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Jedes Zwicken eine Katastrophe? Strategien gegen die Angst, krank zu werden

Kurzfassung

  • Antike Schutzmechanismen laufen Amok und verwandeln kleine Symptome in große Sorgen.
  • Körper-Scanner-Modus: Intensive Selbstbeobachtung verstärkt Krankheitsängste.
  • Dr. Google befeuert Ängste; stattdessen Wartezeiten und vertrauenswürdige Quellen nutzen.
  • Sorgen-Ritual etabliert fixe Zeiten für Ängste und reduziert ständige Grübeleien.
  • Kommunikation über Angst: Emotionale Unterstützung suchen statt medizinische Bestätigung.
  • Profi-Hilfe einbeziehen, wenn Angst Alltag und Lebensfreude stark beeinträchtigt.

Jedes Zwicken eine Katastrophe? Die ständige Angst krank zu werden, kann den Alltag lähmen. Hier sind alltagstaugliche Strategien, die wirklich helfen, den inneren Alarm zu beruhigen.

Das leise Pochen und die laute Fantasie

Ich saß letztens auf meiner kleinen Terrasse, eine Tasse Tee in der Hand, und wollte einfach nur den Abend genießen. Die Vögel zwitscherten, alles war friedlich. Plötzlich spürte ich dieses seltsame, leise Pochen hinter dem linken Auge.

Nichts Wildes, eher ein Flackern. Und sofort ging es los. Das Kopfkino startete seinen Blockbuster: „Was ist das? Ein Aneurysma? Ein Tumor? Der Anfang vom Ende?“

Innerhalb von Sekunden war die Idylle weg, ersetzt durch ein kaltes Gefühl der Panik. Mein Puls raste, der Tee wurde kalt. Zehn Minuten später war das Pochen weg. Es war wahrscheinlich nur eine Verspannung vom vielen Bildschirm-Starren. Aber diese zehn Minuten waren die Hölle.

Und genau das ist der Kern des Problems: Es geht nicht um das Symptom, sondern um die Geschichte, die unser Kopf daraus macht. Eine Geschichte, die uns lähmt.

Warum die Angst krank zu werden uns so im Griff hat

Dieses Gefühl ist im Grunde ein uralter Schutzmechanismus, der Amok läuft. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren zu erkennen, um uns zu schützen. Ein Rascheln im Gebüsch? Könnte ein Säbelzahntiger sein – besser mal aufpassen. Ein seltsames Körpergefühl? Könnte eine Krankheit sein – besser mal hinhören.

Das Problem ist nur: In unserer modernen Welt gibt es selten Säbelzahntiger, aber unendlich viele kleine, harmlose Körperempfindungen.

Die Angst vor Krankheiten sorgt dafür, dass dein Gehirn den „Körper-Scanner“ auf maximale Empfindlichkeit stellt. Du nimmst Dinge wahr, die andere gar nicht bemerken. Jedes Grummeln, jedes Ziehen wird zum potenziellen Beweisstück für die befürchtete Katastrophe. Das ist anstrengend und zermürbend, aber es ist wichtig zu wissen: Dein Gehirn meint es eigentlich nur gut mit dir, es ist nur etwas übermotiviert.

In Modellen zur Gesundheitsangst wird genau dieses Zusammenspiel aus Fehlinterpretationen körperlicher Signale und wachsamem Monitoring beschrieben – inklusive der typischen Spirale aus Angst, noch mehr Körperscanner-Modus und weiterer Angst.[1][3]

Warum wirkt das Wissen darüber? Wenn du verstehst, dass es ein fehlgeleiteter Schutzinstinkt ist und keine prophetische Eingebung, nimmst du der Angst ihre mystische Macht. Du kannst sie als das sehen, was sie ist: ein überaktives Alarmsystem, dessen Batterien man mal prüfen sollte.

Der Körper-Scanner: Wenn du zur eigenen Detektivin wirst

Kennst du das? Du wachst morgens auf und der erste Gedanke ist: „Wie fühle ich mich heute?“ Du scannst deinen Körper von Kopf bis Fuß. Ist der Hals kratzig? Zwickt der Rücken? Ist da ein neuer Leberfleck?

