Eine Fledermaus in der Wohnung ist erstmal ein Moment, in dem man kurz stehen bleibt. Flattert da gerade wirklich was durchs Zimmer? Ja. Passiert gar nicht so selten – vor allem im Sommer/Spätsommer, wenn Jungtiere auf Quartiersuche sind und sich verfliegen.
Das Wichtigste vorweg: Fledermäuse sind Wildtiere und streng geschützt. Sie dürfen nicht getötet, gefangen oder „aus Spaß“ eingesammelt werden – und auch ihre Quartiere stehen unter Schutz.[3] Gleichzeitig gilt: Nicht mit bloßen Händen anfassen. Das ist weniger „Panik“, eher normale Vorsicht: Fledermäuse können sich wehren, und wie bei allen Wildtieren gilt bei Biss/Kratzer medizinisch sauber reagieren.[5]
Erstmal die Lage: Fliegt sie rum oder sitzt sie irgendwo?
Im Alltag gibt es zwei typische Szenarien:
Nachts flattert eine Fledermaus durchs Zimmer. Dann ist sie meistens fit und sucht einfach den Ausgang.[1]
Tagsüber hängt sie offen an Wand/Vorhang oder liegt am Boden. Das ist eher ein Zeichen: Sie braucht Hilfe (erschöpft, verletzt, Jungtier, im Warmen „gelandet“).[1]
Wenn die Fledermaus nachts herumfliegt: So kommt sie meist von allein raus
In den meisten Fällen musst du nicht „fangen“, sondern nur die Bedingungen schaffen, damit sie den Ausgang findet. Das funktioniert besonders gut so:
- Innen-Türen schließen, damit sie nicht durch die ganze Wohnung zieht.
- Licht aus und wenn möglich Vorhänge zur Seite – Fledermäuse orientieren sich dann leichter Richtung „draußen“.
- Fenster weit öffnen (am besten das größte/naheliegendste) und kurz abwarten. Viele Tiere fliegen nach kurzer Zeit selbst heraus.[1]
- Haustiere kurz raus (Katze/Hund), damit niemand nach dem Tier schnappt.
Wenn sie nach ein paar Minuten weg ist, lohnt sich eine kurze Kontrolle: Sitzt sie vielleicht doch irgendwo in einer Ecke/Spalte? Manche hängen sich kurz zum „Zwischenparken“ hin, bevor sie weiterfliegen.
Wenn sie tagsüber sichtbar hängt oder am Boden liegt: Dann eher nicht einfach warten
Eine Fledermaus, die tagsüber offen hängt oder sogar am Boden liegt, ist oft geschwächt. Der NABU weist darauf hin, dass man in so einem Fall eher von einem hilfsbedürftigen Tier ausgehen sollte.[1] Dann ist „Fenster auf und hoffen“ nicht immer die beste Lösung – weil das Tier womöglich nicht (mehr) rauskommt.
So gehst du in dieser Situation möglichst sicher vor:
- Nicht mit bloßen Händen anfassen. Wenn du sie sichern musst, nimm dicke Handschuhe oder ein Handtuch.
- Tier sichern (nur wenn nötig): vorsichtig mit Handtuch aufnehmen und in einen Karton mit Luftlöchern setzen (keine riesigen Löcher, durch die sie wieder rauskrabbelt). Karton schließen, ruhig abstellen.
- Kontakt zu Fachleuten aufnehmen. Der NABU bietet ein Fledermaustelefon an und verweist bei verletzten Funden auf telefonische Hilfe: 030-284984-5000
Wichtig: Nicht „füttern und rumprobieren“. Das ist gut gemeint, geht aber bei Wildtieren schnell schief (falsches Futter, Stress, Verletzungsrisiko). Wenn du die Fledermaus sicher verstaut hast, ist das schon der entscheidende Schritt – der Rest gehört in geübte Hände.
Was du bitte nicht machst
Ein paar Dinge machen es für dich und fürs Tier unnötig riskant:
Diese Klassiker lässt du besser weg:
- Mit Besen, Handfeger oder ähnlichem „scheuchen“. Das verletzt das Tier schnell und stresst es massiv.
- Mit bloßen Händen greifen. Auch eine kleine Fledermaus kann kräftig zubeißen, wenn sie sich bedroht fühlt.
- „Ich setz sie einfach draußen irgendwo hin“, wenn sie tagsüber geschwächt wirkt. Wenn sie nicht flugfähig ist, bringt das oft nichts.
Gesundheit: Was ist mit Tollwut – und wann musst du reagieren?
