So rechnest du die Kosten einer Direktheizung

Bei einem mobilen Heizgerät ist die Rechnung einfach. Du brauchst die Leistung in Kilowatt, die tatsächliche Laufzeit und deinen Strompreis:

Leistung in kW x Betriebsstunden x Strompreis pro kWh = Stromkosten

Ein Heizlüfter mit 2 Kilowatt Leistung verbraucht bei einer Stunde durchgehendem Betrieb rechnerisch 2 Kilowattstunden. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde wären das 70 Cent. Vier Stunden bei voller Leistung ergeben 2,80 Euro.

Ein Thermostat kann die tatsächliche Laufzeit verkürzen. Die Nennleistung auf dem Typenschild ist deshalb nicht automatisch der Tagesverbrauch. Wenn du wissen willst, was ein Gerät bei dir tatsächlich zieht, ist eine Messung über einen geeigneten Energiekostenmesser aussagekräftiger als eine allgemeine Kostentabelle.

Wann passt eine Stromdirektheizung?

Direktwärme kann sinnvoll sein, wenn ein Raum nur selten genutzt wird oder für kurze Zeit zusätzliche Wärme gebraucht wird. Typische Beispiele sind ein Badezimmer am Morgen, ein kleiner Hobbyraum oder eine Übergangsphase, in der die eigentliche Heizung noch nicht laufen soll.

Die Verbraucherzentrale sieht elektrische Direktheizungen ebenfalls eher als punktuelle Lösung und nicht als pauschal günstigen Ersatz für eine dauerhafte Gebäudeheizung.[1]

Wenn eigentlich nur die Person auf dem Sofa friert, kann außerdem eine deutlich kleinere elektrische Wärmequelle reichen. Unser Beitrag zeigt beispielsweise, was eine Heizdecke pro Abend an Strom kostet. Sie ersetzt keine Raumheizung, braucht aber erheblich weniger Anschlussleistung als ein 2.000-Watt-Heizlüfter.

Infrarotheizung spart nicht automatisch Strom

Infrarotheizungen geben einen größeren Teil ihrer Wärme als Strahlung ab. Menschen und Oberflächen im Strahlungsbereich können sich dadurch angenehm warm anfühlen, auch wenn die Raumluft nicht so stark erwärmt wurde.

Bei der reinen Umwandlung von Strom in Wärme entsteht daraus aber kein grundsätzlicher Verbrauchsvorteil gegenüber anderen Direktheizungen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Heizlüfter, Radiatoren und Infrarotheizungen für eine Kilowattstunde Wärme grundsätzlich ungefähr eine Kilowattstunde Strom benötigen.[1]

Ob Infrarot in einem konkreten Raum trotzdem sinnvoll ist, hängt vom Nutzungsprofil ab. Ein punktuell beheizter Arbeitsplatz ist eine andere Aufgabe als ein schlecht gedämmtes Haus, das rund um die Uhr warm bleiben soll.

Was gilt 2026 beim Heizungstausch?

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das geänderte Gebäudemodernisierungsgesetz. Die zuvor einheitlich formulierte 65-Prozent-Anforderung für neue Heizungen ist entfallen. Die Bundesregierung beschreibt die neue Regelung als technologieoffener und nennt unter anderem Wärmepumpen sowie weiterhin Gas- und Ölheizungen als mögliche Optionen.[2]

Im Gesetz selbst führt § 42 für den Ersatz einer Heizungsanlage verschiedene Möglichkeiten auf. Dazu gehören unter anderem Wärmepumpe, Wärmenetz, Biomasse, Gas- und Ölheizung sowie Stromdirektheizung.[3]

Das ist keine Empfehlung, jede dieser Techniken einzubauen. Bei einer neuen Hauptheizung gehören Wärmebedarf, Gebäudezustand, Heizflächen, Investitionskosten und laufende Energiekosten zusammen auf den Tisch.

Welche Stromheizung wird gefördert?

Die aktuelle Bundesförderung für effiziente Gebäude fördert unter anderem Wärmepumpen. Stromdirektheizungen sind als normale Heizungseinzelmaßnahme dagegen nicht förderfähig; für bestimmte Strahlungsheizungen in Nichtwohngebäuden ist eine gesonderte Ausnahme angekündigt.[4]

Für ein Wohnhaus solltest du deshalb nicht aus der bloßen Zulässigkeit einer Technik auf eine Förderung schließen. Förderbedingungen ändern sich außerdem. Vor einer größeren Investition gehört die aktuelle Förderseite von KfW beziehungsweise Bundeswirtschaftsministerium zur Planung.