Diese ständige Selbstbeobachtung, auch „Body Vigilance“ genannt, ist ein zentraler Teil der Krankheitsangst. Du suchst nach Beweisen für deine Sorgen – und wer sucht, der findet bekanntlich immer etwas.

Mein persönlicher Tiefpunkt war, als ich mal felsenfest davon überzeugt war, ein ernstes Magenproblem zu haben, weil ich ständig ein leichtes Ziehen auf der linken Seite spürte. Ich habe wochenlang darauf geachtet, gegoogelt, mich verrückt gemacht. Bis ich merkte, dass es der Gummibund einer neuen Jeans war, der einfach nur drückte.

Peinlich, aber auch eine wichtige Lektion: Mein Fokus hat aus einer banalen Ursache ein riesiges Drama gemacht. Genau diese „Safety-Seeking Behaviors“ – das ständige Überprüfen und Absichern – halten den Teufelskreis am Laufen.[1]

Raus aus der Google-Spirale: Dein digitaler Erste-Hilfe-Kasten

Dr. Google ist der schlimmste Feind bei der Angst krank zu werden. Eine Suche nach „Kopfschmerzen“ führt dich in drei Klicks zu den seltensten Hirntumoren. Das Internet kennt keinen Kontext und keine Wahrscheinlichkeiten; es spuckt nur Informationen aus, die deine schlimmsten Ängste bestätigen.

In der Forschung wird dieses Muster inzwischen als „Cyberchondrie“ beschrieben – je häufiger Betroffene Symptome googeln, desto stärker werden oft ihre Sorgen statt kleiner zu werden.[3]

Hier ist ein Plan, um diese Spirale zu durchbrechen:

  1. Erkenne den Impuls: Der erste Schritt ist, den Drang zum Googeln wahrzunehmen. Sag dir laut: „Ah, da ist er wieder, der Impuls, mich verrückt zu machen.“ Allein das bewusste Benennen schafft schon eine kleine Distanz.
  2. Setze eine Wartezeit: Gib dir selbst eine feste Wartezeit, bevor du googelst. Zum Beispiel 30 Minuten. Oft erledigt sich das Symptom oder der Drang in dieser Zeit von selbst. Du kannst die Zeit nutzen, um etwas völlig anderes zu tun – zum Beispiel eine Runde um den Block gehen oder die Spülmaschine ausräumen. Das unterbricht den Automatismus.
  3. Nutze nur vertrauenswürdige Quellen: Wenn du nach der Wartezeit immer noch suchen musst, dann gehe auf maximal eine oder zwei seriöse Seiten (z. B. die Webseite vom Bundesgesundheitsministerium oder einer großen Krankenkasse). Vermeide Foren und reißerische Gesundheitsportale. Setze dir ein Zeitlimit von 5 bis 10 Minuten.
  4. Beende die Suche mit einer Beruhigungstechnik: Schließe nach der Suche bewusst alle Tabs. Mache danach eine kurze Atemübung oder höre dein Lieblingslied. Das hilft deinem Nervensystem, wieder runterzukommen und nicht in der Anspannung zu verharren.

Dieser strukturierte Umgang nimmt der Google-Suche ihre Macht und gibt dir die Kontrolle zurück.

Feste Diagnose-Zeiten gegen die Angst krank zu werden

Ein radikaler, aber oft sehr wirksamer Ansatz ist das „Sorgen-Ritual“. Statt den ganzen Tag über bei jedem kleinen Zwicken zu grübeln, legst du dir eine feste Zeit fest – zum Beispiel jeden Tag um 18:00 Uhr für 15 Minuten.

In dieser Zeit darfst du dir ganz bewusst Sorgen machen, Symptome notieren und (wenn es sein muss) gezielt recherchieren. Der Deal ist aber: Außerhalb dieser Zeit schiebst du alle Sorgen-Gedanken konsequent auf. Wenn um 11 Uhr ein Gedanke kommt, sagst du ihm: „Danke für die Info, wir reden um 18 Uhr darüber.“

Warum wirkt das? Du zeigst deinem Gehirn, dass du der Chef bist und nicht die Angst. Es lernt, dass diese Gedanken nicht sofortige Aufmerksamkeit erfordern. Oft wirst du feststellen, dass bis zur Sorgen-Zeit viele der Ängste schon wieder verflogen sind.

