Manchmal passiert es ganz nebenbei: Du schaust eine Serie, die Story zieht dich rein – und plötzlich ist da diese eine Straße, dieses Café, diese Küste im Abendlicht. Nicht mal, weil es „berühmt“ ist. Sondern weil du es schon kennst, ohne je dort gewesen zu sein. Genau an diesem Punkt fängt Setjetting an.
Was ist Setjetting?
Setjetting (auch „Set-Jetting“) bedeutet, dass du gezielt zu Drehorten von Filmen oder Serien reist – also dorthin, wo Szenen tatsächlich entstanden sind. Im Kern ist es Filmtourismus, nur persönlicher: Du willst nicht „irgendeine schöne Stadt“ sehen, sondern genau den Ort erleben, der sich beim Schauen in deinem Kopf festgesetzt hat.[1]
Das kann ein weltbekanntes Wahrzeichen sein, das du plötzlich mit einer Szene verbindest. Es kann aber genauso gut eine unspektakuläre Treppe sein, an der in deiner Lieblingsserie immer wieder Gespräche stattfinden. Setjetting ist damit weniger „klassisches Sightseeing“ – und mehr ein Mix aus Nostalgie, Neugier und dem Wunsch, Fiktion kurz in die Realität zu ziehen.
Warum zieht uns das so an?
Das Spannende ist: Drehorte fühlen sich oft vertraut an, obwohl du dort neu bist. Dein Gehirn hat diesen Platz bereits mit Emotionen „markiert“ – mit Spannung, Trost, Gänsehaut, Liebeskummer oder diesem wohlig-leichten Seriengefühl nach einem langen Tag.
Viele erleben Setjetting deshalb nicht als Checkliste, sondern als Stimmungssuche. Du willst nicht nur ein Foto, du willst dieses „Ich bin wirklich hier“-Gefühl. Und ja: Ein Foto gehört meistens dazu. Nur ist es selten der eigentliche Grund.
Was Setjetting von normalem Reisen unterscheidet
Beim normalen Reisen ist der Ort der Star. Beim Setjetting ist oft die Szene der Star – und der Ort bekommt dadurch eine zweite Ebene. Das merkt man besonders, wenn du an einem Platz stehst und plötzlich siehst, wie „Film“ gemacht wird: Perspektiven, Bildausschnitte, Tricks mit Licht oder CGI. Der Ort ist real – aber die Wirkung war inszeniert.
Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Viele finden genau das faszinierend. Du siehst die Welt einmal durch die Kamera – und einmal ohne.
So planst du Setjetting, ohne dich zu verrennen
Die Planung macht bei Setjetting einen großen Unterschied, weil Drehorte nicht immer klar ausgeschildert sind – und weil manche Orte empfindlich sind (Natur, kleine Wohnstraßen, Privatgrundstücke). Am besten funktioniert es, wenn du dir zuerst ein Gefühl dafür holst, welche Art Trip du willst: „ein Highlight“ oder „eine Route mit mehreren Spots“.
Diese Schritte helfen in der Praxis fast immer:
Wenn du eine kleine Drehort-Liste anlegen willst, klappt das am zuverlässigsten so:
- Such dir 3–6 Szenen aus, die du wirklich liebst – nicht 30, sonst wird’s nur Stress.
- Prüf pro Ort kurz: öffentlich zugänglich, Eintritt/Öffnungszeiten, aktuelle Situation (Umbau, Sperrung, Saison).
- Leg dir Vergleichsbilder ab (Screenshot + Street View), damit du vor Ort nicht ewig rätseln musst.
- Plan Puffer ein – manche Orte wirken erst, wenn du ohne Eile ankommst.
Der beste Setjetting-Trip ist nicht der, bei dem du am meisten abhaken kannst, sondern der, bei dem du Luft für „ach krass…“ hast.
Tools, die wirklich helfen (ohne Nerd-Level 3000)
Du musst nicht stundenlang Frame-by-Frame vergleichen – kannst du, wenn du willst, aber musst du nicht. Für die meisten Trips reichen Drehort-Datenbanken, Kartenfunktionen und ein bisschen gesunder Zweifel.
Praktisch sind:
- Drehort-Datenbanken und Fan-Wikis für exakte Straßennamen (plus Hinweise, ob etwas Studio-Set war).
- Kartenlisten, die Drehorte direkt in einer City mappten, damit du Wege bündelst.
- Vor-Ort-Bilder anderer Reisender, um zu checken, wie es aktuell aussieht.
Und dann gilt: Wenn du vor Ort merkst, dass der Spot „in echt“ unspektakulär ist – nimm das nicht als Niederlage. Manchmal ist genau das der witzige Teil: Du stehst in einer ganz normalen Ecke, und in deinem Kopf läuft plötzlich die Szene ab.
Respekt am Drehort: Das entscheidet, ob Setjetting sympathisch bleibt
Setjetting hat eine Schattenseite: Manche Orte werden überrannt, Anwohner genervt, Natur beschädigt – und aus einem besonderen Platz wird eine Kulisse mit Gedränge. Dubrovnik ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie stark Serienruhm Besucherströme verstärken kann, inklusive Diskussionen über Limits und Belastung für die Altstadt.[4]
Daher ist die wichtigste Regel nicht „Wie finde ich den Spot?“, sondern: „Wie verhalte ich mich dort?“
Damit Setjetting für alle funktioniert, helfen diese Basics:
- Bleib auf öffentlichen Wegen – auch wenn der perfekte Winkel „da drüben“ wäre.
