Das Bügeleisen blinkt, der Luftbefeuchter ist leer, und die fleischfressende Pflanze auf der Fensterbank verträgt keinen Kalk. Wer in solchen Momenten keinen Kanister mit destilliertem Wasser im Haus hat, greift oft aus Bequemlichkeit zum Wasserhahn – und ärgert sich Wochen später über verkalkte Düsen und weiße Ränder.
Dabei kannst du destilliertes Wasser mit Dingen, die du ohnehin in der Küche hast, einfach selbst herstellen. Das physikalische Prinzip dahinter ist erstaunlich einfach. In diesem Ratgeber zeigen wir dir die klassische Topf-Methode, erklären, warum sie dich eine Menge Strom kostet, und verraten dir einen genialen Haushalts-Trick, mit dem du das Wasser völlig kostenlos bekommst.
Das Prinzip: Wie aus Leitungswasser destilliertes Wasser wird
Normales Leitungswasser enthält neben H₂O auch gelöste Mineralien (wie Calcium und Magnesium, die wir als Kalk kennen) sowie kleinste Mengen an Salzen und organischen Stoffen. Um reines, destilliertes Wasser zu bekommen, müssen wir das Wasser von diesen Stoffen trennen.
Das funktioniert durch Erhitzen: Wenn Wasser kocht, steigt es als reiner Wasserdampf auf. Die schweren Mineralien und Salze können nicht verdampfen und bleiben im Topf zurück. Wenn wir diesen sauberen Wasserdampf nun wieder abkühlen, wird er wieder flüssig (er kondensiert). Diese aufgefangenen Tropfen sind das destillierte Wasser.
Die Anleitung: Die Topf-Methode Schritt für Schritt
Für diese Methode brauchst du kein Labor, sondern nur einen großen Kochtopf mit passendem Glasdeckel (wichtig: der Deckel muss gewölbt sein), eine kleinere, hitzebeständige Schale (z.B. aus Glas oder Edelstahl) und ein paar Eiswürfel.
- Stelle die kleine, hitzebeständige Schale genau in die Mitte deines großen Kochtopfs.
- Fülle nun normales Leitungswasser in den großen Topf. Das Wasser darf nur so hoch stehen, dass die kleine Schale im Inneren nicht anfängt zu schwimmen und kein Wasser über den Rand der Schale schwappen kann.
- Lege den Deckel des Topfes falsch herum (also mit dem Griff nach unten) auf den Topf.
- Schalte den Herd ein und bringe das Wasser langsam zum Kochen. Sobald es kocht, reduziere die Hitze so weit, dass das Wasser nur noch leicht simmert. Es darf nicht wild sprudeln, da sonst unsauberes Wasser in die Auffangschale spritzen könnte.
- Lege nun die Eiswürfel oder Kühlakkus von oben in die Kuhle des falsch herum liegenden Deckels.
- Der Wasserdampf steigt auf, trifft auf den eiskalten Deckel, kondensiert sofort zu Wassertropfen und läuft an der Wölbung des Deckels zur Mitte (zum Griff) hinab, wo die Tropfen genau in deine aufgestellte Schale fallen.
Lass das Wasser in der Schale nach dem Vorgang komplett abkühlen und fülle es dann durch einen sauberen Trichter in eine saubere, verschließbare Flasche um.
Die bittere Wahrheit: Warum sich das kaum lohnt
Die beschriebene Methode funktioniert physikalisch einwandfrei, hat aber im Alltag einen massiven Haken: Es ist extrem ineffizient und teuer.
Um auf diese Weise auch nur einen halben Liter destilliertes Wasser zu gewinnen, muss dein Herd teilweise über eine Stunde lang laufen. Rechnest du die Stromkosten für den Herd und das Einfrieren der Eiswürfel zusammen, ist der selbstgemachte halbe Liter oft teurer als ein ganzer 5-Liter-Kanister aus dem Baumarkt oder Drogeriemarkt (der dort meist unter 2 Euro kostet).
