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Burnout durch Social Media: wenn dauernd etwas von dir will

Du scrollst „nur kurz“ durch den Feed und fühlst dich hinterher leer, gereizt und innerlich überdreht? Burnout durch Social Media beschreibt genau diesen Zustand, in dem digitale Dauerreize dein Nervensystem auslaugen. Hier sortieren wir, was dahintersteckt – und was du konkret tun kannst.

Wenn du nach dem Scrollen ausgelaugt bist statt entspannt

Abends auf dem Sofa, Handy in der Hand, eigentlich wolltest du „nur eben schauen, was es Neues gibt“. Eine halbe Stunde später steigt ein Druck im Kopf auf, der Bauch ist unruhig und innerlich bist du gleichzeitig müde und aufgekratzt. Das ist ein typischer Moment, in dem dein Stresssystem von Social Media mehr gefordert wird als dir guttut.

Das Gemeine daran: Von außen sieht es nach Nichtstun aus. Du liegst, sitzt, vielleicht hängst du in der Bahn. Körperlich wirkst du passiv, innerlich laufen jedoch ständig kleine Bewertungen, Vergleiche und Mikro-Entscheidungen. Jeder neue Post, jede Story, jede Nachricht fordert kurz deine Aufmerksamkeit. Genau diese Summe an Mini-Reizen kann dich langfristig ausbrennen.

Studien zu exzessiver Social-Media-Nutzung zeigen, dass solche Muster mit erhöhter Erschöpfung, Schlafproblemen und depressiven Symptomen zusammenhängen, vor allem bei Jüngeren.[2] Für Burnout durch Social Media ist das eine wichtige Grundlage: nicht nur der Inhalt, sondern die Nutzungsart macht auf Dauer etwas mit deiner Psyche.

Burnout durch Social Media – wie es sich von normaler Müdigkeit unterscheidet

Natürlich bist du abends auch müde, wenn du einen vollen Arbeitstag hattest. Burnout durch Social Media ist allerdings mehr als „ein bisschen erschöpft nach viel Input“. Es beschreibt einen Zustand, in dem dich die digitale Welt emotional und kognitiv überfordert, selbst wenn du körperlich kaum aktiv bist.

Typisch ist, dass du dich nicht richtig erholt fühlst, obwohl du vermeintlich „entspannst“. Der Kopf bleibt voll, Gedanken drehen sich weiter um Posts, Konflikte in Chats oder Dinge, die du „auch noch machen“ müsstest. Einige Forscherinnen und Forscher beschreiben Social-Media-Burnout als Kombination aus emotionaler Erschöpfung, innerer Distanz und Zynismus gegenüber dem eigenen Online-Leben.[1]

Zur Einordnung hilft ein kleiner Vergleich, der sich an typischen Beschreibungen aus Studien und Leitlinien orientiert:[2][4]

Situation Wie es sich anfühlt Was dahinterstehen kann
Alltag müde, offline erholbar Du bist erschöpft, aber nach einem buch- oder handyfreien Abend fühlst du dich wieder stabil. Normale Erschöpfung nach Belastung, Schlafmangel oder viel Organisation.
Digitale Erschöpfung Nach Chat- und Feedsessions fühlst du dich leer, gereizt, gleichzeitig getrieben und schwer zur Ruhe zu bringen. Überstimulation durch permanente Erreichbarkeit und emotionale Themen, die nie „fertig“ sind.
Burnout durch Social Media Du hast regelmäßig das Gefühl, innerlich auszubrennen, meidest gleichzeitig Kontakte und greifst doch wieder zum Handy. Chronische Überforderung durch digitale Interaktion, oft plus andere Stressoren im Leben.

Wichtig ist: Burnout durch Social Media ist kein offizieller Diagnosebegriff wie eine Depression, aber er beschreibt ein Muster, das in Forschung und Leitlinien als problematische internetbezogene Nutzung wiederkehrt.[4] Er kann ein wichtiges Warnsignal dafür sein, dass sich etwas in deinem Alltag verschoben hat.

Wie Social Media dich systematisch auslaugt

Aus psychologischer Sicht ist es kein Zufall, dass Social Media anstrengend werden kann. Plattformen sind so gebaut, dass du immer wieder zurückkehrst. Das kann sich mit deinen inneren Themen verbinden und dich auf mehreren Ebenen gleichzeitig fordern.