- Fotografiere respektvoll: keine Fenster, keine Vorgärten, keine Menschen ungefragt als Statisten.
- Kein Müll, kein Klettern, kein „kurz mal anfassen“ an empfindlichen Orten.
- Wenn ein Ort klein ist: komm lieber früh oder außerhalb der Peak-Zeiten.
Kurz zu Privatgrundstücken
Viele ikonische Drehorte sind ganz normale Wohnhäuser. Für Setjetting reicht meist der Blick von der Straße. Wenn etwas klar privat wirkt, ist das kein „Challenge-Modus“, sondern eine Grenze.
Wenn es richtig gut werden soll: Setjetting mit Mehrwert
Der Trip wird oft dann besonders, wenn du ihn nicht nur als „Kulissenjagd“ planst, sondern als Reise mit Kontext. Ein Drehort ist schließlich nicht nur Film – er ist auch Stadt, Region, Geschichte, Alltag.
Das klappt gut, wenn du Drehorte mit Dingen kombinierst, die sowieso Spaß machen:
- Ein Drehort als Startpunkt für einen Spaziergang durch ein Viertel, statt nur „hin und weg“.
- Ein Café aus der Serie plus Marktbesuch in der Nähe, damit es nicht nur beim Foto bleibt.
- Ein Naturspot als Teil einer kleinen Wanderung, nicht als „Parkplatz-Foto“.
- Ein Museumsbesuch oder eine lokale Führung, um zu verstehen, warum genau dort gedreht wurde.
Das ist auch der Punkt, an dem Setjetting weniger oberflächlich wirkt – weil du nicht nur reproduzierst, sondern wirklich erlebst.
Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich Setjetting sein kann
Manche Drehorte sind inzwischen so etabliert, dass du sie wie eine Attraktion besuchen kannst – inklusive Touren, Café, Shop und klarer Besucherführung. Hobbiton in Neuseeland ist so ein Fall: stark kuratiert, sehr beliebt, und genau deshalb auch gut steuerbar.[3]
Andere Orte sind das Gegenteil: ein kurzer Moment in einer Seitenstraße, der nur für dich Bedeutung hat. Und beides ist okay. Setjetting muss nicht „groß“ sein. Es reicht, wenn es sich für dich groß anfühlt.
Wie beliebt ist Setjetting inzwischen?
Dass das Thema so oft auftaucht, liegt nicht nur an TikTok & Co. Tourismusorganisationen und Branchenberichte beobachten seit Jahren, dass Film- und Serieninhalte Reiseentscheidungen messbar beeinflussen – gerade seit Streaming Serien global gleichzeitig groß machen kann.[2]
Das ist Fluch und Segen: Es bringt Geld in Regionen, kann aber auch Orte überfordern. Deshalb lohnt sich beim Planen immer ein Blick darauf, ob dein Spot empfindlich ist – und wie du ihn so besuchst, dass er auch in zehn Jahren noch funktioniert.
Quellen
- Collins Dictionary: „Set-jetting“ (Definition) (abgerufen am 09.01.2026)
- Screen Daily: Set-jetting, Film-Tourismus und Overcrowding (mit Verweisen auf Tourismusforschung) (abgerufen am 09.01.2026)
- Hobbiton Movie Set Tours: Offizielle Informationen (The Shire’s Rest / Besuch & Buchung) (abgerufen am 09.01.2026)
- The Guardian: Overtourism u. a. in Dubrovnik (Kontext Serienruhm, Besucherzahlen, Maßnahmen) (abgerufen am 09.01.2026)
FAQs zum Thema Was ist Setjetting
Was ist Setjetting, einfach erklärt?
Setjetting bedeutet, dass du gezielt zu Drehorten von Filmen oder Serien reist, weil du diese Orte aus einer Szene kennst und sie in echt erleben möchtest. Es ist eine Form von Filmtourismus, bei der nicht „die Stadt an sich“, sondern der konkrete Drehort der Auslöser für die Reise ist.
Wie finde ich verlässlich heraus, wo eine Szene gedreht wurde?
Am zuverlässigsten sind Drehort-Datenbanken, offizielle Tourismus-Seiten (wenn der Ort damit wirbt) und gut gepflegte Fan-Wikis. Für knifflige Szenen hilft ein Screenshot-Vergleich mit Street View. Wenn du widersprüchliche Angaben findest, ist das oft ein Hinweis auf Studio-Sets oder zusammengeschnittene Locations.
Wie verhalte ich mich richtig, wenn ein Drehort in einer Wohngegend liegt?
Bei Drehorten in Wohngegenden gilt: auf öffentlichen Wegen bleiben, leise sein, keine Einfahrten blockieren und nicht in Fenster oder Gärten fotografieren. Für die Setjetting-Erfahrung reicht meist der Blick von der Straße. Wenn klar ist, dass etwas privat ist, ist das keine „Abkürzung“, sondern eine Grenze.
Welche Nachteile kann Setjetting für Orte haben?
Setjetting kann Besucherzahlen stark erhöhen und damit Lärm, Müll, Verkehr und Stress für Anwohner verursachen. In beliebten Spots kann es außerdem Natur und Bausubstanz belasten und dazu führen, dass sich Viertel stark auf Touristen ausrichten. Verantwortungsvolles Verhalten und gute Besucherlenkung vor Ort entscheiden, ob Setjetting ein Gewinn oder eine Belastung wird.