Die Topf-Methode ist also ein tolles Experiment für Kinder, um den Wasserkreislauf zu verstehen, oder eine echte Notlösung am Sonntagabend. Als regelmäßige Quelle für das Bügeleisen ist sie jedoch unwirtschaftlich.[1][3]
Der Geheimtipp: Kostenloses Wasser aus dem Wäschetrockner
Wenn du einen Kondenstrockner oder Wärmepumpentrockner besitzt, produzierst du bei jedem Waschgang literweise demineralisiertes Wasser, ohne es zu wissen! Das Wasser, das sich im Auffangbehälter deines Trockners sammelt, ist nichts anderes als die kondensierte Feuchtigkeit aus deiner Kleidung.
Es enthält absolut keinen Kalk mehr und eignet sich hervorragend für das Dampfbügeleisen oder zum Gießen empfindlicher Zimmerpflanzen. Du solltest das Trocknerwasser vor der Verwendung lediglich durch einen Kaffeefilter oder ein feines Sieb gießen, um winzige Textilflusen herauszufiltern. Für viele Haushaltsanwendungen ist das eine praktische und günstige Lösung. Für empfindliche technische oder medizinische Anwendungen ist das trotzdem keine sichere Universallösung.
Kann man destilliertes Wasser eigentlich trinken?
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, das Trinken von destilliertem Wasser sei tödlich, da es die Zellen im Körper zum Platzen bringen würde. Das ist ein Mythos. Wenn du aus Versehen ein Glas destilliertes Wasser trinkst, passiert dir gar nichts. Erst wenn du über Tage hinweg große Mengen davon trinkst (und gleichzeitig nichts isst), kann es zu einem gefährlichen Elektrolytmangel kommen, da dem Wasser wichtige Mineralien wie Natrium und Kalium fehlen.[4]
Beachte jedoch: Selbstgemachtes destilliertes Wasser (oder Wasser aus dem Trockner) ist im Haushalt nicht automatisch steril. Für medizinische Geräte, Kontaktlinsen oder Nasenduschen darfst du es nicht verwenden. Hierfür benötigst du steriles, medizinisches Wasser aus der Apotheke.[2]
Quellen
- EPA WaterSense: Guide to Selecting Water Treatment Systems (abgerufen am 01.04.2026)
- CDC: About Home Water Treatment Systems (abgerufen am 01.04.2026)
- klassewasser.de: Destilliertes Wasser (abgerufen am 01.04.2026)
- WHO: Health Risks from Drinking Demineralised Water (abgerufen am 01.04.2026)
FAQs zum Thema Destilliertes Wasser selber machen
Was ist der Unterschied zwischen destilliertem und demineralisiertem Wasser?
Destilliertes Wasser wird durch Verdampfen und anschließendes Kondensieren gewonnen, was sehr energieaufwendig ist. Das günstige Wasser aus dem Baumarkt ist meist „demineralisiertes Wasser“. Dieses wird durch spezielle Harzfilter oder Umkehrosmose von Mineralien befreit. Für den normalen Haushalt (Bügeleisen, Pflanzen, Scheibenwischeranlage) erfüllen beide Varianten genau denselben Zweck: Sie sind kalkfrei.
Kann ich abgekochtes Wasser statt destilliertem Wasser verwenden?
Nein! Durch einfaches Abkochen im Wasserkocher tötest du zwar Bakterien ab, aber der Kalk (die Mineralien) bleibt weiterhin im Wasser. Abgekochtes Wasser schützt dein Bügeleisen oder deinen Luftbefeuchter also nicht vor dem Verkalken.
Ist destilliertes Wasser steril?
Nur wenn es industriell unter Laborbedingungen abgefüllt wurde. Selbst hergestelltes Wasser aus dem Kochtopf ist zwar mineralfrei, aber nicht steril, da sich in der Luft und an den verwendeten Schüsseln immer Bakterien befinden, die sich im stehenden Wasser schnell wieder vermehren.
Warum schadet Kalk bestimmten Zimmerpflanzen?
Viele exotische Zimmerpflanzen, wie Orchideen, fleischfressende Pflanzen (Karnivoren) oder bestimmte Farne, stammen aus Regionen mit sehr weichem, mineralarmem Regenwasser. Gießt du sie dauerhaft mit hartem, kalkhaltigem Leitungswasser, verändert sich der pH-Wert der Erde. Die Pflanzen können dann keine Nährstoffe mehr aufnehmen und gehen ein.