Ein paar typische Mechanismen spielen dabei zusammen:

  • Viele Feeds setzen auf einen Strom aus neuen Reizen, der dein Gehirn ständig dazu bringt, schnelle Mini-Entscheidungen zu treffen: lesen, skippen, reagieren oder doch kommentieren.
  • Gleichzeitig bist du permanent mit Bildern und Geschichten konfrontiert, die sich für Vergleiche mit deinem eigenen Leben eignen – gerade in anstrengenden Phasen kann das deine Stimmung drücken.
  • Dazu kommen Chatgruppen, Kommentare und Reaktionen, durch die du das Gefühl bekommst, immer noch etwas beantworten oder erklären zu müssen, selbst spät am Abend oder direkt nach dem Aufwachen.

Die Folge ist häufig eine Mischung aus innerem Druck und Kontrollverlust: Du weißt, dass dir die Dauerbespielung nicht guttut, greifst aber trotzdem automatisch zum Gerät. In Studien wird das als problematisches oder suchtähnliches Nutzungsmuster beschrieben, das mit erhöhtem Stress, Schlafstörungen und Burnoutsymptomen einhergehen kann.[2][3]

Belohnungsschleifen, Vergleiche und „soziale Pflicht“

Neuropsychologisch betrachtet nutzt Social Media dein Belohnungssystem. Likes, Nachrichten und neue Inhalte geben deinem Gehirn regelmäßig kleine Dopaminschübe. Auf Dauer stumpft dieses System allerdings ab, sodass du immer häufiger zum Handy greifst, um denselben Effekt zu fühlen.[1]

Dazu kommen Rollenbilder und Erwartungen. Wer beruflich oder privat sichtbar sein will, hat schnell das Gefühl, ständig posten oder reagieren zu müssen. Viele Menschen berichten, dass sie aus Angst, etwas zu verpassen oder andere zu enttäuschen, deutlich länger online bleiben, als sie eigentlich möchten. In Kombination entsteht ein Klima, in dem Burnout durch Social Media fast logisch wirkt.

Warnsignale für Burnout durch Social Media

Niemand wacht auf und stellt fest: „Heute habe ich Burnout durch Social Media.“ Es sind eher viele kleine Signale, die sich summieren und auf die du achten kannst. Fachleute für internetbezogene Störungen beschreiben vor allem Muster, die sich um Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche und emotionale Belastung drehen.[4]

Typische Warnzeichen, die du ernst nehmen solltest:

  • Du nimmst dir wiederholt vor, „nur kurz“ zu schauen, und merkst später, dass deutlich mehr Zeit vergangen ist, als du eigentlich geplant hattest.
  • Dein Schlaf leidet, weil du abends im Bett noch am Handy bist oder nachts aufwachst und sofort Nachrichten oder Feeds checkst.
  • Nach Social-Media-Sessions fühlst du dich häufig gereizt, traurig oder innerlich leer, ohne genau zu wissen, warum.
  • Du vernachlässigst Hobbys, Treffen oder Erledigungen, weil das Scrollen sich kurzfristig leichter anfühlt als echte Kontakte oder Aufgaben.

Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, heißt das nicht automatisch, dass du eine Diagnose hast. Es zeigt jedoch, dass deine Nutzung beginnt, gegen deine eigenen Bedürfnisse zu arbeiten. Genau hier ist ein guter Moment, um gegenzusteuern oder dir Unterstützung zu holen.

Wann aus „ein bisschen viel“ ein echtes Problem wird

Ein zentraler Punkt aus aktuellen Leitlinien zu internetbezogenen Störungen: Nicht die Bildschirmzeit allein entscheidet, sondern die Rolle, die digitale Nutzung in deinem Leben spielt.[4] Wenn Social Media dazu führt, dass du Verpflichtungen vernachlässigst, Beziehungen belastest oder deine Gesundheit ignorierst, ist die Schwelle überschritten.

Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn du merkst, dass du ohne Social Media unruhig, gereizt oder fast körperlich nervös wirst und Erleichterung hauptsächlich dann spürst, wenn du wieder online gehst. Dann geht es nicht mehr um ein Hobby, sondern um eine Art Notfallregulation für Gefühle, die anderswo keinen Platz finden.

Kleiner Reality-Check: Wie sieht dein eigener Medienalltag aus?