In Deutschland gilt die klassische Tollwut bei Landtieren als stark zurückgedrängt, aber: Fledermäuse können Lyssaviren (Fledermaustollwut) tragen. Das ist selten im Alltag, aber relevant genug, dass Behörden und Fachstellen klar sagen: Kontakt über Biss/Kratzer ernst nehmen.[4][6]
Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt für Tollwut-Expositionen ein sehr klares Vorgehen: Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife reinigen und dann medizinisch abklären lassen (Postexpositionsprophylaxe ist zeitkritisch).[4]
Heißt konkret: Wenn du gebissen oder gekratzt wurdest (oder Speichel in eine offene Stelle/Auge/Mund kam), wäscht du sofort, desinfizierst wenn möglich – und kontaktierst ärztliche Hilfe bzw. das Gesundheitsamt. Nicht, weil „gleich etwas passiert“, sondern weil man hier sauber nach Schema vorgeht.[4]
Warum Fledermäuse manchmal in Wohnungen landen
Oft sind es unerfahrene Jungtiere, die auf Quartiersuche sind und sich verirren. Der NABU erklärt das als typischen Hintergrund, wenn Fledermäuse „plötzlich“ in Innenräumen auftauchen.[1] Dazu kommt: Fledermäuse nutzen Spalten, Hohlräume und geschützte Ecken – also genau die Strukturen, die es an Gebäuden nun mal gibt.
Wenn das bei dir häufiger passiert, lohnt sich später (nicht in der akuten Situation) ein Blick hintendran: Gibt es eine Stelle, durch die Tiere regelmäßig reinfinden? Dann ist es sinnvoll, sich mit lokaler Fledermausberatung abzustimmen, statt „einfach zuzudichten“. Quartiere sind geschützt, und wenn sich tatsächlich ein Quartier am Haus befindet, sollte man das fachlich begleiten lassen.[3]
Fazit
Eine Fledermaus in der Wohnung ist meistens kein „Notfall“, aber ein Moment für ruhiges, sinnvolles Handeln. Nachts: Licht aus, Fenster weit öffnen, Wohnung begrenzen – oft fliegt sie allein raus.[1] Tagsüber oder am Boden: eher sichern (mit Handschuh/Handtuch) und Hilfe holen.[2] Und bei Biss/Kratzer gilt: Wunde sofort waschen und medizinisch abklären lassen – das ist die saubere RKI-Linie.[4]
Quellen
- NABU – Tipps für den Umgang mit verirrten Fledermäusen (abgerufen am 29.01.2026)
- NABU – Fledermaustelefon & Kontakt bei dringenden Fragen (abgerufen am 29.01.2026)
- Bundesamt für Naturschutz (BfN) – Hinweis: heimische Fledermausarten sind streng geschützt (BNatSchG/FFH) (abgerufen am 29.01.2026)
- Robert Koch-Institut (RKI) – RKI-Ratgeber Tollwut (u. a. Wundreinigung und Vorgehen nach Exposition) (abgerufen am 29.01.2026)
- RKI – FAQ Tollwut (Prävention/PEP-Grundprinzip) (abgerufen am 29.01.2026)
- Bayerisches LGL – Tollwutnachweis bei Fledermaus (Monitoring, Hinweise zu Risiko/Schutz) (abgerufen am 29.01.2026)
FAQs zum Thema Fledermaus in der Wohnung
Was tun bei einer Fledermaus in der Wohnung, wenn sie nachts herumfliegt?
Licht aus, Innentüren schließen, Fenster weit öffnen und abwarten. Viele Fledermäuse finden so selbst wieder hinaus.[1]
Was bedeutet es, wenn eine Fledermaus tagsüber in der Wohnung hängt oder am Boden liegt?
Das ist häufig ein Hinweis auf ein geschwächtes oder hilfsbedürftiges Tier. In dem Fall eher sichern (mit Handschuh/Handtuch) und fachliche Hilfe kontaktieren.[1][2]
Darf man eine Fledermaus aus der Wohnung einfach entfernen oder fangen?
Fledermäuse sind streng geschützt. Ziel ist, sie möglichst stressarm wieder rauszulassen oder bei Schwäche/Verletzung an Fachstellen zu übergeben – nicht „einfach irgendwie“ zu handeln.[3]
Was ist zu tun, wenn eine Fledermaus gebissen oder gekratzt hat?
Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife reinigen und zeitnah medizinisch abklären lassen. Das RKI beschreibt dieses Vorgehen als zentral nach möglicher Tollwut-Exposition.[4]
Wen kann man bei einer gefundenen oder verletzten Fledermaus kontaktieren?
Der NABU bietet ein Fledermaustelefon bzw. Kontaktmöglichkeiten für dringende Fragen und Funde.[2]