Was bedeutet die Netzsteuerung bei Wärmepumpen?

Neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit mehr als 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung fallen seit 2024 grundsätzlich unter die Regelungen nach § 14a EnWG. Die Bundesnetzagentur nennt Wärmepumpen ausdrücklich als typische betroffene Anlagen.[5]

Der Netzbetreiber kann die Leistung bei einer konkreten lokalen Überlastung zeitweise reduzieren. Eine Mindestleistung bleibt dabei verfügbar; im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte.[5]

Das betrifft die entsprechend angeschlossene Wärmepumpe, nicht den kleinen Heizlüfter, den du im Wohnzimmer in eine normale Steckdose steckst.

Starke Heizgeräte gehören nicht an jede Steckdosenleiste

Ein Heizgerät mit 2.000 Watt belastet eine Steckdose deutlich stärker als Laptop oder Lampe. Mehrfachsteckdosen haben eine maximale Gesamtleistung, die nicht überschritten werden darf. Der VDE warnt ausdrücklich vor überlasteten Steckdosenleisten und nennt Überhitzung und Brand als mögliche Folge.[6]

Verschmorter Geruch ist ein Stoppsignal

Wird Stecker, Leitung oder Steckdose auffällig heiß, verfärbt sich oder riecht verschmort, nimm das Heizgerät nicht weiter in Betrieb. Beschädigte elektrische Geräte und Installationen gehören geprüft, nicht mit höherer Heizstufe weiterbetrieben.[6]

Auch Abstand zu Vorhängen, Möbeln, Decken und anderen brennbaren Materialien gehört dazu. Welche Abstände und Aufstellorte erlaubt sind, steht in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Geräts.

PV-Strom macht Direktheizung nicht automatisch günstig

Eine Photovoltaikanlage kann natürlich Strom für eine Heizung liefern. Im Winter ist der Wärmebedarf aber besonders hoch, während die PV-Erzeugung oft niedriger ausfällt als in sonnigen Monaten.

Bei einer Direktheizung bleibt aus einer Kilowattstunde eigenem Strom ungefähr eine Kilowattstunde Wärme. Eine Wärmepumpe kann dieselbe elektrische Energie zusammen mit Umweltwärme für deutlich mehr Heizwärme nutzen.

Für die Wirtschaftlichkeit zählen deshalb Eigenverbrauch, Speicher, Gebäudebedarf und Heiztechnik gemeinsam. Der Satz „Ich habe PV, also kostet mich die Elektroheizung nichts“ greift zu kurz.

Für die Entscheidung zählt der Wärmebedarf

Ein Gerät für zehn Minuten Badwärme muss nicht nach denselben Kriterien ausgewählt werden wie die neue Hauptheizung eines Hauses. Bei der kleinen Zusatzheizung reichen Leistung, Laufzeit, Sicherheit und Strompreis als wichtigste Größen.

Bei einer dauerhaften Gebäudeheizung wird die Rechnung größer: Heizlast, Dämmung, Warmwasser, Heizflächen, Netzanschluss und Investitionskosten gehören dazu. Für den Gesamtblick auf elektrische Verbraucher hilft auch unser Ratgeber zum Stromverbrauch im Haushalt.

Unterm Strich ist „Heizen mit Strom“ deshalb keine einzelne Technik. Ein Heizlüfter kann für eine halbe Stunde sinnvoll sein und als Dauerheizung teuer werden. Eine Wärmepumpe kostet mehr in der Anschaffung, nutzt den eingesetzten Strom aber völlig anders.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale Energieberatung: Elektrische Direktheizung (abgerufen am 29.10.2026)
  2. Bundesregierung: Neues Gebäudemodernisierungsgesetz seit 29. Juli 2026 (abgerufen am 29.10.2026)
  3. Bundesministerium der Justiz: Gebäudemodernisierungsgesetz, § 42 (abgerufen am 29.10.2026)
  4. Bundeswirtschaftsministerium: Förderung beim Heizungstausch (abgerufen am 29.10.2026)
  5. Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen und Wärmepumpen (abgerufen am 29.10.2026)
  6. VDE: Elektrogeräte im Alltag sicher betreiben (abgerufen am 29.10.2026)
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Verfasst von

Joachim Rügg

Joachim schreibt über Internet, Technik und praktische Lösungen rund ums Zuhause. Außerdem gehören gutes Essen, Grillen und kleinere Reparaturen zu seinen Themen.

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