Die 3-Fragen-Technik für akute Momente

Wenn ein Angstgedanke aufkommt, nimm dir einen Zettel oder öffne eine Notiz-App und beantworte kurz und ehrlich diese drei Fragen:

  1. Was ist die beängstigende Geschichte, die mein Kopf erzählt?
    (z. B. „Dieses Herzstolpern ist der Anfang eines Infarkts.“)
  2. Was ist eine andere, viel wahrscheinlichere Erklärung?
    (z. B. „Ich habe heute viel Kaffee getrunken und bin gestresst. Das ist wahrscheinlich nur eine harmlose Extrasystole.“)
  3. Was kann ich jetzt tun, das mir guttut, egal welche Erklärung stimmt?
    (z. B. „Ich mache jetzt eine 5-Minuten-Atemübung und trinke ein Glas Wasser.“)

Diese Technik holt dich aus der passiven Panik in eine aktive, lösungsorientierte Haltung. Du gibst der Angst eine realistische Alternative an die Hand.

Kopf-Klarheit schaffen: Gedanken sortieren

Der Versuch, Angstgedanken gewaltsam wegzudrücken, ist wie der Versuch, einen Wasserball unter Wasser zu halten. Es kostet enorme Kraft und irgendwann schießt er dir mit voller Wucht ins Gesicht. Eine bessere Strategie ist, die Gedanken zu beobachten, ohne dich mit ihnen zu identifizieren. Stell sie dir wie Wolken am Himmel vor: Sie kommen, ziehen vorbei und gehen wieder. Du bist der Himmel, nicht die Wolke.

Ein Notizbuch kann hier ein fantastischer Helfer sein. Schreib einfach alles auf, was dir durch den Kopf geht, ungefiltert und unzensiert. Oft verlieren die Gedanken ihre Macht, sobald sie auf dem Papier stehen. Sie sehen plötzlich viel kleiner und weniger bedrohlich aus – genau diesen Ansatz, Abstand zu den eigenen Krankheitsgedanken zu schaffen, greifen viele therapeutische Programme auf.[2][3]

Die „Was-wäre-wenn“-Frage umdrehen

Die Angst krank zu werden lebt von der Frage: „Was wäre, wenn … es etwas Schlimmes ist?“ Drehe diese Frage doch mal bewusst um. Frage dich stattdessen:

„Was wäre, wenn … es absolut gar nichts ist?“

Spiele dieses Szenario genauso detailliert in deinem Kopf durch. Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass dieses Ziehen im Rücken nur eine Verspannung ist? Du würdest wahrscheinlich aufstehen, dich strecken, vielleicht einen Spaziergang machen und deinen Tag normal weiterleben. Indem du diesem positiven Szenario Raum gibst, schaffst du ein Gegengewicht zur Katastrophen-Fantasie. Das Gehirn liebt Optionen – gib ihm eine, die sich besser anfühlt.

Dein Körper ist kein Feind: Neue Signale senden

Wenn du ständig Angst vor Krankheiten hast, beginnst du, deinen eigenen Körper als eine Art tickende Zeitbombe zu betrachten. Jedes Signal wird misstrauisch beäugt. Es ist an der Zeit, dieses Verhältnis wieder zu verbessern. Dein Körper kommuniziert ständig mit dir, aber du hörst nur die vermeintlichen Alarmsignale.

Lerne, auch die positiven Signale wieder wahrzunehmen: das wohlige Gefühl nach einer warmen Dusche, die Energie nach einem guten Essen, die angenehme Müdigkeit nach Bewegung. Ein Weg dahin ist, die Interpretation deiner Körpersignale bewusst zu hinterfragen.

