Du bist in einem superwichtigen Meeting, bei einem Date oder in der mucksmäuschenstillen Bibliothek – und dann kribbelt es in der Nase. Den aufkommenden Nieser zu unterdrücken, fühlt sich manchmal wie eine olympische Disziplin an. Hier kommen die Tricks, die wirklich helfen.
Warum wir überhaupt niesen müssen – und was dabei im Körper passiert
Ein Nieser ist im Grunde die Notfall-Reinigung deiner Nase. Die Nasenschleimhaut, also die innere Auskleidung deiner Nase, ist super sensibel. Wie das Portal hno-aerzte-im-netz.de erklärt, ist sie mit feinen Flimmerhärchen ausgestattet, die Fremdkörper wie Staub, Pollen oder Viren abfangen.[1] Wird sie gereizt, sendet sie ein Alarmsignal ans Gehirn: „Hier muss aufgeräumt werden!“ Das Gehirn startet daraufhin den Niesreflex. Du atmest tief ein, der Druck in der Lunge baut sich auf und die Luft schießt mit bis zu 160 km/h aus Nase und Mund.
Das ist ein genialer Schutzmechanismus. Genau deshalb ist das Niesen zu unterdrücken auch so eine heikle Angelegenheit. Wenn du den Ausgang blockierst, wohin geht dann der ganze Druck? Im schlimmsten Fall nach innen. Ein im Fachmagazin BMJ Case Reports veröffentlichter Fall beschreibt einen Mann, der durch das Zuhalten von Mund und Nase beim Niesen einen Riss im Rachen erlitt.[2] Das ist zwar extrem selten, zeigt aber, welche Kräfte da am Werk sind. Du willst den Müll ja aus der Wohnung werfen und nicht ins Wohnzimmer pusten.
Die sanften Methoden: So wirst du den Niesreiz los
Okay, gewaltsames Blockieren ist also keine gute Idee. Aber es gibt ein paar smarte Tricks, mit denen du den Reflex austricksen kannst, bevor er überhaupt richtig loslegt. Mein erster Versuch, einen Nieser mit zugehaltener Nase zu stoppen, endete übrigens mit einem peinlichen Quieken und tränenden Augen. Sah super souverän aus, NOT. Inzwischen habe ich bessere Techniken drauf.
Hier sind ein paar Methoden, die bei mir oft funktionieren:
- Zunge an den Gaumen pressen: Drücke die Zungenspitze so fest du kannst direkt hinter deine oberen Schneidezähne an den Gaumen. Der Druck auf die Nerven dort kann das Nies-Signal an dein Gehirn unterbrechen. Funktioniert erstaunlich oft und ist absolut unauffällig.
- Auf die Oberlippe drücken: Nimm Zeigefinger und Daumen und drücke sanft, aber bestimmt auf den Bereich direkt unter deiner Nase, also auf die Oberlippe. Auch hier geht es darum, einen Nerv (den Trigeminusnerv) zu stimulieren und den Niesreiz quasi abzulenken.
- Sanft die Nasenflügel zusammendrücken: Anstatt die Nase komplett zuzuhalten, kannst du einfach für ein paar Sekunden sanft die Nasenflügel an die Nasenscheidewand drücken. Das reduziert die Reizung oft genug, um den Reflex zu stoppen, ohne gefährlichen Druck aufzubauen.
- Ein „Hmpf“-Geräusch machen: Atme durch den Mund aus und mache dabei ein summendes oder brummendes Geräusch. Das entspannt die Muskeln, die sich für den Nieser anspannen, und kann den Prozess stoppen.
Warum das wirkt? Bei all diesen Tricks geht es darum, dem Gehirn ein konkurrierendes Signal zu senden. Stell es dir wie einen Anruf auf einer besetzten Leitung vor – der Niesreiz kommt einfach nicht mehr durch.
Was du beim Niesen unterdrücken unbedingt vermeiden solltest
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen dem sanften Austricksen des Niesreizes und dem gewaltsamen Stoppen eines bereits anlaufenden Niesers. Der wichtigste Grundsatz lautet: Niemals Mund und Nase gleichzeitig verschließen! Das ist die Methode, die zu den im Internet kursierenden Horrorgeschichten führen kann. Der aufgebaute Luftdruck hat keinen Ausweg und kann im Körper Schaden anrichten, vom geplatzten Trommelfell bis hin zu Verletzungen im Rachenraum.
Auch das Luftanhalten und Pressen, sobald der Nieser schon im Anflug ist, ist keine gute Idee. Das erhöht den Druck im Kopf und in der Brust, was für den Kreislauf und die Blutgefäße in den Augen nicht ideal ist. Wenn du merkst, dass es zu spät ist und der Nieser kommt – lass ihn raus. Wirklich. Dein Körper weiß, was er tut.
Ist das Gerücht wahr, dass dein Herz beim Niesen stehen bleibt?