Bevor du dein Handy in eine Schublade legst und den Account löschst, hilft ein ehrlicher Blick darauf, wie Social Media sich in deinen Alltag geschlichen hat. Viele Expertenteams empfehlen, Nutzung zunächst zu beobachten statt sofort drastisch zu begrenzen.[5]

Du kannst zum Beispiel ein paar Tage lang notieren, in welchen Situationen du besonders oft zum Handy greifst. Ist es im Bett, in Pausen, beim Kochen, im Büro, auf dem Spielplatz? So erkennst du, welche Bedürfnisse dahinterstehen. Oft geht es um kurze Flucht aus Langeweile, Überforderung oder einsamen Momenten – nicht um die App an sich.

Eine Sache, die bei mir selbst mal gründlich schiefgelaufen ist: Ich wollte „konsequent digital aufräumen“ und habe von heute auf morgen alle Apps runtergeworfen. Das hielt knapp drei Tage. Danach war ich wieder da, nur unreflektierter als vorher. Erst als ich angefangen habe, gezielt Benachrichtigungen zu reduzieren, Zeiten einzugrenzen und manche Kontakte auf andere Kanäle zu verlagern, hat sich die innere Anspannung wirklich geändert.

Mini-Check-in für deinen Feed

Wenn du das nächste Mal durch den Feed gehst, frag dich nach ein paar Minuten kurz: Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Ziehen sich Schultern oder Kiefer an, wird der Atem flacher, spürst du Druck im Bauch oder Kopf? Diese kurzen Check-ins helfen dir, überhaupt zu merken, wann Social Media dich eher hochdreht als entspannt.

Schutzfaktoren: So baust du dir einen digitalen Puffer

Burnout durch Social Media entsteht selten nur durch eine App, sondern durch die Mischung aus Plattformdesign und Lebenssituation. Du kannst nicht alles steuern, aber du kannst deine Umgebung so verändern, dass dein Nervensystem wieder mehr echte Pausen bekommt.[5]

Ein paar Hebel wirken besonders stark, wenn du sie konsequent, aber nicht perfektionistisch angehst:

Erstens hilft es, klare offline Zonen im Alltag einzubauen. Morgens die ersten 30 Minuten ohne Handy, eine feste handyfreie Mahlzeit, abends eine Stunde vor dem Schlafen mit Buch, Podcast oder einfach Stille – solche Fixpunkte geben deinem Kopf Orientierung.

Zweitens kannst du deine Feeds „entrümpeln“. Accounts, bei denen du dich nach dem Scrollen klein, neidisch oder ausgelaugt fühlst, sind Kandidaten für Stummschaltung. Auf Dauer sollte dein Feed eher inspirieren oder informieren, statt dich ständig in Alarmbereitschaft zu halten.

Alltagstaugliche Routinen statt toxischem Digital-Perfektionismus

Viele Ratgeber fordern radikalen Digital Detox. Für die meisten Menschen ist das weder realistisch noch nötig. Sinnvoller ist es, Social Media in eine Form zu bringen, die dein Leben unterstützt und nicht dominiert.

Du könntest zum Beispiel feste Slots definieren, in denen du bewusst Nachrichten beantwortest und scrollst, statt dauernd zwischendurch. Kombiniert mit dem Ausstellen von Push-Benachrichtigungen entsteht nach und nach der Effekt, dass nicht jede App deinen Tag strukturiert, sondern du selbst. Leitlinien zur Prävention internetbezogener Störungen betonen genau diese Mischung aus Struktur, Reflexion und Schutzzeiten.[4]

Was dir beim Runterkommen besonders hilft

Untersuchungen zu Bildschirmzeit zeigen immer wieder: Schlaf, Bewegung und echte Offline-Kontakte sind die stärksten Gegenspieler zu digitalem Dauerstress.[5] Wenn du bewusst dafür Platz machst, wird Social Media automatisch weniger zentral.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Burnout durch Social Media ist oft ein Symptom, kein alleinstehendes Problem. Wenn du merkst, dass du dich über längere Zeit erschöpft, innerlich leer oder hoffnungslos fühlst und ohne Handy kaum noch zur Ruhe kommst, ist das ein Warnzeichen.