Hier ist ein Beispiel, wie du deine Wahrnehmung trainieren kannst:

Alarm-Interpretation Realitäts-Check (Alternative) Konkrete Handlung
„Mein Herz rast, ich bekomme einen Anfall!“ „Ich bin die Treppe hochgerannt und habe Stress. Mein Herz arbeitet einfach nur.“ Ein paar Mal tief durchatmen und dem Puls Zeit geben, sich zu beruhigen.
„Ich bin so müde und schlapp, das muss eine schlimme Krankheit sein.“ „Ich habe die letzten Nächte schlecht geschlafen und viel gearbeitet. Mein Körper braucht Ruhe.“ Heute Abend eine Stunde früher ins Bett gehen.
„Dieses Kribbeln im Arm bedeutet sicher einen Schlaganfall.“ „Ich habe lange in der gleichen Position gesessen. Wahrscheinlich ist der Arm nur eingeschlafen.“ Arm bewegen, Position ändern und fünf Minuten warten.

Erdung im Alltag: Kleine Rituale

Wenn die Angst dich in den Kopf zieht und die Gedanken rasen, sind Erdungstechniken Gold wert. Sie holen dich zurück ins Hier und Jetzt und signalisieren deinem Nervensystem: „Alles ist sicher.“

Ein simples, aber extrem wirksames Ritual ist die 5-4-3-2-1-Methode. Nimm dir einen Moment Zeit und benenne laut oder in Gedanken:

  • 5 Dinge, die du sehen kannst (z. B. die Lampe, den Teppich, ein Bild).
  • 4 Dinge, die du fühlen kannst (z. B. den Stoff deiner Hose, die glatte Tischplatte, deine Füße auf dem Boden).
  • 3 Dinge, die du hören kannst (z. B. das Summen des Kühlschranks, den Verkehr draußen).
  • 2 Dinge, die du riechen kannst (z. B. den Kaffee, eine Duftkerze).
  • 1 Ding, das du schmecken kannst (z. B. der Rest deines Tees, ein Kaugummi).

Diese Übung zwingt dein Gehirn, aus dem Sorgen-Modus auszusteigen und sich auf die reale, sensorische Welt zu konzentrieren. Das beruhigt sofort.

Mit anderen reden: Wann es hilft und wann schadet

Über seine Sorgen zu sprechen, kann entlastend sein. Du merkst, dass du nicht allein bist, und bekommst vielleicht eine beruhigende Perspektive von außen. Aber es gibt eine feine Linie zwischen hilfreichem Austausch und schädlichem „Reassurance Seeking“, also dem ständigen Suchen nach Rückversicherung.

Wenn du deinen Partner zum zehnten Mal am Tag fragst: „Sieht das wirklich normal aus?“, dann fütterst du die Angst nur. Jede Beruhigung von außen wirkt nur kurzfristig und schwächt dein eigenes Vertrauen in deine Wahrnehmung. Du machst dich abhängig von der Bestätigung anderer, statt zu lernen, dich selbst zu beruhigen.

Das richtige Vokabular für deine Sorgen

Wenn du mit jemandem sprichst, versuche, das Gespräch bewusst zu lenken. Statt zu fragen: „Glaubst du, ich habe Krebs?“, könntest du sagen:

„Ich habe gerade wieder große Angst, krank zu sein. Können wir kurz über etwas anderes reden, um mich abzulenken?“

Oder:

„Ich weiß, es ist wahrscheinlich nichts, aber mein Kopfkino ist gerade sehr laut. Eine Umarmung würde mir helfen.“

Damit formulierst du klar, was du wirklich brauchst: nicht eine medizinische Ferndiagnose, sondern emotionalen Beistand und eine Unterbrechung der Gedankenspirale.

Professionelle Hilfe: Kein Tabu, sondern ein kluger Schritt

Manchmal reicht die Selbsthilfe nicht aus. Wenn die Angst krank zu werden deinen Alltag dominiert, deine Lebensfreude raubt und dich in deinen Aktivitäten einschränkt, ist es absolut richtig und stark, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt der Selbstfürsorge.

Besonders die kognitive Verhaltenstherapie (KVT oder englisch CBT) hat sich bei Krankheitsängsten als sehr wirksam erwiesen. In Studien zeigt sich, dass strukturierte Programme Symptome der Gesundheitsangst deutlich reduzieren können – auch dann, wenn sie komplett oder teilweise online stattfinden.[2][3] In der Therapie lernst du ganz gezielt, deine Denkmuster zu erkennen und zu verändern.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem du dir Hilfe suchen solltest?