Kurze Antwort: Nein. Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Die Library of Congress, die US-Nationalbibliothek, hat das schön erklärt: Durch den starken Druckaufbau im Brustkorb während des Niesens verändert sich kurz der Blutfluss, was den Rhythmus deines Herzschlags leicht durcheinanderbringen kann.[4] Du spürst vielleicht eine kurze Pause und dann einen kräftigeren nächsten Schlag. Das fühlt sich eventuell an, als würde das Herz aussetzen, aber es hört nicht auf zu schlagen. Du kannst also beruhigt weiterhatschien.
Wenn schon niesen, dann aber mit Stil
Manchmal lässt sich der Nieser einfach nicht aufhalten. Und das ist auch gut so. Dann geht es nur noch darum, die Sache so hygienisch und dezent wie möglich über die Bühne zu bringen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat dazu klare Empfehlungen, die super einfach umzusetzen sind.[3]
Die goldene Regel ist die Nies-Etikette:
- Wende dich von anderen Menschen ab. Das ist das absolute Minimum an Höflichkeit und Respekt. Niemand möchte deine Aerosole im Gesicht haben.
- Niese in deine Armbeuge, nicht in die Hand. An die Hände fassen wir ständig – Türklinken, Tastaturen, das Gesicht. Krankheitserreger verbreiten sich so blitzschnell. Die Armbeuge ist da die viel sicherere Zone.
- Benutze ein Papiertaschentuch, wenn du eins griffbereit hast. Das ist die beste Methode. Das Tuch fängt alles auf und du kannst es danach sofort entsorgen. Wichtig: Nur einmal benutzen und dann weg damit.
Nach dem Niesen ist Händewaschen immer eine gute Idee, falls doch etwas auf die Hände gelangt ist.
Wann Niesen unterdrücken okay ist – und wann nicht
Ein aufkommendes Kribbeln sanft mit einem Zungendruck oder einem Griff an die Oberlippe zu besänftigen, ist im Alltag total in Ordnung. Das sind harmlose Tricks, um eine unpassende Situation zu retten. Du verhinderst den Reflex, bevor er überhaupt Fahrt aufnimmt.
Sobald der Nieser aber schon „abgefeuert“ wird und du nur noch den Ausgang blockierst, wird es kritisch. Der Druck muss irgendwohin, und dein Körper ist kein Hochsicherheitsventil. In solchen Momenten ist es immer die bessere Wahl, den Nieser kontrolliert und hygienisch rauszulassen. Ein kurzes „Entschuldigung“ danach ist charmanter als ein gequältes Gesicht und tränende Augen. Und definitiv besser als ein unfreiwilliger Besuch in der Notaufnahme.
Quellen
- Innere und äußere Nase (hno-aerzte-im-netz.de, abgerufen am 13.01.2026)
- Snap, crackle and pop: when sneezing leads to crackling in the neck (National Center for Biotechnology Information, abgerufen am 13.01.2026)
- Hygiene beim Husten und Niesen (infektionsschutz.de, abgerufen am 13.01.2026)
- Does your heart stop when you sneeze? (Library of Congress, abgerufen am 13.01.2026)
FAQs zum Thema Niesen unterdrücken
Warum muss ich manchmal niesen, wenn ich in helles Licht schaue?
Das ist ein Phänomen, das man „photischen Niesreflex“ nennt und etwa jeder Vierte hat. Dein Gehirn wird dabei quasi ausgetrickst: Der Sehnerv, der den starken Lichtreiz verarbeitet, liegt sehr nah am Trigeminusnerv, der für das Kribbeln in der Nase zuständig ist. Bei einer plötzlichen Überreizung durch Licht kann das Signal auf den Nasen-Nerv „überspringen“, woraufhin dein Gehirn fälschlicherweise denkt, die Nase müsse gereinigt werden – und einen Nieser auslöst.
Kann man wirklich mit offenen Augen niesen?
Nein, das ist praktisch unmöglich. Das Schließen der Augen ist ein unwillkürlicher Reflex, den du nicht bewusst steuern kannst. Dein Körper schützt deine Augen damit instinktiv vor dem hohen Druck, der beim Niesen entsteht, und vor den Keimen, die mit hoher Geschwindigkeit aus Nase und Mund geschleudert werden. Es ist also ein reiner Schutzmechanismus.
Wieso muss ich manchmal mehrmals hintereinander niesen?
Wenn du in Serie niest, bedeutet das meist, dass der erste Nieser seine Aufgabe nicht vollständig erledigt hat. Der Fremdkörper oder Reizstoff, wie zum Beispiel Pollen oder Staub, befindet sich immer noch in deiner Nase. Dein Körper startet deshalb einfach einen neuen Versuch – und das so oft, bis der Störenfried erfolgreich entfernt wurde und die Nasenschleimhaut nicht mehr gereizt ist.