Spätestens wenn du häufig weinst, kaum noch Freude empfindest, Schlaf massiv gestört ist oder du mit Suizidgedanken kämpfst, gehört das in professionelle Hände. Fachleute für Psychiatrie und Psychotherapie weisen darauf hin, dass digitale Überlastung Depressionen, Angststörungen oder bestehende Burnoutprozesse verstärken kann.[3][4]

Der erste Schritt kann klein sein: ein Gespräch mit Hausärztin oder Hausarzt, ein Termin in einer Beratungsstelle, die Kontaktaufnahme zu einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten. Es geht nicht darum, dass jemand dir das Handy verbietet, sondern darum, zusammen zu verstehen, was dein Nervensystem gerade überfordert.

Burnout durch Social Media bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen verschränkt sich digitale Erschöpfung oft mit Schule, Familie und Peergroup. Berichte von Organisationen wie der WHO zeigen, dass problematische Social-Media-Nutzung und psychische Belastungen bei Jugendlichen in Europa zunehmen.[3]

Gleichzeitig betonen Fachstellen in Deutschland, dass nicht jedes Kind mit viel Bildschirmzeit automatisch krank ist. Entscheidend ist, ob Medienkonsum Schlaf, Lernen, Bewegung und Beziehungen dauerhaft verdrängt und ob klare Absprachen zuhause fehlen.[5]

Wenn du Elternteil bist, hilft es oft mehr, das Gespräch über Inhalte, Gefühle und Gruppendruck zu suchen, statt nur über Minuten zu diskutieren. Kinder brauchen Erwachsene, die ihre digitale Welt ernst nehmen, ohne alles zu dramatisieren. Gleichzeitig dürfen klare Grenzen existieren, zum Beispiel handyfreie Zeiten am Abend oder beim Essen.

Fazit: Du musst nicht offline verschwinden, um ruhiger zu werden

Burnout durch Social Media ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf eine digitale Umgebung, die kaum Pausen kennt. Du darfst anerkennen, dass dich diese Welt erschöpfen kann, selbst wenn andere sie scheinbar mühelos wegstecken.

Wichtiger als radikale Schritte ist, dass du deinen Alltag so sortierst, dass dein Nervensystem wieder echte Erholungsfenster bekommt. Ein paar bewusste Entscheidungen zu Zeiten, Feeds und Benachrichtigungen können mehr verändern, als es auf den ersten Blick wirkt. Wenn du das Gefühl hast, dass du allein nicht weiterkommst, ist Unterstützung kein Luxus, sondern ein sehr vernünftiger Schritt in Richtung Stabilität.

Quellen

  1. Social media addiction and burnout: The mediating roles of envy and social media use anxiety (Liu et al., Current Psychology, 2020, abgerufen am 25.11.2025)
  2. The Impact of Social Media on the Mental Health of Adolescents and Young Adults: A Systematic Review (Cureus, 2023, abgerufen am 25.11.2025)
  3. Teens, screens and mental health (WHO Regional Office for Europe, 2024, abgerufen am 25.11.2025)
  4. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen (AWMF, 2025, abgerufen am 25.11.2025)
  5. Digitale Medien – Basisinformationen (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen / BZgA, 2024, abgerufen am 25.11.2025)

FAQs zum Thema Burnout durch Social Media

Ist Burnout durch Social Media eine anerkannte Krankheit?

Burnout durch Social Media ist kein offizieller Diagnosename wie Depression oder Angststörung. Fachleute sprechen eher von internetbezogenen Störungen oder problematischer Nutzung. Gemeint ist damit aber ein reales Muster aus Erschöpfung, innerer Distanz und Kontrollverlust rund um Social Media, das ernst genommen und behandelt werden sollte.

Hilft Digital Detox wirklich gegen Burnout durch Social Media?

Eine vorübergehende Auszeit kann kurzfristig entlasten, löst aber selten das grundlegende Muster. Nachhaltiger ist es, Nutzung zu beobachten, Auslöser zu verstehen und dann Strukturen zu verändern: feste offline Zeiten, weniger Benachrichtigungen, bewusst ausgewählte Feeds und im Zweifel professionelle Unterstützung, wenn starke psychische Belastungen dazukommen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich mich durch Social Media ausgebrannt fühle?

Erste Anlaufstellen sind Hausarztpraxis oder psychotherapeutische Sprechstunden, die es inzwischen in vielen Regionen gibt. Auch psychosoziale Beratungsstellen, Telefonseelsorge und Online-Beratungsangebote können unterstützen. Wenn Suizidgedanken oder schwere Krisen dazukommen, nutze bitte den psychiatrischen Notdienst oder den Notruf, statt allein zu bleiben.

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