  • Wenn die Sorgen mehrere Stunden am Tag einnehmen.
  • Wenn du wegen der Angst Termine absagst oder Hobbys aufgibst.
  • Wenn du extrem häufig Ärzte aufsuchst, ohne dass dich die Ergebnisse beruhigen.
  • Oder umgekehrt: Wenn du aus Angst vor einer Diagnose wichtige Arztbesuche vermeidest.
  • Wenn deine Beziehungen unter der ständigen Anspannung leiden.

Fazit: Der Weg zur Besserung

Der Umgang mit Krankheitsangst ist kein Sprint, sondern eher eine Wanderung. Es wird gute und schlechte Tage geben. Wichtig ist, geduldig mit dir zu sein. Jeder Moment, in dem du es schaffst, nicht zu googeln, einen Angstgedanken vorbeiziehen zu lassen oder dich auf etwas Schönes zu konzentrieren, ist ein kleiner Sieg.

Du lernst eine neue Sprache mit deinem Körper und deinem Geist. Und das braucht Zeit. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt, denn am Ende wartet nicht die Abwesenheit von Symptomen – die wird es nie geben –, sondern die Freiheit von der Angst vor ihnen. Und das ist ein unbezahlbares Stück Lebensqualität.

Quellen

  1. The Short Health Anxiety Inventory: Psychometric Properties and Construct Validity – grundlegende Skala zur Erfassung von Gesundheitsangst. (abgerufen am 08.12.2025)
  2. Internet-based cognitive-behavioural therapy for severe health anxiety – Studie zur Wirksamkeit von Online-KVT. (abgerufen am 08.12.2025)
  3. Überblicksarbeiten und Leitlinien zu Krankheitsangst, z. B. Salkovskis et al.: Severe health anxiety sowie die S3-Leitlinie „Funktionelle Körperbeschwerden“ der AWMF.

FAQs zum Thema Angst krank zu werden

Kann die Angst selbst körperliche Symptome auslösen?

Ja, absolut. Tatsächlich ist das ein Kern des Teufelskreises. Wenn du Angst hast, schüttet dein Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Diese lösen eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion aus, die ganz reale körperliche Symptome verursachen kann: Herzrasen, Schwindel, Magen-Darm-Probleme, Muskelverspannungen oder sogar Kribbelgefühle. Das Tückische ist, dass du genau diese harmlosen Angstsymptome dann als Beweis für die befürchtete Krankheit wertest, was die Angst und damit auch die Symptome weiter verstärkt.

Was tun, wenn sich meine Angst auf meine Kinder bezieht?

Diese Sorge ist besonders fordernd, weil dein natürlicher Beschützerinstinkt beteiligt ist. Zunächst ist es wichtig, deine elterliche Fürsorge von der übersteigerten Angst zu trennen. Ein hilfreicher Schritt kann sein, klare und realistische Regeln mit deinem Kinderarzt festzulegen (z.B. „Ich rufe erst an, wenn das Fieber über 39 Grad steigt“). Das schafft eine verlässliche äußere Leitplanke. Versuche außerdem, vor deinem Kind Gelassenheit auszustrahlen, um deine eigene Anspannung nicht auf dein Kind zu übertragen.

Ist die Angst vor Krankheiten vererbbar?

Meistens ist es eine Kombination aus Veranlagung und gelernten Mustern. Es kann eine genetische Veranlagung für eine erhöhte Ängstlichkeit geben, die dich sensibler auf Körperempfindungen reagieren lässt. Oft spielen aber erlernte Muster eine größere Rolle. Vielleicht bist du mit Eltern aufgewachsen, die selbst sehr krankheitsängstlich waren, oder du hast eine prägende Erfahrung mit einer schweren Krankheit im eigenen Umfeld gemacht. Auch gesellschaftliche Ereignisse, wie eine Pandemie, können solche Ängste verstärken. Zu verstehen, woher die Angst kommt, kann dir helfen, nachsichtiger mit dir selbst zu sein.

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